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  • Der Zinseszins. Zinsen auf Zinsen – ein einfaches Prinzip der Geldanlage, ©pikselstock - stock.adobe.com

Zinseszins: Wenn dein Geld für dich arbeitet

2022-08-04T12:28:18+02:004. August 2022|

Er ist so wirk­sam und wird doch von vie­len kom­plett unter­schätzt: Der Zin­ses­zins. Zin­sen auf Zin­sen – ein ein­fa­ches Prin­zip der Geld­an­la­ge. Und eines, das eine enor­me Kraft ent­fal­tet. Wich­tig ist der Fak­tor Zeit. 

Von Ant­je Erhard

Mit Geld wei­te­res Geld ver­die­nen – das ist das Prin­zip vom Zin­ses­zins. Denn er bedeu­tet Zin­sen auf Zin­sen zu erhal­ten. Das ist ein sehr ein­fa­ches Prin­zip: Wer Zin­sen und Divi­den­den aus sei­nen Invest­ments wei­ter anlegt, statt es sich aus­zah­len zu las­sen, bekommt zu den Zin­sen auf das inves­tier­te Kapi­tal auch Zin­sen auf wie­der ange­leg­tes Geld. Und zwar umso mehr, je län­ger die Lauf­zeit ist. Zin­sen auf Zin­sen – das hört sich viel­leicht nicht spek­ta­ku­lär an. Die meis­ten unter­schät­zen den Zin­ses­zins­ef­fekt enorm. Dabei kön­nen näm­lich sehr gro­ße Beträ­ge zusam­men­kom­men. Was du dafür brauchst? In ers­ter Linie Geduld. Aber die lohnt sich.

Zinseszins: In 20 Jahren rund 22.000 Euro Zinsen

Rech­nen wir das am bes­ten an ein­fa­chen Bei­spie­len durch. Neh­men wir an, du legst 10.000 Euro zu sechs Pro­zent Zin­sen pro Jahr an. Sechs Pro­zent sind ein durch­aus rea­lis­ti­scher Wert, wenn du die Anla­ge­mög­lich­kei­ten an den Finanz­märk­ten nutzt. Neh­men wir auch an, du inves­tierst nicht wei­ter, son­dern lässt das Geld unbe­rührt inves­tiert mit jähr­li­cher Ausschüttung.

Quel­le: Zin­ses­zins­rech­ner Finanzfluss

Die Zeit macht bei der lang­fris­ti­gen Geld­an­la­ge also sehr viel aus. Gehen wir einen Schritt wei­ter und über­le­gen uns, was aus dei­nem Geld wird, wenn du zu dei­nem Anfangs­ka­pi­tal von 10.000 Euro monat­lich 100 Euro oben­drauf legst. 

Quel­le: Zin­ses­zins­rech­ner Finanzfluss

Der Faktor Zeit macht so viel aus

Der Zeit­fak­tor ist neben den Zin­sen das Ent­schei­den­de. Denn das ange­leg­te Ver­mö­gen wächst expo­nen­ti­ell. Und weil eine Expo­nen­ti­al­kur­ve anfangs nur leicht ansteigt, hin­ten aber immer stei­ler nach oben strebt, wer­den die Ver­mö­gens­zu­wäch­se spä­ter um ein Viel­fa­ches grö­ßer. Das Pro­blem: Ein expo­nen­ti­el­les Wachs­tum kön­nen sich Men­schen nur sehr schwer vor­stel­len. Unser Gehirn denkt eher line­ar. Des­halb soll­ten wir immer dar­an den­ken: Je mehr Zeit wir haben und je höher der Zins ist, des­to grö­ßer ist der Zinseszinseffekt.

Wie nut­ze ich den Zin­ses­zins am bes­ten? Ein mög­lichst hoher Betrag, so lan­ge wie mög­lich ange­legt, zu mög­lichst hohen Zin­sen – dann pro­fi­tie­ren wir am stärks­ten vom Zin­ses­zins. Aber auch für den Bör­sen-Start mit wenig Start­ka­pi­tal ist der Zin­ses­zins durch­aus beachtenswert:

Über klei­ne­re Beträ­ge, zum Bei­spiel mit einem Spar­plan, lässt sich Zin­ses­zins­ef­fekt näm­lich eben­falls nutzen.

