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  • ETFs sind einfach zu verstehen und einfach zu handeln - dennoch gibt es Punkte, die beachtet werden sollten, ©metamorworks - stock.adobe.com

Von Spread und Gebühren: So funktioniert der ETF-Handel

2022-10-18T10:39:30+02:0017. Oktober 2022|

Es gibt sie seit 20 Jah­ren und sie sind aus der Anla­ge­welt nicht mehr weg­zu­den­ken. ETFs sind ein­fach zu verste­hen und ein­fach zu han­deln. Doch es gibt Unter­schie­de zwi­schen ETF und ETF – auch und gera­de bei den Gebüh­ren. 

Von Ant­je Erhard

ETFs kann man börsen­täg­lich han­deln —  einer ihrer gro­ßen Vor­tei­le: Wäh­rend bei den meis­ten Fonds ein­mal am Nach­mit­tag der Net­to­in­ven­tar­wert NAV ermit­telt wird, sind ETFs wäh­rend der kom­plet­ten Bör­sen­zei­ten han­del­bar. Du siehst immer, zu wel­chem Preis du kau­fen bzw. ver­kau­fen kannst. Der Kurs ist immer der Preis, zu dem der ETF zuletzt gehan­delt wur­de. Er wird durch Ange­bot und Nach­fra­ge bestimmt. Wie bei Akti­en wer­den über den gesam­ten Han­dels­tag Kauf- und Ver­kaufs­kur­se ermit­telt. 

Die Geld-Brief-Spanne des ETFs 

Kauf- und Ver­kaufs­preis eines ETFs unter­schei­den sich. Der Kauf­kurs ist immer nied­ri­ger als der Ver­kaufs­kurs. Das ist auch bei Akti­en etc so. Der Unter­schied zwi­schen Kauf­kurs (Geld­kurs) und Ver­kaufs­kurs (Brief­kurs) ist die so genann­te Geld-Brief-Span­ne. Sie wird auch Spread genannt. Je mehr ein ETF (oder eine Aktie) ge- und ver­kauft wird, umso nied­ri­ger ist die­se Span­ne. Sprich: Je grö­ßer die Liqui­di­tät, des­to nied­ri­ger der Spread. 

In sehr liqui­den Märk­ten – etwa bei Akti­en-ETFs wie dem S&P 500, dem MSCI World oder dem DAX – sind die Spreads extrem nied­rig. Denn je ein­fa­cher die Wer­te aus dem Index han­del­bar sind, umso güns­ti­ger ist der Spread. Es kommt vor, dass meh­re­re Mar­ket Maker (z.B. Finanz­un­ter­neh­men) im Order­buch ein und des­sel­ben ETFs Prei­se ein­stel­len. Je mehr Mar­ket Maker betei­ligt sind, des­to nied­ri­ger ist die Geld-Brief-Span­ne. Bei exo­ti­schen Wer­ten oder weni­ger gän­gi­gen Märk­ten sind nur weni­ge Mar­ket Maker aktiv. Das kön­nen Invest­ments in Schwel­len­län­der, in Roh­stof­fe, aber auch in Hoch­zins-Anlei­hen (high yield) sein. Die Fol­ge: meist höhe­re Spreads. 

Für die Spreads sind außer­dem die Han­dels­zei­ten ent­schei­dend. Wenn der Refe­renz­markt geöff­net ist, sind die Kur­se für die Mar­ket Maker wirk­lich kal­ku­lier­bar. Ist ein Markt geschlos­sen, sind die Spreads höher, weil die Mar­ket Maker das Risi­ko von Kurs­schwan­kun­gen über die Spreads an ihre Anle­ger wei­ter­ge­ben. Des­halb emp­fiehlt es sich, asia­ti­sche Titel mor­gens sehr früh unse­rer Zeit zu han­deln, euro­päi­sche Wer­te tags­über ab 8 bzw. 9 Uhr und US-Titel ab dem Nach­mit­tag 15.30 Uhr bis in den spä­ten Abend. 

Handel meistens zwischen 8 und 22 Uhr 

ETFs wer­den an deut­schen wie inter­na­tio­na­len Han­dels­plät­zen gehan­delt, auf Xetra, an Regio­nal­bör­sen, über Neo­bro­ker, auf elek­tro­ni­schen Platt­for­men wie get­tex, an Aus­lands­bör­sen wie der Euronext in Paris oder an der Lon­do­ner Bör­se. Meis­tens sind die Han­dels­zei­ten zwi­schen 8 und 22 Uhr. Aber auch außer­börs­lich sind ETFs han­del­bar. 

