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  • Die Birkin Bag ist Gebrauchsgegenstand, Ausnahme-Erscheinung und Investment in einem, ©agcreativelab - stock.adobe.com

Verrückte Indizes: Der Birkin-Bag-Index – Mit Luxus den Aktienmarkt schlagen?

2022-08-03T12:06:25+02:003. August 2022|

Sie ist nicht ein­fach eine Hand­ta­sche. Die tra­pez­för­mi­ge Bir­kin Bag von Her­mès gilt als eine der schöns­ten und zugleich teu­ers­ten der Welt. Sie ist Gebrauchs­ge­gen­stand, Aus­nah­me-Erschei­nung und Invest­ment in einem. Und schlägt mit ihren Wert­stei­ge­run­gen in der Tat ande­re Invest­ments. 

Von Ant­je Erhard

Vic­to­ria Beck­ham, Lady Gaga, Kim Kar­da­shi­an und Jane Bir­kin – sie alle mögen die Bir­kin Bag. Glaubt man der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Bir­kin Bag, dann ist die Tasche eine der ein­fachs­ten Pro­dukt-Ent­wick­lun­gen über­haupt gewe­sen: 1983 geht der Schau­spie­le­rin Jane Bir­kin wäh­rend eines Flu­ges von Paris nach Lon­don die Hand­ta­sche kaputt. Der gesam­te Inhalt der Tasche fiel auf den Boden des Flug­zeugs. Ein älte­rer Herr hilft ihr beim Ein­sam­meln. Das war Jean-Lou­is Dumas, Chef von Her­mès. Und frag­te, war­um sie so eine unhand­li­che Korb­ta­sche auf Rei­sen mit sich trü­ge: Weil in ande­re Taschen nicht alles hin­ein­pass­te, was Jane Bir­kin brauch­te. Dumas zeich­ne­te dar­auf­hin einen Ent­wurf einer tra­pez­för­mi­gen Hand­ta­sche mit zwei Hen­keln auf ein Stück Papier. Die Bir­kin-Bag war da. Die Namens­ge­be­rin erhielt das ers­te Exem­plar. 

Einer der Hermès-Umsatzbringer

Heu­te ist sie eine der berühm­tes­ten und schöns­ten Taschen der Welt und einer der Umsatz­brin­ger für den Her­mès-Kon­zern. Der Umsatz stieg im Ver­gleich zur Vor-Coro­na-Zeit zuletzt um 35 Pro­zent. Und mit ihm der Wert der berühm­ten Taschen: Der Online-Taschen­händ­ler bagh­un­ter hat­te in einem Index die Preis­ent­wick­lung der Tasche über Jah­re ermit­telt: Seit der Ein­füh­rung der Bir­kin-Tasche war der Preis in den ers­ten 35 Jah­ren um durch­schnitt­lich 14,2 Pro­zent pro Jahr gestie­gen und hat damit ande­re Anla­gen wie den S&P 500 und den Gold­markt auf lang­fris­ti­ge Sicht über­trof­fen.  

Heu­te ermit­teln Online-Platt­for­men wie Collec­tor Squa­re die Prei­se. Danach sind über alle Model­le hin­weg die Bir­kin-Bag-Prei­se um 85 Pro­zent in elf Jah­ren gestie­gen: Im Jahr 2006 kos­te­te eine Bir­kin aus Leder durch­schnitt­lich 4.260 Euro, ermit­tel­te der Händ­ler. 2019 fast das Drei­fa­che, näm­lich 12.701 Euro. 2022 begin­nen die Prei­se bei 8.800 Euro. 

Jane Bir­kin, die Namens­ge­be­rin, hat­te für wohl­tä­ti­ge Zwe­cke ihre eige­ne Hand­ta­sche ver­äu­ßert, für sage und schrei­be 74.000 Euro. Bei limi­tier­ten Edi­tio­nen sind die Prei­se sogar so hoch wie für eine gut gele­ge­ne Immo­bi­lie, sechs­stel­lig. Und das ist auch bei ande­ren Luxus­ta­schen der Fall. 

Sammlerobjekte enorm gefragt

Im Juni die­ses Jah­res zeig­te eine Auk­ti­on von Christie’s in Mai­land, die „Insi­de the Oran­ge Box: A Life­time of Collec­ting“ eine enor­me Nach­fra­ge. Eines der auf­se­hen­er­re­gends­ten Lose der Auk­ti­on war eine Shadow Bir­kin 40 aus Denim und Ever­calf-Leder aus dem Jahr 2010. Geschätzt war sie auf „nur“ 10.000 bis 12.000 Euro. Tat­säch­lich wur­de die Tasche schließ­lich für 63.000 Euro erwor­ben. 

Leder, Far­be, Grö­ße sind preis­be­stim­men­de Fak­to­ren. Es gibt fünf Grö­ßen und mehr als 20 Mate­ria­li­en. So sind „güns­ti­ge­re“ Model­le ab rund 8.000 Euro zu haben. Jede ist hand­ge­fer­tigt aus hoch­wer­ti­gem Leder. Das dau­ert etwa 15 Stun­den pro Tasche je nach­dem, wie indi­vi­du­ell die Tasche gewünscht ist. So wer­den ca. zwei Stück pro Woche gefer­tigt. Wer für Her­mès arbei­tet, durch­läuft zuvor eine mehr­jäh­ri­ge spe­zi­el­le Aus­bil­dung. 

Wertzuwachs für ein lukratives Investment

Investor:innen betrach­ten denn auch längst die Bir­kin Bag als lang­fris­ti­ges lukra­ti­ves Invest­ment. Die Nach­fra­ge steigt und steigt. Und damit die Prei­se des knap­pen Gutes. Indes­sen stei­gen die Prei­se auf dem Sekun­där­markt noch schnel­ler, da vie­le bereit sind, einen Auf­preis zu zah­len, um über­haupt eine Tasche erwer­ben zu kön­nen. 

Denn eine Bir­kin-Bag gibt es nicht so ein­fach zu kau­fen. Zum einen, weil sie eben teu­er ist. Zum ande­ren, weil die Nach­fra­ge enorm hoch ist. Viel höher als das Ange­bot. Zugleich vari­iert das Ange­bot von Geschäft zu Geschäft. Es gibt War­te­zei­ten. Dau­er: meh­re­re Jah­re je nach Modell. 

Aber nicht nur die Bir­kin-Bag ist als Invest­ment geeig­net. Auch Taschen von Cha­nel, Lou­is Vuit­ton oder Dior stei­gen im Wert. Aus dem Hau­se Her­mès ist die Kel­ly-Bag eben­falls eine Tasche, deren Wert zunimmt. 

Für vie­le Frau­en ist der Sekun­där­markt eine Mög­lich­keit, eine sol­che Tasche zu erwer­ben: 99 Pro­zent wür­den dort ihre Tasche kau­fen, ermit­telt baghunter.com. Da ist aller­dings das Risi­ko groß, an eine Fäl­schung zu gera­ten. 

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