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    Privat absichern, ©tommaso79/iStock

Zwischen Studium und Beruf Teil 3: Wie privat absichern?

2022-02-25T13:56:15+01:0025. Februar 2022|

Wer denkt schon über sei­ne Absi­che­rung nach, wenn gera­de der Abschluss des Stu­di­ums ansteht? Doch Stu­die­ren­de kön­nen nicht früh genug klä­ren, wel­che pri­va­ten Ver­si­che­run­gen sie brau­chen und wo sie noch über Poli­cen ihrer Eltern geschützt sind. Denn Lücken im Schutz kön­nen teu­er wer­den.  

Von Gise­la Haberer

Ein „Must have“ nen­nen Ver­brau­cher­schüt­zer die pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Denn jeder Erwach­se­ne haf­tet für Schä­den, die er ver­ur­sacht. Und zwar mit dem gesam­ten Ver­mö­gen und – bis zur Pfän­dungs­gren­ze – auch mit dem Ein­kom­men, unter Umstän­den ein Leben lang. Pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen über­neh­men Schä­den bis zu gewähl­ten Deckungs­gren­zen und weh­ren unbe­rech­tig­te Ansprü­che ab. Um kei­ne Plei­te zu ris­kie­ren, haben Voll­jäh­ri­ge eigent­lich nichts Wich­ti­ge­res zu tun, als sich nach ihrem Schutz im Scha­dens­fall zu erkun­di­gen.    

Wie lange besteht Versicherungsschutz über Familientarife der Eltern?

Eltern schlie­ßen bei Sach­ver­si­che­run­gen meist Fami­li­ent­a­ri­fe ab, etwa für die pri­va­te Haft­pflicht- oder eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung. Für bei­de Poli­cen gel­ten ähn­li­che Rege­lun­gen. Voll­jäh­ri­ge Kin­der blei­ben bis zum Abschluss ihrer schu­li­schen und beruf­li­chen Erst- und Zweit­aus­bil­dung in der Fami­li­en­de­ckung, solan­ge sie nicht ver­hei­ra­tet sind – auch wenn sie nicht mehr bei den Eltern woh­nen. Aber: Nach einen Urteil des Bun­des­fi­nanz­ho­fes endet ein Hoch­schul­stu­di­um nicht mit der Exma­tri­ku­la­ti­on, son­dern bereits mit der schrift­li­chen Bekannt­ga­be sämt­li­cher Prü­fungs­er­geb­nis­se (Az: III R 40/19). Dafür genügt es, wenn die Abschluss­no­ten im Online­por­tal der Hoch­schu­le ste­hen und Stu­die­ren­de dort eine schrift­li­che Bestä­ti­gung abru­fen kön­nen.  

Man­che Ver­si­che­rer gewäh­ren zwar einen kur­zen Über­gangs­schutz von weni­gen Mona­ten. Dies ist aber nicht die Regel. Eltern oder Kin­der soll­ten also beim Ver­si­che­rer nach­fra­gen, wie lan­ge die Fami­li­en­de­ckung gilt und sich recht­zei­tig um ent­spre­chen­de Anschluss­ver­trä­ge küm­mern.  

Was passiert mit anderen privaten Policen, die Eltern für ihre Kinder abgeschlossen haben?

Eltern kön­nen für ihre Kin­der eine gan­ze Rei­he pri­va­ter Poli­cen abschlie­ßen, etwa eine Aus­lands­rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung, eine pri­va­te Unfall­ver­si­che­rung oder eine pri­va­te Ren­ten­ver­si­che­rung. Für eini­ge die­ser Poli­cen gibt es Kin­der­ta­ri­fe. Die­se müs­sen dann bereits zum 18. Geburts­tag ange­passt wer­den. Wol­len Eltern die Kos­ten für die­se Tari­fe nicht mehr über­neh­men, müs­sen sich voll­jäh­ri­ge Kin­der über­le­gen, ob sie die Ver­trä­ge selbst wei­ter­füh­ren wol­len oder kün­di­gen. Bei der Ent­schei­dung kann eine unab­hän­gi­ge Bera­tung hel­fen, beson­ders bei kom­ple­xe­ren Poli­cen wie einer Ren­ten­ver­si­che­rung. Adres­sen unab­hän­gi­ger Bera­ter vor Ort las­sen sich über den Bun­des­ver­band der Ver­si­che­rungs­be­ra­ter und den Bun­des­ver­band unab­hän­gi­ger Hono­rar­be­ra­ter fin­den.   

Welche weiteren privaten Versicherungen brauchen Berufsanfängerinnen – und ‑anfänger?

„Unbe­dingt abschlie­ßen“: lau­tet die Emp­feh­lung der Ver­brau­cher­schüt­zer zur Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung (BU). Denn sie sichert das größ­te Ver­mö­gen ab, das die meis­ten Men­schen haben: die eige­ne Arbeits­kraft. Wie wert­voll sie ist, ver­rät eine Bei­spiel­rech­nung. 2020 lag das durch­schnitt­li­che Brut­to­ein­kom­men bei 3975 Euro im Monat. Hoch­ge­rech­net auf 40 Berufs­jah­re wer­den damit 1,9 Mil­lio­nen Euro erwirt­schaf­tet. Fällt das Ein­kom­men weg, sinkt der Lebens­stan­dard rapi­de. Auf die gesetz­li­che Absi­che­rung kön­nen sich gera­de jun­ge Leu­te nicht ver­las­sen. Denn alle, die nach 1961 gebo­ren wur­den, bekom­men von der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung höchs­tens dann eine so genann­te Erwerbs­min­de­rungs­ren­te (EU), wenn sie über­haupt nichts mehr arbei­ten kön­nen. Solan­ge irgend­ei­ne Tätig­keit mehr als drei Stun­den pro Tag aus­ge­übt wer­den kann, fällt die EU-Ren­te noch nied­ri­ger aus als sonst schon.  

Bei einer pri­va­ten Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung (BU) wird bei Abschluss die Höhe der monat­li­chen Leis­tung selbst fest­ge­legt. Die­se fließt, sobald der eige­ne Beruf für län­ge­re Zeit nicht mehr aus­ge­übt wer­den kann. Län­ge­re Zeit bedeu­tet je nach Ver­si­che­rer sechs Mona­te oder län­ger. Unab­hän­gig davon, war­um der Beruf nicht mehr aus­ge­übt wer­den kann – ob wegen kör­per­li­cher oder psy­chi­scher Erkran­kung oder Unfalls – zahlt der Ver­si­che­rer, solan­ge der Ver­trag läuft.  

Eine schwe­re Erkran­kung oder ein Unfall kön­nen jeder­zeit ein­tre­ten. Daher: Je frü­her eine BU abge­schlos­sen wird, des­to bes­ser. Außer­dem ist die Gesund­heits­prü­fung in der Regel leich­ter zu bestehen als in höhe­rem Alter. Zudem sind die Bei­trä­ge bei früh­zei­ti­gem Abschluss deut­lich güns­ti­ger. 

Etli­che Ver­si­che­rer bie­ten BU-Poli­cen bereits für Stu­die­ren­de an. Im Leis­tungs­fall wird dann geprüft, ob das mit dem Stu­di­um ange­streb­te Berufs­ziel noch erreich­bar ist oder ob das aktu­el­le Stu­di­um noch fort­ge­setzt wer­den kann. Spä­ter las­sen sich die­se BU-Poli­cen dann an die tat­säch­li­che beruf­li­che Situa­ti­on anpas­sen. Auch bei einem Abschluss nach Antritt der ers­ten Stel­le ist dar­auf zu ach­ten, dass die Leis­tung jeder­zeit ans Gehalt anpass­bar ist.  

Bei BU-Poli­cen kommt es auf kleins­te Details an. Lai­en haben kaum eine Chan­ce, jedes zu beach­ten oder auch nur zu erken­nen. Daher ist vor Abschluss guter Rat jeden Cent wert: am bes­ten einem von einem unab­hän­gi­gen Ver­si­che­rungs­mak­ler oder ‑bera­ter. Die­se ver­tre­ten kei­nen Ver­si­che­rungs­kon­zern. Sie ken­nen dage­gen das gesam­te Markt­an­ge­bot und bera­ten, wel­che Poli­ce am bes­ten zum jewei­li­gen Bedarf passt. Ers­te Ori­en­tie­rung über Bei­trags­hö­hen vor und nach Ende des Stu­di­ums gibt ein Ver­si­che­rungs­ver­gleich 

Wel­che wei­te­ren pri­va­ten Poli­cen sinn­voll oder nötig sind, hängt davon ab, was man ist, hat oder unter­neh­men will. Der Bund der Ver­si­cher­ten bie­tet einen kos­ten­lo­sen Bedarfs-Check mit einem ent­spre­chen­den Fil­ter.    

Wei­te­re Tipps:  

„Zwi­schen Stu­di­um und Beruf Teil 1: Wovon leben?“ 

„Zwi­schen Stu­di­um und Beruf Teil 2: Wie kran­ken­ver­si­chern?“    

 

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