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  • Sophia Wurm, Vice President von SPDR ETFs, ©State Street Global Advisors

SPDR ETFs-Expertin Sophia Wurm: „2023 schauen wir auf eine wirtschaftliche Erholung“

2023-01-17T10:16:58+01:0028. Dezember 2022|

Hin­ter uns liegt ein her­aus­for­dern­des Jahr. Wir haben mit SPDR ETFs Vice Pre­si­dent Sophia Wurm dar­über gespro­chen, wie es 2023 an den Bör­sen wei­ter­geht und wie Anleger:innen sich in die­sem Umfeld posi­tio­nie­ren soll­ten. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Wie haben Sie das abgelaufene Börsenjahr erlebt? 

Sophia Wurm: Vola­til und her­aus­for­dernd. Schwie­rig war vor allem die hohe Kor­re­la­ti­on der bei­den gro­ßen Anla­ge­klas­sen Akti­en und Anlei­hen. Diver­si­fi­ka­ti­on hat sich dies­mal nur wenig aus­ge­zahlt (Roh­stof­fe und USD-Expo­sure). Ent­spre­chend haben sich die Investor:innen eher zurück­ge­hal­ten. Punk­ten konn­ten defen­si­ve Stra­te­gien wie unse­re Divi­den­den-Aris­to­kra­ten und klas­si­sche defen­si­ve, nicht kon­junk­tur­ab­hän­gi­ge Bran­chen wie Phar­ma und Ener­gie. 

Welche Themen dürften die Börsen 2023 beschäftigen? 

Infla­ti­on, Rezes­si­on und Noten­bank­po­li­tik soll­ten ins­be­son­de­re in den ers­ten Mona­ten wei­ter­hin die beherr­schen­den The­men sein. Im Jah­res­ver­lauf wird die Bör­se aber über die­se Effek­te hin­aus auf eine wirt­schaft­li­che Erho­lung schau­en. Außer­dem könn­te ein chi­ne­si­sche „Reope­ning“ nach Coro­na neue Per­spek­ti­ven eröff­nen und von Inves­to­ren auf­ge­grif­fen wer­den. Geo­po­li­tisch könn­te sich der Fokus unter sonst glei­chen Bedin­gun­gen weg von Russ­land hin zu Chi­na ver­schie­ben. 

Die Inflation lag zuletzt bei über zehn Prozent. Wo dürfte die weitere Reise hingehen? 

Die Infla­ti­on wird allei­ne basis­be­dingt sin­ken. In den USA deu­tet sich an, dass der Hoch­punkt der Infla­ti­on bereits über­schrit­ten ist, in Euro­pa erwar­ten wir das in den kom­men­den Mona­ten. Dar­über hin­aus wird auch die erwar­te­te Rezes­si­on in Euro­pa und den USA infla­ti­ons­däm­mend wir­ken. Wir erwar­ten aller­dings, dass die Infla­ti­on in Euro­pa nicht wie­der auf ein Niveau von unter zwei Pro­zent fällt in der nähe­ren Zukunft. 

Sind die Zinsanhebungen der Notenbanken ausreichend, um das Inflationsproblem in den Griff zu bekommen? 

In den USA zeich­nen sich ers­te Erfol­ge der Noten­bank ab. Euro­pa folgt zeit­ver­setzt. Die Schwel­len­län­der haben bereits vor zwei Jah­ren begon­nen die Infla­ti­on mit Zins­er­hö­hun­gen zu bekämp­fen und waren erfolg­reich. Des­we­gen ist davon aus­zu­ge­hen, dass die EZB an ihrem strik­ten Kurs fest­hält – zu Las­ten der Kon­junk­tur. 

Könnten die Notenbanken denn bereits einen moderateren Zinskurs fahren?  

In den USA deu­tet sich auf­grund des zuletzt gerin­ge­ren Preis­auf­triebs und der bereits deut­lich ange­ho­be­nen Zin­sen an, dass der Höchst­zins­satz bereits im Früh­jahr 2023 erreicht sein könn­te. Eine Zins­sen­kung erwar­ten wir in den USA aktu­ell nicht in 2023. Da die Infla­ti­on in der Euro­zo­ne bis­her wei­ter sehr hoch ist, wird die EZB ihr Ziel der Preis­sta­bi­li­tät erst­mal mit Nach­druck ver­fol­gen. Soll­te sich eine deut­li­che Abschwä­chung der Infla­ti­on über meh­re­re Mona­te hin­weg abzeich­nen, kann die EZB ihr Tem­po der Zins­er­hö­hun­gen redu­zie­ren. Vor­her nicht.  

