• Silver Society
    Silver Society, ©pixelfit/iStock

Megatrends: Silver Society – Die Welt wird alt. Und hat Spaß dabei

2022-03-24T16:27:07+01:0023. März 2022|

Welt­weit kön­nen die Men­schen erwar­ten, 73 Jah­re alt zu wer­den. Regio­nal sieht das ganz unter­schied­lich aus. Doch eins steht fest: Wir wer­den immer älter und blei­ben län­ger fit. Das birgt Chan­cen und Her­aus­for­de­run­gen zwi­schen Gesund­heits­vor­sor­ge, Dating-Apps und neu­em Woh­nen. 

Von Ant­je Erhard

Wer 2021 in San Mari­no auf die Welt gekom­men ist, kann im Schnitt 85 Jah­re alt wer­den, gefolgt von Neu­ge­bo­re­nen in Hong­kong (eben­falls 85 Jah­re), Macau, Sin­ga­pur und Japan (je 84 Jah­re). Laut Sta­tis­ta ist Deutsch­land jedoch nicht unter den 30 Län­dern, deren Bewohner:innen beson­ders alt wer­den. Wir haben die Chan­ce, unge­fähr 81 zu wer­den. Doch gera­de in ärme­ren Regio­nen sieht es voll­kom­men anders aus: Ledig­lich 64 Jah­re beträgt die Lebens­er­war­tung dem­nach in Afri­ka.  

Das heißt: Jede Genera­ti­on ist klei­ner als die vor­an­ge­gan­ge­ne. Die Älte­ren sind ste­tig in der Über­zahlt. Bis 2060 wird ein Drit­tel der Bevöl­ke­rung 65 und älter sein. Dann wer­den auch dop­pelt so vie­le 70-Jäh­ri­ge leben wie Kin­der gebo­ren wer­den, errech­ne­te das Zukunfts­in­sti­tut. Die Welt wird alt. Das for­dert Wirt­schaft, Sozi­al­sys­te­me, Staat und Gesell­schaft.  

Der Trend zeigt sich beson­ders in Japan. Das Land der auf­ge­hen­den Son­ne gilt bereits als „super aged socie­ty“, weil schon 29 Pro­zent der Einwohner:innen älter als 65 sind. So hoch ist der Anteil der Älte­ren der­zeit in kei­nem ande­ren Land. Japan ver­sucht aber bereits seit Län­ge­rem, mit Künst­li­cher Intel­li­genz gegen­zu­hal­ten: Robo­ter erset­zen Arbeits­kräf­te in Auto­mo­bil­pro­duk­ti­on oder Maschi­nen­bau, bewa­chen U‑Bahnen. Ein Pro­jekt, das in die Zukunft denkt, mutet etwas sku­ril an: Japan för­dert mit 11 Mil­li­ar­den US-Dol­lar Part­ner­ver­mitt­lun­gen. Wer hier zusam­men­kommt, soll natür­lich dann auch an Nach­wuchs den­ken, ist der lang­fris­ti­ge Plan. Japan ist neben den USA ein wich­ti­ger Markt für glo­ba­le Dating-App-Anbie­ter. 

Die Alten gibt es nicht mehr

Doch zurück nach Deutsch­land und die gute Nach­richt zuerst: „Die Alten“ gibt es nicht mehr, sagt das Zukunfts­in­sti­tut. Die Wissenschaftler:innen pro­gnos­ti­zie­ren: „Zen­tral wird eine neue posi­ti­ve Bedeu­tung von ‚Alter’ und ‚Altern’ – die auch einen gro­ßen Shift im Wirt­schafts­sys­tem vor­an­treibt: von Wachs­tum zu Weis­heit.“ So wie es „die Jugend“ nicht mehr gäbe, kön­ne man auch die Älte­ren nicht mehr über einen Kamm sche­ren. Statt sozio­de­mo­gra­phisch wer­den Ziel­grup­pen nun nach Lebens­sti­len, die durch Wer­te, Ein­stel­lun­gen und Kon­sum­mus­ter defi­niert sei­en, unter­schie­den. Begrün­dung: „Eigent­lich war die Gesell­schaft noch nie so jung.“ Und noch ein Trend brei­te sich in die­sem Zusam­men­hang aus. Der zur Lebens­qua­li­tät. Acht­sam­keit wer­de zum Main­stream und Lebens­qua­li­tät zum Ziel der aller­meis­ten. Und so sind die Älte­ren die ein­zi­ge wach­sen­de Kon­su­men­ten­grup­pe. Dar­aus erge­ben sich für ein­zel­ne Bran­chen und Märk­te durch­aus Chan­cen: 

Pro­fi­teur 1: Der Gesund­heits­markt. Hilfs- und pfle­ge­be­dürf­ti­ge sehr alte Men­schen trei­ben den Sek­tor für Gesund­heit, Pfle­ge und Sozia­les. Davon pro­fi­tiert der ers­te Gesund­heits­markt mit Kran­ken­häu­sern, Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, Phar­ma- und Bio­tech-Unter­neh­mens sowie der zwei­te Markt. Er umfasst alter­na­ti­ve Medi­zin, Well­ness, Ernäh­rungs­be­ra­ter und die Lebens­mit­tel­bran­che. Die Bedeu­tung von Gesund­heits­sys­te­men wird zuneh­men. Schon jetzt benö­tigt die Gesell­schaft mehr Leis­tun­gen als noch vor weni­gen Jah­ren, trotz Urlaub, Fit­ness und Sport. Auch die Coro­na-Pan­de­mie stützt die­sen Trend: Online-Sprech­stun­den und digi­ta­le Daten-Über­mitt­lun­gen wer­den immer wich­ti­ger. 

Neuseeland statt Balkonien

Pro­fi­teur 2: Der Tou­ris­mus. Die Älte­ren sind unab­hän­gig, haben viel Zeit und häu­fig auch das not­wen­di­ge Kapi­tal zu rei­sen. Und sie sind fit genug, die Welt wei­ter zu ent­de­cken. Neu­see­land statt Bal­ko­ni­en. Nah- und Fern­tou­ris­mus pro­fi­tie­ren davon, wenn­gleich die Coro­na-Pan­de­mie den Rei­se­sek­tor belas­tet hat. Doch mit kom­for­ta­blen Lösun­gen, bar­rie­re­frei­en Ange­bo­ten und indi­vi­du­el­len Ange­bo­ten ist hier eine wich­ti­ge Ziel­grup­pe unter­wegs in Hotels, Restau­rants, in Flug­zeu­gen, auf Schif­fen etc. 

Pro­fi­teur 3: Mobi­li­tät und Urba­ni­tät. Die Älte­ren wol­len mobil blei­ben. Das erfor­dert aber ein beson­de­res Maß an Sicher­heit. Fahr­as­sis­tenz­sys­te­me in Fahr­zeu­ge erfah­ren da womög­lich viel Zuspruch in Zukunft. Aber auch E‑Bikes tra­gen dazu bei, dass die Senior:innen mobil sind und sich zugleich fit­hal­ten. Hol- und Bring­diens­te wer­den nicht nur für Pfle­ge- und Arzt­fahr­ten inter­es­sant.  

Assisted Living statt Haus mit Garten

Und der Trend zur Urba­ni­sie­rung erfasst auch die Senior:innen: Schon jetzt zieht es immer mehr Men­schen in die Städ­te. Die Älte­ren kön­nen sich die der­zeit hohen Prei­se aber auch eher leis­ten: Sie tau­schen Haus gegen Woh­nung und neh­men am urba­nen Leben teil. Aller­dings braucht es all­tags­taug­li­che Wohn­kon­zep­te: Bar­rie­re­frei, ver­netzt und gut ange­bun­den. Senio­ren-WGs und senio­ren­ge­rech­te Wohn­kon­zep­te, so genann­tes „Assis­ted Living“ wer­den belieb­ter.  

Pro­fi­teur 4: Bil­dung. Lebens­lan­ges Ler­nen ist die Devi­se. Stu­di­en bele­gen den Zusam­men­hang von Ver­hal­ten und indi­vi­du­el­ler Alte­rung inner­halb bestimm­ter bio­lo­gi­scher Gren­zen. „Gera­de die neu­en ‚Rent­ner­ge­nera­tio­nen’ haben die Erkennt­nis der Gestalt­bar­keit des Alterns stark ver­in­ner­licht“, fasst das Zukunfts­in­sti­tut zusam­men: Viel­sei­tig inter­es­siert und mit viel Zeit besu­chen Senior:innen Sprach- und Com­pu­ter­kur­se, gehen in Kon­zer­te, Muse­en, ler­nen den Umgang mit Smart­wat­ches, Tablets und Smart­pho­nes. Und nut­zen die­se. 

Vie­le Finanz­dienst­leis­ter haben dar­auf längst reagiert. Fonds, ETFs, Akti­en und Zer­ti­fi­ka­te machen das The­ma viel­fäl­tig inves­tier­bar. Zu den Sek­to­ren gehö­ren zum Bei­spiel 

  • Gesund­heit, Well­ness & Pharma
  • Tou­ris­mus
  • Mobi­li­tät & Konnektivität
  • Popu­la­ti­on & Demographie
  • Tech­no­lo­gie und Künst­li­che Intel­li­genz 
  • sowie Immo­bi­li­en und Betreu­tes Wohnen

Unter­neh­men, die Pro­duk­te und Ser­vices für die welt­weit altern­de Bevöl­ke­rung anbie­ten, haben die Älte­ren im Blick, von Dating-Apps bis Wohn-Immo­bi­li­en. Aber auch Unter­neh­men der Grund­ver­sor­gung, Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie und Erneu­er­ba­ren Ener­gie zäh­len zu den Zukunfts­märk­ten, wenn es gilt, immer mehr Men­schen zu ver­sor­gen. Wie bei jedem Invest­ment ist auch eine Geld­an­la­ge in Zukunfts­bran­chen ein lang­fris­ti­ges Invest­ment mit allen Chan­cen und Risi­ken der Kapi­tal­märk­te. Eine brei­te Streu­ung emp­fiehlt sich auch hier.  

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Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

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