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    Superheldin, ©Wise ant/stock.adobe.com

Superheldinnen: „Ich will alles erleben“

2022-02-07T09:17:00+01:005. Februar 2022|

Der Onkel ist ein Wider­stands­kämp­fer. Er strebt nach der Unab­hän­gig­keit Alge­ri­ens und wird spä­ter Diplo­mat – doch die Mut­ter von Haki­ma Tar­cho­uni-Kos­ter bleibt die Bil­dung ver­wehrt. Der sieb­zehn­te Teil der courage-online.de Serie „Super­hel­din­nen“. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Haki­ma hat­te am Vor­tag des Gesprächs mit courage-online.de Geburts­tag, „es sei län­ger gewor­den“, sagt sie. Den­noch nimmt sie sich die Zeit und plau­dert über ihr Leben. „Bei mir gelin­gen die Din­ge, doch es dau­ert alles ein­fach immer län­ger“ sagt sie. Das könn­te dar­an lie­gen, dass Haki­ma zwar in Deutsch­land gebo­ren wur­de, aber über alge­ri­sche Wur­zeln ver­fügt. So sei sie nicht immer und über­all mit offe­nen Armen emp­fan­gen worden.

Kein Ausbildungsplatz als Krankenschwester

Begin­nen wir mit ihrem beruf­li­chen Wer­de­gang in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Mit­te der 1980er-Jah­re mit­ten in Nord­rhein-West­fa­len. „Ich woll­te damals eigent­lich Kran­ken­schwes­ter wer­den, doch das Hos­pi­tal woll­te mich nicht als Azu­bi­ne ein­stel­len, weil ich Mus­li­ma bin“, erin­nert sich die heu­te 51-Jäh­ri­ge an ihre dama­li­ge Jugend. „Dies hat mich schon schockiert.“

Es ist jene Zeit, in der man gemein­hin von „Asy­lan­ten“ spricht, die „zu uns kom­men“ und die Ultra­rech­te unter der Ägi­de des Par­tei­chefs der Repu­bli­ka­ner Schön­hu­ber schwa­dro­niert davon, dass das Boot nun „voll“ sei. Man könn­te dies als rau­es media­les Kli­ma bezeich­nen. Immer­hin, der „Spie­gel“ schreibt: „Der saar­län­di­sche Minis­ter­prä­si­dent Oskar Lafon­tai­ne möch­te mehr Zuwan­de­rern zu einem bun­des­deut­schen Pass ver­hel­fen.“ Man kann sich vor­stel­len, wie weit der Weg von die­ser Aus­sa­ge zur bun­des­deut­schen Rea­li­tät 2022 war. Heu­te besitzt Haki­ma die deut­sche und alge­ri­sche Staatsangehörigkeit.

Hilfe für Menschen

©Hakima, Privat

©Haki­ma, Privat

Und wie ging es wei­ter für sie? „Ich arbei­te als Sozi­al­päd­ago­gin bei der Dia­ko­nie und küm­me­re mich dort haupt­säch­lich um die psy­cho­so­zia­le Bera­tung von Geflüch­te­ten.“ In der Migra­ti­ons­ar­beit ist sie seit über 25 Jah­ren. Der Weg dort­hin gelang ihr über eini­ge Umwe­ge: Von 2015 bis 2018 macht sie ihren berufs­be­glei­ten­den Mas­ter­stu­di­en­gang an der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld und stu­diert von 2005 bis 2013 Sozi­al­we­sen und schließt ihr Stu­di­um mit der staat­li­chen Aner­ken­nung ab. „Neben­bei“ bekommt sie zwei Kin­der, die heu­te 28 und 12 Jah­re alt sind.

„Alles was mir guttut“

Wie sieht sie selbst auf sich und ihre Her­kunft? „Ich habe vie­le deut­sche und vie­le ara­bi­sche und alge­ri­sche Antei­le in mir. Aber letzt­lich bin ich Haki­ma und lie­be Men­schen aus ver­schie­de­nen Kul­tu­ren und Spra­chen. Ich bin neu­gie­rig und will alles erle­ben.“ Wei­ter sagt sie: „Alles was mir gut­tut, möch­te ich für mein Leben über­neh­men – egal aus wel­cher Kultur!“ 

Der Ehe­frau und Mut­ter war es wich­tig, ihr eige­nes Geld zu ver­die­nen: „Bei mir gal­ten im Haus mei­ner Eltern sicher viel stren­ge­re Regeln, als bei mei­nen deut­schen Freun­den“, sagt sie. Geld bedeu­te­te für sie Frei­heit und die fand sich eher weit weg vom elter­li­chen Haus. Fragt man sie zuletzt noch nach der Zukunft, sagt sie lachend: „Ich möch­te in zehn Jah­ren eine gut­lau­fen­de Super­vi­si­ons- und Coa­ching­pra­xis haben.“ 

In der courage-online.de-Serie „Super­hel­din­nen“ stel­len wir regel­mä­ßig Frau­en vor, die ihr augen­schein­lich „ganz nor­ma­les“ Leben wie eine Super­hel­din meis­tern. Wir zei­gen die ganz per­sön­li­chen Lebens­läu­fe, spre­chen über Finanz­bil­dung und wol­len Mut machen: Jede Frau ist eine Super­hel­din! 

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Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

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