• Mehr Rente: freiwillig erhöhen
    Mehr Rente: freiwillig erhöhen, @Halfpoint/iStock

Früher in Rente: ohne Abschläge

2022-02-10T17:53:16+01:0010. Februar 2022|

Für gesetz­lich Ren­ten­ver­si­cher­te über 50 Jah­ren bie­tet sich eine Chan­ce: Sie müs­sen die­ses Jahr weni­ger frei­wil­lig ein­zah­len, um sich einen frü­he­ren Ren­ten­ein­tritt leis­ten zu kön­nen. Courage-online.de erklärt, war­um das so ist und wie es gelingt.

Von Gise­la Haberer

Bevor wir zur Aus­nah­me kom­men, zunächst die Regel: Wer frü­her in Ren­te gehen will, muss Abschlä­ge an der Ren­ten­hö­he hin­neh­men. Für jeden Monat vor Errei­chen der Regel­al­ters­gren­ze gibt es einen Abzug von 0,3 Pro­zent. Ein Jahr vor­zei­ti­ge Ren­te bedeu­tet also eine um 3,6 Pro­zent gerin­ge­re Ren­te – lebens­lang. Da arbei­tet so man­cher und man­che lie­ber bis zum regu­lä­ren Ren­ten­ein­tritt, damit die Alters­ren­te in vol­ler Höhe fließt. Die Abzü­ge las­sen sich aber ganz oder teil­wei­se aus­glei­chen: durch frei­wil­li­ge Ein­zah­lun­gen in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung.  

Jetzt freiwillig einzahlen – später mehr bekommen 

Die­se Aus­gleichs­zah­lun­gen kön­nen Pflicht­ver­si­cher­te ab ihrem 50. Lebens­jahr leis­ten. Da müs­sen sie aber noch nicht ent­schei­den, wann sie ihr Erwerbs­le­ben tat­säch­lich been­den wol­len. Wol­len sie eines Tages wirk­lich vor­zei­tig in Ren­te gehen, glei­chen ihre frei­wil­lig geleis­te­ten Ren­ten­bei­trä­ge Abzü­ge ganz oder teil­wei­se aus: Ent­schei­den sie sich, doch bis zu ihrem regu­lä­rem Ren­ten­ein­tritt zu arbei­ten, erhö­hen ihre frei­wil­li­gen Zah­lun­gen ihre gesetz­li­che Ren­te lebens­lang. Arbei­ten sie sogar län­ger, erhöht sich ihre Alters­ren­te für jeden Monat, den sie über ihren regu­lä­ren Ren­ten­ein­tritt hin­aus arbei­ten, zusätz­lich um 0,5 Pro­zent, pro Jahr län­ger Arbei­ten also um 6 Pro­zent. Da die Alters­ren­te durch die frei­wil­li­gen Bei­trä­ge ins­ge­samt höher aus­fällt, stei­gert dies auch deren pro­zen­tua­le Erhö­hung.  

Höhe der freiwilligen Beiträge berechnen lassen 

Wie viel ins­ge­samt frei­wil­lig ein­ge­zahlt wer­den muss, um Abschlä­ge für einen vor­zei­ti­gen Ren­ten­be­ginn aus­zu­glei­chen, errech­net der zustän­di­ge Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger. Auf Antrag erhal­ten Ren­ten­ver­si­cher­te drei wich­ti­ge Aus­künf­te: Ers­tens, wie hoch ihre Alters­ren­te zu ihrem beab­sich­tig­ten vor­zei­ti­gen Ren­ten­be­ginn vor­aus­sicht­lich wäre. Zwei­tens, um wie viel nied­ri­ger sie gegen­über ihrer regu­lä­ren Alters­ren­te aus­fie­le und drit­tens, wie viel sie vor­aus­sicht­lich ein­zah­len müss­ten, um die Abschlä­ge aus­zu­glei­chen.  

Bei der Rente „punkten“ 

Die „Wäh­rung“ der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sind Ent­gelt­punk­te, auch Ren­ten­punk­te genannt. Jeder ein­ge­zahl­te Bei­trag wird in Ent­gelt­punk­ten gut­ge­schrie­ben. Wie viel ein Bei­trag „wert“ ist, bestimmt sich aus dem Ver­hält­nis zwi­schen dem per­sön­li­chen Lohn und dem durch­schnitt­li­chem Arbeits­ent­gelt aller Ver­si­cher­ten. Wer in einem Kalen­der­jahr so viel ver­dient hat wie der Durch­schnitt, erhält genau einen Ent­gelt­punkt.  

2022: Rentenpunkt günstiger zu haben 

Frei­wil­lig geleis­te­te Aus­gleichs­zah­lun­gen wer­den anhand des vor­läu­fi­gen Durch­schnitts­lohns in Ren­ten­punk­te umge­rech­net, den die Bun­des­re­gie­rung jeweils für das Fol­ge­jahr schätzt. Wegen Coro­na rech­net sie für 2022 mit einem gerin­ge­ren Durch­schnitts­lohn als 2021. Und damit „kos­tet“ ein Ren­ten­punkt weni­ger als im Vor­jahr. Das macht auch Aus­gleichs­zah­lun­gen sozu­sa­gen „bil­li­ger“.
2021 muss­ten noch rund 7.726 Euro ein­ge­zahlt wer­den, um einen Ren­ten­punkt zu erhal­ten, 2022 sind es nur gut 7.235 Euro – also 491 Euro weni­ger.  

