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Superheldinnen: Die Ordensfrau Ursula Hertewich

2021-10-04T08:31:40+02:002. Oktober 2021|

Dr. Ursu­la Her­te­wich hat sich vom Welt­li­chen abge­mel­det und der geist­li­chen Welt zuge­wen­det. Denn: Ihr neu­es Leben führ­te die jun­ge Frau ins Klos­ter Aren­berg. Wie gelang der 45-Jäh­ri­gen der Umstieg? Der neun­te Teil der courage-online.de Serie „Super­hel­din­nen“.

Von Mat­thi­as Lauerer

Frü­her stand sie hin­ter dem Tre­sen in einer Apo­the­ke und heu­te küm­mert sie sich um die Ordens­aus­bil­dung im „Klos­ter Aren­berg.“ Die Rede ist von der ehe­ma­li­gen Apo­the­ke­rin Dr. Ursu­la Hertwich, die heu­te unter Schwes­ter Ursu­la fir­miert. Wes­halb mag sie ihre Arbeit? „Dies ist die span­nends­te Auf­ga­be, die man in einem Klos­ter haben kann“, sagt sie. Der Grund dafür: „Ich bin das Bin­de­glied zwi­schen der alten Gemein­schaft und den jun­gen Schwestern.“

Apothekerdynastie

Rück­blick: Her­te­wich stammt aus einer Apo­the­ker­fa­mi­lie. Vor 125 Jah­ren grün­det ihr Urgroß­va­ter die ers­te Filia­le. Nach dem Abitur beginnt Ursu­la mit dem Phar­ma­zi­e­stu­di­um. 2002 gelingt ihr die Pro­mo­ti­on zum Dr. rer. nat. mit dem The­ma „Phy­to­che­mi­sche Unter­su­chung aus­ge­wähl­ter Leber­moo­sar­ten sowie Auf­klä­rung der Tri­ter­pen­bio­syn­the­se in Foss­om­bro­nia alas­ka­na Stee­re & Inoue.“ „Sicher­heit war mir wich­tig und das Stu­di­um ging mir leicht von der Hand“, erin­nert sie sich. Doch über den Abschluss freut sie sich nicht so, wie sie es erwar­tet hat. Alles war für sie sehr erwart­bar gewe­sen. Den­noch arbei­tet sie noch bis 2004 auf einer Post­docstel­le an der Uni.

Eine Reise verändert alles

Rück­blick: 2001 geht die jun­ge Frau für ein hal­bes Jahr nach Neu­see­land. Dort erlebt sie zum ers­ten Mal in ihrem Leben Ein­sam­keit, die ihr gut gefällt. Sie genießt die Stil­le. „Ich gestand mir ein, dass der geplan­te Lebens­weg mit Hei­ra­ten und Kin­dern für mich nicht stim­mig war. Ich hader­te und such­te das Gespräch mit einem Pfar­rer, weil ich gläu­big bin und bereits damals oft in die Kir­che ging.“ Ihr Hei­mat­pas­tor fragt: ´Bist Du auf der Suche nach einem geis­ti­gen Weg?´ Sei­ne Fra­ge löst eine gedank­li­che Lawi­ne aus. Freun­de bera­ten sie und emp­feh­len die Sinn­su­che im Klos­ter Aren­berg. Dies liegt in der Nähe von Koblenz.

Nicht alle sind angetan

„Im Janu­ar 2003 fuhr ich mit einem mul­mi­gen Gefühl dort­hin und mit im Gepäck lagen vie­le Vor­ur­tei­le über das Klos­ter­le­ben.“ Doch die ver­flüch­ti­gen sich schnell. Nach dem Besuch fährt sie zurück und arbei­tet zwei Jah­re lang tap­fer in der hei­mi­schen Apo­the­ke. Der Sinn dar­in? „Ich woll­te mich erst prü­fen und wis­sen: Ist das Dein Weg?“ Es dau­ert drei Jah­re, bis sie den Ein­tritt ins Klos­ter wagt. Raus einem bür­ger­li­chen Leben, rein in die Geist­lich­keit. Vor 15 Jah­ren tritt sie dann dem Orden der „Aren­ber­ger Domi­ni­ka­ne­rin­nen“ bei.

Die Eltern hadern

Was sie erstaunt: „Athe­is­ti­sche Freun­de reagier­ten mit Begeis­te­rung, wäh­rend mir mein kirch­li­ches Umfeld über­ra­schen­der­wei­se ent­setzt zurief: Das kannst Du doch nicht machen!“ Und ihre Schwes­ter? Sagt nur staub­tro­cken: ´Du warst ja schon immer komisch.´ Für die Eltern wiegt der Schritt schwer. „Ich bewun­de­re sie dafür, dass sie die Ent­schei­dung mittragen.“

Heimat finden

Heu­te ist sie Seel­sor­ge­rin und die Lei­te­rin des Novi­zi­ats. Bedeu­tet: Schwes­ter Ursu­la beglei­tet jun­ge Schwes­tern auf dem Weg in den Orden. Was die Mitt­vier­zi­ge­rin zur Super­hel­din macht, ist der Umgang mit den Penun­zen. Im alten Leben als Apo­the­ke­rin besaß sie davon mehr als heu­te. Die ers­ten acht Jah­re lief es so wie bei den älte­ren Schwes­tern. „Mit dem Ordens­ein­tritt lös­te ich mein Kon­to auf und gab das Geld dem Orden zur Ver­wal­tung. Jene Sum­me wird nicht ange­tas­tet.“ Wei­ter sagt sie: „Wir leben als Güter­ge­mein­schaft und das Gehalt unse­rer Arbeit geht dann in eine gemein­sa­me Kas­se. Gewin­ne erwirt­schaf­ten wir nicht.“

Ursula Hertewich

Ursu­la Hertewich

Neues Experiment

Vor sechs Jah­ren keimt die Idee für ein inter­es­san­tes Expe­ri­ment. „Heu­te erhal­ten wir monat­lich je 100 Euro für den per­sön­li­chen Bedarf.“ Was ent­fällt, ist der Gang zu den Obe­ren, um dort nach Geld für ein neu­es Paar Schu­he zu fra­gen. Bald stellt sich auch die Fra­ge danach, ob der fri­sche Ver­such wei­ter­geht und bis dahin gilt auch: „Alles, was auf dem Kon­to über 2.000 Euro liegt, geht dann wie­der zurück in die Gemein­schaft.“ Heu­te ist Her­te­wichs Kon­to­stand „drei­stel­lig.“ Gera­de war die Ordens­frau bei Exer­zi­ti­en in der Schweiz, vie­le Tage der Stil­le hat sie gemeis­tert. Der Rat: „Ver­su­chen Sie es doch auch ein­mal! Ich kann es nur emp­feh­len.“ Ihr Fazit zum muti­gen Schritt: „Das Klos­ter ist mein Ort, hier geht es mir sehr gut. Mein Leben hat durch den Schritt vie­le neue Facet­ten bekom­men und fühlt sich reich an. Es war die rich­ti­ge Entscheidung.“

In der courage-online.de-Serie „Super­hel­din­nen“ stel­len wir regel­mä­ßig Frau­en vor, die ihr augen­schein­lich „ganz nor­ma­les“ Leben wie eine Super­hel­din meis­tern. Wir zei­gen die ganz per­sön­li­chen Lebens­läu­fe, spre­chen über Finanz­bil­dung und wol­len Mut machen: Jede Frau ist eine Superheldin!

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