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“Wir möchten Frauen in der Businesswelt stärken.”

2021-05-10T12:26:02+02:0010. Mai 2021|

In nur weni­gen Mona­ten haben die Freun­din­nen Amber Duett­mann und Valen­ti­na Har­ren­dorf ihr Busi­ness­mo­de-Label Si Beau gegrün­det und zum Erfolg geführt. Die Idee: funk­tio­na­le, gut aus­se­hen­de Klei­dung für Frau­en anbieten.

Von Jenif­fer Gontovos

Courage: Businessmode – was genau kann ich mir darunter vorstellen?

Amber: Si Beau rich­tet sich an Frau­en, die gut aus­se­hen­de Klei­dung für einen voll­be­schäf­tig­ten All­tag suchen. Ich habe vor­her in der Unter­neh­mens­be­ra­tung gear­bei­tet und fand es extrem schwie­rig, Kla­mot­ten zu fin­den, in denen ich mich wohl­ge­fühlt habe und die zugleich zu mei­ner Per­sön­lich­keit gepasst haben, ohne die­sen urty­pi­schen Män­ner-Busi­ness­look zu ver­kör­pern. Genau da haben Valen­ti­na und ich eine Markt­lü­cke gese­hen. Was unse­re Klei­dungs­stü­cke aus­macht: Sie sind funk­tio­nal, knit­tern nicht, man kann sie beim Rei­sen ein­fach in den Kof­fer packen. Und wenn sie aus der Wasch­ma­schi­ne kom­men, muss man die meis­ten Sachen auch nicht mehr bügeln. 

Eure Blazer kann man selbst waschen?

Amber: Bei unse­rem Love­lace-Bla­zer geht das wun­der­bar. Der De-Beau­voir-Bla­zer hat Schul­ter­pols­ter und soll­te nicht zu häu­fig gewa­schen wer­den. Aber bei­de Stof­fe sind wasch­bar. Der hohe Elast­an-Anteil sorgt dafür, dass die Stof­fe nicht stark knittern. 

Wie kam es dazu, dass ihr Businesspartnerinnen geworden seid?

Amber: Wir ken­nen uns schon seit der Kind­heit und haben bei­de in Mün­chen gear­bei­tet. Ich habe einen Busi­ness-Back­ground, Valen­ti­na hat das Hand­werk erlernt. Wir haben mal dar­über gespro­chen, uns selbst­stän­dig zu machen. Und da sich unse­re Kom­pe­ten­zen per­fekt ergän­zen, haben wir es gewagt. 

Valen­ti­na: Ich bin Maß­schnei­der­meis­te­rin und habe in Mün­chen mei­nen Meis­ter gemacht. Ich kann mich noch an die­ses Gespräch erin­nern. Zu der Zeit habe ich in einer Her­ren­schnei­de­rei Busi­ness­hem­den für Män­ner gefer­tigt, hat­te viel Kon­takt zu den Part­ne­rin­nen unse­rer Kun­den und wur­de sehr oft gefragt, ob wir nicht auch schö­ne Busi­ness­klei­dung für Frau­en anbie­ten. Das hat­ten wir in dem Laden nicht. Wir haben erkannt, dass es in die­sem Bereich Poten­zi­al gibt.

Was waren eure ersten Schritte zur Gründung?

Amber: Wir haben ziem­lich schnell gegrün­det. So haben wir sehr schnell eine digi­ta­le Fokus­grup­pe auf­ge­baut. Si Beau soll­te wirk­lich eine Nach­fra­ge erfül­len und nicht nur eine neue Fashion­mar­ke am Mode­him­mel wer­den. Die Fokus­grup­pe soll­te dabei hel­fen, wirk­lich die Bedürf­nis­se unse­rer poten­zi­el­len Kun­din­nen zu erfül­len. Durch monat­li­che Befra­gun­gen haben wir uns immer wei­ter ent­wi­ckelt: von den ers­ten Designs zur ers­ten Kol­lek­ti­on zur Mar­ke­ting­stra­te­gie und zur Go-to-Market-Strategie. 

Woher hattet ihr das Startkapital?

Amber: Wir haben klas­sisch Fund­rai­sing gemacht und nach Busi­ness Angels gesucht. Da muss­ten wir die Inves­to­ren über­zeu­gen. Wir machen ja kei­ne B2B-Soft­ware, son­dern haben ein Online-Fashionun­ter­neh­men. Wir muss­ten die Markt­lü­cke zei­gen, die wir bedie­nen woll­ten. Dank der Fokus­grup­pe konn­ten wir aber alles mit Daten unterlegen.

