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    Börsenvorurteile, ©andresr/iStock

Unsere Börsenvorurteile Teil 1: Verluste im Casino??

2021-11-15T09:04:38+01:0014. November 2021|

Bör­se ist ein­fach. Punkt. Das sage ich aus Über­zeu­gung nach mehr als 15 Jah­ren Bör­sen­be­richt­erstat­tung als Jour­na­lis­tin. Mit eini­gen Regeln kann jeder Bör­se, wirk­lich jeder. Ich ken­ne aber auch die Vor­ur­tei­le, die vie­le von uns vom Inves­tie­ren abhal­ten. Und ver­ste­he sie sehr gut. Trotz­dem: „Jeder kann Bör­se“. Heu­te neh­me ich dich an die Hand und mit auf’s Bör­sen-Par­kett. Viel­leicht gelingt es mir, mei­ne Lei­den­schaft mit dir zu tei­len. Oder dir wenigs­tens die Ängs­te und Vor­ur­tei­le zu neh­men. Also, legen wir los. Und schau­en uns unse­re Sor­gen erst ein­mal an.

Von Ant­je Erhard

Aus mei­ner Arbeit weiß ich: Die Lis­te unse­rer Vor­ur­tei­le gegen Akti­en und Co ist lang. Und das ist voll­kom­men ver­ständ­lich: Drei der­zeit leben­de Genera­tio­nen – von den heu­te Drei­ßig­jäh­ri­gen bis hin zu deren Eltern und Groß­el­tern — sind größ­ten­teils ohne Akti­en auf­ge­wach­sen. Es gab ja schließ­lich lukra­ti­ve Alter­na­ti­ven zur Bör­se, leicht zu bewerk­stel­li­gen, mit über­schau­ba­ren Risi­ken: Wir ken­nen aus Kin­der­ta­gen noch das Spar­buch mit drei Pro­zent Zin­sen. Da haben unse­re Eltern und Groß­el­tern für uns Geld angelegt.

Bei mir waren es ein rot-grüner Plastik-Tresor und eine rot-weiße Maus

Es hieß spa­ren. Und nicht anle­gen. Ich erin­ne­re mich noch gut an mei­nen klei­nen rot-grü­nen Plas­tik-Tre­sor, in dem ich Geld­ge­schen­ke gespart habe. Und mei­ne Groß­el­tern haben sie dann auf mein Spar­buch gebracht. Regel­recht gehü­tet habe ich mein ers­tes 5‑Mark-Stück. Für mich als Ossi ohne­hin eine irre Beson­der­heit: Ich bekam es von mei­nem Onkel, als ich gera­de in die Schu­le gekom­men war. Es lag in einer rot-wei­ßen Leder­maus als Brief­ta­sche. Jah­re­lang war es mein größ­ter Schatz. Die Maus habe ich heu­te noch.…

Unse­re Groß­el­tern selbst haben noch in Bun­des­schatz­brie­fe inves­tiert. Sie­ben Pro­zent Zin­sen. Die­se Ren­di­ten sind heu­te nicht mehr erziel­bar mit Spar­buch und Co. Doch wer zeigt uns die Alter­na­ti­ven, die wir heu­te brauchen?

Ach, die Schule

Hin­zu kommt: drei Genera­tio­nen von uns – aktu­ell schon die vier­te — haben in der Schu­le nichts über Bör­se gelernt bzw. ler­nen nichts über Bör­se und Akti­en. Wenn ich Schüler:innen auf dem Bör­sen-Par­kett zu Besuch hat­te, denn wir Journalist:innen wol­len ja, dass die nächs­ten Genera­tio­nen die neue Gemen­ge- bzw. Spar-Lage ver­ste­hen und dann selb­stän­dig ent­schei­den kön­nen, wie sie inves­tie­ren, wenn ich also eine Grup­pe auf dem Par­kett hat­te, dann habe ich fest­ge­stellt: Sie fin­den es span­nend, die wol­len gern was dar­über ler­nen. Aber es fiel ihnen nicht leicht, allein die DAX-Titel zusam­men­zu­brin­gen oder zu erklä­ren, was an einer Bör­se pas­siert. Aber dafür waren wir dann ja da.

Punkt 3: Und unse­re sprich­wört­li­che Angst (inter­na­tio­nal: Ger­man Angst) hält uns sowie­so davon ab, neue Wege zu gehen, Risi­ken ein­zu­ge­hen und in Akti­en und Co zu investieren.

Dabei ist Bör­se wirk­lich ein­fach, wenn man bzw. frau ein paar Regeln beach­tet und eine Stra­te­gie hat.

Vor eini­ger Zeit habe ich aber genau dar­über berich­tet: Über unse­re Vor­ur­tei­le. Die Frank­furt School of Finan­ce & Manage­ment und die Goe­the-Uni­ver­si­tät haben in einer Stu­die die wich­tigs­ten Vor­ur­tei­le von uns Deut­schen gegen­über Akti­en und Bör­se zusam­men­ge­tra­gen. Die Ergeb­nis­se: So, wie ich es in der Pra­xis viel­fach erle­be. Die Top 3: Ganz oben: Die Angst vor Ver­lus­ten. Platz 2: Die Annah­me, dass das eige­ne Ver­mö­gen zu klein zum Inves­tie­ren ist. Drit­ter Punkt: Das feh­len­de Wis­sen. Das Gan­ze gip­felt in Bemer­kun­gen wie: „Das ist doch nur Zocke­rei“ oder: „Das ist doch wie im Casino“.

