Startseite/Die Karriere muss warten

Die Karriere muss warten

2021-08-03T10:45:19+02:002. August 2021|

Ein­ein­halb Jah­re Coro­na-Pan­de­mie und noch kein wirk­li­ches Ende in Sicht. Ein­ein­halb Jah­re vol­ler Her­aus­for­de­run­gen, Unsi­cher­heit und Kraft­an­stren­gung. Ein klei­ner Lebens­ab­schnitt in dem vie­le Frau­en sicher­lich ande­re Plä­ne hat­ten. Rei­sen, Stu­die­ren, oder auch: Kar­rie­re machen. Dass beson­ders Frau­en mit Kin­dern durch die Pan­de­mie im Schnitt benach­tei­ligt sind, zei­gen zahl­rei­che Stu­di­en. Der nächs­te Kar­rie­re­sprung wird zwi­schen Küchen­tisch und Kin­der­zim­mer dadurch nicht leich­ter. Die Kri­se birgt aber auch Chan­cen und man­che Ver­än­de­rung kann gera­de Müt­tern hel­fen Beruf und Fami­lie zu vereinen.

Von Clau­dia Vallentin 

Ein Blick in die Ver­gan­gen­heit zeigt: Die meis­ten Kri­sen sind Män­ner­kri­sen. Denn in bis­he­ri­gen Wirt­schafts­ab­schwün­gen haben sie eher ihren Job ver­lo­ren als Frau­en. Wäh­rend in vor­he­ri­gen Kri­sen män­ner­do­mi­nier­te Bran­chen wie das ver­ar­bei­ten­de oder das Bau­ge­wer­be betrof­fen waren, trifft es in der Coro­na-Pan­de­mie Sek­to­ren wie Gas­tro­no­mie, Tou­ris­mus, Ein­zel­han­del oder kör­per­na­he Dienst­leis­tun­gen.  Hin­zu kommt, dass Frau­en laut Umfra­gen wäh­rend der Schul- und Kita­schlie­ßun­gen einen Groß­teil der Sor­ge­ar­beit geleis­tet haben – neben ihrem Job.

Auch wenn sich die Situa­ti­on augen­schein­lich ent­spannt hat, haben die Mehr­be­las­tung der Frau­en und die Ver­fes­ti­gung einer tra­di­tio­nel­len Rol­len­ver­tei­lung mit­un­ter weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen. Vie­le Müt­ter sahen sich laut UN Women Deutsch­land gar nicht mehr in der Lage, ihrer bezahl­ten Arbeit im vol­len Umfang nach­zu­ge­hen und redu­zier­ten ihre Arbeits­zeit. Inwie­weit eine sol­che Ver­trags­än­de­rung sei­tens des Arbeit­ge­bers nach der Pan­de­mie auch wie­der zurück­ge­nom­men wird ist aller­dings offen. Durch den gerin­ge­ren Ver­dienst redu­ziert sich zudem der Anspruch auf eine spä­te­re Ren­te, denn es wird weni­ger in die Kas­sen ein­ge­zahlt. Ver­stärkt wird die­se finan­zi­el­le Benach­tei­li­gung durch das Ehe­gat­ten­split­ting. Es führt zum Bei­spiel dazu, dass Frau­en weni­ger Kurz­ar­bei­ter­geld erhal­ten, weil sich die­ses am Net­to des Gehalts bemisst.

Auf­grund die­ser unglei­chen Arbeits­zeit­re­du­zie­rung ist die Gen­der Time Gap durch die Pan­de­mie grö­ßer gewor­den, vor allen Din­gen für Men­schen, die nicht zuhau­se arbei­ten kön­nen. „Tele­ar­beit schützt Frau­en vor dem Arbeits­stun­den­ver­lust“, sag­te die Öko­no­min Michè­le Ter­tilt in einer Dis­kus­si­ons­run­de der Munich Eco­no­mic Deba­tes im ver­gan­ge­nen März. Sie ist zumin­dest hoff­nungs­voll, dass durch die Eta­blie­rung von Home­of­fice und den Ände­run­gen der sozia­len Nor­men bei der Kin­der­be­treu­ung den Frau­en die Chan­ce gege­ben wird, Beruf und Fami­lie bes­ser zu ver­ei­nen. Laut Ter­tilt zei­gen Stu­di­en außer­dem, dass Män­ner, die mehr Tele­ar­beit machen, auch mehr zuhau­se hel­fen und so Frau­en ent­las­ten. Jani­na Kugel, ehe­mals Per­so­nal-Vor­stän­din bei Sie­mens, bleibt bei die­sem Punkt in der Dis­kus­si­on skep­tisch: „Wenn die Sicht­bar­keit von Frau­en durch mehr Fle­xi­bi­li­tät und mehr Home­of­fice noch gerin­ger wird, wer­den auch die Kar­rie­re­chan­cen gerin­ger. Wer nicht prä­sent und sicht­bar ist, wird auch kei­ne Kar­rie­re machen.“

