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Boxcryptor-Gründerin Andrea Pfundmeier: Die Security der IT

2021-05-26T08:52:11+02:0025. Mai 2021|

„Wird das Auto gestoh­len, so merkt man das schnell. Beim Daten­klau ist das lei­der nur sel­ten der Fall“, weiß Andrea Pfund­mei­er, Grün­de­rin der Ver­schlüs­se­lungs­soft­ware Boxcryp­tor, aus der Pra­xis. Wie die Stu­den­tin zur Tech-Unter­neh­me­rin wur­de, was Frau­en in män­ner­do­mi­nier­ten Bran­chen hilft und wel­che pri­va­ten Daten jeder ver­schlüs­seln soll­te, ver­rät sie im Gespräch mit courage-online.de.

Von Michae­la Stemper

Freund­lich, offen und gar nicht wie ein Tech-Nerd begeg­net uns die zar­te Andrea Pfund­mei­er. Von ihr heu­te als Grün­de­rin zu spre­chen, greift zu kurz. Denn ihr Unter­neh­men Secom­ba fei­ert zehn­jäh­ri­ges Jubi­lä­um. Sie emp­fin­det das als Span­nungs­feld, irgend­wo zwi­schen Start-up-Fee­ling und Eta­bliert­sein. Ihr Pro­dukt Boxcryp­tor, eine Ver­schlüs­se­lungs­soft­ware für Cloud-Spei­cher­diens­te, schloss 2011 eine Sicher­heits- und auch Markt­lü­cke. Teilt man heu­te Daten bei­spiels­wei­se über Drop­box oder Goog­le Dri­ve, las­sen sich die­se mit der Soft­ware aus Augs­burg pro­blem­los verschlüsseln.

„Vie­le Boxcryp­tor-Kun­den haben mit Tech­nik nichts am Hut. Pri­va­te genau­so wie Anwäl­te oder Ärz­te. Sie alle brau­chen eine siche­re Lösung für sen­si­ble Daten, die man schnell und pro­blem­los ein­set­zen kann“, erklärt Andrea Pfund­mei­er, die über­ra­schen­der­wei­se kei­ne Infor­ma­ti­ke­rin son­dern Wirt­schafts­ju­ris­tin ist. „Ich war qua­si selbst mein bes­ter Kun­de.“ Sie beher­zig­te aber eine Grün­der­re­gel: Suche Dir eine/n Partner:in, der/die dich ergänzt! Ihr Co-Head Robert Freu­den­reich stu­dier­te Informatik.

Ohne Gründer-Uni zum Start-up

Andre­as Weg? Eher unge­wöhn­lich. Augs­burg eilt weder der Ruf einer Gründer:innen-Uni vor­aus, noch sind Wirt­schafts­ju­ris­tin­nen beson­ders start-up-affin. Auch Andre­as Eltern arbei­te­ten im Kon­zern. Den­noch spür­te die 23-Jäh­ri­ge nach diver­sen Prak­ti­ka, dass das Leben als Ange­stell­te nicht ihrem Natu­rell ent­sprach. Nach einem Uni-Semi­nar stand fest: ich gründe!

„Für unse­re ursprüng­li­che Geschäfts­idee woll­ten wir Daten sicher bei Drop­box able­gen“, erklärt die Unter­neh­me­rin. Um die Daten zu ver­schlüs­seln, ent­wi­ckel­ten die Gründer:innen einen Pro­to­typ, den sie ins Netz stell­ten. Inner­halb weni­ger Tage wur­de die­ser über tau­send­mal in einem Drop­box-Forum run­ter­ge­la­den. Die heu­te 33-Jäh­ri­ge erin­nert sich an den Aha-Moment: „Wir erkann­ten, dass nicht nur wir, son­dern auch ande­re ein Sicher­heits­pro­blem hat­ten. Also fokus­sier­ten wir uns auf IT-Security.“

Vom Vorteil, eine Frau zu sein

Wenn die IT-Sze­ne män­ner­do­mi­niert ist, ist die Nische „IT-Secu­ri­ty“ qua­si die Potenz des­sen – eine Bude vol­ler Nerds. „Das Gute ist, man sticht per se als Frau in die­ser Welt her­vor. Bei Pit­ches auf Grün­der­ver­an­stal­tun­gen war ich teil­wei­se die ein­zi­ge unter zehn Män­nern. Die Auf­merk­sam­keit haben wir gezielt für unse­re Sto­ry genutzt“, erin­nert sich Andrea und macht ande­ren damit Mut. Dabei wirkt sie kom­pe­tent und durch­weg sym­pa­thisch. Nie hat sie die Schrau­be über­dreht, extra auf­fal­len­de Far­ben getra­gen oder durch einen koket­ten Blick aus den reh­brau­nen Augen über­zeu­gen wollen.

Mit Vor­ur­tei­len räum­te sie prag­ma­tisch auf. Ers­te Kun­den, die in die Tech­nik durch­ge­stellt wer­den woll­ten, ant­wor­te­te sie hemds­är­me­lig: „Ich habe Boxcryp­tor gegrün­det, ich kann ihnen schon hel­fen.“ „Natür­lich gab es Situa­tio­nen, in denen mein Co-Head bevor­zugt gefragt wur­de, aber das habe ich nie per­sön­lich genom­men“, erzählt sie ohne Unter­ton. Sie rät jun­gen Frau­en: Lass Dich nicht unter­krie­gen, wenn Gegen­wind kommt! Tritt selbst­be­wusst auf! Fällt bei­spiels­wei­se eine Fra­ge auf dem Podi­um in ihren The­men­be­reich, grätscht sie beherzt rein. Der Mit­grün­der lei­tet Fra­gen aus ihrem Fach­ge­biet direkt an Andrea wei­ter. Er war von Anfang an sensibilisiert.

Des­halb ein wei­te­rer Tipp der Top-Grün­de­rin: Schaut euch die Mitgründer:innen genau an! Es geht nicht ums Ego, son­dern ums Team.

Nerven wie Drahtseile

Nach zehn Jah­ren liebt Andrea ihre Arbeit immer noch, auch wenn es mensch­lich oder unter­neh­me­risch schwie­rig wird. „Die ers­te Kün­di­gung war furcht­bar. An dem Tag bin ich nicht ger­ne zur Arbeit gegan­gen“, erin­nert sich die sonst gut gelaun­te Andrea. Aber da müs­se man eben durch. Wie­der blitzt Andre­as Prag­ma­tis­mus auf.

Auch unter­neh­me­risch waren die ers­ten Jah­re unsi­cher. Die Entre­pre­neu­re plan­ten mit 400.000 Euro Inves­to­ren­gel­dern, erziel­ten aber damals noch ein nega­ti­ves Ergeb­nis. Tag­täg­lich schwank­te Andre­as Unter­neh­mer­geist zwi­schen Hof­fen und Ban­gen. Sie zit­ter­ten, ob sie es in die schwar­zen Zah­len schaf­fen wür­den. Das muss man aus­hal­ten kön­nen. „Unser Plan B lag in der Schub­la­de. Wir hat­ten einen Kon­to­stand defi­niert, ab dem wir die Reiß­lei­ne zie­hen – auch mit Ent­las­sun­gen“, zeigt Andrea auf und man spürt, wie sehr die Ver­ant­wor­tung auf ihr las­te­te. Umso mehr fühl­te sich das Duo mit die­sem Not­fall­plan gut vor­be­rei­tet. Und zum Glück beka­men sie recht­zei­tig die Kurve.

Mit 30 auf der Forbes-Liste

Zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen bezeu­gen den Erfolg: der Deut­sche Grün­der­preis 2013 oder 2017 ein Platz auf der For­bes-Lis­te der Top-30-Grün­der unter 30. „Das sind coo­le Awards, die zei­gen, wir lie­gen mit unse­rer Idee rich­tig. Sie hel­fen für Bran­ding und Mit­ar­bei­ter­ge­win­nung. Wich­ti­ger war uns aber der Erfolg im Markt“, zeigt die Geschäfts­füh­re­rin auf. Wenn sie sehe, dass Kran­ken­häu­ser ihr Pro­dukt nutz­ten, mache sie das stolz.

Auf einer Mes­se in San Fran­cis­co, nahe dem Sili­con Val­ley, erfuhr sie zum ers­ten Mal, wel­che inter­na­tio­na­le Bekannt­heit ihr Unter­neh­men erlangt hat­te. Die hip­pen Besu­cher kamen auf sie zu und zeig­ten, dass sie die „German“-Software bereits aufs Smart­pho­ne gela­den hat­ten. Heu­te zählt die TU Dres­den mit 95.000 Nut­zern eben­so zu den Kun­den, wie das fran­zö­si­sche Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men Suez. Boxcryp­tor ent­wi­ckelt sich zu einer der gro­ßen Brands der Branche.

Finanzierungsrunden: Kein leidiges Thema

Die Karls­ru­her Inves­to­ren Agi­le Part­ners glaub­ten früh an die sehr jun­gen Gründer:innen und sind noch heu­te als Anteils­eig­ner an Bord. Eine Part­ner­schaft auf Augen­hö­he ist sel­ten, wenn man den Erfah­rungs­be­rich­ten unter­schied­li­cher Start-ups glau­ben darf. Umso mehr strahlt Andrea: „Sie glau­ben an den Case, las­sen Frei­hei­ten und sind Spar­rings­part­ner.“ An Geld zu kom­men, war für die bei­den Stu­den­ten also erstaun­lich leicht. Andrea erklärt, wie­so: „Wir konn­ten einen Pro­to­typ, einen ‘pro­of-of con­cept’ und die ers­ten 5.000 Euro Umsatz vor­wei­sen.“ Nach einem hal­ben Jahr lagen sie­ben Ange­bo­te auf dem Tisch des noch pro­vi­so­ri­schen Büros an der Uni: sechs Finan­zie­run­gen und ein Kauf­an­ge­bot. Die Grün­der hat­ten die Wahl. Inter­es­sant ist, war­um die Juris­tin das Kauf­an­ge­bot eines US-Unter­neh­mens ablehn­te: „Wir sind in der Regi­on ver­wur­zelt und unter­lie­gen den deut­schen Daten­schutz­richt­li­ni­en. Das schät­zen unse­re Kun­den, auch in den USA.“ Sie zeigt Haltung.

Corona als Chance

„Unter­neh­me­risch bot Coro­na Chan­cen, weil Men­schen im Home­of­fice ver­stärkt Cloud-Diens­te nut­zen muss­ten. Für vie­le Unter­neh­men bedeu­te­te das den Adhoc-Umstieg ins Cloud-Zeit­al­ter“, so die Unter­neh­me­rin. So ver­zeich­ne­te Secom­ba im ver­gan­ge­nen Jahr ein Umsatz­wachs­tum von 20 Pro­zent. Neue Ideen ent­stan­den in den Büros auf dem Grün­der­cam­pus über Nacht. „Mit der Ver­schlüs­se­lung von MS Teams haben wir ein neu­es Pro­dukt von null auf hun­dert lan­ciert – qua­si vom Home­of­fice fürs Home­of­fice“, freut sich Andrea Pfund­mei­er. Immer noch habe sie mehr Ideen als Mit­ar­bei­ter. Die Pipe­line sei voll.

Auch wenn vie­le „Boxcryp­tors“ der­zeit im Home­of­fice arbei­ten, möch­te die empa­thi­sche Unter­neh­mens­len­ke­rin nicht kom­plett auf „Remo­te-Basis“ füh­ren. Dafür ist das bun­te Büro zuge­ge­be­ner­ma­ßen zu schön: Die Wän­de leuch­ten far­ben­froh, in bron­ze-gelb-grün oder gelb-blau-grau. Der Open Space mit sma­ragd­grü­nem Sofa lädt zum Aus­tausch ein. „Scha­de, dass vie­le das noch nicht sehen konn­ten“, bedau­ert Andrea. Sie befürch­tet an Empa­thie zu ver­lie­ren, wenn der per­sön­li­che Kon­takt ganz ent­fällt. Nach einem schwie­ri­gen Gespräch begeg­ne­te man sich frü­her auf dem Flur und bekam durch Mimik Feed­back. Heu­te lege sie nach dem Zoom-Call auf und damit ris­se ein Stück weit auch der Kon­takt ab. So sei es schwer, lang­fris­tig Ver­trau­en aufzubauen.

Kontrolle über die eigenen Daten

Um Ver­trau­en geht es auch, wenn das Gespräch auf das The­ma Schutz der per­sön­li­chen Daten kommt. Die Exper­tin rät: Nimmt man einen kos­ten­lo­sen Dienst in Anspruch, soll­te man hin­ter­fra­gen: Womit bezah­le ich das? Was ist schüt­zens­wert? Was sind mei­ne Daten-Kron­ju­we­len? Und wie kann ich sie ver­schlüs­seln?  Essen­zi­ell sind, laut Pfund­mei­er, offi­zi­el­le Doku­men­te wie der Per­so­nal­aus­weis oder Rei­se­pass mit bio­me­tri­schen Daten, aber auch Ver­si­che­rungs­un­ter­la­gen und Gehalts­ab­rech­nun­gen. Es lohnt in die Zukunft zu den­ken: Heu­te mag es kein Pro­blem sein, Daten über den Gesund­heits­zu­stand zu tei­len. Zu einem spä­te­ren Zeit­punkt – etwa beim Kran­ken­kas­sen­wech­sel – kann das durch­aus rele­vant werden.

Die digi­ta­le Sicher­heits­spe­zia­lis­tin zeigt Ver­ant­wor­tung über das har­te Busi­ness hin­aus: „Bei unse­rer Arbeit in Schu­len geht es nicht dar­um, wie Kin­der ein Pro­gramm nut­zen. Son­dern, dass sie sich bewusst machen, wie sie Daten und Bil­der tei­len. Face­book wird ver­teu­felt, aber dort gebe ich zumin­dest wis­sent­lich mei­ne Daten ab. Auf vie­len Platt­for­men sieht das anders aus.“ Andre­as Kin­der­fo­tos sind übri­gens nicht online. Denn die gab es damals noch nicht digital.

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