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  • Der River Beech Tower in Chicago soll 228 Meter hoch werden, ©PERKINS&WILL

Hochhäuser aus Holz: So können Städte grüner werden

2022-11-22T11:58:36+01:0026. November 2022|

Bis 2050 erwar­ten die Ver­ein­ten Natio­nen, dass 70 Pro­zent der Men­schen in Städ­ten woh­nen. Bedeu­tet: mehr Häu­ser, Stra­ßen und eine ver­än­der­te Infrastruktur. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Der ange­dach­te Bau­boom ist ein schlech­tes Omen für den Kampf gegen den Kli­ma­wan­del, denn die Pro­duk­ti­on von Stahl und Beton ver­ur­sacht etwa acht Pro­zent unse­rer glo­ba­len CO2-Emis­sio­nen. Was tun? Und könn­te der Holz­bau eine Lösung sein? Wenn die Städ­te wach­sen und gleich­zei­tig grü­ner wer­den sol­len, muss man sie aus etwas ande­rem bauen. 

CO2-negativ

Archi­tek­ten set­zen auf Holz. Den aktu­el­len Höhen­re­kord hält wohl das nor­we­gi­sche Mjøs­tår­net-Gebäu­de mit sei­nen 85,4 Metern. Been­det wur­de es 2019. Dabei sag­ten die Macher auf deren Web­sei­te selbst dazu: „Am Anfang stand eine ver­rück­te Idee, der Wunsch, zu zei­gen, was man mit Holz alles bau­en kann.“ Doch schon soll die­ser Rekord weit über­bo­ten wer­den. Denn der River Beech Tower in Chi­ca­go wird dem­nach 228 Meter in den Him­mel wach­sen. Gebaut wird er von der Uni­ver­si­ty of Cam­bridge, Thorn­ton Toma­set­ti und Perkins&Will. Schma­le 126 Ton­nen CO2 an Emis­sio­nen fal­len dafür an, aus Beton wären es 310 Ton­nen und bei Stahl sogar 498 Ton­nen gewe­sen, wie es der Her­stel­ler berech­ne­te. Ergo kommt das US-Gebäu­de sogar CO2-nega­tiv daher, denn im Holz steckt 540 Ton­nen gebun­de­nes CO2. Aber funk­tio­niert das alles über­haupt so ein­fach? Las­sen sich Gebäu­de mehr und mehr in die Höhe bau­en, wenn der Werk­stoff Holz ist? 

Leichter und öko

In Chi­ca­go könn­te sich ein Teil der Ant­wort fin­den. So schreibt das bri­ti­sche Maga­zin Eco­no­mist über das The­ma: „Holz ist eine der viel­ver­spre­chends­ten nach­hal­ti­gen Alter­na­ti­ven zu Stahl und Beton.“ Und wei­ter: „Es ist nicht das gewöhn­li­che Holz, das das Inter­es­se der Archi­tek­ten weckt. Viel­mehr han­delt es sich um einen Holz­werk­stoff, ein Ver­bund aus unter­schied­li­chen Schich­ten, die jeweils auf die Anfor­de­run­gen bestimm­ter Bau­tei­le wie Böden, Plat­ten, Quer­stre­ben und Bal­ken abge­stimmt sind.“ 

Welche Form soll es sein?

Damit könn­ten die Kon­struk­teu­re nicht nur die Form eines Bau­teils gestal­ten, son­dern auch „die Mase­rung der Schich­ten so aus­rich­ten, dass die Fes­tig­keit mit der von Stahl kon­kur­riert – und das bei einem bis zu 80 Pro­zent leich­te­ren Pro­dukt“, so das Maga­zin wei­ter.  

Umweltfreundlicher Bau im Blick 

Das Pro­blem: Set­zen Archi­tek­ten glo­bal auf den Bau mit Holz, könn­te das den Baum­be­stand unter Druck set­zen. Die Lösung: Sind die Wäl­der nach­hal­tig bewirt­schaf­tet, gin­ge der Schach­zug auf dem Bau wohl in Ord­nung. Ein im Stück des „Eco­no­mist“ genann­ter Exper­te rech­net dazu vor: „Für eine Fami­li­en­woh­nung wer­den etwa 30 Kubik­me­ter Holz benö­tigt, und er schätzt, dass allein in Euro­pas nach­hal­tig bewirt­schaf­te­ten Wäl­dern die­se Men­ge alle sie­ben Sekun­den nach­wächst.“ Auch Brän­de stel­len kein Risi­ko dar, denn Holz­werk­stof­fe bren­nen nicht leicht.  

Wachstum von 50 Prozent

Die Zahl der mehr­stö­cki­gen Gebäu­de aus Mas­siv­holz in den USA stieg laut der Tages­zei­tung Wall Street Jour­nal zwi­schen Juli 2020 und Dezem­ber 2021 um 50 Pro­zent auf mehr als 1.300 Struk­tu­ren lan­des­weit an. So berich­tet es die Holz­han­dels­grup­pe Wood­Works der Zei­tung. Zu den neu­en Pro­jek­ten gehör­ten ein acht­stö­cki­ges Büro­ge­bäu­de in Char­lot­tes­vil­le und ein fünf­stö­cki­ges Büro­ge­bäu­de von Goog­le. Jenes wur­de im August in Kali­for­ni­en bezugs­fer­tig. Auch im Bau: ein 25-stö­cki­ger Wohn- und Ein­zel­han­dels­kom­plex in Mil­wau­kee. Denk­bar wären auch noch weit ambi­tio­nier­te Häu­ser. Ein japa­ni­sches Holz­un­ter­neh­men leg­te Plä­ne für ein Mons­trum aus 70 Stock­wer­ke vor, wäh­rend ein bri­ti­sches Archi­tek­tur­bü­ro Plä­ne für einen 80-stö­cki­gen Wol­ken­krat­zer in Lon­don auf den Tisch legte.

Günstiger Bau im Visier

Zusätz­lich zu den poten­zi­el­len Vor­tei­len für die Umwelt sagen Bau­ex­per­ten, dass Gebäu­de aus Mas­siv­holz weni­ger kos­ten, als Beton- und Stahl­kon­struk­tio­nen – vor allem, wenn sie in der Nähe einer Pro­duk­ti­ons­stät­te ste­hen, in der die Gebäu­de­tei­le auf Bestel­lung zuge­schnit­ten wer­den.  

Keine ganz frische Erkenntnis

Ist das nun also der feh­len­de „Heu­re­ka-Moment für die Bau­bran­che? Denn bereits Mit­te der 1970er Jah­re hieß es im Bericht „Koh­len­di­oxid­aus­wir­kun­gen von Bau­ma­te­ria­li­en“ der Rese­arch Van­cou­ver: „Das Forin­tek-Gebäu­de aus Stahl hät­te 2,82-mal mehr Ener­gie ver­braucht als das Forin­tek-Gebäu­de aus Holz und 3,12-mal mehr CO2 aus­ge­sto­ßen.“ Hin­ter der Forin­tek Cana­da Cor­po­ra­ti­on steckt das kana­di­sche For­schungs­in­sti­tut für Holz­pro­duk­te. Wei­ter heißt es in der Stu­die: „In die­sem Fall zeig­te sich, dass gewerb­li­che Holz­kon­struk­tio­nen weni­ger Ener­gie ver­brau­chen und deut­lich weni­ger Koh­len­stoff­di­oxid aus­sto­ßen als Stahl­kon­struk­tio­nen.“ Nur bestand damals kein Hand­lungs­be­darf, selbst wenn Exper­ten bereits vom glo­ba­len Treib­haus­ef­fekt wuss­ten und ihre Regie­run­gen dar­über infor­mier­ten. Erstaun­lich ist es den­noch, dass es fast 50 Jah­re dau­er­te, bis man nun welt­weit immer häu­fi­ger zur Tat schrei­tet – und Holz-Sky­s­cra­per baut.  

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