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    Ein-Eltern-Familie, ©miodrag ignjatovic/iStock

Ein-Eltern-Familien: Hilfen vom Staat

2022-03-09T16:31:56+01:0015. März 2022|

Eine Tren­nung schmerzt, meist auch finan­zi­ell. Für Eltern mil­dern staat­li­che Leis­tun­gen so man­chen Ein­schnitt ab. Courage-online.de gibt einen Über­blick.  

Von Gise­la Haberer

Der Staat unter­stützt grund­sätz­lich alle Eltern, etwa durch steu­er­li­che Erleich­te­run­gen. Erwerbs­tä­ti­ge, deren Ein­kom­men bestimm­te Gren­zen nicht über­steigt, erhal­ten zusätz­li­che Unter­stüt­zung, auch durch Zuschüs­se. Vor allem Allein­er­zie­hen­de, die wegen ihrer Kin­der nicht oder nur sehr ein­ge­schränkt berufs­tä­tig sein wol­len oder kön­nen, erfül­len häu­fig alle Vor­aus­set­zun­gen für staat­li­che Hil­fe­leis­tun­gen. Dann gibt es zum Bei­spiel zum Kin­der­geld einen Zuschlag sowie einen Zuschuss zu Mie­te oder Kre­dit­be­las­tung. Um Bil­dung und Teil­ha­be von Kin­dern zu för­dern, gibt es ein gan­zes Paket staat­li­cher Leis­tun­gen.   

Hilfen vom Fiskus für gemeinsam und getrennt Erziehende

Eltern sol­len die Grund­be­dürf­nis­se ihres Kin­des befrie­di­gen kön­nen. Das will der Staat sicher­stel­len: Dafür gewährt er Kin­der­geld und Kin­der­frei­be­trä­ge. Außer­dem sol­len Eltern Fami­lie und Beruf ver­ein­ba­ren kön­nen. Um dies zu erleich­tern, kön­nen Eltern bestimm­te Aus­ga­ben für Betreu­ung und Aus­bil­dung ihrer Kin­der steu­er­lich abset­zen. Eltern, die ihr Ein­kom­men gemein­sam ver­an­la­gen, steht der gesam­te Betrag zu. Las­sen sich Eltern ein­zeln steu­er­lich ver­an­la­gen, etwa nach einer Tren­nung, wird die steu­er­li­che För­de­rung auf­ge­teilt: Bei Kin­der­geld und Kin­der­frei­be­trä­gen hälf­tig, bei Betreu­ungs­kos­ten antei­lig, etwa nach der tat­säch­li­chen Kos­ten­be­las­tung.  

Steuerklassen für Ehepaare

Solan­ge Eltern ihr Ein­kom­men zusam­men steu­er­lich ver­an­la­gen, kön­nen bei­de jeweils die Steu­er­klas­se IV oder IV Fak­tor wäh­len oder sich für die Kom­bi­na­ti­on III und V ent­schei­den. Bei rela­tiv glei­chen Ein­kom­men bie­tet sich die Steu­er­klas­se IV an. Bei Wahl der Steu­er­klas­se IV Fak­tor berück­sich­tigt das Finanz­amt den Split­ting­vor­teil bereits wäh­rend des Jah­res. Sobald jedoch einer oder eine der bei­den 60 Pro­zent des Gesamt­ein­kom­mens erzielt, ist in der Regel die Kom­bi­na­ti­on III und V unterm Strich fürs Fami­li­en­ein­kom­men vor­teil­haf­ter.  

Bei Trennung: Steuerklasse wechseln

Gera­de für Ehepartner:innen mit Steu­er­klas­se V kann es rat­sam sein, eine Tren­nung nicht nur emo­tio­nal und räum­lich zu voll­zie­hen, son­dern auch gleich bei der Ein­kom­men­steu­er. Die getrenn­te steu­er­li­che Ver­an­la­gung lässt sich mit der Steu­er­erklä­rung für das vor­an­ge­gan­ge­ne Jahr bean­tra­gen. Hin­ter­grund: Auf­grund der Ein­stu­fung in Steu­er­klas­se V fällt das Net­to­ein­kom­men beson­ders nied­rig aus. An der Höhe des Net­to­ein­kom­mens rich­ten sich aber staat­li­che Leis­tun­gen wie Eltern­geld oder Arbeits­lo­sen­geld I aus: Je nied­ri­ger der Net­to­lohn, des­to nied­ri­ger die Lohn­er­satz­leis­tung. Bereits der Wech­sel in die Steu­er­klas­se I oder II erhöht dage­gen den Betrag, der net­to vom Lohn übrig bleibt – und damit auch even­tu­ell bezieh­ba­re Lohn­er­satz­leis­tun­gen.  

Steuerklassen für Alleinerziehende

Erwerbs­tä­ti­ge Sin­gles haben Steu­er­klas­se I. Unter Umstän­den wer­den auch getrenn­te und geschie­de­ne Eltern die­ser Steu­er­klas­se zuge­ord­net: etwa, wenn kein Anspruch mehr auf Kin­der­geld besteht, oder wenn eine wei­te­re erwach­se­ne Per­son im Haus­halt lebt. Die Steu­er­klas­se II steht Allein­er­zie­hen­den offen, deren Haus­halt min­des­tens ein Kind ange­hört, für das sie Kin­der­geld bezie­hen, aber kein wei­te­rer Erwach­se­ner. Ent­schei­dend ist der Anspruch auf Kin­der­geld, nicht das Alter des Kin­des. Die­ses kann zum Bei­spiel voll­jäh­rig sein, aber noch in Aus­bil­dung.  

