Startseite/Superheldinnen: Susan und das Duell mit dem Tod
  • Susan Sommerfeld
    Superheldin, © yogysic/iStock

Superheldinnen: Susan und das Duell mit dem Tod

2021-10-18T09:21:27+02:0016. Oktober 2021|

Sus­an Som­mer­feld ist schwer an Krebs erkrankt. Den­noch lebt die lebens­lus­ti­ge Ham­bur­ge­rin seit 2014 mit der har­ten Dia­gno­se. Wie gelingt ihr das? Der zehn­te Teil der courage-online.de Serie „Super­hel­din­nen“.

Von Mat­thi­as Lauerer

In der courage-online.de-Serie „Super­hel­din­nen“ stel­len wir regel­mä­ßig Frau­en vor, die ihr augen­schein­lich „ganz nor­ma­les“ Leben wie eine Super­hel­din meis­tern. Wir zei­gen die ganz per­sön­li­chen Lebens­läu­fe, spre­chen über Finanz­bil­dung und wol­len Mut machen: Jede Frau ist eine Superheldin!

Wie nähert man sich einer Per­son, bei der man weiß, dass sie ster­ben wird? Und was, wenn jene Bür­ge­rin dazu noch deut­lich jün­ger ist, als man selbst? Wie kann das gut gehen – und gefühl­voll gelin­gen? Mit die­sen Hin­ter­ge­dan­ken und einem Stoß­seuf­zer grei­fe ich zum Tele­fon­hö­rer – und rufe Sus­an Som­mer­feld an. Die muss­te das ers­te Gespräch ver­schie­ben, die Gesund­heit eines ihrer bei­den Kanin­chen mach­te Thea­ter. Jetzt aber: „Su, wie geht es Dir?“ Oder doch eher for­mal: „Frau Som­mer­feld, wie steht es um Ihre Gesund­heit?“ Kaum ist der ers­te Satz gesagt, räumt die jun­ge Frau das förm­li­che Tra­ra sofort ab. „Ich bin Sus­an, schön dass wir es geschafft haben“, sagt sie. War doch ganz ein­fach – und an mei­nem Ende der Lei­tung ent­spannt sich der Geist und lässt sich auf das Gespräch ein. Wor­um es geht: Auf­merk­sam­keit zu schaf­fen für ein The­ma, das Mil­lio­nen Deut­sche jähr­lich trifft. „Etwa 4,65 Mil­lio­nen Men­schen leben in Deutsch­land mit einer Krebs­dia­gno­se“, heißt es vom „Zen­trum für Krebs­re­gis­ter­da­ten“ des „Robert Koch Insti­tuts“ dazu – und geschätzt 510.000 Fäl­le kamen 2020 hin­zu. Was kei­ner so recht erklärt: Wes­halb explo­die­ren die­se Zah­len Jahr um Jahr? Und auch: Wer hat das eigent­lich zu verantworten?

Susan Sommerfeld

Sus­an Som­mer­feld, ©Arne Stil­ler Photography

Mitten im Leben

Die Geschich­te von Som­mer­felds Erkran­kung ist schnell erzählt. Zuerst ist da ein selt­sa­mer Kno­ten in der Brust, dazu gesellt sich Müdig­keit. Sie hat Nasen­blu­ten und der Blut­druck fällt ab. Dazu kommt die Schwä­che „Ein­mal woll­ten wir auf die Ree­per­bahn und ich bin um Mit­ter­nacht ein­ge­schla­fen, was sehr unty­pisch für mich ist. Bevor ich von mei­ner Krank­heit wuss­te, war ich immer die, die auf Par­tys rumhüpfte.“

Plötzlich so viel Zeit

Wie lebt man mit so einer Krank­heit? „Als ich vor sie­ben Jah­ren die Dia­gno­se Brust­krebs bekam war das ein Schock. Noch kurz davor hetz­te ich durch mei­nen All­tag und hat­te dabei im Sinn: Je mehr ich unter­neh­me, des­to mehr bekom­me ich vom Leben mit. Plötz­lich war alles anders: Ich war ein­ein­halb Jah­re krank­ge­schrie­ben und hat­te Zeit. So viel, dass ich am Anfang gar nicht wuss­te, was ich mit der gan­zen Zeit anfan­gen soll­te. Mei­ne ein­zi­gen fixen Ter­mi­ne waren Arzt­be­su­che, spä­ter die Che­mo­the­ra­pie.“ Doch Su, wie sie mit Spitz­na­men heißt, bezwingt den Krebs und gilt als geheilt.

