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  • Unter notleidenden Vermögenswerten gibt es manchmal Schnäppchen, ©amnaj - stock.adobe.com

Distressed Assets: Schnäppchen unter notleidenden Werten finden?

2022-08-25T12:12:12+02:0025. August 2022|

Die Wirt­schaft ist ange­schla­gen, die Zahl der Insol­ven­zen könn­te stei­gen. So man­cher sucht nun Schnäpp­chen zur Geld­an­la­ge unter not­lei­den­den Ver­mö­gens­wer­ten soge­nann­ten Dis­tres­sed Assets. Wo gibt es sie, wie fin­det man sie? Und was bringt es über­haupt, in die Not­la­ge ande­rer zu inves­tie­ren? 

Von Ant­je Erhard

Hohe Schul­den, stei­gen­de Zin­sen und die Infla­ti­on mit über­bor­den­den Ener­gie- und Nah­rungs­mit­tel­prei­sen for­dern ihren Tri­but. Insol­ven­zen in Deutsch­land wer­den mehr, fürch­ten Kre­dit­ver­si­che­rer wie Alli­anz Tra­de. In Deutsch­land wer­den wohl in die­sem Jahr vier Pro­zent mehr Unter­neh­men insol­vent wer­den, im kom­men­den Jahr zehn. Im Juni ermit­tel­te das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt noch einen Rück­gang von 7,6 Pro­zent im Ver­gleich zum Mai.  

Ban­ken bil­den bereits höhe­re Rück­stel­lun­gen für not­lei­den­de Kre­di­te. Das drückt auf die Gewin­ne. Nicht nur bei deut­schen Ban­ken. Auch die US-Groß­ban­ken leg­ten hier mehr Geld für alle Fäl­le zurück. Die größ­ten Bücher für so genann­te fau­le Kre­di­te haben jedoch Ban­ken in Grie­chen­land, Por­tu­gal und Polen. 

Private Schuldner:innen werden weltweit vorsichtiger 

Auch Verbraucher:innen sor­gen sich, ihre Ver­bind­lich­kei­ten nicht mehr zah­len zu kön­nen. Nach der “Sta­tis­ta Glo­bal Con­su­mer Sur­vey” unter je 400 bis 800 Darlehensnehmer:innen aus Deutsch­land, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, den USA, Aus­tra­li­en, Kana­da, Mexi­ko und Indi­en hat mehr als die Hälf­te Angst, ihre Kre­di­te nicht recht­zei­tig oder gar nicht mehr bedie­nen zu kön­nen. Am größ­ten ist die Sor­ge in Aus­tra­li­en (56 Pro­zent), gefolgt von Indi­en und Mexi­co (52 Pro­zent), wäh­rend deut­sche Kreditnehmer:innen noch ver­gleichs­wei­se zuver­sicht­lich sind (47 Pro­zent sind hier unsi­cher). 

Wenn Verbraucher:innen wie Unter­neh­men schnell Geld brau­chen, könn­ten sie Ver­mö­gens­wer­te unter Wert ver­kau­fen müs­sen. Das sind so genann­te Dis­tres­sed Assets: also ange­schla­ge­ne, not­lei­den­de Wer­te. Das kön­nen per­sön­li­che Ver­mö­gens­wer­te sein etwa ein Fahr­zeug, das jemand ver­äu­ßern muss, obwohl gera­de der Markt dafür kei­ne Nach­fra­ge hat und die Prei­se fal­len. Es kön­nen Geschäfts­an­tei­le, Kre­di­te oder Immo­bi­li­en sein. Oder auch Akti­en, die man dann mit Ver­lust zu Geld machen muss, auch wenn gera­de die Kur­se fal­len. 

So man­cher von uns hat viel­leicht schon mal Freun­den mit Geld aus­ge­hol­fen, ein Auto abge­kauft, ein Kunst­werk oder ähn­li­ches. Pro­fes­sio­nel­le Investor:innen machen das in ganz ande­rem Stil und Umfang. 

Fonds sind dann auf Schnäpp­chen­jagd. Auch Pen­si­ons­kas­sen und Ver­si­che­rer set­zen auf Anla­ge-Mög­lich­kei­ten wie Pri­va­te Debt-Fonds. Oder auch Privat-Investor:innen, die über Online-Platt­for­men die Not­la­ge ande­rer für sich nut­zen. Hier ver­kau­fen zum Bei­spiel Ban­ken not­lei­den­de Kre­di­te und gan­ze For­de­rungs­pa­ke­te an Fonds oder Inkas­so-Unter­neh­men. So waren auf dem deut­schen Markt nach der Finanz­kri­se Unter­neh­men wie Cer­be­rus aktiv, um von deut­schen Kre­dit­in­sti­tu­ten ange­schla­ge­ne Kre­di­te zu kau­fen.  

Private Debt: Ein Wachstumsmarkt, vor allem in Krisen, aber nicht nur 

Pri­va­te Debt-Fonds, pri­va­te Kre­dit-Fonds, sind haupt­säch­lich für insti­tu­tio­nel­le Inves­to­ren inter­es­sant. Der Markt wächst seit Jah­ren. Die­ser Trend könn­te nach Exper­ten-Anga­ben trotz der jüngs­ten Zins­stei­ge­run­gen anhal­ten, zumal die Ban­ken ihre Kre­dit­ver­ga­be-Richt­li­ni­en schon vor Mona­ten ver­schärft haben. 

