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  • Millionen Erwachsene und Kinder sind von Schluckstörungen betroffen, ©Andrey Popov - stock.adobe.com

Zahnmedizin und Kochkunst: Das Business mit weichen Lebensmitteln

2022-10-21T12:05:35+02:0019. Oktober 2022|

Die US-Zahn­ärz­tin Dr. Reva Bare­wal erfand Nah­rung für Men­schen, die nicht kau­en kön­nen. Ein pas­sen­des Unter­neh­men gibt es nun auch dazu. Wes­halb das nötig ist. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Die Zahn­ärz­tin Dr. Reva Bare­wal erzählt: „Als Kind muss­te ich mich weich ernäh­ren, weil ich ein Pro­blem mit dem Kie­fer­wachs­tum hat­te. Das Essen war zeit­wei­se läs­ti­ge Pflicht, schmerz­haft und schwie­rig. Schluck­stö­run­gen betref­fen Mil­lio­nen Erwach­se­ne und Kin­der. Die Aus­wahl wei­cher Lebens­mit­tel ist gering und die Fer­tig­ge­rich­te sind alle süß und fade. Ich wuss­te, dass ich mit mei­nem Hin­ter­grund und mei­ner Freu­de an Her­aus­for­de­run­gen hel­fen konn­te!“ So kam ihr die Idee. 

Bis zu 11,3 Prozent der Deutschen sind davon betroffen 

Zunächst gilt: Das Pro­blem scheint weit ver­brei­tet zu sein. Nach Anga­ben des „Gene­ral Coun­cil of Den­tists“ sind bei­spiels­wei­se in Spa­ni­en 29 Pro­zent der über 65-Jäh­ri­gen von Kau­pro­ble­men auf­grund des Zustands ihres Mun­des betrof­fen. In Deutsch­land fin­det sich zum The­ma und deren Ursa­chen: „Kau- und Schluck­stö­run­gen kön­nen durch viel­fäl­ti­ge Ursa­chen bedingt sein und als Sym­ptom ver­schie­de­ner Erkran­kun­gen auf­tre­ten. Sie sind daher nicht sel­ten“. So steht es im „DGE Pra­xis­wis­sen Kau- und Schluck­stö­run­gen in der Kli­nik“. Und wei­ter: „In der Bun­des­re­pu­blik lei­den etwa fünf Mil­lio­nen Men­schen an Schluck­stö­run­gen, die sich medi­zi­nisch kor­rekt Dys­pha­gie nennt.“ Je nach Alters­grup­pe sei­en 1,7 bis 11,3 Pro­zent der Bürger:innen betrof­fen.  

Zahl nimmt zu 

Und zuletzt auch noch: „Die Anzahl von Men­schen mit Kau- und Schluck­stö­run­gen steigt ste­tig an. Grün­de dafür sind der zuneh­men­de Anteil älte­rer Men­schen in der Gesell­schaft, aber auch die ver­bes­ser­te medi­zi­ni­sche Akut­ver­sor­gung.“ Es scheint also nötig, hier für das Wohl der Men­schen zu han­deln.  

Knuspern soll es 

Was sagt die Erfin­de­rin zur neu­en Nah­rung? „Ich woll­te dazu bei­tra­gen, das Ess­er­leb­nis für alle Men­schen mit Ess- und Schluck­be­schwer­den zu ver­bes­sern. Wir alle lie­ben knusp­ri­ge Lebens­mit­tel und seh­nen uns danach, wenn wir die­se Aus­wahl ver­lie­ren. Durch den Zusam­men­schluss von Exper­ten auf dem Gebiet der Schluck­stö­run­gen, der Ernäh­rung, der Medi­zin und der Lebens­mit­tel­wis­sen­schaft ist es uns gelun­gen, die Freu­de am Essen zu ret­ten, die bei einer wei­chen Ernäh­rung oft ver­lo­ren geht.“ 

Tipp von den Klienten 

Rück­blick: 2015 wird die Zahn­ärz­tin von ihren Pati­en­ten auf das The­ma Schluck­be­schwer­den auf­merk­sam und sie fragt sich: Wes­halb gibt der Markt hier kei­ne Hil­fe her? Denn von Schluck­stö­run­gen sind über 20 Mil­lio­nen Ame­ri­ka­ner betrof­fen. „Die Aus­wahl an wei­chen Lebens­mit­teln ist gering und Fer­tig­ge­rich­te sind alle süß und fade. Ich wuss­te, dass ich mit mei­nem Hin­ter­grund und mei­ner Freu­de an der Her­aus­for­de­rung hel­fen konn­te.“ 

Ein Novum 

Die als „Savorea­se The­ra­peu­tic Foods“ titu­lier­te Pro­dukt­rei­he ist die ers­te ihrer Art und bis­lang nur in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten erhält­lich. Die Zau­ber­zu­tat: Kicher­erb­sen, die Rede ist somit auch von Aquafa­ba. Der Stoff fand sich schon zu Zei­ten des Zwei­ten Welt­kriegs im Essen. Wie­der­ent­deckt wur­de er jedoch erst 2014 von einem fran­zö­si­schen Koch. Ihm fiel in sei­ner Küche auf, dass sich Boh­nen­was­ser auf­schla­gen lässt wie Eischnee. Und das macht jene Sub­stanz per­fekt für die Nah­rung von Bare­wal. Knusp­rig­keit ist jetzt somit mög­lich und Eier dafür nicht nötig, was die Kau­coo­kies vegan macht.   

Klingt gesund 

Ihre Fir­ma exis­tiert seit sie­ben Jah­ren, neue Pro­duk­te und fri­sche Geschmacks­rich­tun­gen sind ange­dacht oder bereits in der Pipe­line. Ins­ge­samt 19 Packungs­grö­ßen oder Pro­duk­te fin­den sich im Online-Shop. Ein Sam­ple für Ärz­te und Kran­ken­schwes­tern zum Test star­tet bei etwa sie­ben Euro, das teu­ers­te Paket kos­tet an die 50 Euro. Was heu­te mehr als wich­tig ist: Dar­in fin­den sich kei­ne GMOs, also gene­tisch modi­fi­zier­te Sub­stan­zen, kein Zusatz­zu­cker und kei­ne künst­li­chen Farb­stof­fe oder die beson­ders bös­ar­ti­gen Trans­fett­säu­ren. Deren Exis­tenz in unse­rer Nah­rung ist in Deutsch­land übri­gens nicht regle­men­tiert. Immer­hin, eine Leit­li­nie exis­tiert seit 2012 dazu.  

Barewal war als Kind selbst betroffen 

Zurück zur Erfin­de­rin: Sie stu­dier­te nicht nur Zahn­me­di­zin und lehr­te an der „Ore­gon Health and Sci­ence Uni­ver­si­ty“. Ihre Lei­den­schaft gilt „nicht nur der Zahn­me­di­zin und Men­schen mit kom­ple­xen Zahn­pro­ble­men“, son­dern auch der Koch­kunst. „Ich besuch­te die fran­zö­si­sche Koch­schu­le und wur­de Küchen­chef“, schreibt sie über sich. Revas bun­ter Lebens­lauf hilft nun Men­schen in deren Kau- und Schluck­not. 

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