Arbeit gefunden

Als die Krank­heit zurück­kommt, arbei­tet sie gera­de als Pro­jekt­lei­te­rin. Doch dort setzt man sie, mit­ten in der Pro­be­zeit, skru­pel­los vor die Tür, weil man „dar­auf kei­ne Lust hat­te“, wie sie sagt. Den nächs­ten Job ver­liert sie wegen der Coro­na­pan­de­mie. „Der war super und hat gut gepasst.“ Län­ge­re Zeit ist Sus­an arbeits­los, doch seit dem 1. Okto­ber arbei­tet sie in einem Hand­werks­be­trieb im Büro. Die Auf­ga­be gibt ihr Sinn und Struk­tur. „Vie­le sag­ten zu mir: ´An Dei­ner Stel­le wür­de ich nicht mehr arbei­ten.´ Doch so eine Ein­stel­lung muss man sich leis­ten kön­nen.“ Was sie unbe­dingt noch machen will: Hawaii besu­chen. „Vor mei­ner Krank­heit war mein Leben nicht schlecht, aber es war nicht ganz voll­kom­men“, sagt sie dazu.

Medikamente und deren Wirkung

Und heu­te? „Ich über­le­be nur mit der Hil­fe von Sub­stan­zen. Heu­te kon­trol­lie­ren mich die Medi­ka­men­te.“ Fol­gen davon: „Migrä­ne­an­fäl­le, Übel­keit und schlim­me­re Reak­ti­on sind mög­lich. Dazu gesellt sich tro­cke­ne Haut“, sagt Som­mer­feld. Was ihr dann immer hilft, auch um die Frei­heit zurück­zu­ge­win­nen, ist der Gang raus aufs Was­ser. Bes­ser gesagt der Ritt auf ihrem Stand up Padd­le. Denn: „Nur auf dem SUP füh­le ich mich frei, kann alles steu­ern und habe die vol­le Kon­trol­le über mein Tun“, sagt die Frau.

Susan Sommerfeld

Sus­an Som­mer­feld, ©Arne Stil­ler Photography

Tempus fugit

Sus­an lern­te, ihre Lebens­zeit zu schät­zen: „Statt von Tref­fen zu Tref­fen zu het­zen, ver­ab­re­de ich mich nur noch mit einer Freun­din am Tag und neh­me dafür bewusst Zeit.“ Was hin­zu­kommt, sind die klei­nen Din­ge, die oft den gro­ßen Unter­schied im Leben eines Men­schen machen, denn: „Ich habe mir end­lich zwei Kanin­chen ange­schafft. Ein Her­zens­wunsch, für den ich mir zuvor nie Zeit nahm.“

„Sucht Euch Euer Glück“

Was Sus­an heu­te Kraft ver­leiht: „Ich habe mei­nen Freund, ein tol­les und ver­ständ­nis­vol­les Zuhau­se – gefüllt mit Leben, Lie­be, Ver­trau­en, Respekt und Akzep­tanz.“ Was ihr auch hilft: über das The­ma Krebs zu blog­gen und „Men­schen zu ver­net­zen.“ Som­mer­feld enga­giert sich für „Can­cer Unites“ und tut dies, um über ihr „Dasein zu schrei­ben.“ Ihr Weck­ruf an die Welt: „Man kann immer etwas fin­den, was einen glück­lich macht. Sucht es Euch!“

In der courage-online.de-Serie „Super­hel­din­nen“ stel­len wir regel­mä­ßig Frau­en vor, die ihr augen­schein­lich „ganz nor­ma­les“ Leben wie eine Super­hel­din meis­tern. Wir zei­gen die ganz per­sön­li­chen Lebens­läu­fe, spre­chen über Finanz­bil­dung und wol­len Mut machen: Jede Frau ist eine Superheldin!

Zur News­let­ter-Anmel­dung

Noch mehr Infos für dich

Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

Neun Buchhandlungen, die einen Besuch wert sind

Man­che Buch­lä­den sind schö­ner als ande­re. Dabei sind die spek­ta­ku­lärs­ten Schatz­häu­ser fast so ver­schie­den wie die Inhal­te der Bücher, die sie anbie­ten. Ange­sichts die­ser Buch­hand­lun­gen möch­te man nie wie­der im Inter­net bestel­len. Ein Plä­doy­er in neun Beispielen.

Baseball-Caps als Sammlerobjekte

Base­ball-Caps trägt heu­te jeder. Bei pro­mi­nen­ten Vor­be­sit­zern kön­nen sie rich­tig teu­er wer­den. Doch auch ohne pro­mi­nen­te Vor­be­sit­zer kön­nen Base­ball-Caps mit extra­va­gan­ten und limi­tier­ten Designs begehr­te Samm­ler­ob­jek­te wer­den. Das Muse­um Base­ball Hall of Fame in Coo­pers­town im Bun­des­staat New York zeigt auch Caps in ihren Ausstellungsräumen.

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben