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  • Bei einem Wochenende in Paris lernten die drei Gewinnerinnen die wichtigsten Grundlagen für die Solo-Selbständigkeit, ©Orysia Murat

Freelancer-Retreat in Paris: Drei Tage für den Einstieg in die Solo-Selbständigkeit

2022-10-31T15:20:25+01:0031. Oktober 2022|

In drei Tagen alles für den Start ins Free­lan­cer-Dasein ler­nen? Geht das? Es braucht natür­lich eini­ge Vor­be­rei­tun­gen, um als Solo-Selb­stän­di­ge durch­zu­star­ten. Doch mit den rich­ti­gen Coa­ches und Exper­ten reicht das alle­mal, um sich einen Über­blick über die Grund­la­gen zu ver­schaf­fen. Wir haben die drei Free­lan­cer-Retre­at-Gewin­ne­rin­nen nach Paris beglei­tet. 

Von Bir­git Wet­jen und Isa­bell Angele

Lang erwar­tet, heiß ersehnt: Vor eini­gen Mona­ten hat­ten wir in Zusam­men­ar­beit mit dem Free­lan­cer-Ver­mitt­ler Malt ein Free­lan­cer-Retre­at aus­ge­schrie­ben. Drei inten­si­ve Work­shop- und Coa­ching-Tage in Paris waren zu gewin­nen – ein Wochen­en­de also mit viel Input und Inspi­ra­ti­on für Frau­en, die mit dem Gedan­ken spie­len, sich selb­stän­dig zu machen oder die die­sen Schritt schon gegan­gen sind und ihr Busi­ness nun pro­fes­sio­na­li­sie­ren möch­ten. Aus den fast 50 Bewer­bun­gen haben wir mit Sarah Geser, Mela­nie Rojahn und San­dra Dick­meis drei Frau­en mit viel Poten­zi­al aus­ge­wählt. Von 7. Bis 9. Okto­ber ging es dann auf nach Paris, um die Grund­la­gen der Solo­selb­stän­dig­keit zu erlernen.

Mela­nie Rojahn, eine der Teil­neh­me­rin­nen des Free­lan­cer-Retre­ats. ©Ory­sia Murat

Direkt nach dem Lunch am Frei­tag ging es ans Ein­ge­mach­te. Inten­ti­on Set­ting mit Tama­ra Rose Mora­les stand auf dem Pro­gramm. Die Grün­de­rin des eng­lisch­spra­chi­gen Frau­en-Netz­wer­kes Ber­lin Boss Babes frag­te nach nega­ti­ven Glau­bens­sät­zen und Glücks­mo­men­ten in den Gedan­ken an eine Solo­selb­stän­dig­keit. Nega­ti­ve Glau­bens­sät­ze – also pes­si­mis­ti­sche und am Ende hin­der­li­che Gedan­ken – waren vor allem die Sor­ge ums Geld. „Kommt genug Geld rein“, frag­te sich Mela­nie Rojahn. Und „muss ich als Solo­selb­stän­di­ge even­tu­ell sogar noch mehr arbei­ten als in einem Ange­stell­ten­ver­hält­nis?“ Aber auch die posi­ti­ven Anrei­ze waren schnell for­mu­liert: Frei­heit, Kun­den und Pro­jek­te, mit denen man sich iden­ti­fi­zie­ren kann – und die Per­spek­ti­ve, sich im Job wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. „Ich lang­wei­le mich schnell“, gab die 31-Jäh­ri­ge zu beden­ken. In der Selb­stän­dig­keit, so die Vor­stel­lung, sei es mög­lich, den Arbeits­all­tag abwechs­lungs­rei­cher zu gestal­ten.   

Kein Weg in die Selbständigkeit verläuft linear 

Coach Tama­ra Rose Mora­les ermu­tig­te die Teil­neh­me­rin­nen dazu, offen zu sein und ihre blo­ckie­ren­den Glau­bens­sät­ze unter die Lupe zu neh­men. Ihre Erfah­rung: „Frau­en bekom­men den Drang zur Selb­stän­dig­keit nicht in die Wie­ge gelegt.“ Eine weib­li­che Sozia­li­sa­ti­on und geschlech­ter­ste­reo­ty­pe Ein­engung stün­den vie­len Frau­en im Wege, weil sie kaum Ermu­ti­gung für ihr Vor­ha­ben erfüh­ren. Mora­les warn­te aber auch davor, eine Selb­stän­dig­keit mit rosa­ro­ter Bril­le zu star­ten. „Die Jour­ney ver­läuft nie line­ar, es wird immer wie­der auch Rück­schlä­ge und Zwei­fel geben“, so die Ber­lin-Boss-Babes-Grün­de­rin. „Es gibt kei­nen rich­ti­gen oder fal­schen Weg in die Selb­stän­dig­keit“, so der Pro­fi. „Ent­schei­dend ist, dass sowohl das Vor­ha­ben als auch die Umset­zung auf die eige­nen Stär­ken und per­sön­li­che Bedürf­nis­se ange­passt wer­den.“  

Support-Netzwerk als Unterstützung für Freelancer 

Sarah Geser lern­te in Paris die nöti­gen Grund­la­gen für die Solo-Selb­stän­dig­keit, ©Ory­sia Murat