Wahr ist: Unsere Vorurteile sind fatale Irrtümer

Die Rea­li­tät: Das sind fata­le Irr­tü­mer. Eine Anla­ge-Stra­te­gie ist das Gegen­teil von Zocke­rei. Zocke­rei ist, ohne Sinn und Ver­stand auf irgend­was zu set­zen. Die Bör­se ist eine Mög­lich­keit, Geld anzu­le­gen. Das ist ja kein Selbst­zweck. Unter­neh­men betei­li­gen ihre Aktio­nä­re am Unter­neh­men, damit sie mit dem Kapi­tal wei­ter inves­tie­ren und expan­die­ren können.

Verlustangst – Gier oder Wissen, das ist hier die Frage

Gehen wir die Lis­te der größ­ten Vor­ur­tei­le also mal durch: Zunächst die Ver­lustangst. Ver­lus­te an der Bör­se gehö­ren zur Rea­li­tät wie auch Gewin­ne bei einer Geld­an­la­ge an den Kapi­tal­märk­ten. Aber es gibt sie: Und wäh­rend es an der Bör­se meist all­mäh­lich auf­wärts geht, geht die Tal­fahrt viel schnel­ler. Den­noch: Mit einer Stra­te­gie und einer ver­nünf­ti­gen Streu­ung wächst lang­fris­tig das Geld, was wir ein­ge­setzt haben. Geld habe ich auch schon ver­lo­ren. Weil ich unin­for­miert auf ein fal­sches Pferd gesetzt habe, in das ich mit mehr Infor­ma­tio­nen nie inves­tiert hätte.

Oder auch Wire­card: Wie vie­le Men­schen hat da ein­fach die Gier gepackt?! Ich wäre da auch ger­ne dabei gewe­sen. Es hat mich oft in den Fin­gern gejuckt, wenn Kolleg:innen und Freund:innen von ihren Kurs­ge­win­nen geschwärmt haben. Aber ich habe das Geschäfts­mo­dell nicht ver­stan­den. Und in dem Fall hal­te ich es mit War­ren Buf­fett: Kau­fe nur, was du ver­stehst. Recht hat er!

Mit Verlusten umgehen – Meine Strategie

Bei Ver­lus­ten haben sich für mich zwei Mög­lich­kei­ten als prak­ti­ka­bel erwiesen:

Wenn ich von der Aktie wei­ter über­zeugt bin, behal­te ich sie im Depot. Wenn ich mich eines Bes­se­ren beleh­ren las­sen muss­te, ver­kau­fe ich trotz der Ver­lus­te. Aber ein, zwei Stück der Ver­lust­brin­ger belas­se ich im Depot: War­um? Das ist mir eine War­nung, damit ich nicht einen Feh­ler zwei­mal mache…

Bin ich über­zeugt, dann sit­ze ich Schwan­kun­gen aus – von wegen rein und raus. Ich hal­te nichts davon, wild hin- und her­zu­han­deln.  Bestimm­te Titel, Indi­zes hal­te ich und hal­te sie und hal­te sie. Inves­tie­re hier regel­mä­ßig über ETFs. Neue The­men, neue Anla­ge-Mög­lich­kei­ten erwä­ge ich zusätz­lich – na klar. Aber ich habe immer mein Ziel im Blick und ori­en­tie­re mich langfristig.

Mei­ne Stra­te­gie funk­tio­niert. Klar, im Coro­na-Crash schlug mein Herz auch eher im Hals am rech­ten Fleck, aber auch da hat sich gezeigt: Was gefal­len ist, steigt auch wie­der. Und wer lang­fris­tig inves­tiert, hat kei­ne Ver­lus­te, wenn er bzw. sie durchhält:

15 Jahre Aktien halten – dann klappt es mit der Rendite

Wer seit 1975 zu einem belie­bi­gen Zeit­punkt in den MSCI World inves­tiert und min­des­tens 15 Jah­re durch­ge­hal­ten hat, hat unab­hän­gig vom Ein­stieg kei­nen Ver­lust gemacht. Die Ren­di­ten lagen zwi­schen gut einem und 14 Pro­zent. Am hef­tigs­ten war aller­dings ein Ein­stieg im Sep­tem­ber. Wer da ein­ge­stie­gen ist, hat eine Men­ge Kri­sen mit­ge­nom­men: Das Ende des Neu­en Mark­tes mit der geplatz­ten Dot­com-Bla­se (09/2000), die Ter­ror­an­schlä­ge von 9/11 (09/2001), die Leh­man-Plei­te (09/2008) mit der Welt-Finanz­kri­se. Doch auch da hat sich gezeigt: Nach 15 Jah­ren war das Ergeb­nis positiv…

Über­zeugt? Das hof­fe ich. Es ist mir eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit, dass die Men­schen ver­ste­hen, was eine Bör­se ist und für jeden sein kann. Und auf der Basis ent­schei­det. Völ­lig vor­ur­teils­frei. Wer dann sagt: Bör­se ist nichts für mich, trifft die­se Ent­schei­dung bewusst. Und auch das ist dann gut so.

So schnell las­se ich aber nicht locker. Wir neh­men uns im nächs­ten Bei­trag das nächs­te Vor­ur­teil  vor: Zu wenig Geld zum Inves­tie­ren. Ich sage: 50 Euro sind ein Anfang. Und zwar ein mach­ba­rer, sinn­vol­ler. Regel­mä­ßig inves­tiert, bringt das viel. Also, bis zum nächs­ten Beitrag.

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