Valen­ti­na: Ein Vor­teil waren auch unse­re ver­schie­de­nen Fähig­kei­ten: die hand­werk­li­chen, pro­dukt­ori­en­tier­ten Skills von mir und die Busi­ness-Skills von Amber.

Wie kommt eure Businessmode an?

Amber: Wun­der­bar. Das moti­viert mich. Wir haben Post­kar­ten von Kun­din­nen bekom­men, dass sie genau so etwas gesucht und lan­ge dar­auf gewar­tet haben.

Valen­ti­na: Mich hat über­rascht, dass wir so vie­le unter­schied­li­che Alters­grup­pen anspre­chen. Mei­ne Mut­ter und ihre Freun­din­nen, aber auch mei­ne Freun­din­nen – alle haben etwas in unse­rer Kol­lek­ti­on gefun­den, selbst Per­so­nen, die nicht im Busi­ness­be­reich arbei­ten. Unser Prin­zip heißt ja „From Desk to Din­ner“: Du sollst dich so ele­gant und wohl füh­len, dass du nach der Arbeit noch ent­spannt zum Din­ner gehen kannst und dabei gut aussiehst. 

Gibt es einen bestimmten Dresscode bei Businessmode? 

Amber: Unser Ansatz lau­tet: Erlaubt ist, wor­in man sich wohl­fühlt. Aber wir haben natür­lich auf klas­si­sche Vor­ga­ben geach­tet, also zum Bei­spiel kei­ne Mini­rö­cke oder extre­me Ausschnitte.

Valen­ti­na: Im Vor­der­grund steht wirk­lich die Funk­tio­na­li­tät. Genau da konn­ten wir die Kun­din­nen auf Mes­sen oder in Gesprä­chen über­zeu­gen. Die möch­ten auch nicht eine Stun­de am Mor­gen bügeln.

Ihr produziert nachhaltig. Was heißt das?

Valen­ti­na: Wir haben uns die Pro­duk­tio­nen genau ange­schaut und wis­sen, dass vor Ort unter guten Bedin­gun­gen gear­bei­tet wird. Außer­dem wird unse­re gesam­te Kol­lek­ti­on mit Dead­stock Fab­rics pro­du­ziert, das sind Stof­fe, die bei gro­ßen Pro­duk­tio­nen übrig blei­ben. Und: Unse­re Klei­dungs­stü­cke haben ein zeit­lo­ses Design.

Amber: Wir sagen immer: „They are not your sum­mer romance, but your life com­pa­n­ion.“ Man kauft bei Si Beau nicht das Som­mer­top, son­dern den Bla­zer, der ein hal­bes Leben hält. 

Welche Mission verfolgt ihr mit Si Beau?

Amber: Wir möch­ten grund­sätz­lich Frau­en in der Busi­ness­welt stärken. 

Auf was seid ihr besonders stolz?

Amber: Dass wir den Kul­tur- und Krea­tiv­pi­lo­ten-Preis der Bun­des­re­gie­rung gewon­nen haben. Das war wie ein klei­ner Rit­ter­schlag direkt nach unse­rem Launch.

Wer hat euch am stärksten unterstützt?

Valen­ti­na: Am Anfang Freun­de und Fami­lie. Aber man darf die Inves­to­ren nicht ver­ges­sen. Und die ande­ren Grün­der, die wir ken­nen­ler­nen durften.

Amber: Ich wür­de noch die ehe­ma­li­gen Kol­le­gen nen­nen und das Lin­kedIn-Netz­werk. Wir sind qua­si über Fir­men an Kun­den ran­ge­kom­men. Unse­re Bekann­ten aus ande­ren Fir­men haben uns in ihre Ver­tei­ler gepackt und flei­ßig Wer­bung gemacht. Das war ein gro­ßer Katalysator. 

Welchen Rat hättet ihr euch aus heutiger Sicht vor zehn Jahren geben sollen?

Valen­ti­na: Es ist super­wich­tig, viel aus­zu­pro­bie­ren und Prak­ti­ka zu machen. 

Amber: Ich habe vor zehn Jah­ren viel zu streng gedacht. Dass das Leben eine bestimm­te Rich­tung haben muss. Dass es nur einen Weg zum Erfolg gibt. Jetzt wür­de ich mir raten, mei­nen Weg unab­hän­gig von der Gesell­schaft zu defi­nie­ren und mir mehr zuzutrauen. 

Was war euer größter Fehler bei der Unternehmensgründung?

