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    Superheldin, ©Who is Danny/stock.adobe.com

Superheldinnen: „Wir müssen unsere Wege suchen“

2022-04-03T15:48:58+02:002. April 2022|

Ser­pil Kara­kus wächst in Deutsch­land auf und fühlt sich doch als Mensch mit zwei Hei­ma­ten. Wie geht es ihr damit? Der ein­und­zwan­zigs­te Teil der courage-online.de Serie „Super­hel­din­nen“.

Von Mat­thi­as Lauerer

Die Mut­ter ist 47 Jah­re alt und wohnt mit ihrem Mann heu­te nahe der nie­der­län­di­schen Gren­ze im West­müns­ter­land. Groß­ge­wor­den ist sie in Bocholt. Wei­ter hegt und pflegt die Frau ihr schwer­be­hin­der­tes und pfle­ge­be­dürf­ti­ges Kind, das die vol­le Auf­merk­sam­keit erfor­dert und nicht allei­ne blei­ben darf. Zum Stich­wort Arbeit sagt sie: „Ich bin staat­lich geprüf­te Kin­der­pfle­ge­rin und star­te­te vor eini­gen Jah­ren in einem der Hand­lungs­fel­der der Sozia­len Arbeit als Quereinsteigerin“.

Studium mit Mitte Vierzig

Die­se Bran­che gefiel ihr so gut, dass sie sich ent­schied, noch ein berufs­be­glei­ten­des Stu­di­um zur Sozia­len Arbeit zu star­ten. Ihr Ziel ist der Bache­lor. Seit dem Herbst 2019 stu­diert Kara­kus an der Fach­hoch­schu­le Müns­ter. Sie ist bereits im sechs­ten Semes­ter ange­langt und hat noch „ein wenig vor sich“, wie sie es nennt. Dazu arbei­tet sie noch als Päd­ago­gi­sche Mit­ar­bei­te­rin in einem sozia­len Unter­neh­men. „An der Sozia­len Arbeit inter­es­siert mich: Es geht um den Men­schen und die benö­ti­gen ab und an Unter­stüt­zung. Genau dort habe ich mich wie­der­ge­fun­den. Die müs­sen ler­nen, sich selbst aus den Pro­ble­men wie­der herauszuholen.“

Serpil Karakus; © Privat

Ser­pil Kara­kus; © Privat

Was bedeutet Wahrheit?

Es ist ein klei­nes Wun­der, dass courage-online.de mit Ser­pil Kara­kus spre­chen darf, denn: „Eine Lokal­zei­tung hat ein­mal etwas über mich geschrie­ben, was so nicht stimm­te und ich gar nicht gesagt hat­te. Ich rief bei der Zei­tung an, doch die zustän­di­ge Redak­teu­rin blieb ein­fach dabei. Sie hät­te das recher­chiert und es wäre so.“ Nun gilt es, das ver­lo­ren gegan­ge­ne Ver­trau­en wie­der zurückzugewinnen.

Fragt man sie nach ihrem Leben, sagt Kara­kus: „Das alles unter einen Hut zu bekom­men, ist gar nicht so ein­fach. Doch wenn man, wie ich viel Unter­stüt­zung hat, ist es mach­bar. Wir müs­sen unse­re Wege suchen.“ Wor­auf sie anspielt: Ihr Mann arbei­te zwar auch, aber er ist es, der zu Hau­se bleibt und sich um die erkrank­te Toch­ter küm­mert. „Wir haben die Rol­len getauscht und es geht uns sehr gut damit“, sagt die Mut­ter dazu. Beson­ders wenn sie auch Zeit für das Stu­di­um brau­che, hül­fe ihr Mann sehr. 

Neues Schulfach

Zum The­ma Aus­bil­dung in finan­zi­el­len Fra­gen wünscht sich die Mitt­vier­zi­ge­rin ein neu­es Fach in allen Schu­len. „Die Kin­der müss­ten ler­nen, was sie mit ihrem Geld anfan­gen kön­nen.“ Sie selbst habe in ihrer Zeit „nie etwas dar­über erfah­ren“ und spä­ter selbst ein­fach Bau­spar­ver­trä­ge abge­schlos­sen, ohne kom­plett zu ver­ste­hen, was es damit auf sich hat­te. „Ich habe es ein­fach unter­schrie­ben. Es hieß, ich wür­de damit viel Geld spa­ren.“ Wei­ter sagt sie: „Da geht man blind an die Sache her­an, denn die The­ma­tik ist so groß, um es bei einem Mal sofort zu ver­ste­hen.“ Wei­ter ärgert sie sich: „Bekomm´ doch mal einen Kre­dit. Die Ban­ken wol­len enor­me Sicher­hei­ten, bedeu­tet, dass man die gesam­te Sum­me bereits selbst hat. Dann brau­che ich doch kei­nen Kre­dit mehr.“ Für die Zukunft wünscht sich Ser­pil Kara­kus: „Ich erhof­fe mir Gesund­heit und das ich mit mei­ner Fami­lie zusam­men bin, aber noch glück­li­cher gin­ge eigent­lich gar nicht. Sehr ger­ne wür­de ich bis dann auch bei mei­ner jet­zi­gen Arbeits­stel­le blei­ben, weil ich dort sehr zufrie­den bin. Und Welt­frie­den wün­sche ich mir, selbst wenn das jetzt kit­schig klingt.“ 

In der courage-online.de-Serie „Super­hel­din­nen“ stel­len wir regel­mä­ßig Frau­en vor, die ihr augen­schein­lich „ganz nor­ma­les“ Leben wie eine Super­hel­din meis­tern. Wir zei­gen die ganz per­sön­li­chen Lebens­läu­fe, spre­chen über Finanz­bil­dung und wol­len Mut machen: Jede Frau ist eine Super­hel­din! 

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Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

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