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    Mitarbeiteraktien, ©Cecilie_Arcurs/iStock

Vermögen aufbauen – mit dem Betrieb

2022-03-10T15:03:05+01:0010. März 2022|

Vor allem jünge­re Leu­te wol­len es tun: sich am Kapi­tal ihres Betrieb zu betei­li­gen. Dafür gibt es eine gan­ze Rei­he von Mög­lich­kei­ten, die Unter­neh­men hier­zu­lan­de anbie­ten kön­nen. Eine Betei­ligung kann ein wich­ti­ger Bau­stein bei Gehalts­ver­hand­lun­gen sein 

Von Gise­la Haberer

Die Idee ist sech­zig Jah­re alt: Beschäf­tig­te sol­len am Pro­duk­tiv­ka­pi­tal ihrer Unter­neh­men betei­ligt wer­den und so an den Gewin­nen ihres Unter­neh­mens teil­ha­ben. Auf die­se Wei­se pro­fi­tie­ren alle vom wach­sen­den Wohl­stand, war der dama­li­ge Kanz­ler Lud­wig Erhard über­zeugt, der „Vater des deut­schen Wirt­schafts­wun­ders“. Heu­te kön­nen Unter­neh­men ihre Beschäf­tig­ten auf ver­schie­de­nen Wegen betei­li­gen, zum Bei­spiel direkt am Unter­neh­mens­ka­pi­tal, aus­schließ­lich an Gewin­nen oder am Aus­bau des Betrie­bes. Aber wol­len Beschäf­tig­te neben ihrer Arbeits­kraft auch noch Geld in ihre Fir­ma inves­tie­ren? Das frag­te die For­schungs­ab­tei­lung des Ver­si­che­rungs­kon­zerns Alli­anz Ange­stell­te in Deutsch­land, Frank­reich und Ita­li­en. Ihr Ergeb­nis: In Deutsch­land ist das Inter­es­se beson­ders hoch. Unter den 18- bis 24-Jäh­ri­gen befür­wor­tet sogar eine deut­li­che Mehr­heit die Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung. Eini­ge Wege dafür ste­hen allen Unter­neh­men offen. Ande­re hän­gen von bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ab, etwa der Rechts­form. courage-online.de stellt die Band­brei­te der Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung und deren staat­li­che För­de­rung vor.  

Aktien für die Belegschaft

Die­se Form der Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung ist natür­lich an die Rechts­form des Unter­neh­mens gebun­den: Nur Unter­neh­men, die Akti­en­ge­sell­schaf­ten sind, kön­nen ihren Beschäf­tig­ten zusätz­lich zum Lohn Beleg­schafts­ak­ti­en anbie­ten. Vor­teil: Die­se Akti­en gibt es in der Regel mit einem kräf­ti­gen Rabatt, ent­we­der auf den aktu­el­len Bör­sen­kurs oder über Gra­tis­ak­ti­en. Über ihre Akti­en besit­zen Beschäf­tig­te dann einen klei­nen Teil ihres Unter­neh­mens, damit sind sie auch am Wert­zu­wachs und an Divi­den­den­aus­schüt­tun­gen betei­ligt. Je nach Akti­en­gat­tung haben sie ein Recht auf Aus­kunft und auf Teil­nah­me an der Haupt­ver­samm­lung. Dort kön­nen sie über ihr Stimm­recht, des­sen Gewicht sich nach Anzahl der gehal­te­nen Akti­en bemisst, die Geschi­cke ihres Unter­neh­mens mit­be­stim­men. Nach bestimm­ten Hal­te­fris­ten kön­nen sie die Akti­en ver­äu­ßern, in der Regel an der Bör­se. 

Anteile an einer GmbH

Unter­neh­men, die als Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung orga­ni­siert sind, kön­nen ihren Beschäf­tig­ten anbie­ten, Geschäfts­an­tei­le zu erwer­ben. Damit wer­den Mitarbeiter:innen zu gleich­be­rech­tig­ten Gesellschafter:innen. Sie sind dann am Wert­zu­wachs und an Gewinn­aus­schüt­tun­gen ent­spre­chend ihres Anteil­vo­lu­mens betei­ligt. Geht das Unter­neh­men plei­te, haf­ten sie aller­dings auch für des­sen Schul­den – aber nur bis zur Höhe ihrer geleis­te­ten Ein­la­ge. 