Valen­ti­na: Ein prä­gnan­ter Feh­ler fällt mir nicht ein. Aller­dings haben wir uns kaum Zeit genom­men, Mei­len­stei­ne zu fei­ern. Beim Launch haben wir nicht mal mit einem Glas Pro­sec­co ange­sto­ßen. Wäh­rend man in Arbeit ver­sinkt, ver­gisst man, was man bereits geschafft hat.

Was habt ihr Entscheidendes gelernt?

Amber: So viel! Die Devi­se „ein­fach machen“ ist so wichtig.

Valen­ti­na: Vor allem soll­test du viel mit ande­ren über dei­ne Idee reden – aber du soll­test dir nicht alle Mei­nun­gen zu Her­zen neh­men. Wir hat­ten Gesprä­che, inde­nen unse­re Idee ober­fläch­lich abge­lehnt wur­de. Du musst ler­nen, dir aus den kri­ti­schen Äuße­run­gen die rich­ti­gen raus­zu­zie­hen und dich dabei nicht demo­ti­vie­ren zu las­sen, son­dern dei­ne Idee zu optimieren.

Drei Tipps für Gründerinnen

Was ratet ihr jungen Gründerinnen für den Start?

Feed­back ist Gold wert. So schnell wie mög­lich die eige­ne Geschäfts­idee tes­ten. Nichts muss von Anfang an per­fekt sein. Man wächst in alles hin­ein. Sachen, die vor einem Monat noch uner­reich­bar waren, sind bald schon nor­mal. Also: Immer an die eige­nen Fähig­kei­ten glauben!

Was treibt euer junges Unternehmen an?

Uns treibt das Kun­den­feed­back sehr an, auch die Medi­en­be­richt­erstat­tung über Si Beau. Das ist eine ande­re Art von Vali­die­rung, die toll ist. Das Inter­es­se ist ja nicht selbstverständlich.

Wie gestaltet ihr die Zukunft eures Start-ups?

Wir möch­ten wei­ter­wach­sen und mehr Kun­din­nen errei­chen. Die kom­men­den Kol­lek­tio­nen sol­len sich noch mehr auf den Bereich Power Casu­al fokus­sie­ren. Die Klei­dung soll noch gemüt­li­cher und funk­tio­na­ler werden.

Noch mehr Infos für dich

Was sind eigentlich Fonds?

Kalbs­fonds, Hüh­ner­fonds, Fisch­fonds – gute Grund­la­gen für eine lecke­re Sup­pe oder Soße. Ähn­lich ver­hält es sich mit den Namens­vet­tern: den Fonds zur Geld­an­la­ge. Wie bei Fonds zum Kochen ent­schei­den auch bei Fonds zur Kapi­tal­an­la­ge, den soge­nann­ten Invest­ment­fonds, die Zuta­ten über die jewei­li­ge Aus­rich­tung: Kund:innen kön­nen den pas­sen­den Fonds ganz nach eige­nem „Geschmack“ wählen.

Wie du Gehaltsverhandlungen erfolgreich meisterst

Bei Gehalts- und Hono­rar­ver­hand­lun­gen sind Frau­en oft unsi­cher und ver­kau­fen sich unter Wert. Was kön­nen sie tun, um selbst­be­wuss­ter zu wer­den und ihre Erfolgs­chan­cen zu stei­gern? Wir geben Tipps für Fest­an­ge­stell­te und Selbstständige.

7 Tipps zur Selbstführung im Homeoffice

Mil­lio­nen von Deut­schen arbei­ten aktu­ell im Home­of­fice – für vie­le sehr unge­wohnt: Es feh­len gere­gel­te Tages­ab­läu­fe, Kol­le­gen, Vor­ge­setz­te und oft auch ein­fach die Dis­zi­plin, zu Hau­se genau­so pro­duk­tiv zu arbei­ten wie im Büro. Eine gute Orga­ni­sa­ti­on, aber vor allem die Fähig­keit zur Selbst­füh­rung sind dar­um um so wich­ti­ger, hier einen guten Job zu machen.

Personal Branding — Was verbirgt sich dahinter?

Mit etwas Geduld, einer lang­fris­ti­gen Stra­te­gie und den eige­nen Stär­ken kann Per­so­nal Bran­ding zu neu­en Auf­trä­gen, Pro­jek­ten oder Posi­tio­nen ver­hel­fen. Das Ziel ist es, sich in den Köp­fen der Men­schen für sein The­ma und sei­ne Fähig­keit zu ver­an­kern — ohne sich dabei auf­dring­lich zu ver­kau­fen. Ver­kau­fen lässt sich in die­sem Fall das eige­ne Image, die Leis­tun­gen und die Exper­ti­se, die sich im opti­ma­len Fall ganz orga­nisch verbreiten.

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