Die Stu­die „Glo­bal Pri­va­te Debt Insights 2022“ der TMF Group, einem Out­sour­cing-Unter­neh­men für Manage­ment und Accoun­ting, hat in Zusam­men­ar­beit mit Pri­va­te Equi­ty Wire den welt­wei­ten Markt für pri­va­te Kre­di­te unter­sucht und 127 Inves­to­ren aus aller Welt befragt. Das Ergeb­nis: Welt­weit haben Mana­ger 191,2 Mil­li­ar­den Dol­lar sol­cher For­de­run­gen auf­ge­nom­men – ein Plus von 12,1 Pro­zent im Jah­res­ver­gleich und der zweit­höchs­te Wert in der Geschich­te von 202 Mil­li­ar­den Dol­lar im Jahr 2017. “Die Anleger:innen strö­men nach wie vor in die­se Fonds, trotz des unsi­che­ren makro­öko­no­mi­schen Umfelds.“  

Schuldenmärkte mit guten Aussichten 

Die Aus­sich­ten für die Schul­den­märk­te sei­en wei­ter gut. Die Mehr­heit der Befrag­ten (69,3 Pro­zent) will sich stär­ker als bis­her in die­sen Anla­gen enga­gie­ren. Ein Vier­tel plant, sei­ne Bestän­de bei­zu­be­hal­ten und nur 5,5 Pro­zent geben an, dass sie ihre Inves­ti­tio­nen zurück­fah­ren. Zwei Drit­tel erwar­ten Ren­di­ten von 7,5 Pro­zent. 

Übli­cher­wei­se ist die Anla­ge­klas­se eher insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren vor­be­hal­ten. Inzwi­schen gibt es aber auch für pri­va­te Anleger:innen Mög­lich­kei­ten, hier zu inves­tie­ren. Doch das ist nicht ganz ein­fach: Eini­ge Pro­jek­te gro­ßer Fonds­ge­sell­schaf­ten sind wie­der ein­ge­stellt wor­den. Die geschlos­se­nen Fonds, ELTIFs, euro­päi­sche lang­fris­ti­ge Fonds in Pri­va­te Debt, Pri­va­te Equi­ty und Infra­struk­tur­pro­jek­te, sind zwar auch für Privatanleger:innen inves­tier­bar. Erfor­der­lich ist aber meist ein liqui­des Ver­mö­gen von 100.000 Euro bei Min­dest­an­la­ge­sum­men von 10.000 Euro. 

Ande­re Investor:innen set­zen auf immo­bi­li­en­be­si­cher­te Kre­di­te und hof­fen, dass die Gebäu­de mehr wert sind bzw. wie­der mehr wert wer­den. Wenn die Immo­bi­lie ver­wer­tet wird, ist ein Gewinn mög­lich. Auch mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men tren­nen sich häu­fig von sol­chen For­de­run­gen, damit sie den Auf­wand mini­mie­ren und die Bilanz nicht belas­ten müs­sen. 

Distressed Assets: Im Einkauf liegt der Gewinn 

War­um aber sol­che Ver­mö­gens­wer­te zukau­fen? Nun, im Ein­kauf liegt der Gewinn. Eine har­te Regel in der Wirt­schaft. Emo­tio­nen Fehl­an­zei­ge. Auch wenn es auf Kos­ten ande­rer geht. Wer hier kauft, hofft auf über­durch­schnitt­li­che Ren­di­ten in der Zukunft. Doch Kaufinteressent:innen gera­de von immo­bi­li­en­be­si­cher­ten Kre­di­ten oder Immo­bi­li­en müs­sen Märk­te und Prei­se gut ken­nen. Und sie müs­sen über die Erfah­rung und die finan­zi­el­len Mit­tel ver­fü­gen, zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort zu kau­fen. 

In wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Zei­ten bie­ten sich die­se Chan­cen für not­lei­den­de Ver­mö­gens­wer­te natur­ge­mäß häu­fi­ger. Ers­te Anzei­chen sehen wir der­zeit zum Bei­spiel am Immo­bi­li­en-Markt: In man­chen Regio­nen ist der Preis­an­stieg gestoppt, in ande­ren sin­ken die Prei­se bereits. 

Schon in der Ver­gan­gen­heit haben gro­ße Invest­ment­fir­men Fonds, die auf den Erwerb not­lei­den­der Immo­bi­li­en­wer­te kon­zen­triert waren, auf­ge­legt. Mit Erfolg. Denn die­se Fir­men hat­ten die Grö­ße, das Fach­wis­sen, das Kapi­tal, die Erfah­rung und Stra­te­gien zur künf­ti­gen Wert­stei­ge­rung und zum bes­se­ren Manage­ment, bis ein Ver­kauf mög­lich ist. Die Ren­di­ten sind häu­fig über­durch­schnitt­lich. Das Risi­ko ist es auch. Es ist eine Nische, die für Privatanleger:innen inzwi­schen offen ist, die sich aber wirk­lich nur für Kenner:innen der Mate­rie eig­net. 

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