Anteile an einer Genossenschaft

Genos­sen­schaf­ten bau­en Eigen­ka­pi­tal auf, indem sie Genos­sen­schafts­an­tei­le aus­ge­ben. Unter­neh­men, die als Genos­sen­schaft orga­ni­siert sind, kön­nen ihren Beschäf­tig­ten anbie­ten, Antei­le zu erwer­ben. Ob und wie hoch die Antei­le ver­zinst wer­den, ent­schei­den die Genos­sen selbst, zum Bei­spiel in ihrer jähr­li­chen Gene­ral­ver­samm­lung. Dabei hat jedes Mit­glied eine Stim­me, unab­hän­gig von der Anzahl sei­ner Antei­le.  

Beteiligung am Erfolg

Die­se Art der Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung steht jedem Betrieb offen, unab­hän­gig von Grö­ße oder Rechts­form: Jeder Betrieb kann sei­ne Beschäf­tig­ten am Erfolg betei­li­gen. Dann erhal­ten die Ange­stell­ten zusätz­lich zum Lohn eine erfolgs­ab­hän­gi­ge Extra­zah­lung. Deren Höhe kann sich an der Leis­tung des Mit­ar­bei­ters oder der Mit­ar­bei­te­rin ori­en­tie­ren, aber auch an gemein­sam erwirt­schaf­te­ten Ein­nah­men oder am erziel­ten Gewinn. Mit die­sem Extra wer­den Mit­ar­bei­ten­den zwar am Gewinn betei­ligt, nicht aber am Kapi­tal des Unter­neh­mens. 

Beteiligung – in spe

Start-Ups fan­gen klein an – ihr Erfolg steht in den Ster­nen. Wer bei ihnen eine Stel­le annimmt, geht ein ver­gleichs­wei­se höhe­res Risi­ko ein. Schließ­lich ist nicht abseh­bar, ob sich das Unter­neh­men am Markt durch­set­zen kann. Als Aus­gleich für die­ses Risi­ko bie­ten deut­sche Start-Ups häu­fig „vir­tu­el­le Betei­li­gun­gen“: Sie sagen ihren Beschäf­tig­ten zu, sie an zukünf­ti­gen Erlö­sen zu betei­li­gen, etwa wenn das Unter­neh­men eines Tages gewinn­brin­gend ver­kauft wird oder an die Bör­se geht.  

Stille Beteiligung

Betrie­be kön­nen ihren Beschäf­tig­ten anbie­ten, stil­le Gesell­schaf­ter zu wer­den. Als sol­che sind sie dann auf jeden Fall am Gewinn zu betei­li­gen. Ver­lus­te mit­zu­tra­gen, kann ver­trag­lich aus­ge­schlos­sen wer­den. Geschieht dies nicht, ist die Betei­li­gung am Ver­lust auf die Ein­la­ge begrenzt. „Stil­le Gesell­schaf­ter“ haben weder die Rech­te noch die Pflich­ten „ech­ter Gesell­schaf­ter“, sie haben also kei­ne Mit­spra­che­rech­te. Laut Bun­des­ver­band Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung ist die stil­le Betei­li­gung für jede Bran­che und jede Betriebs­grö­ße geeig­net. Ein Grund: Der Auf­wand, um das Modell ein­zu­füh­ren und zu ver­wal­ten, hält sich in Gren­zen.  

Genussrechte

Unter­neh­men aller Rechts­for­men kön­nen Genuss­rech­te aus­ge­ben, auch an ihre Beschäf­tig­ten. Mit dem Erwerb von Genuss­rech­ten wird dem Unter­neh­men Geld über­las­sen. Dafür gibt es als „Genuss“ eine jähr­li­che Betei­li­gung am Gewinn. Das Geld wird also ver­zinst. Dies kann in Euro und Cent erfol­gen, aber auch in Form von Natu­ra­li­en. Natu­ral­zin­sen leis­ten vor allem Betrie­be, die buch­stäb­lich Genüs­se her­stel­len, dar­un­ter Bäcke­rei­en, Braue­rei­en, Gärt­ne­rei­en und Imke­rei­en. Gera­de für klei­ne­re Betrie­be ist die Aus­ga­be von Genuss­rech­ten ein Weg, ihren Aus­bau zu finan­zie­ren. Inhaber:innen von Genuss­rech­ten wer­den über die Ent­wick­lung des Unter­neh­mens infor­miert, sie haben aber kei­ne Mit­wir­kungs­rech­te.  