Regelmäßig 100 Euro anlegen – auch hier wirkt der Zinseszins

Blei­ben wir bei unse­ren sechs Pro­zent Ver­zin­sung pro Jahr und neh­men wir an, du inves­tierst pro Monat 100 Euro regel­mä­ßig in einen Spar­plan, ohne dass du anfangs eine grö­ße­re Start­sum­me investierst.

Über zehn Jah­re hast du dann 12.000 Euro ein­ge­zahlt, 100 Euro jeden Monat. Du erhältst 3.817 Euro Zin­sen und das End­ka­pi­tal steigt auf 15.817 Euro. Nach 20 Jah­ren kom­men bei 24.000 Euro Ein­zah­lun­gen etwa 21.143 Euro an Zin­sen zusam­men und damit ein End­ka­pi­tal von 44.132 Euro. Nach 30 Jah­ren sind aus monat­lich 100 Euro ins­ge­samt vor Steu­ern 58.870 Euro Zin­sen auf die ein­ge­zahl­ten 36.000 Euro zusam­men­ge­kom­men, und am Ende hät­test du 94.870 Euro. Von den Beträ­gen geht jeweils die Kapi­tal­ertrags­steu­er ab.

Quel­le: Zin­ses­zins­rech­ner Finanzfluss

Welche Anlageformen sind überhaupt geeignet?

Aller­dings kommt es auch auf die rich­ti­ge Ent­schei­dung für oder gegen eine Anla­ge­mög­lich­keit an: Spar­buch, Giro­kon­to, Fest­geld brin­gen ein­fach zu weni­ge Zin­sen, um Kapi­tal auf­zu­bau­en. Dar­an ändert auch die Zins­wen­de, die die EZB im Juli ein­ge­läu­tet hat, nichts, weil die Zin­sen nicht so schnell und nicht sehr stark stei­gen. Ver­mut­lich wer­den die Leit­zin­sen Ende nächs­ten Jah­res um etwa 2,5 Pro­zent in der Euro­zo­ne lie­gen. Die schwa­che Ver­zin­sung reißt auch der Zin­ses­zins-Effekt nicht raus. 

Akti­en, ETFs und Fonds sind eine gute Idee für Spar­plä­ne. Wich­tig zu wis­sen: So genann­te the­sau­rie­ren­de ETFs und Fonds legen die Erträ­ge immer wie­der an, wodurch der Zin­ses­zins-Effekt auto­ma­tisch greift. So genann­te aus­schüt­ten­de Papie­re zah­len Divi­den­den und Zin­sen dage­gen an uns Anleger:innen aus – ohne Zinseszinseffekt.

Hab-Acht-Punkte, die immer gelten an der Börse

Wie immer gel­ten bei einer Kapi­tal­an­la­ge an der Bör­se ein paar Hab-Acht-Punk­te, auf die ich nie genug hin­wei­sen kann. Das Wich­tigs­te im Überblick:

  • Eine Stra­te­gie ist das A und O. Was willst du mit dei­ner Geld­an­la­ge errei­chen, bis wann und wie viel Risi­ko hältst du dabei aus?
  • Sicher­heit, Ver­füg­bar­keit, Ren­ta­bi­li­tät – alles auf ein­mal gibt es an der Bör­se nicht. Du ent­schei­dest, was dir wich­tig ist und rich­test danach dei­ne Stra­te­gie aus.
  • Streu­ung – Das Geld auf meh­re­re Anla­ge­mög­lich­kei­ten zu ver­tei­len, ver­teilt auch die Risiken.
  • Hohe Kos­ten schmä­lern die Ren­di­te – vor allem lang­fris­tig sind Kos­ten daher ein wich­ti­ger Faktor.
  • Inves­tie­re nur in das, was du auch verstehst.
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