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  • Katharina von Platen, Finanzchefin bei Greenforce, ©Greenforce

Greenforce-Finanzchefin von Platen: „Es ist schön, dass der Markt für Fleischalternativen wächst“

2023-01-17T10:22:28+01:0013. Januar 2023|

Katha­ri­na von Pla­ten ist Finanz­che­fin bei Green­for­ce, einem Anbie­ter von pflanz­li­chen Alter­na­ti­ven für Fleisch, Milch und Co. Wir haben sie gefragt, wie sie sich mit ihren 80 Mit­ar­bei­tern gegen gro­ße Play­er wie die Rügen­wal­der Müh­le behaup­ten und ob der Veg­gie-Bur­ger-Hype nicht schon wie­der zu Ende ist. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: IKEA plant, bis 2025 rund 80 Prozent der zum Verkauf angebotenen Tiefkühlprodukte auf vegan umzustellen. Die Rügenwalder Mühle verkauft schon jetzt mehr Ersatzprodukte als Fleischwaren. Wie behauptet man sich als junges Unternehmen gegen Marken mit solcher Reichweite?  

Katha­ri­na von Pla­ten: Ich wer­te es als ein gutes Zei­chen, dass gro­ße Kon­zer­ne bei die­ser Ent­wick­lung nach­zie­hen. Denn durch die gro­ßen Play­er bekommt das The­ma auch eine gro­ße Auf­merk­sam­keit. Eine Stu­die zeigt, dass der Umsatz mit Flei­sch­al­ter­na­ti­ven in Deutsch­land 2021 um 32 Pro­zent auf 611 Mil­lio­nen Euro gestie­gen ist. Immer mehr Men­schen ent­schei­den sich dafür, ihren Fleisch­kon­sum zu redu­zie­ren, häu­fig aus Grün­den des Kli­ma- und Tier­schut­zes. Da soll­te genug Platz für vie­le Wett­be­wer­ber sein. Das funk­tio­niert auch für jün­ge­re Unter­neh­men wie uns. Wir sehen uns vor allem im Ver­trieb sehr gut auf­ge­stellt: Kun­den kön­nen unse­re Pro­duk­te ganz unkom­pli­ziert online bestel­len oder auch im Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del erwer­ben. Außer­dem wol­len wir durch den Geschmack und clea­ne Inhalts­stof­fe punk­ten – wir kom­men zum Bei­spiel ohne Soja und Geschmacks­ver­stär­ker aus.   

Auf dieser Basis: Welches Wachstum erwarten Sie für die kommenden Jahre?  

Wir inves­tie­ren viel in For­schung und Ent­wick­lung, ver­trei­ben mitt­ler­wei­le mehr als 50 Pro­duk­te in ins­ge­samt sechs Län­dern. Für die kom­men­den Jah­re sind wir sehr posi­tiv gestimmt und erwar­ten ein hohes Umsatz­wachs­tum.  

Trotz dieser positiven Marktaussichten hat der Wettbewerber Beyond Meat kürzlich verheerende Zahlen verkündet. Ist die Veggie-Burger-Euphorie schon wieder vorbei? 

Nein, im Markt für pflanz­li­che Alter­na­ti­ven steckt nach wie vor enor­mes Poten­ti­al: Umfra­gen zei­gen, dass über die Hälf­te der Deut­schen gewillt ist, tie­ri­sche Pro­duk­te im wöchent­li­chen Spei­se­plan zu redu­zie­ren. In die kon­kre­ten Plä­ne und Stra­te­gie und unse­rer Wett­be­wer­ber habe ich natür­lich zu wenig Ein­blick, den­noch liegt die Ver­mu­tung nahe, dass die Markt­be­wer­tung von vega­nen Unter­neh­men, die an die Bör­se gegan­gen sind, zum Teil sehr hoch waren. Uns ist es der­weil gelun­gen Ende Novem­ber trotz der ange­spann­ten Markt­la­ge eine Finan­zie­rungs­run­de über 13 Mil­lio­nen Euro abzu­schlie­ßen. Unse­re Stra­te­gie hat sowohl Bestands- als auch Neu­in­ves­to­ren über­zeugt. Unter den Neu­in­ves­to­ren sind unter ande­rem die Bay­Wa AG, meh­re­re Vor­stän­de und Ver­tre­ter von Bio­N­Tech sowie der ehe­ma­li­ge McDo­nalds Deutsch­land­chef Hol­ger Beeck.   

