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    Schöner wohnen im Baudenkmal, ©Ernst/iStock

Schöner wohnen im Baudenkmal: mit Fördermitteln 

2021-10-28T12:17:15+02:0028. Oktober 2021|

Grün­der­zeit, Jugend­stil, Bau­haus: Bau­sti­le ver­gan­ge­ner Epo­chen prä­gen unse­re Städ­te. Alte Fach­werk­häu­ser machen Geschich­te eben­so erleb­bar wie zu Lofts umge­bau­te Fabri­ken. Bau­denk­mä­ler haben Charme. Nur: Sie brau­chen Pfle­ge. Und die ist teu­er. Die gute Nach­richt: Bund, Län­der, Kom­mu­nen und Stif­tun­gen för­dern Sanierungen. 

Von Gise­la Haberer

Mül­lers ver­lieb­ten sich in ein gut 500 Jah­re altes Acker­bür­ger­haus: das Rat­haus in Sicht­wei­te, der Markt um die Ecke, die grü­ne Umge­bung durchs nahe Stadt­tor fuß­läu­fig erreich­bar. Sie kauf­ten und sanier­ten das seit Jah­ren teils leer­ste­hen­de Bau­denk­mal in Wei­den. Jetzt atmen die einst engen, dunk­len Räu­me jede Men­ge Licht und bie­ten Wohn­kom­fort – und das auch noch kli­ma­freund­lich! Einen ehe­ma­li­gen Bahn­hof in Thü­rin­gen ver­wan­del­te ein Münch­ner Ehe­paar in eine „Sta­ti­on mit Stil“: Nun woh­nen sie in einem moder­nen Loft mit Indus­trie­bau-Optik. Bei­de Sanie­run­gen ermög­lich­ten För­de­run­gen der staat­li­chen För­der­bank Kfw – die bei­de Ergeb­nis­se jeweils mit ihrem KfW Award aus­zeich­ne­te. Zwei Bei­spie­le, die kei­ne Ein­zel­fäl­le sind. Denn es sind häu­fig pri­va­te Liebhaber:innen, die ein Bau­denk­mal zu neu­em Leben erwe­cken.  

Fotos vom Alt­stadt­haus in neu­em Licht.

Fotos von der Sta­ti­on mit Stil.

Nur mit Genehmigung vom Amt 

Reno­vie­rung oder Sanie­rung eines Bau­denk­mals wol­len gut vor­be­rei­tet sein. Als ers­tes holen sich Eigentümer:innen am bes­ten fach­li­chen Rat. Etwa bei Architekt:innen, Bausachverständig:innen, Energieberater:innen oder Hand­werks­be­trie­ben, die auf die Sanie­rung denk­mal­ge­schütz­ter Immo­bi­li­en spe­zia­li­siert sind. Dann rei­chen sie ihren Antrag bei der Unte­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de ein und war­ten deren Ant­wort ab. Ein Vor­ha­ben kann ganz, teil­wei­se oder unter Auf­la­gen geneh­migt wer­den. Häu­fig wer­den Mate­ria­li­en und Farb­ge­bung vor­ge­ge­ben. Wer Ver­än­de­run­gen vor­ei­lig unge­neh­migt durch­ge­führt, ris­kiert hohe Buß­gel­der und die Ver­pflich­tung zum Rück­bau. Die Geneh­mi­gung dage­gen ist wie ein Ticket zu För­de­run­gen.  

Förderung durch den Bund 

Zwei För­de­run­gen des Bun­des zum Erhalt von Bau­denk­mä­lern sind für pri­va­te Eigentümer:innen zugäng­lich. Wenn auch jeweils auf Umwe­gen. Über das Denk­mal­schutz-Son­der­pro­gramm flie­ßen bis 2025 ins­ge­samt 70 Mil­lio­nen Euro vom Bund an die Obers­ten Denk­mal­schutz­be­hör­den der Län­der. Die­se ver­ge­ben die Mit­tel dann jeweils nach ihren Richt­li­ni­en. Soweit pri­va­te Eigentümer:innen die Vor­ga­ben erfül­len, kön­nen auch sie För­der­mit­tel erhal­ten.   

Wei­te­re Bun­des­mit­tel flie­ßen an die staat­li­che För­der­bank KfW. Die­se berück­sich­tigt, dass Bau­denk­ma­le beson­ders schwie­rig ener­ge­tisch zu sanie­ren sind. Dar­um sind die tech­ni­schen Anfor­de­run­gen an eine Sanie­rung zum „KfW Effi­zi­enz­haus Denk­mal“ ver­gleichs­wei­se groß­zü­gig. Kom­plet­te Sanie­run­gen wer­den wahl­wei­se mit Dar­le­hen und Zuschüs­sen geför­dert. Für ein­zel­ne Maß­nah­men, etwa die Erneue­rung der Hei­zung oder ein Aus­tausch der Fens­ter, gibt es zins­güns­ti­ge Dar­le­hen bis maxi­mal 60.000 Euro.  

Baudenkmäler: Förderungen durch Länder und Kommunen 

So gut wie alle Bun­des­län­der för­dern auch pri­va­te Eigentümer:innen bei Erhalt, Sanie­rung oder Restau­rie­rung ihrer denk­mal­ge­schütz­ten Immo­bi­li­en, meist durch Zuschüs­se. Für die Ver­ga­be macht jedes Land eige­ne Vor­ga­ben. In der Regel muss das Gebäu­de grund­sätz­lich als Denk­mal behörd­lich aner­kannt sein. Dann wer­den denk­mal­be­ding­te Mehr­kos­ten geför­dert, meist jedoch nur zu einem Teil. Even­tu­ell sind wei­te­re Finan­zie­rungs­part­ner ins Boot zu holen. So gewährt zum Bei­spiel Schles­wig-Hol­stein erst dann Zuschüs­se, wenn För­de­run­gen von EU, Bund oder ande­ren Geld­ge­bern aus­ge­schöpft sind. Meck­len­burg-Vor­pom­mern för­dert nur, wenn sich auch die Kom­mu­ne betei­ligt. Das Saar­land hilft aus, wenn För­der­mit­tel ande­rer Stel­len nicht aus­rei­chen. In der Regel ist es erlaubt, ver­schie­de­ne För­de­run­gen zu kom­bi­nie­ren. Häu­fig ist ein Min­dest­an­teil selbst zu finan­zie­ren. Man­che Län­der ver­ge­ben einen Teil ihrer Mit­tel für Denk­mal­pfle­ge an Kom­mu­nen, die die­se dann ver­ge­ben. Pri­vat­leu­te kön­nen sich über Daten­ban­ken einen Über­blick über mög­li­che För­der­töp­fe ver­schaf­fen sowie bei den Denk­mal­schutz­be­hör­den nach­fra­gen.  

Förderungen durch Stiftungen 

Die Deut­sche Stif­tung Denk­mal­schutz för­dert bun­des­weit pro Jahr rund 600 Sanie­rungs­pro­jek­te. Antragsteller:innen haben etli­che Unter­la­gen vor­zu­le­gen. Etwa um den kul­tu­rel­len Wert ihres Denk­mals und behörd­li­che Geneh­mi­gun­gen nach­zu­wei­sen sowie Exper­ti­sen und Kos­ten­vor­anschlä­ge von Fach­leu­ten. Antrag­schluss ist jeweils der 31. August. Sprich: Wer im Sep­tem­ber eine Sanie­rung ins Auge fasst, muss min­des­tens ein Jahr auf den För­der­be­scheid war­ten. 

Vie­le deut­sche Stif­tun­gen för­dern regio­na­le oder loka­le Pro­jek­te. Die Daten­bank des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Stif­tun­gen fin­det mit den Such­be­grif­fen Denk­mal bzw. Denk­mal­schutz fast 3000 Stif­tun­gen, meist mit sehr spe­zi­el­len Stif­tungs­zwe­cken. In eini­gen Städ­ten, etwa in Han­no­ver, Dres­den, Gör­litz, Mün­chen und Nürn­berg, gibt es Stif­tun­gen, die sich aus­schließ­lich Wie­der­auf­bau und Erhalt his­to­ri­scher Gebäu­de wid­men. Dar­un­ter auch von Wohn­ge­bäu­den sowie Wohn- und Geschäfts­häu­sern. 

Bür­ger­stif­tun­gen för­dern grund­sätz­lich Pro­jek­te in ihrer Regi­on, die von bür­ger­schaft­li­chem Enga­ge­ment getra­gen sind oder Hil­fe zur Selbst­hil­fe leis­ten. Will eine Ein­zel­per­son oder eine Grup­pe ein orts­bild­prä­gen­des Bau­denk­mal für eine öffent­li­che Nut­zung restau­rie­ren, könn­te dies even­tu­ell die Bür­ger­stif­tung vor Ort unter­stüt­zen.  

Hilfe vom Fiskus: für Selbstnutzer:innen und Vermieter:innen 

Alle Arbei­ten, die ein Bau­denk­mal bewohn- und benutz­bar machen, sind steu­er­lich absetz­bar. „Dabei gel­ten unter­schied­li­che Regeln für Selbst­nut­zung und Ver­mie­tung“, erklärt Sibyl­le Barent, Syn­di­kus­an­wäl­tin vom Eigen­tü­mer­ver­band Haus und Grund. Eigentümer:innen, die ihr Denk­mal selbst bewoh­nen, dür­fen bis zu 90 Pro­zent der „denk­mal­re­le­van­ten Kos­ten“ einer Sanie­rung ver­teilt über zehn Jah­re steu­er­min­dernd gel­tend machen: neun Pro­zent pro Jahr. Vermieter:innen dür­fen 100 Pro­zent ver­teilt über zwölf Jah­re abschrei­ben. Acht Jah­re mit jeweils neun und vier wei­te­re Jah­re mit jeweils sie­ben Pro­zent. Auch den Steu­er­nach­lass gibt es natür­lich nur, wenn die Sanie­rung nach­weis­lich geneh­migt wur­de. För­der­mit­tel wer­den auf die absetz­ba­ren Sanie­rungs­kos­ten ange­rech­net.  

„Bei Ver­mie­tung las­sen sich auch die rei­nen Anschaf­fungs­kos­ten steu­er­lich abset­zen“, sagt Barent und nennt die Details: „40 Jah­re lang zu je 2,5 Pro­zent für Häu­ser mit Bau­jah­ren vor 1924, spä­te­re Bau­ten zu je zwei Pro­zent pro Jahr.“  

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