Die Sor­ge der Teil­neh­me­rin­nen, nicht in allen The­men aus­rei­chend fit zu sein, wur­de schnell ent­kräf­tet. Denn auch als Solo-Selb­stän­di­ge muss man nicht Exper­tin für alles sein, son­dern kann sich Unter­stüt­zung durch ein Sup­port-Netz­werk orga­ni­sie­ren. Ein sol­ches Netz­werk bie­tet auch der Free­lan­cer-Markt­platz MALT. Malt ist eine Platt­form, die es Solo-Selb­stän­di­gen aus der Digi­tal-Bran­che ermög­licht, sich einer brei­ten Unter­neh­mer­schaft zu prä­sen­tie­ren. Und gleich­zei­tig Unter­neh­men die Suche nach pas­sen­den Fach­kräf­ten unter­stützt. Das Know-how bekom­men Solo­selb­stän­di­ge bei Events und Webi­na­ren gleich dazu. In Paris star­te­ten Rebec­ca Kinio und Pas­cal Schä­fer, Com­mu­ni­ty Deve­lo­per bzw. Head of Free­lan­ce Com­mu­ni­ty bei Malt für die DACH-Regi­on, am Sams­tag mit einem Work­shop zur rich­ti­gen Posi­tio­nie­rung. „Je spe­zi­fi­scher man sich den Unter­neh­men prä­sen­tiert, des­to pas­sen­de­re Ange­bo­te bekommt man auch“, weiß Kinio, die in unmit­tel­ba­rem Aus­tausch mit den Free­lan­cern steht.  

Eine Solo­selb­stän­dig­keit will gut vor­be­rei­tet sein. Wel­ches Pro­dukt bzw. wel­che Leis­tun­gen sol­len ange­bo­ten und wie ver­mark­tet wer­den? Eine Solo­selb­stän­di­ge muss sich um aller­lei The­men küm­mern, die zuvor der Arbeit­ge­ber über­nom­men hat. Das beginnt bei Ver­mark­tung, Kun­den­ak­qui­se und Bud­get­pla­nung und endet bei einer guten Work-Life-Balan­ce. Als Selb­stän­di­ge selbst und stän­dig – das muss nicht sein. Mit gutem Zeit- und Kun­den­ma­nage­ment schüt­zen sich Solo­selb­stän­di­ge vor per­ma­nen­ter Ver­füg­bar­keit und Selbst­aus­beu­tung.    

Finanz-Basics für Solo-Selbständige

San­dra Dick­meis konn­te in Paris nega­ti­ve Glau­bens­sät­ze hin­ter­fra­gen, ©Ory­sia Murat

Dar­über hin­aus gibt es auch admi­nis­tra­tiv eini­ges zu beach­ten. Wel­che Grün­dungs­form die rich­ti­ge ist, hängt vom Leis­tungs­an­ge­bot ab. Sobald ein Webi­nar nicht nur live gehal­ten, son­dern auch als Auf­zeich­nung ver­mark­tet wird, ist in der Regel ein Gewer­be erfor­der­lich, wie Refe­rent Mel­chi­or Neu­mann von Kon­tist per Video-Kon­fe­renz erklär­te. Im Zwei­fel kön­ne das Finanz­amt Gewer­be­steu­er bis zu zehn Jah­re rück­wir­kend ein­for­dern, so Neu­mann. Wer dage­gen gleich ein Gewer­be anmel­de, kön­ne die Gewer­be­steu­er bei der Ein­kom­men­steu­er anrech­nen. 

Wich­tig für Solo­selb­stän­di­ge ist auch der Abschluss wich­ti­ger Ver­si­che­run­gen. Neben Kran­ken­ver­si­che­rung soll­ten Berufs­un­fä­hig­keit, Berufs­haft­pflicht und Ver­mö­gens­cha­den­haft­pflicht abge­si­chert sein. Und nicht immer ist die güns­tigs­te Vari­an­te ohne Selbst­be­halt zu emp­feh­len, so Pas­cal Schä­fer, der dazu rät, sich bei spe­zia­li­sier­ten Anbie­tern ziel­ge­rich­tet zu infor­mie­ren.  

Teilzeit-Festanstellung auf dem Weg in die Selbständigkeit

Wer die Solo­selb­stän­dig­keit plant, muss nicht direkt alle Brü­cken zum Arbeit­ge­ber abbre­chen. Auch eine Teil­zeit-Fest­an­stel­lung ist auf dem Weg in die Selb­stän­dig­keit zu über­den­ken. Der Vor­teil: Solan­ge das Ein­kom­men aus Fest­an­stel­lung höher ist als das aus der Solo­selb­stän­dig­keit, ist man über den Arbeit­ge­ber auch sozi­al­ver­si­chert. Wer die Solo­selb­stän­dig­keit vor­be­rei­tet und hohe Aus­bil­dungs­kos­ten hat, soll­te früh­zei­tig ein Gewer­be oder die Solo­selb­stän­dig­keit beim Finanz­amt anmel­den, rät Neu­mann. „Die Aus­bil­dungs­kos­ten sind dann steu­er­lich anre­chen­bar.“  

Nach dem inten­si­ven Wochen­en­de sind sich San­dra Dick­meis, Sarah Geser und Mela­nie Rojahn einig: Sie konn­ten viel Input mit­neh­men, offe­ne Fra­gen klä­ren und eta­blier­te Glau­bens­sät­ze hin­ter­fra­gen. Beson­ders groß war die Erleich­te­rung, dass auch die The­men Steu­ern und Finan­zen an Schre­cken ver­lo­ren haben. Die künf­ti­gen Free­lan­ce­rin­nen wol­len wei­ter im Aus­tausch blei­ben und sich auf ihrer Rei­se in die Solo­selb­stän­dig­keit unter­stüt­zen. Wie es nun wei­ter­geht? Wir wer­den berich­ten! 

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