• Gender Shift
    Gender Shift, ©tostphoto/stock.adobe.com

Megatrends: Gender Shift – Investieren in die Gleichberechtigung

2022-01-19T12:05:26+01:0019. Januar 2022|

Gen­der Shift ist einer von zwölf Mega­trends, die das Zukunfts­in­sti­tut auf­ge­lis­tet hat. Der Mega­trend Gen­der Shift bedeu­tet das Ende des tra­dier­ten Mann-Frau-Sche­masWie kön­nen wir in die­sen Mega­trend inves­tie­ren?

Von Ant­je Erhard

Der Gen­der Shift ist ein Trend, der unter­schied­lich schnell ver­läuft und unter­schied­lich weit geht auf der Welt. Weil die Vor­aus­set­zun­gen unter­schied­lich sind: Geschlech­ter­rol­len in Nah­ost sind anders besetzt als in Mit­tel­eu­ro­pa. Den­noch voll­zieht sich der Wan­del. Bei uns bedeu­tet Gen­der Shift, dass Frau­en mehr Füh­rung über­neh­men und Män­ner mehr Zeit für die Fami­lie haben. In ande­ren Län­dern kämp­fen Frau­en dar­um, wei­ter­füh­ren­de Schu­len besu­chen oder ohne männ­li­che Beglei­tung rei­sen zu kön­nen. Doch eins ist klar: Ver­än­der­te Rol­len und Ste­reo­ty­pen sor­gen für Ver­än­de­run­gen in der Gesell­schaft, im Leben aller, aber auch in Poli­tik und Wirtschaft.

Das Zukunfts­in­sti­tut hat vier The­sen auf­ge­stellt, wie wir als Mann und Frau künf­tig mit­ein­an­der umgehen:

  • Punkt 1: Geschlech­ter­rol­len ver­lie­ren dem­nach ihre sozia­le Rele­vanz. Alt­her­ge­brach­te Struk­tu­ren wer­den auf­ge­bro­chen, Frau­en und Müt­ter arbei­ten, Väter neh­men Elternzeit.
  • Punkt 2: Diver­si­tät wird nor­mal. In All­tag, in Poli­tik, Wirt­schaft und Gesell­schaft wird Femi­nis­mus „Main­stream“, wie es beim Zukunfts­in­sti­tut heißt.
  • Punkt 3: Gen­der Awa­reness. Das bedeu­tet zum Bei­spiel, Vor­ur­tei­le zu eli­mi­nie­ren. Aber auch, Gen­der Bia­ses und Blind Spots auf­zu­de­cken. So soll in der For­schung bei Stu­di­en ab jetzt Rück­sicht auf das Geschlecht genom­men werden.
  • Punkt 4: Iden­ti­tä­ten defi­nie­ren sich jen­seits von Geschlecht: Wenn Men­schen sich nicht mehr auto­ma­tisch über das Geschlecht defi­nie­ren (las­sen), ver­än­dert sich damit auch die gesell­schaft­li­che Wahr­neh­mung von Geschlecht. Und damit die Kom­mu­ni­ka­ti­on und das Han­deln. Das trifft zum Bei­spiel auch gen­der­spe­zi­fi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on und Produkte.

Gender Gap Report: 133 Jahre bis zur Gleichstellung 

Nichts­des­to­trotz — bis eine voll­stän­di­ge Gleich­stel­lung zwi­schen Frau und Mann erreicht ist, wird es noch dau­ern. Auch hier zu Lan­de. Wenn es mit der Gleich­be­rech­ti­gung so wei­ter geht wie bis­her, so der Gen­der Gap Report des World Eco­no­mic Forum WEF, der jähr­lich seit 2006 erstellt wird, sind Frau­en und Män­ner erst in 133 Jah­ren welt­weit gleich­ge­stellt. Doch es gibt Fort­schrit­te. Das WEF unter­sucht vier Berei­che: Chan­cen­gleich­heit in der Wirt­schaft, bei der Bil­dung, Gesund­heit und Über­le­bens­chan­cen sowie poli­ti­sche Teil­ha­be. 

Kon­kre­te Ergeb­nis­se: Frau­en haben es in der Poli­tik schwe­rer: In 156 Län­dern sind nur knapp 23 Pro­zent von 3.400 Minis­ter-Pos­ten von Frau­en besetzt. 81 Län­der hat­ten noch nie ein weib­li­ches Staats­ober­haupt. Ande­rer­seits gab es in 98 Län­dern mehr Frau­en im Par­la­ment als im Vor­jahr. Die Lücke bei der wirt­schaft­li­chen Teil­ha­be hat sich zu 58 Pro­zent geschlos­sen. Trotz­dem war bzw. ist es nicht leicht, Che­fin zu wer­den. Welt­weit sind weni­ger als ein Drit­tel aller Füh­rungs­per­so­nen weib­lich. Außer­dem habe Coro­na die Frau­en wei­ter zurück­ge­wor­fen: Feh­len­de Kin­der­be­treu­ung wäh­rend der Lock­downs gin­gen eher zu Las­ten der Frau­en als der Män­ner. 

Bei der Bil­dung hat sich die Lücke hin­ge­gen zu 96 Pro­zent ver­rin­gert laut WEF. In 30 Län­dern des Index sind die Bil­dungs­chan­cen aus­ge­gli­chen. Um die Lücke noch voll­stän­dig zu schlie­ßen, wür­de es noch 13 Jah­re dau­ern. Zum Ver­gleich: Die Lücke zur wirt­schaft­li­chen Gleich­stel­lung bräuch­te noch 257 Jah­re bis zu einem aus­ge­gli­che­nen Geschlech­ter­ver­hält­nis. Dar­über hin­aus hät­ten Frau­en immer­hin fast eben­so gute Chan­cen, gesund zu sein und zu über­le­ben wie Män­ner: 95 Pro­zent Gleich­stel­lung wur­den hier bereits erzielt. 

In Deutsch­land geht die gesell­schaft­li­che Dis­kus­si­on dar­über, wie auch Väter Fami­lie und Kar­rie­re unter einen Hut brin­gen, wie sich Lebens- und Arbeits­wel­ten ver­än­dern müs­sen, damit das gelingt. Die Genera­ti­on Y strebt – zu Recht —  nicht zuletzt nach einer bes­se­ren Work-Life-Balan­ce, ein Vor­bild für die älte­ren Genera­tio­nen? Frau­en suchen nach bes­se­rer Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie: 2019 haben laut Online-Sta­tis­tik­por­tal Sta­tis­ta 66,2 Pro­zent der Frau­en in Deutsch­land mit min­der­jäh­ri­gen Kin­dern in Teil­zeit gear­bei­tet. Damit die­ser Anteil stei­gen kann, braucht es eine soli­de, bezahl­ba­re Kin­der­be­treu­ung und fle­xi­ble Arbeits­zeit­mo­del­le. 

Fülle von Themen-ETFs und ‑Fonds 

Auch wenn der Wan­del lang­sam von­stat­ten geht, inves­tier­bar sind Mega­trends wie Gen­der Shift schon jetzt. The­men-Fonds und –ETFs bie­ten eine Fül­le von Anla­ge-Mög­lich­kei­ten, sie rei­chen von Mega­trends all­ge­mein über Invest­ments in ein­zel­ne Mega­trends bis hin zu Trend­the­men, die in Zusam­men­hang mit Mega­trends ste­hen wie etwa Invest­ments in Was­ser­stoff, Was­ser, Nach­hal­tig­keit, Block­chain, Meta­ver­se, Halb­lei­ter, Infra­struk­tur, Food und, und, und. 

Das Ange­bot für Gen­der Shift als Geld­an­la­ge ist noch rela­tiv über­schau­bar: Das Infor­ma­ti­ons­por­tal justetf.com lis­tet zwei ETFs auf, die vor allem durch nied­ri­ge Kos­ten auf­fal­len: UBS ETF (IE) Glo­bal Gen­der Equa­li­ty UCITS ETF (hedged to EUR) mit der ISIN IE00BDR5H073 und den Lyxor Glo­bal Gen­der Equa­li­ty (DR) UCITS ETF – Acc mit der ISIN LU1691909508. Dar­über hin­aus hat iSha­res den iSha­res Refi­ni­tiv Inclu­si­on and Diver­si­ty UCITS ETF (INSIN: IE00BD0B9B76) auf­ge­legt. 

Fonds zum Mega­trend Gen­der Shift / Diver­si­ty gibt es von meh­re­ren Anbie­tern. Hier eine Auf­lis­tung – das ist kei­ne Emp­feh­lung oder Bera­tung, son­dern ledig­lich eine Über­sicht, die kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit erhebt:  

Der Ampega Diver­si­ty Plus Akti­en­fonds (ISIN: DE000A12BRD6) ent­hält als größ­te Titel Akti­en wie die Alli­anz oder Tele­kom. 

Der Nor­dea 1 Glo­bal Gen­der Diver­si­ty Fonds (ISIN: LU1939215312) hat als größ­te Posi­tio­nen Apple, Micro­soft und Nvi­dia im Port­fo­lio. 

Seit 2015 gibt es den Robe­co Sam Glo­bal Gen­der Equa­li­ty Impact Equi­ties D EUR (ISIN: LU2145459264 mit welt­wei­tem Engag­ment.  

Der Axa Fram­ling­ton Women Empower­ment heißt inzwi­schen AXA WF Fram­ling­ton Social Pro­gress Fund (ISIN: LU2027369474). Der Grund: Er änder­te sein ursprüng­li­ches Anla­ge­ziel von Geschlech­ter­viel­falt auf alle Nach­hal­tig­keits­zie­le der Ver­ein­ten Natio­nen. Ziel 5 ist die Geschlech­ter­gleich­heit.  

Doch was musst du bei Invest­ments in Mega­trends bzw. Trend-The­men beach­ten? The­men-Invest­ments sind für die meis­ten von uns nach­voll­zieh­ba­rer als Struk­tu­rie­run­gen nach Bran­chen oder Regio­nen. Trotz­dem soll­test du die Ein­zel­ti­tel im Blick haben: Für man­che spe­zi­el­len The­men gibt es viel zu wenig bör­sen­no­tier­ter Unter­neh­men. Wenn die The­men aber zu all­ge­mein gehal­ten sind, könn­te qua­si alles im Index ent­hal­ten sein.

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