• Eine wichtige Frage bei Gehaltsverhandlungen: Wie hoch ist eigentlich mein Marktwert? Foto: Gpoint Studio/iStock

Wie ich meinen Marktwert bestimme

2021-05-10T10:04:53+02:0010. Januar 2020|

Spä­tes­tens dann, wenn wir in einem Stel­len­an­ge­bot „bit­te rich­ten Sie Ihre Bewer­bungs­un­ter­la­gen unter Anga­be Ihrer Gehalts­vor­stel­lung an XYZ“ lesen, fra­gen wir uns, wie wir unse­ren Markt­wert bestim­men und wie wir dar­aus unse­re Gehalts­vor­stel­lung ablei­ten können.

Gast­bei­trag von Sus­an J. Moldenhauer

Egal, ob als Berufs­ein­stei­ge­rin, Berufs­er­fah­re­ne, Berufs­rück­keh­re­rin oder wann immer wir uns beruf­lich ver­än­dern möch­ten: Immer dann, wenn wir unser Gehalt bzw. den Preis für unse­re Leis­tung ver­han­deln müs­sen, geht es im Vor­feld dar­um, den  eige­nen Markt­wert fest­zu­le­gen, sprich: eine Stand­ort- und damit Wert­be­stim­mung durch­zu­füh­ren. Wir müs­sen wis­sen, wo wir ste­hen, was wir wol­len und was wir dafür ver­lan­gen kön­nen. Hier­bei betrach­ten wir unse­ren bis­her zurück­ge­leg­ten Bil­dungs- und Berufs­weg inklu­si­ve aller uns aus­ma­chen­den Eigen­schaf­ten, Talen­te und Skills. Dann füh­ren wir eine Gehalts­re­cher­che unter Ein­be­zie­hung mög­lichst vie­ler Quel­len durch. Wir stim­men das Ergeb­nis mit unse­rer indi­vi­du­el­len Aus­gangs­la­ge ab und lei­ten dar­aus unse­re Gehalts­zie­le ab. Übri­gens las­sen sich auch bei tarif­ge­bun­de­nen Arbeits­ver­trä­gen die Ein­grup­pie­rung in Ent­gelt­grup­pen und über­ta­rif­li­che Zusa­gen in bestimm­ten Fäl­len verhandeln.

Unseren Marktwert bestimmen

Um her­aus­zu­fin­den, wie genau unser „Markt­wert“ zu bestim­men ist, soll­ten wir uns genau­er mit unse­rem Wer­de­gang aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Wir ver­fü­gen übri­gens auch als Berufs­ein­stei­ge­rin­nen über ent­spre­chen­de Erfah­rungs­wer­te (zB. Neben­jobs, Enga­ge­ments in Ver­eins­hei­men, im Ehren­amt, in Sport­clubs, etc.), aus denen wir Nütz­li­ches für den (spä­te­ren) Job mitbringen.

Dazu gehört:

  • unse­re Aus­bil­dung, Stu­di­um, Qualifikation
  • unser Hard- und Softskillset
  • unse­re Erfah­run­gen (und das kön­nen auch Erfah­run­gen als Ehren­amt­li­che, Im Ver­eins­heim, im Sport­club, zB. als Trai­ne­rin oder ande­re Jobs im Bereich der Orga­ni­sa­ti­on, im Ver­kauf, etc. sein)
  • unse­re Kernkompetenzen
  • unse­re Werte
  • unse­re Bedürfnisse
  • unse­re Bereit­schaft, die berühm­te „Extra­mei­le“ zu gehen

Vergleichsgehälter recherchieren, um den Marktwert zu bestimmen

Dazu gibt es eini­ge gute Platt­for­men im Netz oder Off­line, die wir nut­zen kön­nen. Hier­zu ein­fach die Such­ma­schi­nen nach Begrif­fen, wie „Gehalts­ver­gleich“ oder „Gehalts­sta­tis­tik“ oder ähn­li­ches durch­fors­ten. Um mal ein paar Bei­spie­le zu nennen:

  • glassdoor.de
  • arbeitsagentur.de
  • job­platt­for­men
  • Wirt­schafts­zei­tun­gen
  • Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt (destatis.de) ermit­telt jähr­lich nicht nur den „offi­zi­el­len“ Gen­der Pay Gap, son­dern erstellt auch eine umfang­rei­che Sta­tis­tik, die nach Bun­des­län­dern, dem Berufs­sta­tus und vie­len ande­ren Para­me­tern auf­be­rei­tet ist
  • Kar­rie­re­be­ra­ter, Personaldienstleister
  • Gewerk­schaf­ten (hier hilft meist eine Mit­glied­schaft, um genaue­re Aus­künf­te zu erhalten)
  • Kar­rie­re­mes­sen
  • Pri­va­ter Aus­tausch mit (ehe­ma­li­gen) Kol­le­gin­nen; Freun­den und Bekannten
  • Reden, reden, fra­gen: das Tabu Geld und Gehalt kön­nen wir selbst bre­chen, indem wir damit anfangen!

Marktwert ist abhängig von Branche, Standort und Unternehmensgröße

Wenn wir unse­ren Markt­wert bestim­men wol­len, müs­sen wei­te­re Punk­te, wie die Bran­che, der Stand­ort und die Grö­ße des Unter­neh­mens berück­sich­tigt wer­den. So fällt das Gehalt als „Key Account Mana­ger“ in der Phar­ma­bran­che und Soft­ware­indus­trie wesent­lich höher aus als im Bereich Hotel und Gas­tro­no­mie oder der Werbewirtschaft.

Die Gehäl­ter, die in grö­ße­ren Unter­neh­men, zum Bei­spiel inter­na­tio­nal auf­ge­stell­ten Kon­zer­nen, erzielt wer­den kön­nen, sind deut­lich höher als in klei­ne­ren und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men oder Start-Ups. Auch die Fra­ge, ob das Unter­neh­men in einem Bal­lungs­ge­biet, im Nor­den oder Süden Deutsch­lands oder im länd­li­chen Raum ange­sie­delt ist, wirkt sich auf das Gehalt aus.

Die eigene Haltung zu Geld und Gehalt

Um den eige­nen Markt­wert zu bestim­men ist es wich­tig, zu inter­fra­gen, wie wir zum The­ma „Gehalt“, und dahin­ter, zu „Geld“ ste­hen. Wir kön­nen in uns hin­ein­hö­ren und uns an unse­re ers­ten Erfah­run­gen mit Geld erin­nern. Dazu haben wir viel­leicht Sät­ze wie „Geld ist nicht so wich­tig“, „Es geht nicht nur ums Geld!“ oder „…sei flei­ßig, sei artig und sei nicht zu for­dernd!“ im Kopf, die sich zu fes­ten Glau­bens­sät­zen mani­fes­tiert haben und uns unser gesam­tes (Berufs-)Leben lang beglei­ten, sofern wir die­se nicht auf­lö­sen. Wenn wir eine schlech­te Ersterfah­rung, und dadurch bedingt, einen nega­ti­ven Glau­bens­satz zu Geld im Kopf haben, wie wol­len wir dann über­zeu­gend in der Gehalts­ver­hand­lung über Geld und Gehalt sprechen?

Haben wir zu allen Punk­ten recher­chiert, ist ent­schei­dend, die pas­sen­de Stra­te­gie für die anste­hen­de Ver­hand­lung zu ent­wi­ckeln. Hier­zu gehört, sich ein Maxi­mal- und Mini­mal­ziel zu set­zen und am bes­ten noch einen Alter­na­tiv­wert, der zB. auch Bene­fits, wie geld­wer­te Vor­tei­le oder Gra­ti­fi­ka­tio­nen berücksichtigt.

