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Wege zum Wunschkind: für alle, die nicht „hetero“ sind

2021-09-27T08:55:56+02:0025. September 2021|

Für Paa­re, die nicht hete­ro­se­xu­ell sind, gibt es bereits eine Rei­he von Mög­lich­kei­ten, Eltern zu wer­den. Doch müs­sen sie dafür meist eini­ge Hür­den neh­men. Courage-online.de sagt, was in Deutsch­land aktu­ell erlaubt ist und was geför­dert wird.

Von Gise­la Haberer

Finan­zi­el­le Hil­fen für Fami­li­en sol­len vor allem Kin­dern zugu­te­kom­men: unab­hän­gig vom Geschlecht oder der sexu­el­len Ori­en­tie­rung ihrer Eltern. Gleich­ge­schlecht­li­che Eltern erhal­ten also genau­so Fami­li­en­leis­tun­gen wie hete­ro­se­xu­el­le Eltern, Vor­aus­set­zung: Sie haben ein Kind. Doch das Eltern­wer­den an sich kann kom­pli­ziert und teu­er sein.

Viele Wege – doch nicht gleichermaßen zugänglich

Les­bi­sche, schwu­le, bise­xu­el­le, trans- und inter­ge­schlecht­li­che sowie quee­re Men­schen (LSBTIQ*) kön­nen durch pri­va­te Abspra­chen, (Stiefkind-)Adoption, Über­nah­me einer Pfleg­schaft und unter Umstän­den auch durch künst­li­che Befruch­tung Eltern wer­den. Ins­ge­samt ist es für weib­li­che Paa­re etwas leich­ter, Eltern zu wer­den, als für männ­li­che – aus bio­lo­gi­schen wie recht­li­chen Gründen.

Private Samenspende: Wahl zwischen getrennt und gemeinsam erziehen

Frau­en haben zwei Mög­lich­kei­ten: Sie kön­nen den Samen eines pri­va­ten Spen­ders nut­zen (Bei­schlaf oder Becher) oder sich mit einer Spen­de aus einer Samen­bank ärzt­lich künst­lich befruch­ten las­sen. Die pri­va­te Spen­de ist bil­li­ger, birgt aber Unsi­cher­hei­ten. Denn recht­li­che Ansprü­che, etwa auf Kin­des-Unter­halt und –umgang, sind hier nur im gegen­sei­ti­gen Ver­trau­en zu regeln. Selbst schrift­li­che Ver­ein­ba­run­gen sind recht­lich nicht bin­dend. Abspra­chen kön­nen von kla­ren Gren­zen bis zur Mehr-Eltern­schaft rei­chen, etwa zu dritt oder – unter jeweils zwei gleich­ge­schlecht­li­chen Paa­ren — zu viert.

Professionelle Samenspende: Klare gesundheitliche und rechtliche Vorgaben

Im Gegen­satz zur pri­va­ten Spen­de ist die Rechts­la­ge bei Samen­ban­ken in Deutsch­land klar: Samen­spen­der wer­den medi­zi­nisch unter­sucht und die Qua­li­tät ihres Sper­mas über­prüft. Die Spen­de ist anonym. Eine gericht­li­che Fest­stel­lung der Vater­schaft ist gesetz­lich aus­ge­schlos­sen. Spen­der kön­nen weder zu Unter­halt ver­pflich­tet wer­den noch Sor­ge- oder Umgangs­recht ein­kla­gen. Seit Juli 2018 hat das Kind jedoch Anspruch auf Aus­kunft über die Iden­ti­tät sei­nes Vaters. Aber: nur weni­ge Ban­ken geben Samen an les­bi­sche Paa­re, etwa die Samen­bank Ber­lin.

Familie werden: Mama, Mama, Kind

Nach der Geburt kann die Frau der Mut­ter das Kind adop­tie­ren, auch wenn das Paar nicht ver­hei­ra­tet ist. Bei einer pri­va­ten Samen­spen­de gelingt dies am ehes­ten, wenn der pri­va­te Samen­spen­der das Kind schon vor der Geburt nota­ri­ell beglau­bigt zur Adop­ti­on frei­gibt und am Ver­fah­ren bis zum Abschluss mit­wirkt. Bei einer pro­fes­sio­nel­len Kin­der­wunsch­be­hand­lung genügt es, die künst­li­che Befruch­tung mit­tels Ver­trä­gen und Rech­nun­gen von Samen­bank und Kin­der­wunsch­pra­xis nach­zu­wei­sen. Wei­te­re Tipps bie­tet der Les­ben- und Schwu­len­ver­band Deutsch­land in sei­nem Rat­ge­ber zur Stief­kind­ad­op­ti­on.

Familie werden: Papa, Papa, Kind

Die Rechts­la­ge in Deutsch­land ver­wehrt schwu­len Paa­ren die Mög­lich­keit, ein gemein­sa­mes Kind mit dem Erb­gut eines Part­ners zu haben. Denn hier sind die Spen­de einer Eizel­le und die ärzt­li­che Betreu­ung einer Leih­mut­ter­schaft ver­bo­ten. Männ­li­chen Wunsch-Eltern blei­ben nur zwei Aus­we­ge, bei­de mit recht­li­chen Unwäg­bar­kei­ten: pri­va­te Abspra­chen oder eine Leih­mut­ter im Ausland.