Wie nach­hal­tig sich die Coro­na-Pan­de­mie auf die Kar­rie­ren von Frau­en aus­wirkt lässt sich nur schwer mes­sen und eine Aus­sa­ge zum jet­zi­gen Zeit­punkt wäre ver­früht. Die Bran­che, das Unter­neh­men, das Arbeits­um­feld und die jewei­li­gen Erfolgs­kri­te­ri­en spie­len dabei sicher­lich eine ent­schei­den­de Rol­le. In der Wis­sen­schaft bei­spiels­wei­se sind Publi­ka­tio­nen ein ent­schei­den­der Fak­tor auf dem Kar­rie­re­weg. Erhe­bun­gen aus Deutsch­land und den USA zei­gen aber: Vor allem Müt­ter lei­den unter der Dop­pel­be­las­tung aus Arbeits­all­tag auf der einen und Kin­der­be­treu­ung und Home-Schoo­ling auf der ande­ren Sei­te. In der Fol­ge haben sie wäh­rend der Pan­de­mie auch weni­ger publi­ziert – zulas­ten ihrer Karrierechancen.

Bei der Selbst­stän­dig­keit zeich­net sich ein kom­ple­xe­res Bild: Wäh­rend laut Deut­schem Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) weib­li­che Selbst­stän­di­ge stär­ke­re Ein­bu­ßen hat­ten, hiel­ten Frau­en häu­fi­ger an Exis­tenz­grün­dun­gen fest als Män­ner. Gene­rell ist die Anzahl der Exis­tenz­grün­dun­gen nach Daten der staat­li­chen För­der­bank KfW in der Pan­de­mie zurück­ge­gan­gen, Frau­en hiel­ten aller­dings bes­ser durch und pass­ten ihre Geschäfts­idee in der Kri­se an.

„Coro­na hat zwei­fels­oh­ne die welt­wei­te Wirt­schaft schwer getrof­fen“, sagt auch Fre­de­ri­ke Pro­bert, Grün­de­rin des Netz­werks Mis­si­on Fema­le. „Es gibt Unter­neh­men und gan­ze Wirt­schafts­bran­chen, die sich neu erfin­den und den ver­än­der­ten Bedürf­nis­sen ihrer Ziel­grup­pe gerecht wer­den muss­ten.“ Ihre Initia­ti­ve setzt sich für gegen­sei­ti­ges Empower­ment von Frau­en in der Wirt­schaft ein. Pro­bert sieht die Kri­se auch als Chan­ce einen Neu­an­fang zu wagen, auch weil das neue agi­le Arbei­ten eine bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf und damit der per­sön­li­chen Wei­ter­ent­wick­lung ermög­li­chen kann. Der Schlüs­sel zum Erfolg: Krea­ti­vi­tät und Fle­xi­bi­li­tät. „In die­sen tur­bu­len­ten Zei­ten eröff­nen sich neue Per­spek­ti­ven für ange­hen­de, weib­li­che Füh­rungs­kräf­te mit inno­va­ti­ven Ideen und Kon­zep­ten. Mit Unter­stüt­zung eines gro­ßen Netz­werks, viel Fle­xi­bi­li­tät und einer gewal­ti­gen Por­ti­on Mut kön­nen sie die Arbeits­welt von mor­gen maß­geb­lich mitgestalten.“

Die bes­ten Sto­ries für dich!

Noch mehr Infos für dich

Was sind eigentlich Fonds?

Kalbs­fonds, Hüh­ner­fonds, Fisch­fonds – gute Grund­la­gen für eine lecke­re Sup­pe oder Soße. Ähn­lich ver­hält es sich mit den Namens­vet­tern: den Fonds zur Geld­an­la­ge. Wie bei Fonds zum Kochen ent­schei­den auch bei Fonds zur Kapi­tal­an­la­ge, den soge­nann­ten Invest­ment­fonds, die Zuta­ten über die jewei­li­ge Aus­rich­tung: Kund:innen kön­nen den pas­sen­den Fonds ganz nach eige­nem „Geschmack“ wählen.

Wie du Gehaltsverhandlungen erfolgreich meisterst

Bei Gehalts- und Hono­rar­ver­hand­lun­gen sind Frau­en oft unsi­cher und ver­kau­fen sich unter Wert. Was kön­nen sie tun, um selbst­be­wuss­ter zu wer­den und ihre Erfolgs­chan­cen zu stei­gern? Wir geben Tipps für Fest­an­ge­stell­te und Selbstständige.

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben