Startseite/Gleichzeitig Hebamme und Bestatterin: Der Kreislauf des Lebens
  • Ellen Matzdorf in der ZDF-Sendung 37Grad, ©Reinhard Bettauer/ZDF

Gleichzeitig Hebamme und Bestatterin: Der Kreislauf des Lebens

2022-08-09T12:15:04+02:009. August 2022|

Ellen Matz­dorf beglei­tet Men­schen vom Anfang bis zum Ende, wenn man es so sagen will. Denn sie arbei­tet als Heb­am­me und Bestatterin.

Von Mat­thi­as Lauerer

Von Johann Wolf­gang von Goe­the heißt es, er habe gesagt: „Der Tod ist gewis­ser­ma­ßen eine Unmög­lich­keit, die plötz­lich zur Wirk­lich­keit wird.“ Und von Leo Tol­stoi wird über­lie­fert: „Welch wun­der­ba­res Geheim­nis ist der Ein­tritt eines neu­en Men­schen in die Welt.“ Und es ist exakt jenes Span­nungs­feld, das sich Ellen Matz­dorf als Beruf aus­ge­sucht hat. Seit über einem vier­tel Jahr­hun­dert arbei­tet die Frau aus Olden­burg als Heb­am­me und seit einem hal­ben Jahr­zehnt zudem auch als Bestatterin.

Zunächst zur Juris­te­rei

Dabei sah bei Ellen ein­mal alles ganz anders aus. Sie stu­diert Jura und hadert dann mit dem selbst emp­fun­de­nen Recht und der tat­säch­li­chen Recht­spre­chung, die sie erleb­te. Was hin­zu­kommt: Matz­dorf pro­fi­tier­te bei ihren Ent­schei­dun­gen, die sie zum heu­ti­gen sehr selte­nen Dop­pel­be­ruf führ­ten, stets auch vom alten west­deut­schen Stu­di­en­sys­tem, das einem viel Zeit für die Ent­fal­tung gab und sich mäch­tig vom heu­ti­gen, stark ein­ge­dampf­ten und ver­schul­ten Bache­lor- bzw. dem Mas­ter­stu­di­um unter­schei­det. Ohne Druck wuchs und form­te sich Ellens Cha­rak­ter. Nur so kann sie heu­te als Heb­am­me und als Bestat­te­rin arbeiten.

Gute Jah­re als Heb­am­me

Heu­te sagt sie zum The­ma Heb­am­me: „Ich habe mei­ne Bewer­bung für einen Aus­bil­dungs­platz ohne Begrün­dung abge­ge­ben und hat­te die Zusage eine Woche spä­ter. Mein Bewer­bungs­ge­spräch hat­te ich sozu­sa­gen direkt mit mei­ner Leh­re­rin vor Ort, als der Kurs begann. Dann ging es sofort los.“ Das war von 1993 bis 1996. Sie arbei­tet über „vie­le Jah­re lang ger­ne und glück­lich als Heb­am­me in einem Geburts­haus“ macht Haus­be­su­che und wird Beleghebamme. 

Wie gelingt ein pie­tät­vol­ler Abschied?

Aber dann kom­men Situa­tio­nen, in denen Kin­der nicht gut ins Leben kom­men oder verster­ben. „Ich habe die Frau­en immer beglei­tet und gemerkt, dass es immer Kämp­fe gab, wenn das Kind nicht mehr leb­te.“ Es sei ein „Rin­gen mit den Kli­ni­ken gewe­sen, um die natür­lichs­ten Din­ge, also bei­spiels­wei­se, ob man das tote Kind mit nach Hau­se brin­gen darf, um dort noch Zeit zu haben und Abschied zu neh­men. Dann hieß es von den Hos­pitälern immer: ´Dies ist nicht mög­lich´ – und ich ver­stand nicht wes­halb“, sagt Matz­dorf. Auch die „Abschieds­fei­ern waren nie so, wie es die Eltern woll­ten und sich vor­stell­ten. Ich bemerk­te einen Störfaktor.“ 

Kein Ende in Sicht

Spä­ter trifft sie einen Bestat­ter, der gemein­sam mit einer Heb­am­me arbei­tet und Ellen Matz­dorf denkt bei sich: „Was, die zu zweit machen, schaf­fe ich auch allein.“ Und so kommt es dann. Zunächst hilft sie bei ver­stor­be­nen Säug­lin­gen, dann kom­men die Anfra­gen, ob man nicht auch bei Erwach­se­nen zur Stel­le sein könn­te. Zunächst ist die Olden­bur­ge­rin skep­tisch, denn dafür braucht es viel mehr Kraft und ande­re Gerät­schaf­ten. Doch sie bleibt kon­se­quent, ver­kauft ihr Haus und zieht spä­ter in eine klei­ne­re Woh­nung und lebt bis heu­te so. Ihre Ehe über­lebt den Wan­del nicht: „Mein Mann wur­de immer stil­ler und eröff­ne­te mir dann, dass er ´damit nicht leben´ kön­ne.“ Fragt man sie nach der Ren­te, heißt es von ihr nur: „Wes­halb soll­te ich mit der Arbeit auf­hö­ren, die mir eine gro­ße Berei­che­rung, Sinn und Freu­de berei­tet?“ 

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