Vater sein: Mit oder „ohne“ Mutter

Ein schwu­les Paar darf pri­vat eine Frau suchen, die bereit ist, ihr Kind für sie aus­zu­tra­gen. Ein „Ja“ eröff­net drei Mög­lich­kei­ten. Die ers­te: Die Mut­ter stimmt zu, die Vater­schaft schon vor Geburt anzu­er­ken­nen und das Kind danach für die Adop­ti­on durch den Part­ner des Vaters frei­zu­ge­ben. Die zwei­te: Der Vater adop­tiert das Kind mit Zustim­mung der Mut­ter nach der Geburt. Danach muss nur noch er selbst der Stief­kind­ad­op­ti­on sei­nes Part­ners zustim­men. Drit­te Mög­lich­keit: Nur einer der Väter adop­tiert das Kind allein, zieht es aber gemein­sam mit sei­nem Part­ner und even­tu­ell auch der bio­lo­gi­schen Mut­ter auf.

Vater werden – oder doch nicht

In Deutsch­land haben Ersatz- und Leih­müt­ter nach der Geburt zwei Jah­re Zeit, in denen sie ihre Aner­ken­nung der Vater­schaft ohne Begrün­dung anfech­ten kön­nen – solan­ge das Adop­ti­ons­ver­fah­ren noch nicht abge­schlos­sen ist. Bei Leih­müt­tern, die im Aus­land leben, ist zudem das dor­ti­ge Recht zu beach­ten. Bio­lo­gi­sche Väter brau­chen dann in der Regel hier wie dort Rechts­bei­stand, um auch recht­lich als Vater aner­kannt zu wer­den und ihr Baby legal über die Gren­ze zu bringen.

Embryonenspende: Noch keine rechtliche Gleichstellung

Nach deut­scher Geset­zes­la­ge dür­fen zwar kei­ne Eizel­len, wohl aber Embryo­nen gespen­det wer­den. Embryo­nen, die bei Ver­fah­ren zur künst­li­chen Befruch­tung sozu­sa­gen übrig blei­ben, dür­fen an unge­wollt kin­der­lo­se Paa­re ver­mit­telt wer­den. Vor­aus­set­zung bis­lang: Das Paar ist hete­ro­se­xu­ell. LSBTIQ-Paa­ren bleibt die­se Mög­lich­keit noch verwehrt.

Zuschüsse zur Kinderwunschbehandlung: Nicht nur für Heterosexuelle

Ehe­paa­re, deren Unfrucht­bar­keit ärzt­lich bestä­tigt ist, kön­nen Zuschüs­se für eine künst­li­che Befruch­tung erhal­ten. Für die Behand­lung dür­fen zwar nur Ei- und Samen­zel­len des Ehe­paa­res ver­wen­det wer­den. Aber Hete­ro­se­xua­li­tät ist trotz­dem kei­ne Vor­aus­set­zung für die För­de­rung. Denn seit 2011 darf der amt­li­che Per­so­nen­stand im Mel­de­re­gis­ter geän­dert wer­den ohne das bio­lo­gi­sche Geschlecht ope­ra­tiv anpas­sen zu las­sen. Daher kann auch eine Kin­der­wunsch­be­hand­lung  bei trans- und inter­ge­schlecht­li­chen sowie bise­xu­el­len Paa­ren unter Umstän­den finan­zi­ell unter­stützt werden.

Hilfe vom Fiskus: unabhängig von der geschlechtlichen Identität

Kran­ken­ver­si­che­run­gen, Bund und Län­der über­neh­men für Unfrucht­ba­re den Groß­teil der Kos­ten für eine künst­li­che Befruch­tung. Den Rest zah­len Ver­si­cher­te selbst. Die­se Aus­ga­ben kön­nen sie aber in ihrer Steu­er­erklä­rung als “außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung” gel­tend machen. 

Eine Möglichkeit für alle: ein fremdes Kind adoptieren

Eine Adop­ti­on ist weder an Hete­ro­se­xua­li­tät noch an den Trau­schein geknüpft. Ledi­ge dür­fen ein Kind allein adop­tie­ren, bei Ehe­paa­ren ist die gemein­sa­me Adop­ti­on die Regel. Offi­zi­ell gibt es kein Höchst­al­ter, wohl aber ein Min­dest­al­ter von 25 Jah­ren für min­des­tens ein Adop­tiv-Eltern­teil. Ers­ter Ansprech­part­ner ist das ört­li­che Jugend­amt. Wird ein Kind aus einem ande­ren Land adop­tiert, sind dor­ti­ge Vor­schrif­ten zu beach­ten, auch für Gebühren.

Eine Aufgabe für alle: ein fremdes Kind in Pflege nehmen

Bei der Suche nach Pfle­ge­fa­mi­li­en sind auch gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re ein­zu­be­zie­hen. Das emp­fahl die Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Lan­des­ju­gend­äm­ter schon vor 25 Jah­ren. Auch für die Auf­nah­me eines Pfle­ge­kin­des braucht es kei­nen Trau­schein. Wohl aber die Bereit­schaft, Her­aus­for­de­run­gen anzu­neh­men, so beschreibt es der Bun­des­vor­stand der Pfle­ge- und Adop­tiv­el­tern in sei­ner Bro­schü­re „Was kann, was darf, was muss?“

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