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  • Anna Maria Grosholtz, bekannt als "Madame Tussaud", ist berühmt für ihre Wachsfiguren, ©Portrait by Paul Fischer/John Theodore Tussaud

Erfinderinnen: Die Madame mit den Wachsfiguren

2022-08-01T09:39:08+02:0030. Juli 2022|

Mal läuft es und mal ist es fest: Die Rede ist vom Wachs. Vor Jahr­hun­der­ten hat­te eine heu­te sehr bekann­te Frau einen schlau­en Ein­fall. Ihr Name Anna Maria Gro­s­holtz, eher bekannt als „Madame Tus­s­aud“. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Die fran­zö­si­sche Künst­le­rin wird am ers­ten Dezem­ber 1761 als Anna Maria Gro­s­holtz gebo­ren und stirbt am 16. April 1850 in Lon­don. Zu Welt­ruhm gelangt sie mit ihren Figu­ren aus Wachs. 

Ihre Kind­heit ver­bringt sie in Bern, wo ihre Mut­ter als Haus­häl­te­rin des Ana­to­men und Wachs­mo­del­lie­rer Dr. Phil­ip­pe Cur­ti­us arbei­tet. Nach­dem der 1765 nach Paris zieht, fol­gen ihm Mut­ter und Toch­ter nur 24 Mona­te spä­ter. In Erman­ge­lung eines Vaters fun­giert Cur­ti­us als Vor­mund für Marie. Er ist es, der Marie zunächst die Her­stel­lung von Wachs­skulp­tu­ren lehrt, die sie spä­ter mit Ein­falls­reich­tum, Erfin­dun­gen und Unter­neh­mer­geist groß macht.

Legendenbildung

Im „Natio­nal Geo­gra­phic“ heißt es über die Frau: „Vie­les von dem, was über ´Madame Tus­s­auds´ frü­hes Leben bekannt ist, stammt aus ihren Memoi­ren, die sie einem Freund, Fran­cis Her­vé, dik­tier­te, als sie Ende 70 war. Das Werk ist voll von far­ben­fro­hen Details und Anek­do­ten, von denen eini­ge nie veri­fi­ziert wur­den. Tus­s­aud war sich ihres Images, das sie im Lau­fe der Jah­re sorg­fäl­tig kul­ti­vier­te, sehr bewusst und hat es mög­li­cher­wei­se ver­schö­nert.“ Und wei­ter: „Jah­re spä­ter schuf Marie eine neue Kol­lek­ti­on von Wachs­fi­gu­ren, die von den Schre­cken der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on inspi­riert waren, die sie mit­er­leb­te. Die­se beflü­gel­ten die Fan­ta­sie der Öffent­lich­keit und wur­den zur Grund­la­ge eines Impe­ri­ums. Madame Tus­s­auds Wachs­fi­gu­ren­ka­bi­net­te, die das Berühm­te mit dem Gro­tes­ken ver­bin­den, sind heu­te in Städ­ten auf der gan­zen Welt zu finden.“ 

Memoiren geben Aufschluss

In den erwähn­ten Memoi­ren erzählt sie, wie sie um 1780 im Schloss von Ver­sailles auf­steigt und Eliza­beth, der Schwes­ter des Königs, das Model­lie­ren bei­bringt. Als 1789 die Revo­lu­ti­on aus­bricht, passt sie sich der neu­en Zeit an. Nun wer­den die Füh­rer der Revo­lu­ti­on und die durch die Guil­lo­ti­ne Ver­ur­teil­ten zu den neu­en Stars der Wachs­fi­gu­ren­ga­le­rie. Außer­dem gab es noch die Aus­stel­lung „Caver­ne des Grands Voleurs“, was über­setzt in etwa die „Höh­le der gro­ßen Die­be“ bedeu­tet. Dar­in fin­den sich die Wachs­ant­lit­ze von Ver­bre­chern wieder. 

Kosten von 150.000 britischen Pfund pro Abbild

Aber wie funk­tio­niert das eigent­lich mit den Wachs­fi­gu­ren? Dazu heißt es von „Madame Tus­s­auds“: „Bei einer Sit­zung wer­den bis zu 200 Mes­sun­gen vor­ge­nom­men und Fotos von jedem Win­kel eines Stars geschos­sen, um sicher­zu­stel­len, dass des­sen Dar­stel­lung kor­rekt ist.“ Spä­ter stel­len sie dar­aus eine „Ton­skulp­tur“, danach einen „Gips­ab­druck“ her. Lang­sam fül­len die Pro­fis in jene Form geschmol­ze­nes Wachs, „um Luft­bla­sen zu ver­mei­den“. Zuletzt fol­gen „zehn Schich­ten Ölfar­ben“, um damit „rea­lis­ti­sche Haut­tö­ne“ zu erzie­len. Das alles hat sei­nen Preis: „Von der ers­ten Sit­zung bis zur Pres­se­vor­stel­lung dau­ert die Her­stel­lung einer typi­schen ´Madame Tussauds´-Figur etwa vier Mona­te, beschäf­tigt 20 Künst­ler und kos­tet 150.000 bri­ti­sche Pfund.“ 

Großer Erfolg bis heute

Und „Madame Tus­s­auds“? Ist mitt­ler­wei­le zur glo­ba­len Mar­ke gereift und gilt als eine der meist­be­such­ten Attrak­tio­nen Lon­dons. Sat­te 33,50 bis 48,50 bri­ti­sche Pfund kos­tet der dor­ti­ge Ein­tritt die Besu­cher. Eine der­art hohe Sum­me wäre Frau Gro­s­holtz sicher nie in den Sinn gekom­men, als sie vor bald 250 Jah­ren mit ihrer neu­ar­ti­gen Arbeit begann.  

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