Hilfe vom Fiskus für Alleinerziehende

Für den Wech­sel in Steu­er­klas­se II ist beim Finanz­amt Lohn­steu­er­ermä­ßi­gung zu bean­tra­gen. Denn in die­ser Steu­er­klas­se gibt es den soge­nann­ten Ent­las­tungs­be­trag für Allein­er­zie­hen­de, wodurch bereits unterm Jahr mehr Net­to vom Brut­to übrig bleibt. Seit 2020 liegt die­ser Betrag bei 4.008 Euro im Jahr. Ab dem zwei­ten Kind erhöht er sich um jeweils 240 Euro für jedes wei­te­re Kind. Die­ser so genann­te Erhö­hungs­be­trag ist extra zu bean­tra­gen. Steu­er­klas­se II plus Ent­las­tungs­be­trag gibt es aber nur, solan­ge kein neu­er Part­ner oder eine neue Part­ne­rin dem Haus­halt ange­hört.  

Nach der Trennung: Starre Vorgaben für Aufgabenverteilung

Wäh­rend das gemein­sa­me Sor­ge­recht bereits zur Regel gewor­den ist, herrscht nach einer Tren­nung meist noch die Auf­tei­lung vor: ein Eltern­teil betreut die Kin­der, der ande­re Teil zahlt Unter­halt. Das Wech­sel­mo­dell, bei dem Kin­der an bei­den Wohn­sit­zen ihrer Eltern zu Hau­se sind und von ihnen abwech­selnd betreut wer­den, ist recht­lich und fis­ka­lisch noch immer nicht vor­ge­se­hen – obwohl es immer mehr Eltern erfolg­reich prak­ti­zie­ren. Dabei hat die­ses Modell ent­schei­den­de Vor­tei­le: Die Kin­der behal­ten die Ver­bin­dung zu Vater und Mut­ter, gleich­zei­tig hat jedes Eltern­teil zuver­läs­sig Zeit, erwerbs­tä­tig zu sein, wenn auch vor­über­ge­hend ein­ge­schränkt.  

Unterhalt für Kinder: selten steuerlich absetzbar

Der Fis­kus gewährt Unter­halts­pflich­ti­gen nur in bestimm­ten Fäl­len Erleich­te­run­gen. So ist Unter­halt an Kin­der nur dann steu­er­lich absetz­bar, wenn weder Vater noch Mut­ter für das Kind Kin­der­geld oder Kin­der­frei­be­trä­ge erhal­ten. Das ist zum Bei­spiel der Fall, wenn das Kind 25 ist, noch in Aus­bil­dung und nicht mehr als 624 Euro im Jahr ver­dient. Dann sind 2022 Unter­halts­kos­ten bis 9.984 Euro absetz­bar.  

Unterhalt an Ex-Partner:innen unter Umständen steuerlich absetzbar

Unter­halts­leis­tun­gen an den oder die Ex las­sen sich ent­we­der als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung oder als Son­der­aus­ga­be von der Steu­er abset­zen. Dafür gel­ten ver­schie­de­ne Höchst­be­trä­ge und bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen. Als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung wird Unter­halt aner­kannt, wenn der oder die Ex die Kin­der betreut, nur begrenz­tes Ver­mö­gen hat und nicht mehr als 624 Euro im Jahr an eige­nen Ein­künf­ten. Dann sind 2022 bis zu 9.744 Euro an Betreu­ungs­un­ter­halt steu­er­lich absetz­bar plus even­tu­ell über­nom­me­ne Bei­trä­ge für Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung des/ der Ex. Haben Unterhaltsempfänger:innen Ein­kom­men über 624 Euro im Jahr, ver­rin­gert dies den absetz­ba­ren Höchst­be­trag. Die­se Rege­lung zemen­tiert im Grun­de die Auf­tei­lung zwi­schen Allein­ver­die­nen­den und „Allein-nur-Erzie­hen­den“.  

Als Son­der­aus­ga­be kön­nen Geschie­de­ne ihren Unter­halt nur dann gel­tend machen, wenn der oder die Ex zustimmt. Die Fol­ge: der Unter­halt ist zu ver­steu­ern. Trotz­dem kann es sich loh­nen, dem Abzug als Son­der­aus­ga­be zuzu­stim­men. Dann näm­lich, wenn Unter­halts­zah­len­de im Gegen­zug garan­tie­ren, alle sich dar­aus even­tu­ell erge­ben­den steu­er­li­chen und sozi­al­recht­li­chen Nach­tei­le aus­zu­glei­chen. Als Son­der­aus­ga­be las­sen sich pro Jahr bis zu 13.805 Euro plus Basis­bei­trä­ge für Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung des Ex-Ehe­part­ners oder der ‑part­ne­rin gel­tend machen.  

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Der Gen­der-Pay-Gap ist bekannt. Auch der Invest­ment-Gap wird andis­ku­tiert. Wer aller­dings genau hin­sieht, wird auch eine unschö­ne Lücke im Ser­vice­kon­zept vie­ler Finanz­häu­ser fin­den. Mile­na Rot­ten­stei­ner, Lei­te­rin des Spar­kas­sen Inno­va­ti­on Hubs, und Seli­na Haupt, Pro­jekt­lei­te­rin, zei­gen in ihrer 2021er Stu­die ein­drucks­voll, wo es man­gelt und wie Ser­vice ein­fach bes­ser wer­den könnte. 

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