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    Superheldin, ©maxutov/stock.adobe.com

Superheldinnen: „Fußball ist meine Leidenschaft“

2022-02-21T09:53:31+01:0019. Februar 2022|

Mari­sol Jara kommt an einem fri­schen Februartag 2015 nach Deutsch­land. Die heu­te 43-jäh­ri­ge Chi­le­nin hatte sich zehn Jah­re zuvor in die Deut­sche Made­lei­ne verliebt und wohnt nun zunächst für vier Mona­te im Mini­wei­ler Win­ter­bach bei Stutt­gart. „Gehei­ra­tet haben wir in Argen­tinien. Es war wun­der­schön“, sagt sie. Der acht­zehn­te Teil der courage-online.de Serie „Super­hel­din­nen“. 

Von Mat­thi­as Lauerer

„Mein ers­tes Gefühl in Deutsch­land war: Es ist sehr schön und sehr ordent­lich“, sagt sie heu­te dazu. Mari­sol kommt im Win­ter an und es ist damals sehr kalt. Doch nicht nur damit hat die Chi­le­nin zu kämp­fen. „Die Regi­on Stutt­gart, in der das Dorf liegt, war sehr schwie­rig für mich, denn ich ver­stand die Men­schen nicht, weil der Dia­lekt so stark ist.“ Heu­te liebt und lebt sie in Bonn: „Hier möch­te ich blei­ben, dies ist mei­ne Stadt.“ Seit nun­mehr sie­ben Jah­ren ist sie in Deutsch­land.  

Mari­sol ist heu­te 43 Jah­re alt und sie arbei­tet in einem Bon­ner Che­mie­un­ter­neh­men. Dort hat es sie in die Pro­duk­ti­on ver­schla­gen, wo sie sich um die Erst­kon­trol­le der Pro­duk­te küm­mert. „Seit drei Jah­ren arbei­te ich dort und war erst als Abfül­le­rin aktiv. Nun habe ich viel im Job gelernt und bin auf­ge­stie­gen.“ Nor­ma­ler­wei­se hält sie es immer nur für etwa ein Jahr in einer Fir­ma aus, dann habe sie in der Regel genug gelernt und zie­he wei­ter. Hier sei es nun anders, sie mag ihre Arbeit sehr. „Manch­mal ist es schwie­rig, weil ich kei­ne Aus­bil­dung in Deutsch­land gemacht habe und die Spra­che nicht so gut spre­che“, sagt sie. Für ein Inter­view auf Deutsch reicht es jedoch allemal.

Neubeginn

Leicht war der Neu­start nicht für Mari­sol, die eigent­lich Lebens­mit­tel­tech­ni­ke­rin von Beruf ist. In ihrem alten Job woll­te sie in der Bun­des­re­pu­blik, wegen der doch „sehr anstren­gen­den Schicht­ar­beit“ nicht zurück. „Ich muss­te neu und von null anfan­gen und schaff­te zunächst im Super­markt und in der Sicher­heit.“ Zwar ver­die­ne ihre Ehe­frau „sehr gut, aber die Unab­hän­gig­keit und damit auch mein eige­nes Geld zu ver­die­nen ist mir sehr wichtig.“

Fußballspielen im Hofgarten

Zum Aus­gleich nach der Arbeit geht es für sie oft in den Hof­gar­ten. „Ich spie­le Fuß­ball vor der Uni­ver­si­tät — drei Mal wöchent­lich im Som­mer und im Win­ter ein­mal. Wir sind die Hof­gar­ten­ki­cke­rin­nen.“ Ver­ab­re­det wird sich per „Dood­le“ und ab sechs Mit­spie­len­den wird der Ball ausgepackt.

„La Roja“ schwächelt

Was ihr, neben dem Fuß­ball noch Ruhe bringt, ist der Besuch in der Sau­na. „Beim ers­ten Mal war es selt­sam, auch weil ich mich geschämt habe, so nackt vor allen ande­ren. Dies ist in mei­ner Kul­tur ver­pönt, doch heu­te ist das total nor­mal und ich genie­ße es sehr.“  

Was sie gera­de trau­rig stimmt: „Wir sind schon fast raus aus der Qua­li­fi­ka­ti­on für die WM in Katar.“ Damit spricht sie auf das chi­le­ni­sche Natio­nal­team an, das lie­be­voll „La Roja“ also „die Rote“ genannt wird, und bei dem es gera­de nicht so wirk­lich gut läuft.

Kinder? Ja gerne

Über das The­ma Kin­der und die wei­te­ren Jah­re im Land sagt sie: „Wir haben kei­ne Kin­der, aber wol­len wel­che. Wird schon klap­pen.“ Was Jara wich­tig ist: „Ich möch­te in Ruhe über­le­gen, was ich machen will, viel­leicht etwas in der Sozi­al­ar­beit. Für mich ist es wich­tig etwas zu tun, was mir gefällt.“ Mit ein Grund über eine mög­li­che Zukunft in der Sozi­al­ar­beit nach­zu­den­ken: „Ich habe einen Nef­fen in Chi­le, der ist behin­dert.“ Jene Kin­der nann­te man bis vor nicht all­zu lan­ger Zeit in jenem Staat noch „minus­va­l­i­dos“. Dem­nach waren jene für die Gesell­schaft „weni­ger wert.“

Perfektes Deutsch

Spricht man Mari­sol auf ihren Traum für ihr Leben an, sagt sie: „Ich träu­me sehr davon, die deut­sche Spra­che zu 100 Pro­zent zu ver­ste­hen und zu spre­chen.“ Dafür will sie bald mit Online­sprach­stun­den beginnen. 

In der courage-online.de-Serie „Super­hel­din­nen“ stel­len wir regel­mä­ßig Frau­en vor, die ihr augen­schein­lich „ganz nor­ma­les“ Leben wie eine Super­hel­din meis­tern. Wir zei­gen die ganz per­sön­li­chen Lebens­läu­fe, spre­chen über Finanz­bil­dung und wol­len Mut machen: Jede Frau ist eine Super­hel­din!
 

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Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

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