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Kann Shell auch grün? So soll es klappen

2022-08-24T12:02:37+02:0024. August 2022|

Kann man grün und will der Indus­trie­gi­gant umsteu­ern? Der ehemalige Vor­sit­zen­de der Geschäfts­füh­rung der Deut­sche Shell Hol­ding GmbH Dr. Fabi­an Zieg­ler sagt ja. Wie das gelin­gen soll. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Still­stand ist der Tod, heißt es doch — und so steht bei der Geschäfts­füh­rung der “Deut­sche Shell Hol­ding GmbH” und dem Vor­sitz der Geschäfts­füh­rung der “Shell Deutsch­land GmbH” nun ein Wech­sel an. Fabi­an Zieg­ler ver­lässt die Fir­ma und auf ihn folgt Felix Faber. Zieg­ler zieht es als CEO zum iri­schen Unter­neh­men “DCC plc”, das vor 46 Jah­ren gegrün­det wur­de. Jenes küm­mert sich unter ande­rem um den Ver­trieb von Kraft­stof­fen, Gesund­heits­ver­sor­gung und Tech­no­lo­gie. 

Wenn man sich die „Shell“-Geschichte näher ansieht, stol­pert man über Jah­res­zah­len, die über das Wohl und Wehe der Fir­ma ent­schie­den. Bei­spiel 1995. Damals kommt es im Früh­som­mer zu einer mas­si­ven Image­kri­se, als der Kon­zern auf die Idee kommt, sei­ne alte, 147 Meter hohe Ölla­ger­platt­form „Brent Spar“ tief im Atlan­tik vor Schott­land zu ver­sen­ken. Womit der Kon­zern nicht rech­net, ist der gewal­ti­ge öffent­li­che Auf­schrei. Zehn­tau­sen­de Bun­des­bür­ger ver­wei­gern sich dem Unter­neh­men plötz­lich an den Tank­stel­len. Schließ­lich lenkt der Ölrie­se ein und lässt die Kon­struk­ti­on an Land aus­ein­an­der­bau­en. Die zwei­te PR-Kri­se trifft den Kon­zern im Novem­ber 1995, als man in Nige­ria den oppo­si­tio­nel­len Poli­ti­ker Ken Saro-Wiwa hin­rich­tet. Jener Ehe­mann und Akti­vist hat­te sich über Deka­den inten­siv gegen die Aus­beu­tung der Ölvor­kom­men des Staa­tes aus­ge­spro­chen. Erst etwa 15 Jah­re nach dem Tod von Saro-Wiwa und acht sei­ner Mit­strei­ter zahl­te Shell einen Ver­gleich von 15,5 Mil­lio­nen US-Dol­lar an die Hin­ter­blie­be­nen.  

Auf der Suche nach Öl 

Noch im Dezem­ber 2021 star­tet „Shell“ Erkun­dun­gen an der „Wild Coast“ in Süd­afri­ka, um damit neue Öl- und Gas­vor­kom­men zu iden­ti­fi­zie­ren. Nur kos­ten die dazu ver­wen­de­ten Luft­ka­no­nen Walen wohl die Ori­en­tie­rung. Laut Pres­se­be­rich­ten unter­sag­te ein süd­afri­ka­ni­sches Gericht kurz nach Weih­nach­ten daher wei­te­re seis­mi­sche Unter­su­chun­gen. Selbst wenn die „Deut­sche Shell Hol­ding GmbH“ damit nichts zu tun hat: Wie stark ist der Ver­än­de­rungs­wil­le des Gigan­ten, dem wir zum Teil unse­ren sehr sorg­lo­sen, fos­si­len Lebens­stil ver­dan­ken?  

Echtes Umdenken?  

Spricht man mit dem „Shell“-Kritiker John Dono­van, sagt der: „´Shell´ scheint erkannt zu haben, dass man umwelt­freund­lich han­deln muss, um den Kli­ma­wan­del zu bekämp­fen und wei­ter­hin im Geschäft zu blei­ben – und nicht, wie die Tabak­kon­zer­ne, eine Äch­tung zu erfah­ren.“ Ist die Fir­ma auf dem Weg in eine CO2-neu­tra­le Zukunft? Wird sie in einer neu­ge­dach­ten Welt, in der grü­ner Was­ser­stoff, E‑Mobilität und die Dekar­bo­ni­sie­rung längst Rea­li­tät gewor­den sind, bestehen?  

„Wir geben Milliarden Euro aus“ 

Dazu sagt Dr. Fabi­an Zieg­ler im Inter­view: „Wir sind, wenn wir die Kun­den­nut­zung unse­rer Pro­duk­te mit­ein­be­zie­hen, in Deutsch­land für zehn Pro­zent aller CO2-Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich und stel­len auch des­halb nun unse­re Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se um. Dies ver­langt, Silo­den­ken auf­zu­ge­ben und zuzu­hö­ren. Dafür geben wir gewal­ti­ge Sum­men aus, sicher etli­che Mil­li­ar­den Euro, aber es ist kein drei­stel­li­ger Betrag.“ 

„Ich schlafe sehr ruhig“ 

Dann nennt er ein aktu­el­les Bei­spiel für den begon­ne­nen Fir­men­um­bau: „Mit einer Roh­öl­ver­ar­bei­tung von jähr­lich 17 Mil­lio­nen Ton­nen war die ´Shell Rhein­land Raf­fi­ne­rie´ einst die größ­te Raf­fi­ne­rie Deutsch­lands.“ Nun stellt man „die Roh­öl­ver­ar­bei­tung im Werk Wes­se­ling 2025 ein.“ 

Ein teurer Abschied für die Zukunft 

Auch ein Ver­kauf in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zeigt die neue, glo­ba­le Marsch­rich­tung. Im Sep­tem­ber 2021 ent­le­dig­te man sich der Öl- und Gas­pro­duk­ti­on im „Permi­an Basin“, dem größ­ten ame­ri­ka­ni­schen Ölfeld. Dafür bezahl­te die Fir­ma „Cono­co­Phil­lips“ 9,5 Mil­li­ar­den Dol­lar. In der „New York Times“ hieß es dazu: „Der Ver­kauf ist das jüngs­te Anzei­chen dafür, dass ´Shell´ unter dem Druck steht, sich von der Öl- und Gas­pro­duk­ti­on zu tren­nen und sich auf die Pro­duk­ti­on sau­be­rer Ener­gie zu ver­le­gen, um der wach­sen­den Besorg­nis der Inves­to­ren und der Öffent­lich­keit über den Kli­ma­wan­del zu begeg­nen.“  

PR-Leichen im Keller 

Doch die Fra­ge bleibt: Was hat man aus der Ver­gan­gen­heit gelernt? „Din­ge, die wir auf­ar­bei­ten müs­sen, sind die Berei­che ´Brent Spar´ und ´Nige­ria´. Damit gehen wir sehr offen und trans­pa­rent um. Wir wol­len auch ein Part­ner für jene schwie­ri­gen The­men sein, denn wir kön­nen kei­nes davon abstrei­fen. Mich hat damals die Reak­ti­on der Gesell­schaft geär­gert, denn die ´Brent-Spar´-Thematik ist wei­ter vor­han­den und der dama­li­ge Vor­schlag war ein guter, sogar der opti­ma­le. Wir haben damit einen gro­ßen Image­scha­den erlit­ten und auch das ärgert mich“, sagt Dr. Zieg­ler dazu. 

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