Frist nicht verpassen 

Aus­gleichs­zah­lun­gen für 2022 kön­nen bis 31. März 2023 geleis­tet wer­den. Ist die­se Frist ver­stri­chen, ist kei­ne nach­träg­li­che Ein­zah­lung mög­lich. Pflicht­ver­si­cher­te über 50 Jah­re, die sowie­so über­le­gen, frü­her oder spä­ter frei­wil­li­ge Ren­ten­bei­trä­ge ein­zu­zah­len, soll­ten die­se Chan­ce für 2022 nut­zen. In spä­te­ren Jah­ren dürf­te der „Preis“ eines Ren­ten­punk­tes auf­grund stei­gen­der Löh­ne wie­der höher sein.  

Auf einen Schlag oder in Raten einzahlen  

Aus­gleichs­zah­lun­gen kön­nen in Ein­mal- oder in Teil­zah­lun­gen geleis­tet wer­den. Der Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger nennt auf Antrag die vor­aus­sicht­li­che Gesamt­sum­me. Die­se wird 2022 nach dem güns­ti­ge­ren Ent­gelt­preis berech­net. Ab 2023 dürf­te der aber wie­der höher lie­gen. Wer also den güns­ti­ge­ren „Preis“ 2022 nutzt, um den gesam­ten Aus­gleich auf ein­mal frei­wil­lig ein­zu­zah­len, muss mit Nach­zah­lun­gen für spä­te­re Jah­re rech­nen. Der Antrag auf Aus­kunft für Aus­gleichs­zah­lun­gen kann jähr­lich gestellt wer­den. Die For­mu­la­re dafür – V0210 und V0300 – ste­hen zum Down­load bereit

Rentenbeiträge ab 2023 voll steuerlich absetzbar  

Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Lind­ner kün­dig­te an, dass bereits ab nächs­tem Jahr Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung in vol­ler Höhe steu­er­lich absetz­bar sein sol­len. Der bis­her gül­ti­ge Stu­fen­plan sah dies erst ab 2025 vor. Die vol­le Absetz­bar­keit gilt auch für frei­wil­li­ge Ein­zah­lun­gen. Zugleich ist aber auch die hun­dert­pro­zen­ti­ge steu­er­li­che Aner­ken­nung – wie bis­her – nur bis zu einem zuläs­si­gen Höchst­be­trag mög­lich. Die­ser wird jähr­lich ermit­telt. 2022 liegt er bei 25.639 Euro. Wird die­ser Höchst­be­trag durch die regu­lä­ren selbst geleis­te­ten Ren­ten­bei­trä­ge nicht aus­ge­schöpft, kann der ver­blie­be­ne Anteil des Son­der­aus­ga­ben­ab­zugs für frei­wil­li­ge Ein­zah­lun­gen genutzt wer­den. Um dies opti­mal aus­zu­schöp­fen, kann es sinn­voll sein, die Aus­gleichs­zah­lung nicht auf ein­mal, son­dern in Tei­len zu leis­ten. Der Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein oder ein Steu­er­be­ra­ter hel­fen, die opti­ma­le Lösung zu fin­den.  

Freiwillig Rentenbeiträge einzahlen: Lohnt sich das?  

In den jet­zi­gen Zei­ten nied­ri­ger Zin­sen sind Ein­zah­lun­gen in die gesetz­li­che Ren­te ver­gleichs­wei­se attrak­tiv. „Für Son­der­zah­lun­gen gilt aktu­ell die Regel: gesetz­li­che Ren­te schlägt Betriebs­ren­te und Pri­vat­ren­te.“, sagt der Finanz­ma­the­ma­ti­ker Wer­ner Sie­pe, seit Jahr­zehn­ten Spe­zia­list für Alters­vor­sor­ge. Denn dabei ist das Ver­hält­nis von Ein­zah­lun­gen zu Aus­zah­lun­gen am attrak­tivs­ten.   

Einzahlungen in Rentenversicherungen sind Wetten 

Ein­zah­lun­gen in Ren­ten­ver­si­che­run­gen sind grund­sätz­lich Wet­ten auf ein lan­ges Leben. Pro Ent­gelt­punkt gibt es aktu­ell im Wes­ten eine monat­li­che gesetz­li­che Ren­te von 34,19 Euro, im Osten 33,47 Euro. Die frei­wil­li­ge Aus­gleichs­zah­lung von 7.235 Euro für 2022 finan­ziert im Wes­ten für 211 Mona­te Ren­ten­zah­lun­gen von 34,19 Euro, umge­rech­net also 17,6 Jah­re lang. Wer län­ger Ren­te bezieht, bekommt mehr als er ein­ge­zahlt hat. Und das ist sta­tis­tisch häu­fig der Fall. Im Durch­schnitt bezie­hen Män­ner 18,5 Jah­re Ren­te, Frau­en 22 Jah­re lang. Vor­teil der gesetz­li­chen Ren­te: Sie ver­sorgt auch Hin­ter­blie­be­ne.  

Ein­zah­lun­gen in die gesetz­li­che Ren­te sind aber auch Wet­ten auf die Poli­tik. In so gut wie jeder Legis­la­tur­pe­ri­ode wird an den Stell­schrau­ben zum Ren­ten­be­zug gedreht – aller­dings nicht immer zum Nach­teil von Rent­ner und Rent­ne­rin­nen. Jeden­falls las­sen sich immer mehr gesetz­li­che Ver­si­cher­te auf die­se Wet­ten ein. Heu­te leis­ten gut 26mal so vie­le frei­wil­li­ge Aus­gleichs­zah­lun­gen wie vor zehn Jah­ren.  

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