Wie groß ist die Gefahr, dass die Notenbanken mit ihrem straffen Zinskurs eine Rezession auslösen oder verschärfen? 

Sowohl für die USA als auch für Euro­pa wird von den Marktteilnehmer:innen eine Rezes­si­on erwar­tet. Dies lässt sich an der inver­sen Zins­struk­tur­kur­ve erken­nen: Wäh­rend die Zin­sen am vor­de­ren Ende (wel­che die Noten­ban­ken beein­flus­sen kön­nen) wei­ter stei­gen, lie­gen die Zin­sen für län­ge­re Lauf­zei­ten deut­lich dar­un­ter. Eine zwei­jäh­ri­ge deut­sche Staats­an­lei­he ren­tiert aktu­ell bei ca. 2,4 Pro­zent, wäh­rend die für zehn Jah­re nur bei ca. 2,2 Pro­zent liegt. Die Fra­ge ist also nicht, ob die Rezes­si­on kommt, son­dern nur wie aus­ge­prägt sie sein wird und wie lan­ge sie anhält.  

Beim letzten Jahresausblick hatte noch niemand einen Krieg in der Ukraine auf dem Schirm. In diesem Zuge hat sich das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen massiv verschlechtert. Welche Entwicklungen erwarten Sie? 

Wei­te­re nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft und die Bör­se erwar­ten wir eigent­lich nur, wenn sich die geo­po­li­ti­sche Lage wei­ter zuspit­zen soll­te. Ein mög­li­cher Waf­fen­still­stand und/oder Frie­dens­ver­hand­lun­gen wären posi­ti­ve Ein­fluss­fak­to­ren. Geo­po­li­tisch zu beob­ach­ten, ist die Situa­ti­on in Chi­na. 

Apropos China: Wie steht es um die coronabedingten Lieferkettenschwierigkeiten und wie geht es im kommenden Jahr weiter? Lösen sich die Engpässe weiter auf? 

Die hängt im Wesent­li­chen von einer wirt­schaft­li­chen Wie­der­eröff­nung Chi­nas ab. Dar­über hin­aus arbei­ten euro­päi­sche Unter­neh­men dar­an, eini­ge Pro­duk­te auch (wie­der) lokal her­zu­stel­len. Hier soll­ten sich im Jah­res­ver­lauf die ers­ten Erfol­ge ein­stel­len. Gleich­zei­tig wird die Rezes­si­on dafür sor­gen, dass die Nach­fra­ge sinkt, so dass weni­ger von den knap­pen Gütern nach­ge­fragt wird. 

Die Energiepreise sind seit Beginn des Krieges in der Ukraine weiter kräftig gestiegen. Die Einschränkung russischer Erdgaslieferungen im Sommer 2022 hat die Energiekrise weiter verschärft und die bereits im Jahr 2021 erhöhte Inflation weiter angeheizt. Können wir 2023 auf Entspannung hoffen? 

Deutsch­land und Euro­pa arbei­ten dar­an, unab­hän­gi­ger von rus­si­schem Gas zu wer­den und auf ande­re bezie­hungs­wei­se wei­te­re Lie­fe­ran­ten zu set­zen und den Ener­gie­mix zu ver­än­dern. Zuletzt ist das Ers­te von 5 LNG-Ter­mi­nals in Deutsch­land an den Start gegan­gen. 

Wie sollten sich Anleger:innen in diesem Umfeld positionieren? 

Lang­fris­tig ori­en­tier­te Anleger:innen soll­ten das aktu­el­le Markt­um­feld und mög­li­che Rück­set­zer an der Bör­se nut­zen, um Posi­tio­nen am Akti­en­markt auf- und aus­zu­bau­en. Hier­bei eig­nen sich ins­be­son­de­re brei­te, gut diver­si­fi­zier­te Akti­en-ETFs, die zum Bei­spiel den MSCI ACWI abde­cken – die­ser umfasst glo­bal mehr als 2.890 Akti­en aus 23 Indus­trie­staa­ten und 24 Schwel­len­län­dern. Alter­na­tiv emp­feh­len wir Spar­plä­ne, wo in regel­mä­ßi­gen Abstän­den Geld inves­tiert wird.  

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