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„Das Mindeste, was man tun kann, ist einmal am Tag tief ein- und auszuatmen“

2021-06-11T10:05:12+02:007. Juni 2021|

Den Men­schen als Gan­zes zu sehen und zu schät­zen, dabei hilft sie vor allem ange­hen­den Füh­rungs­kräf­ten. Rut­ta Meko­nen ist Human Cen­te­red Lea­ders­hip Coach und Yoga­leh­re­rin. Sie ist der Über­zeu­gung, dass Yoga ihre Kun­din­nen auto­ma­tisch zu bes­se­ren Füh­rungs­kräf­ten machen kann und damit auch die Zufrie­den­heit der Mit­ar­bei­ter steigt. Ein Gespräch über die Ver­bun­den­heit mit dem Innen und dem Außen und Tipps, was Unter­neh­men bes­ser machen können.

Von Clau­dia Vallentin

Courage: Rutta, du hast eine Vision für den Arbeitsplatz und wie wir dort arbeiten. Wie sieht sie aus?

Rut­ta Meko­nen: Ich wün­sche mir eine Arbeits­welt, die zum Ler­nen, Wach­sen und Glück­lich sein ein­lädt. Dass Men­schen mon­tags mit Freu­de zur Arbeit gehen, ganz sie selbst sein kön­nen und für das was sie sind gese­hen, gehört und wert­ge­schätzt wer­den. Ich glau­be übri­gens es gäbe dann auch viel weni­ger Krank­mel­dun­gen. Das ist mei­ne Visi­on und aktu­ell ver­su­che ich Füh­rungs­kräf­ten dabei zu helfen.

Du hast dich vor weniger als einem Jahr, mitten in der Corona-Pandemie, selbstständig gemacht. Vorher hattest du eine Festanstellung in einer Personalabteilung. Was hat dich gestört? 

Mir per­sön­lich hat die Frei­heit gefehlt, die ich jetzt habe. Und mir ist auf­ge­fal­len, dass doch eher geschaut wird, wie man Men­schen dazu krie­gen kann, in ein Sys­tem zu pas­sen, und gar nicht, wie man das Sys­tem so gestal­tet, dass der Mensch als Gan­zes betrach­tet wird, und das als Aus­gangs­punkt nimmt, um Pro­zes­se zu gestal­ten. Des­halb bin ich auch Human Cen­te­red Lea­ders­hip Coach. 

Wo haben deiner Erfahrung nach Menschen in Führungsrollen oft Nachholbedarf?

Eigent­lich sind es zwei­er­lei Sachen. Es fehlt oft die Kon­flikt­be­reit­schaft. Also Kon­flik­te anzu­spre­chen, sodass es auch eine Lösung dafür geben kann, und sich nicht hin­ter dem Kon­flikt ver­steckt wird, weil man es allen recht machen möch­te. Und das ande­re ist das The­ma Feed­back. Es fällt vie­len Füh­rungs­kräf­ten schwer, kri­ti­sches Feed­back zu geben, aber auch Lob auszusprechen.

Du bist nicht nur Führungskräftecoach, sondern auch Yogalehrerin. Wie passt das zusammen?

Ich habe in mei­ner Yoga­aus­bil­dung vie­le Par­al­le­len gefun­den und mir ist klar gewor­den, dass man durch Yoga auto­ma­tisch eine gute Füh­rungs­kraft sein kann. Es gibt natür­lich vie­le Wege, wie man Füh­rung ler­nen kann, aber die Yoga­phi­lo­so­phie bringt vie­les schon zusam­men. Es geht ja um den Umgang mit sich selbst und mit ande­ren. Es geht dar­um, ehr­lich zu sein, ande­re nicht durch Unacht­sam­keit zu ver­let­zen und dar­über nach­zu­den­ken, wie man kom­mu­ni­ziert. Im Yoga ist man ganz bei sich, lernt Stär­ken und Gren­zen ken­nen und eine Ver­bun­den­heit mit dem Innen und dem gro­ßen Gan­zen. Kon­zep­te und Wer­te, die man beim Yoga lernt, sind auf jeden Fall von Vor­teil für Füh­rungs­kräf­te. Wür­den alle das leben, hät­ten wir ver­mut­lich auch viel weni­ger Skandale. 

Welche Führungskompetenzen werden konkret durch Yoga gestärkt?

Zum Bei­spiel die Selbst­wahr­neh­mung. Wer bin ich? Was kann ich? Wo sind mei­ne Gren­zen? Man wird durch Yoga außer­dem ent­spann­ter und zwar nach­hal­tig. Dadurch kann man bes­se­re Ent­schei­dun­gen fäl­len. Man wird pro­duk­ti­ver und fokus­sier­ter. Gleich­zei­tig lernt man, eine Ver­bun­den­heit mit sich selbst und folg­lich auch mit ande­ren aufzubauen.

Welche Art von Yoga empfiehlst du?

Das ist total egal, Yoga ist für alle. Man­che brau­chen sport­li­ches Yoga wie Ashtan­ga, man­che eher das spi­ri­tu­el­le wie Kun­da­li­ni. Wich­tig ist, dass man das rich­ti­ge Yoga und die rich­ti­ge Leh­re­rin für sich fin­det. Am Ende kommt man zum glei­chen Ergeb­nis, der Selbsterkenntnis.

Wie oft sollte man idealerweise Yoga praktizieren, um da hin zu kommen?

Das ist natür­lich total indi­vi­du­ell, aber es gibt Stu­di­en die einen nach­weis­li­chen Effekt nach acht Wochen täg­li­cher Pra­xis ver­mer­ken. Vor allem, weil die Yoga­pra­xis ja eine Mischung aus Übun­gen, Medi­ta­ti­on, Ent­span­nung und Atmung ist. Ich den­ke, man muss nicht täg­lich prak­ti­zie­ren, um schon Effek­te zu spü­ren. Aber eine Regel­mä­ßig­keit ist schon wich­tig. Lie­ber nur 20 Minu­ten, dafür aber vier Mal in der Woche. Es geht um die Pra­xis, denn Yoga fin­det nicht nur auf, son­dern auch außer­halb der Mat­te statt. Das, was man lernt und prak­ti­ziert, trägt sich weiter.

Viermal die Woche – das klingt für Einsteiger schon sehr ambitioniert.

Es geht ja gar nicht dar­um, dass man 24 Stun­den am Tag auf Jogi macht. Und man kann genau­so gut mit ein­mal die Woche, viel­leicht sogar beim Kurs im Fit­ness­stu­dio damit anfan­gen, wenn das den Druck raus­nimmt. Es braucht natür­lich Zeit, bis man die Yoga­pra­xis auch in sei­nem Ver­hal­ten als Füh­rungs­kraft bemerkt. Das ist ein Pro­zess, der Zeit braucht, aber er pas­siert ganz automatisch.

Unter Führungskräften finden sich nicht selten Frauen und Männer, die eher kompetitiv sind. Mit Yoga passt das erst mal nicht zusammen. Wie kann man sie dennoch überzeugen? 

Also die­je­ni­gen, die eher ratio­nal und wett­be­werbs­ori­en­tiert sind, kann ich mit Fak­ten und Vor­bil­dern über­zeu­gen. Denn es gibt genug Stu­di­en, die zei­gen, dass sich Yoga nicht nur kör­per­lich, son­dern auch kogni­tiv posi­tiv aus­wirkt. Genau des­halb gibt es vie­le bekann­te und hoch­ran­gi­ge Füh­rungs­kräf­te, die Yoga prak­ti­zie­ren. So wie Kana­das Pre­mier­mi­nis­ter Jus­tin Tru­deau, RWE-Chef Peter Teri­um, BMW-Auf­sichts­rats­chef Nor­bert Reit­ho­fer und vie­le ande­re. Das machen eben nicht nur Frau­en in Leg­gings, son­dern auch Füh­rungs­kräf­te, männ­lich wie weib­lich, die den Effekt ver­stan­den haben. Und ich glau­be fest dar­an, dass es im brei­ten Spek­trum der Yoga­s­ti­le für jede Per­son das Rich­ti­ge gibt. 

Was würdest du den Unternehmen empfehlen, die ihre Führungskräfte fördern wollen?

Vor allem, dass sie die nöti­gen Rah­men schaf­fen, Yoga zu prak­ti­zie­ren und von­sei­ten der Geschäfts­füh­rung auch vor­le­ben. Es müs­sen Ange­bo­te und Zeit geschaf­fen wer­den. Das könn­te Busi­ness-Yoga in der Mit­tags­pau­se sein oder ein Zuschuss für Yogastudios.

Wenn sich durch das Homeoffice nur nicht Videomeeting an Videomeeting reihen würde…

…und die Mit­tags­pau­se gar kei­ne Mit­tags­pau­se mehr ist, son­dern auch Mee­ting-Zeit. Ja, da müs­sen Unter­neh­men umden­ken und Tages­ab­läu­fe, wie auch Mee­tings anders pla­nen. SAP macht das zum Bei­spiel sehr gut vor. Es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten, wie man Yoga und Medi­ta­ti­on auch im Arbeits­all­tag unter­brin­gen kann. Aber das Min­des­te, was man tun kann, ist ein­mal am Tag tief ein- und auszuatmen.

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