Wie wird Greenforce den Anforderungen an Klimaschutz, Tierwohl und grüner Energie gerecht?  

Wir ver­su­chen, wo es geht, nach­hal­tig zu wirt­schaf­ten. Wir glei­chen alle unse­re CO2-Emis­sio­nen durch ver­schie­dens­te Pro­jek­te aus. So ist Green­for­ce in der Gesamt­bi­lanz kom­plett kli­ma­neu­tral. Außer­dem arbei­ten wir mit recy­cling­fä­hi­gen Ver­pa­ckun­gen, ver­wen­den kei­ne unnö­ti­gen künst­li­chen Zusatz­stof­fe und ver­sen­den mit DHL Go Green. Übri­gens ent­fal­len durch unse­re Pro­duk­ti­on in Deutsch­land lan­ge Trans­port­we­ge und durch die Pul­ver­form eine ener­gie­in­ten­si­ve Kühl­ket­te.  

Pulver als Fleischersatz?  

Genau. Die Endkund:innen ver­men­gen das Pul­ver mit kal­tem Was­ser und las­sen es im Kühl­schrank für etwa 30 Minu­ten quel­len. Je nach Pro­dukt wird die Mas­se dann direkt wei­ter­ver­ar­bei­tet, oder zuvor noch in die gewünsch­te Form gebracht und anschlie­ßend fer­tig zube­rei­tet. Die Pul­ver­form macht das Pro­dukt sehr lan­ge halt­bar, die Lage­rung ist sehr ein­fach und die Pro­duk­te kön­nen unkom­pli­ziert ver­schickt wer­den. Da damit auch Was­ser und Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­al gespart wird und wie gesagt kei­ne Kühl­ket­te not­wen­dig ist, ist es auch sehr nach­hal­tig. Für den End­kun­den hat das Pul­ver außer­dem den Vor­teil, dass man nach Belie­ben nach­wür­zen kann und die Men­ge sehr genau dosie­ren kann.  

Eine entscheidender Inhaltsstoff Ihrer Produkte ist Methylcellulose. Was ist das?   

Methyl­cel­lu­lo­se wird aus der Zell­mem­bran von Erb­sen gewon­nen. Wird die­se Ver­bin­dung in Was­ser auf­ge­löst, bekommt sie eine gel­ar­ti­ge Kon­sis­tenz. Die­se Lösung wird vor allem für unse­re Flei­scher­satz­pro­duk­te wie Fri­ka­del­len oder Bur­ger benö­tigt. Der Grund dafür ist ein­fach: Pflanz­li­ches Pro­te­in ist nicht so elas­tisch wie tie­ri­sches. Die Methyl­cel­lu­lo­se ist für die Biss­fes­tig­keit zustän­dig, sie gibt dem Pro­dukt eine flei­sch­ähn­li­che Kon­sis­tenz.   

Apropos „fleischähnlich“: Vegane Produkte werden häufig kritisiert, tierische Produkte zu kopieren und den Käufer durch die Namensgebung zu verwirren und zu täuschen. Was sagen Sie dazu?  

Um es ganz platt aus­zu­drü­cken: Wenn jemand aus Ver­se­hen eine vega­ne Fri­ka­del­le isst, pas­siert ihm ja nichts. Letzt­lich geht es aber dar­um, auch Fle­xi­ta­ri­er anzu­spre­chen. Wir wol­len, dass sie geschmack­lich auf nichts ver­zich­ten müs­sen, wenn sie mehr vega­ne Pro­duk­te essen. Wenn die­se aber Namen wie „Erb­sen­pat­ty“ tra­gen, rech­nen wahr­schein­lich die wenigs­ten mit einem flei­sch­ähn­li­chen Geschmack. 

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