Die eige­nen Leis­tun­gen und Qua­li­fi­ka­tio­nen soll­ten ins rech­te Licht gerückt wer­den und gemäß Posi­ti­on und Auf­ga­be im Unter­neh­men soll­te der Mehr­wert, den wir in das Unter­neh­men ein­brin­gen, also das gewis­se „Extra“, die Visi­on, die wir in unse­rem Wir­kungs­be­reich ver­fol­gen, unser Maxi­mal­ziel argu­men­ta­tiv gut untermauern.

Konkrete Gehaltsangaben in der Bewerbung

Die Fra­ge, ob die Nen­nung einer kon­kre­ten Zahl als Gehalts­vor­stel­lung ins Anschrei­ben gehört und somit der Auf­for­de­rung aus der Stel­len­an­zei­ge zu fol­gen ist, ist unter Rat­ge­bern, Per­so­na­lern und Kar­rie­re­be­ra­tern umstrit­ten. Um nicht den Ein­druck zu erwe­cken, man habe die­ses Detail in der Stel­len­aus­schrei­bung über­se­hen, kann zum Bei­spiel dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, die­sen Punkt ger­ne im per­sön­li­chen Gespräch klä­ren zu wollen.

Ob dies zur eige­nen Stra­te­gie passt, kommt auf vie­le ver­schie­de­ne Fak­to­ren an, auf die Unter­neh­mens­kul­tur genau­so wie auf den Weg, über den die Bewer­bung über­mit­telt wird und nicht zuletzt auf die eige­ne Per­sön­lich­keit und den Mut, hier auch mal bewusst einen ande­ren Weg zu gehen und sich dadurch von ande­ren Mit­be­wer­be­rin­nen abzugrenzen.

Wer Schwie­rig­kei­ten hat, wel­cher Weg der rich­ti­ge ist und vor allem, wie die eige­nen Gehalts­zie­le kon­kret abzu­lei­ten sind und wie eine tra­gen­de Gesprächs­stra­te­gie gemäß der eige­nen Situa­ti­on ent­wi­ckelt wird, soll­te in eine gute und indi­vi­du­el­le Kar­rie­re­be­ra­tung investieren.

In der Serie „Gehalts­ver­hand­lun­gen“ möch­te ich euch Schritt für Schritt die The­men näher brin­gen, die ich auch in mei­nen Coa­chings behand­le. Ihr dürft gespannt sein.

Den ers­ten Teil der Gehalts­se­rie mit Sus­an J. Mol­den­hau­er fin­det ihr hier.

Den drit­ten Teil der Gehalts­se­rie mit Sus­an J. Mol­den­hau­er fin­det ihr hier.

Den vier­ten Teil der Gehalts­se­rie mit Sus­an J. Mol­den­hau­er fin­det ihr hier.

Über die Autorin:

Sus­an J. Mol­den­hau­er ver­fügt über mehr als 20 Jah­re Erfah­rung in der Finanz­bran­che mit dem Fokus auf ganz­heit­li­che, unab­hän­gi­ge Bera­tung. Durch das Aus­bil­den, Schu­len und Füh­ren von Mit­ar­bei­tern ent­deck­te sie ihre star­ke Affi­ni­tät zum Coaching.

Als zer­ti­fi­zier­te Kar­rie­re­be­ra­te­rin und Coach unter­stützt sie im Team der STRATEGY PIRATES® GmbH & Co. KG Men­schen im Berufs­le­ben. Bei den geldfreundinnen.de ist sie mit der Rubrik „Kar­rie­re- und Gehalts­coa­ching“ ver­tre­ten. Sie bie­tet Work­shops, Vor­trä­ge und Ein­zel­coa­chings an.

Als Frau, die sich in einer män­ner­do­mi­nier­ten Bran­che ihre Spo­ren ver­die­nen muss­te, ist ihr Her­zens­the­ma, Frau­en zu moti­vie­ren, mit mehr Mut, Selbst­be­wusst­sein und dem Erken­nen ihres „Selbst-Wer­tes“ ihren Weg erfolg­reich zu gehen.

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