Mitarbeiterguthaben

Betrie­be kön­nen für ihre Beschäf­tig­ten Ver­mö­gen auf­bau­en: Dafür zah­len sie Mit­tel aus einer frei­wil­li­gen Erfolgs­be­tei­li­gung nicht direkt aus, son­dern schrei­ben es auf einem Betei­li­gungs­kon­to gut. Das Gut­ha­ben kann wahl­wei­se fest oder erfolgs­ab­hän­gig ver­zinst wer­den. Bis zur Aus­zah­lung bleibt das Gut­ha­ben steu­er- und sozi­al­ab­ga­ben­frei ste­hen. Geht das Unter­neh­men plei­te, ist das Gut­ha­ben jedoch ver­lo­ren.  

Mitarbeiterdarlehen

Ein Betrieb kann sei­nen Beschäf­tig­ten Dar­le­hen gewäh­ren, etwa zum Erwerb von Wohn­ei­gen­tum zu ver­güns­tig­ten Bedin­gun­gen. Es geht aber auch anders­her­um. Beschäf­tig­te kön­nen ihrem Betrieb Geld lei­hen. Im Dar­le­hens­ver­trag wer­den Lauf­zeit und Höhe der Ver­zin­sung fest­ge­schrie­ben. Am Ende erhal­ten Arbeitnehmer:innen ihr ein­ge­setz­tes Kapi­tal plus Zin­sen zurück.  

Staatliche Förderung

Der Staat för­dert die Betei­li­gung von Beschäf­tig­ten am Betriebs­ka­pi­tal, nicht aber ihre Betei­li­gung an Gewin­nen. Seit Juli 2021 blei­ben bis zu 1.440 Euro pro Jahr steu­er- und sozi­al­ab­ga­ben­frei, wenn bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind: Die Kapi­tal­be­tei­li­gung ist eine frei­wil­li­ge Leis­tung des Unter­neh­mens. Sie steht grund­sätz­lich allen Beschäf­tig­ten offen, die ein Jahr oder län­ger im Betrieb sind. Sie erfolgt in Form von Sach­be­zü­gen, etwa als Akti­en, Antei­le oder Genuss­rech­te. Die Betei­li­gung kann auch in Form einer Ent­gelt­um­wand­lung gesche­hen, also nicht zusätz­lich zum Arbeits­lohn. Auch dann blei­ben bis zu 1.440 Euro pro Jahr steu­er­frei, doch vor der Umwand­lung gehen vom Ent­gelt die übli­chen Bei­trä­ge an die Sozi­al­ver­si­che­run­gen ab.  

Vermögen aufbauen mit Betrieb und Staat

Vie­le Unter­neh­men zah­len frei­wil­lig zum Gehalt Ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen (VL). Damit las­sen sich Bau­spar­ver­trä­ge, Bank- und Fonds­spar­plä­ne bespa­ren. Auch wenn bereits sol­che Ver­trä­ge mit VL bespart wer­den, dür­fen Betrie­be ihren Beschäf­tig­ten zusätz­lich bis zu 400 Euro im Jahr über­wei­sen, wenn die Ange­stell­ten die­ses Geld in ihr Unter­neh­men inves­tie­ren, zum Bei­spiel durch den Erwerb von Akti­en oder Antei­len. Bis zu bestimm­ten Ein­kom­mens­gren­zen legt der Staat auf all die­se Anla­ge­we­ge der VL noch eine Prä­mie oben­drauf: die Arbeit­neh­mer­spar­zu­la­ge. Der Bun­des­ver­band Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung wirbt seit Jah­ren dafür, die Ein­kom­mens­gren­zen für die staat­li­che För­de­rung anzu­he­ben und damit die­ses Instru­ment der Ver­mö­gens­bil­dung für mehr Beschäf­tig­te attrak­tiv zu machen. Aktu­ell lie­gen Ein­kom­mens­gren­zen so nied­rig, dass sogar Voll­be­schäf­tig­te mit Min­dest­lohn bereits dar­über lie­gen kön­nen. 

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