• Dein Finanzplan für's Leben
    Dein Finanzplan für's Leben, ©RgStudio/iStock

Dein Finanzplan für’s Leben Teil 5 – 50 bis 60 Jahre: In den besten Jahren Spaß haben und vorsorgen

2022-04-21T15:57:33+02:0019. April 2022|

Vie­le, die heu­te Mit­te oder Ende 50 sind, möch­ten nicht erst mit 65 oder 67 in Ren­te. Und noch was vom „rich­ti­gen“ Leben haben. Auch wer nicht in jun­gen Jah­ren vor­ge­sorgt hat, hat noch genug Zeit.  

Von Ant­je Erhard

Mit über 50 sind vie­le Men­schen in Deutsch­land in einer sehr guten Lebens­pha­se: Beruf­lich weit gekom­men, aber auch mit wei­te­ren Zie­len vor Augen, meis­tens gesund und fit, finan­zi­ell gut auf­ge­stellt, die Kin­der sind aus dem Haus und auf eige­nen Bei­nen. Jetzt ist die Zeit der Bestands­auf­nah­me: Was habe ich erreicht? Was will ich noch errei­chen? Aber auch: Reicht mei­ne Ren­te? Kann ich sogar frü­her als gesetz­lich gere­gelt in den Ruhe­stand?  Wann will ich auf­hö­ren zu arbei­ten? Ist mei­ne Alters­vor­sor­ge dafür aus­rei­chend? 

Alters­vor­sor­ge – damit sol­len wir uns ja schon in jun­gen Jah­ren beschäf­ti­gen. Und schie­ben es dann gern erst ein­mal weit von uns. Es ist ja noch so viel Zeit bis zur Ren­te. Stimmt. Wer früh ange­fan­gen hat, hat nun schon ein klei­nes Ver­mö­gen. Wenn du es geschafft hast, in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Ver­mö­gen auf­zu­bau­en, ist der Druck deut­lich gerin­ger als „frü­her“. Aber auch mit 50 ist noch Zeit dafür.  

Bestandsaufnahme ist wichtig

Wich­tig ist erst ein­mal ein Check: Reicht mei­ne gesetz­li­che Ren­te oder mei­ne pri­va­te Alters­vor­sor­ge, um mei­ne per­sön­li­chen Bedürf­nis­se zu decken? Also, was brau­che ich an Lebens­hal­tungs­kos­ten, für Rei­sen, Ver­si­che­run­gen, Gesund­heit, Mie­te, Spaß? 80 Pro­zent vom letz­ten Net­to-Ein­kom­men sind, so sagen Expert:innen, eine rea­lis­ti­sche not­wen­di­ge Grö­ße für den Ruhe­stand. 

Was wir häu­fig unter­schätz­ten, ist unse­re Lebens­er­war­tung. Mit dem offi­zi­el­len Ein­tritt ins Ren­ten­al­ter – vor Jahr­gang 1964 mit 65 Jah­ren, alle ande­ren mit bis dato 67 Jah­ren – haben wir noch vie­le Jah­re vor uns. Frau­en wer­den in Deutsch­land im Schnitt 83,6 Jah­re alt, Män­ner 78,9. Doch nach einer Stu­die der Swiss Life haben nur 43 Pro­zent der Frau­en und 56 Pro­zent der Män­ner in Deutsch­land eine pri­va­te Vor­sor­ge. Hin­zu kommt: Wer seit 2005 in den Ruhe­stand geht, muss die Alters­ein­künf­te mehr und mehr ver­steu­ern… 

Den Vorruhestand clever planen

Vie­le wol­len aber auch frü­her in Ren­te. Nach Stu­di­en brauchst du als Basis das 25-fache dei­ner jähr­li­chen (!!!) Aus­ga­ben als Spar­sum­me, wenn du nicht mehr arbei­ten möch­test. Pau­scha­len sind zwar immer schwie­rig, aber sie sind wenigs­tens ein Anhalts­punkt. Ein Bei­spiel: Wenn dei­ne monat­li­chen Aus­ga­ben 1.500 betra­gen, sind das pro Jahr 18.000 Euro. Mul­ti­pli­ziert mit 25 brauchst du eine Spar­sum­me von 450.000 Euro, um nicht mehr arbei­ten zu „müs­sen“. 

Ob du schon im Vor­ru­he­stand von dei­nem Ver­mö­gen leben kannst, kannst du an fol­gen­den Fra­gen selbst über­prü­fen: 

  • Wie hoch ist dein aktu­el­les Ein­kom­men? 
  • Wel­che Ein­künf­te hast du außer­dem? 
  • Wel­che Rück­la­gen hast du ins­ge­samt?  
  • Wel­che Ren­te bekommst du – bekommst du Ren­te? 
  • Wie viel Geld kannst du jetzt monat­lich zurück­le­gen, falls es zum Aus­stieg noch nicht reicht? 
  • Willst du frü­her aus dem Job aus­stei­gen? 
  • Wie viel Geld brauchst du dann monat­lich? Und wie viel ist Stand heu­te abge­deckt? 

Dar­über hin­aus wer­den die meis­ten von uns in ihren 50ern am bes­ten bezahlt, also eher in der zwei­ten Kar­rie­re-Hälf­te: Wer frü­her auf­hört, kann Teil der höhe­ren Ein­künf­te aus Beför­de­run­gen, Gehalts­er­hö­hun­gen etc. nicht mit­neh­men, die eben auch mehr Rück­la­gen bezie­hungs­wei­se mehr Geld­an­la­ge ermög­li­chen. Das gerin­ge­re Ein­kom­men der frü­hen Arbeits­jah­re muss aber eben auch rei­chen, um den frü­hen Aus­stieg rea­li­sie­ren zu kön­nen. 

Mit 50 schon für den Ruhestand planen

Schau­en wir mal, was wir mit Mit­te 50 errei­chen kön­nen bis zum Ren­ten­be­ginn mit Mit­te 60. 

Noch kön­nen Arbeitgeber:innen ihre Arbeitnehmer:innen unter­stüt­zen, zum Bei­spiel mit der betrieb­li­chen Alters­vor­sor­ge (bAV). Dabei erhältst du als Berufstätige:r Zuschüs­se vom Arbeit­ge­ber bezie­hungs­we­se der Arbeit­ge­be­rin und bekommst Ent­las­tun­gen durch den Staat. Es gibt ver­schie­de­ne För­der­mög­lich­kei­ten: Direkt­zu­sa­ge, Unter­stüt­zungs­kas­se, Pen­si­ons­kas­se, Pen­si­ons­fonds und Direkt­ver­si­che­rung. Sie unter­schei­den sich in Ren­di­te, Risi­ko und büro­kra­ti­schem Auf­wand. Dein:e Steuerberater:in kann dir bei der Aus­wahl hel­fen. 

So funktioniert eine betriebliche Altersvorsorge

Grund­sätz­lich funk­tio­niert eine bAV so, dass du auf einen Teil dei­nes Gehal­tes ver­zich­test und in die bAV ein­zahlst. Maxi­mal 6.788 Euro sind – Stand 2022 – davon steu­er­frei. Bei der Aus­zah­lung sind Betriebs­ren­ten aller­dings steu­er- und sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig. Aber meist sind die Ein­künf­te im Ren­ten­al­ter nied­ri­ger als wäh­rend des Erwerbs­le­bens, so dass auch dein Steu­er­satz häu­fig nied­ri­ger ist. Ob betrieb­lich oder pri­vat – es gilt auch zu wis­sen, was steu­er­lich auf uns zukommt.  

Arbeiternehmer:innen, die 2005 oder frü­her in Ren­te gin­gen, haben 50 Pro­zent steu­er­frei erhal­ten. Seit 2005 steigt der Besteue­rungs­an­teil jähr­lich um zwei Pro­zent­punk­te, seit 2021 um einen Pro­zent­punkt pro Jahr. Das führt dazu, dass alle, die ab 2040 in den Ruhe­stand gehen, ihre gesetz­li­chen Ren­ten­ein­nah­men voll ver­steu­ern müs­sen. Das Finanz­amt zieht ledig­lich eine Pau­scha­le für Wer­bungs­kos­ten von 102 Euro ab. Hast du höhe­re Aus­ga­ben zum Bei­spiel Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten oder anwalt­li­chen Rat in Ren­ten­fra­gen, lohnt es sich, die in der Steu­er­erklä­rung anzu­ge­ben. 

Mütter: Familienarbeit angerechnet

Immer­hin wird gera­de für Frau­en für ihre Leis­tun­gen als Mut­ter Fami­li­en­ar­beit ange­rech­net: Ist ein Kind vor 1992 gebo­ren, bekommst du pro Kind zwei­ein­halb Jah­re Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten gut­ge­schrie­ben. Ist ein Kind nach 1992 gebo­ren, gel­ten bis zu drei Jah­re. Das ist die so genann­te Müt­ter­ren­te. Für die Zeit der Erzie­hung wirst du nach Anga­ben der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung so gestellt, als hät­test du Bei­trä­ge in der Höhe des Durch­schnitts aller Ver­si­cher­ten gezahlt. Vor­aus­set­zung ist, dass du min­des­tens fünf Ren­ten­punk­te hast. Umge­rech­net bringt ein Jahr Kin­der­er­zie­hungs­zeit unge­fähr 30 Euro Ren­te im Monat. 

Pri­va­te Vor­sor­ge, wie sie etwa durch Invest­ments an der Bör­se zusam­men­ge­kom­men ist, muss aller­dings eben­falls ver­steu­ert wer­den. Aller­dings musst du „ledig­lich“ auf die Erträ­ge der Kapi­tal­an­la­gen (Zin­sen, Divi­den­den) Steu­ern zah­len. 

Auszahlungsmöglichkeiten für später

Nichts­des­to­trotz – Steu­ern hin oder her – pri­va­te Vor­sor­ge tut Not. Wer Geld zurück­ge­legt hat, kann es sich spä­ter monat­lich aus­zah­len las­sen. Dazu gibt es ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten: 

Bei­spiel 1: Eine Sofort­ren­te: Eine Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft zahlt dir eine lebens­lan­ge Ren­te abhän­gig davon, wie viel und wie lan­ge du einen regel­mä­ßi­gen Betrag ein­ge­zahlt hast. Es gibt Garan­tien und Über­schuss­be­tei­li­gun­gen. Aber die schwan­ken. Und eine Unter­su­chung der Stif­tung Waren­test im Jahr 2020 hat erge­ben, dass kei­ne der 21 getes­te­ten Gesell­schaf­ten gute Ergeb­nis­se nach Ren­ten­hö­he, Anla­ge­er­folg und Trans­pa­renz erzielt hat. 

Bei­spiel 2: Eine Ren­te gegen Ein­mal­zah­lung gibt Pla­nungs­si­cher­heit. Sie lohnt sich aber vor allem, je älter du wirst. Wenn du auf Ren­di­te statt auf Sicher­heit setzt, könn­test du einen Aus­zahl­plan anstre­ben. Hier teilst du die Spar­sum­me durch eine geschätz­te Zahl an Jah­ren bzw. Mona­ten. Bei einem Aus­zahl­plan wird ein steu­er­li­cher Frei­be­trag von 810 Euro für Sin­gles und 1.602 Euro für Ver­hei­ra­te­te gewährt. Ober­halb die­ser Gren­zen wird Abgel­tungs­steu­er fäl­lig und gege­be­nen­falls Kir­chen­steu­er.  

Bei­spiel 3: Der Mix aus Sicher­heit und Ren­di­te. Eine Kom­bi­na­ti­on aus Sofort­ren­te und Aus­zahl­plan. Die mög­li­che Lösung wäre hier, dass du zunächst das Gespar­te monat­lich aus­be­zahlt bekommst und nach eini­gen Jah­ren erst mit dem übri­gen Betrag in die Sofort­ren­te ein­steigst. Denn die Aus­zah­lun­gen fal­len bei den Ver­si­che­run­gen umso höher aus, je spä­ter du mit einer Sofort­ren­te beginnst. 

Mehr Einkommen – Mehr Investitionskapital

Bist du bereits an der Bör­se inves­tiert, kannst du womög­lich mehr inves­tie­ren als in jun­gen Jah­ren, weil du mehr Ein­kom­men hast. Aber selbst wenn du neu star­test, ist noch genug Zeit. Neh­men wir an, du inves­tierst zehn Jah­re lang, weil du dann in den Ruhe­stand gehst oder weil du schon frü­her auf­hö­ren möch­test zu arbei­ten. Gehen wir von monat­lich 500 Euro aus. Zu rea­lis­ti­schen 7 Pro­zent (das bedeu­tet nicht zu viel Risi­ko – schließ­lich soll das Kapi­tal ja auch ver­füg­bar sein zum not­wen­di­gen Zeit­punkt. Da käme ein Crash unge­le­gen). Die Rech­nung sähe wie folgt aus: 

Ein­zah­lun­gen: 65.000 Euro 

Zin­sen gesamt: 32.096 Euro 

End­ka­pi­tal: 97.096 Euro vor Steu­ern. 

(Quel­le: Finanz­fluss) 

4‑Prozent-Regel: Wie lange reicht mein Geld?

Mit der 4‑Pro­zent-Regel lässt sich berech­nen, wie viel Geld du aus dei­nen Wert­pa­pier-Invest­ments ent­neh­men kannst, ohne dass es dir aus­geht. Die Regel hat Vor­tei­le, aber auch ein paar Haken. Aber mit Hil­fe die­ser Regel kannst du jedes Jahr vier Pro­zent dei­nes ange­spar­ten Kapi­tals aus dei­nem Wert­pa­pier-Depot ent­neh­men, ohne dass dir das Geld aus­geht. Denn das Depot steigt im Wert. Außer­dem erhältst du Divi­den­den bzw. Zin­sen.  

Vor­aus­set­zung ist aller­dings ein Akti­en­an­teil von min­des­tens 50 Pro­zent hat. Das bedeu­tet auch ein gewis­ses Risi­ko. Fakt ist aber auch, dass lang­fris­tig Akti­en alle 15 Jah­re immer posi­ti­ve Ren­di­ten erwirt­schaf­tet haben – egal wie rup­pig es zwi­schen­drin an den Bör­sen zuging. Und unab­hän­gig vom Ein­stiegs­zeit­punkt. Die wich­tigs­ten Infos zur 4‑Pro­zent-Regel fin­dest du hier.

Nicht zu früh freuen…

Vor­sicht, auch wenn du eine wesent­lich höhe­re Akti­en­quo­te hast und mehr Wert­stei­ge­run­gen. Denn du musst die Infla­ti­on berück­sich­ti­gen. Also sind vier Pro­zent schon eine gute Richt­li­nie, wenn du noch­mal 2–3 Pro­zent Infla­ti­on abziehst. Der nächs­te Haken ist die Besteue­rung: In Deutsch­land wer­den für Bör­sen-Invest­ments Abgel­tungs­steu­er von 25 Pro­zent plus Soli­da­ri­täts­zu­schlag plus gege­be­nen­falls Kir­chen­steu­er fäl­lig. 

Zu früh funk­tio­niert die­se Regel nicht, son­dern sie ist laut Stu­di­en auf 30 Jah­re aus­ge­legt. Wenn du sehr früh „in Ren­te“ möch­test, brauchst du eine höhe­re Absi­che­rung als die 4‑Pro­zent-Regel, denn vor­aus­sicht­lich und hof­fent­lich lebst du deut­lich län­ger als bis 70… 

Schen­kun­gen – Ver­schie­de­ne Ober­gren­zen je nach Ver­wandt­schafts­grad 

Willst du Ver­mö­gen ver­schen­ken, gibt es eine Ober­gren­ze für steu­er­freie Geschen­ke: Eltern dür­fen ihrem Kind inner­halb von 10 Jah­ren bis zu 400.000 Euro schen­ken, ohne dass das Kind die­se Beträ­ge als Ein­künf­te ver­steu­ern muss. Groß­el­tern dür­fen bis zu 200.000 Euro im glei­chen Zeit­raum schen­ken – bei Onkel und Tan­ten ist die Gren­ze bei 20.000 Euro. 

Unser gra­tis Newsletter

Noch mehr Infos für dich

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben