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  • Das aktuelle Umfeld ist für Mode-Unternehmen eine Herausforderung, ©Ivan Kurmyshov - stock.adobe.com

Mode-Aktien: Die Pandemie-Gewinner sind wenig gefragt

2022-09-05T09:33:29+02:004. September 2022|

Mode-Akti­en von H&M, Zalan­do und auch Hugo Boss gehör­ten zu den Pan­de­mie-Gewin­nern. Doch der Markt birgt Risi­ken – so ist auch das aktu­el­le Umfeld für vie­le eine ech­te Her­aus­for­de­rung. Hier ein paar Akti­en im Ver­gleich. 

Von Ant­je Erhard

Zwei­mal im Jahr steht die Mode-Indus­trie unter Hoch­span­nung: Wenn die Kol­lek­tio­nen für Frühjahr/Sommer bzw. Herbst/Winter auf den Lauf­steg und dann in die Geschäf­te kom­men. Dann zeigt sich, ob die Desi­gner den Geschmack ihrer Kund:innen getrof­fen haben. Viel steht auf dem Spiel. 

Doch Klei­dung braucht doch jede:r und schnell ist sie wie­der aus der Mode. Ist der Mode-Markt also eine ewi­ge Wachs­tums­sto­ry? Nein, weit gefehlt. Läuft auch nur eine Kol­lek­ti­on nicht gut, ste­hen hohe Kos­ten zu gerin­gen Ein­nah­men gegen­über. Wer falsch liegt oder Trends ver­passt, ist schnell weg aus dem Schau­fens­ter.  

Schnelllebig und viel Konkurrenz – Auch das ist der Mode-Markt 

Der Markt ist schnell­le­big, immer wie­der tre­ten neue Label und Unter­neh­men in Erschei­nung. Und ver­schwin­den auch wie­der. Es ist nicht ein­fach, hier auf Dau­er dabei zu sein. Dar­über hin­aus müs­sen die Unter­neh­men digi­tal gut auf­ge­stellt sein. Immer mehr Mode wird online ver­kauft. Nicht nur zu Pan­de­mie-Zei­ten, wenn wir zu Hau­se sit­zen. 

Der Markt ist geprägt von Luxus bis güns­tig bzw. sehr güns­tig. Dabei zeigt sich gera­de in den aktu­el­len kon­junk­tu­rell schwie­ri­gen Zei­ten, wie viel ein gutes Image, eine gute Mar­ke und die Fähig­keit, hohe und stei­gen­de Prei­se durch­zu­set­zen, Wert sind: Der Luxus­markt boomt. Auch wenn in Chi­na die Nach­fra­ge durch die Lock­downs zeit­wei­se gerin­ger war, so war doch der Rest der betuch­ten Welt in Shop­ping-Lau­ne. Der Luxus-Markt kann bis 2025 auf 360 bis 380 Mil­li­ar­den US-Dol­lar wach­sen, pro­gnos­ti­ziert die Unter­neh­mens­be­ra­tung Bain & Com­pa­ny. 2021 waren es 283 Mil­li­ar­den. Und das spie­gelt sich in den Bilan­zen der Unter­neh­men wie in den Akti­en­kur­sen. 

Bei­spiel Kering: Eines der Luxus-Unter­neh­men schlecht­hin mit Mar­ken wie Guc­ci oder Yves Saint Lau­rent. Im ers­ten Halb­jahr gelang dem Unter­neh­men ein Rekord­ge­winn von fast zwei Mil­li­ar­den Euro. Optisch ist die Aktie selbst ein Luxus-Pro­dukt – sie kos­tet 560 Euro und wird von den meis­ten Ana­lys­ten zum Kauf emp­foh­len. Aller­dings hat sie in die­sem Jahr 20 Pro­zent an Wert ver­lo­ren, auf Sicht von fünf Jah­ren ste­hen 80 Pro­zent Plus.  

Retail-Mode – ein schwieriger Markt 

Viel här­ter geht es auf dem Retail­markt zu, wie Inditex und Co erfah­ren: Mit den Mar­ken Zara, Mas­si­mo Dut­ti, Bersh­ka und Pull&Bear stie­gen Umsät­ze und Gewin­ne von Inditex trotz stei­gen­der Kos­ten. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren lief das Geschäft sehr erfolg­reich – bis auf den übli­chen Ein­bruch zur Pan­de­mie. Zwar blie­ben zuletzt die Läden in Chi­na geschlos­sen und auch Russ­land wirk­te sich nega­tiv aus, doch vor allem der sta­tio­nä­re Han­del läuft. Die Inditex-Aktie ist seit Jah­res­be­ginn noch mit 12 Pro­zent in der Ver­lust­zo­ne, und auch auf län­ge­re Sicht, fünf Jah­re, sum­mie­ren sich die Kurs­ver­lus­te auf 24 Pro­zent. Ana­lys­ten sehen aber Poten­ti­al. 60 Pro­zent haben sie auf “kau­fen”. Das mitt­le­re Kurs­ziel steht bei 27,89 Euro. Das sind aller­dings nur noch rund zehn Pro­zent Poten­ti­al von aktu­ell 25 Euro. 

H&M: Skeptisch wegen der Inflation 

Auch bei H&M läuft der Han­del wie­der. Die Schwe­den haben im zwei­ten Quar­tal mehr ver­dient als erwar­tet und gehen davon aus, dass es mit den Lie­fer­eng­päs­sen nun suk­zes­si­ve bes­ser wird. Ein Drit­tel mehr Vor­steu­er­ge­winn und 17 Pro­zent mehr Umsatz – nicht zuletzt ein Basis­ef­fekt im Ver­gleich zur Pan­de­mie – müs­sen aber nicht so blei­ben: Inmit­ten der enorm hohen Infla­ti­on ist H&M skep­tisch, inwie­weit die Verbraucher:innen künf­tig mehr Geld für Mode aus­ge­ben. Retail-Händ­ler müs­sen tra­di­tio­nell ihre Prei­se güns­tig hal­ten, sie kön­nen stei­gen­de Roh­stoff­prei­se nicht in gro­ßem Stil an die Kun­den wei­ter­ge­ben. Die Aktie von H&M ist denn auch deut­lich wenig in Mode: Seit Jah­res­be­ginn ist sie um ein Vier­tel gefal­len. Auf fünf Jah­re zei­gen sich eine hohe Vola­ti­li­tät und ein Minus der Aktie von 40 Pro­zent. Auch die Ana­lys­ten sind gespal­ten: Ein Vier­tel sieht die Aktie auf “ver­kau­fen”, 41 Pro­zent auf “hal­ten”, ein Drit­tel auf “kau­fen”. Das Kurs­ziel erreicht im Mit­tel ledig­lich 14 Euro. 

Konsumflaute bei Zalando durchgeschlagen 

Auch bei Zalan­do macht sich die Kon­sum­flau­te bereits bemerk­bar. Weni­ger Nach­fra­ge und Lie­fer­eng­päs­se drü­cken den Umsatz im zwei­ten Quar­tal ein, den Gewinn aber enorm. Statt 120 Mil­lio­nen Euro blei­ben unter dem Strich noch 14 Mil­lio­nen hän­gen. Der Bestell-Boom aus dem Vor­jahr zur Coro­na-Pan­de­mie ist Ver­gan­gen­heit, aber Zalan­do hofft auf das Weih­nachts­ge­schäft. Außer­dem hat das Unter­neh­men in eini­gen Län­dern Min­dest­be­stell­wer­te ein­ge­führt, damit das Ver­sen­den von Mode wie­der pro­fi­ta­bler wird. An der Bör­se ist das Unter­neh­men, das einer der Pan­de­mie-Gewin­ner und Bör­sen-Lieb­lin­ge war, abge­straft. Seit dem Jah­res­be­ginn hat es die Hälf­te an Bör­sen­wert ver­lo­ren. Auf Sicht von fünf Jah­ren steht ein Minus von 20 Pro­zent in den Kurs­lis­ten. Immer­hin hat mehr als die Hälf­te der Ana­lys­ten die Aktie auf “kau­fen” und sieht im Mit­tel ein Kurs­ziel von 43,46 Euro – deut­lich mehr als die aktu­ell gut 31 Euro. 

Hugo Boss: Hier läuft es rund 

Bei Hugo Boss steht hin­ge­gen seit Jah­res­be­ginn ein Kurs­plus von zehn Pro­zent auf dem Kurs­zet­tel. Lang­fris­tig sum­miert sich auch hier (fünf Jah­re) ein Minus: 18 Pro­zent. Doch auch hier lief die Aktie zur Pan­de­mie. Auch die Mode kommt an: Nach lan­gen Durst­stre­cken immer mal wie­der – Ein­brü­che 2015 und Ver­lus­te 2020 – wur­de der Gewinn im zwei­ten Quar­tal mehr als ver­dop­pelt. Der Umsatz erreich­te ein Rekord­hoch. Und das soll auch im Gesamt­jahr klap­pen. Ver­dor­be­ne Kon­sum­lau­te? Nein. Die Kund:innen kau­fen. In Euro­pa wie in Nord­ame­ri­ka, auch in Chi­na seit Ende der Lock­downs. Die Mar­ke kommt jün­ger daher, und viel mehr wird online ver­kauft, seit Hugo Boss dar­auf stär­ker setzt. Außer­dem müs­se man kaum Rabat­te geben.  

Unter dem Strich ist es mit den Mode-Akti­en wie mit dem rich­ti­gen Leben abseits des Lauf­stegs. Es gibt Licht und Schat­ten, und es gelingt den Unter­neh­men sehr unter­schied­lich, mit den Risi­ken umzu­ge­hen. Für Anleger:innen hat sich das Invest­ment nach der Pan­de­mie mehr als aus­ge­zahlt, ein Zwi­schen­hoch. Lang- wie kurz­fris­tig sind Mode-Akti­en über­wie­gend kei­ne Top-Sel­ler. ETFs mit Mode-Akti­en gibt es hier zu Lan­de nicht, selbst der Luxus-Markt wird kaum mit ETFs abge­deckt. 

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