Der Spread ist die Gebühr des Mar­ket Makers für sei­nen Ser­vice. Der Spread ist aber nicht die ein­zi­ge Gebühr: Weil ein Bro­ker für sei­ne Kun­den das ETF-Geschäft hand­habt, bekommt er eine Order­pro­vi­si­on. Die ist je nach Anbie­ter unter­schied­lich.  

Null-Euro-Angebote 

Eini­ge Bro­ker neh­men extra Gebüh­ren dafür, dass sie Kun­den-Orders an bestimm­te Han­dels­plät­ze wei­ter­lei­ten. Die­se Rück­ver­gü­tun­gen sind zum Teil recht hoch, so dass die Bro­ker ihren Kun­den Orders für null Euro oder für einen Euro anbie­ten kön­nen. Aber Ach­tung, hier ist dann meist die Geld-Brief-Span­ne, der Spread, recht hoch.  

Die gro­ßen Bör­sen stel­len dem Bro­ker eine Bör­sen­ge­bühr in Rech­nung. Die hängt meist vom Order­vo­lu­men ab. Der Bro­ker reicht die­se Gebühr an uns wei­ter. Bei außer­börs­li­chen Han­dels­an­bie­tern gibt es die­se Gebühr nicht. 

Bei Teil­aus­füh­run­gen ist es abhän­gig vom Bro­ker, ob eine zusätz­li­che Gebühr dafür anfällt oder nicht. Die meis­ten Bro­ker sehen davon ab. Was bei Regio­nal­bör­sen jedoch zu Buche schlägt, ist die Mak­ler­cour­ta­ge für den Mak­ler, der für die Order­aus­füh­rung zustän­dig ist. Die­se Gebühr wird vom Mak­ler abhän­gig davon berech­net, wie hoch das Order­vo­lu­men ist, min­des­tens sind es 0,75 Euro. Auf Xetra, bei den elek­tro­ni­schen Han­dels­platt­for­men der Regio­nal­bör­sen und bei außer­börs­li­chem Han­del ent­fällt die­se Cour­ta­ge, denn es ist ja kein Mak­ler in die Preis­fin­dung invol­viert. 

Nach der Order wer­den die ETF-Antei­le gegen das Kapi­tal getauscht und der ETF wird ver­wahrt, bei einem zen­tra­len Wert­pa­pier­ab­wick­ler in Deutsch­land) oder bei einem aus­län­di­schen Abwick­ler. Das kos­tet eine Abwick­lungs­ge­bühr. Auch die gibt es nicht bei allen Anbie­tern. 

Market Maker sorgen für den Handel 

Bei ETFs wer­den die Kur­se von so genann­ten Mar­ket Makern fest­ge­stellt – fort­lau­fend über den gesam­ten Han­dels­tag  und auch im außer­börs­li­chen Han­del. Mar­ket Maker sind meist Finanz­un­ter­neh­men, Ban­ken zum Bei­spiel. Sie sind selbst Bör­sen­teil­neh­mer. Im Auf­trag einer Bör­se sprin­gen sie ein, wenn kei­ne ande­ren Käu­fer oder Ver­käu­fer am Markt sind. Sie sind dann der Kon­tra­hent, der Han­dels­part­ner.  

Mar­ket Maker hal­ten selbst grö­ße­re Men­gen an Wert­pa­pie­ren, um den Han­del immer zu gewähr­leis­ten. Sie stel­len zugleich auch Kur­se, zu denen sie selbst bereit sind zu kau­fen oder eben zu ver­kau­fen. Sie han­deln auch die Wer­te, die in einem ETF ent­hal­ten sind. Solan­ge die Märk­te bzw. die Wer­te im ETF liqui­de sind, wird der ETF gehan­delt. Punkt. Käu­fe und Ver­käu­fe sind also mög­lich. Aller­dings kön­nen die Spreads je nach Nach­rich­ten­la­ge anstei­gen. 

Fazit: Bei ETFs kommt es immer auf Ange­bot und Nach­fra­ge an, um den bes­ten Preis zu bekom­men. Lang­fris­tig sind auch die Gebüh­ren ein wich­ti­ger Fak­tor. Zu den Gebüh­ren gehö­ren auch und gera­de die Spreads, die oft ver­nach­läs­sigt wer­den. Wer nicht auf sie ach­tet oder zu ungüns­ti­gen Zei­ten han­delt, gibt hier mehr Gebüh­ren aus als nötig. 

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