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  • Anleger:innen können von Aktienrückkäufen profitieren, ©Blue Planet Studio - stock.adobe.com

Börsenpraxis: Aktienrückkäufe auf Rekord-Niveau – wie profitieren Anleger:innen?

2022-09-19T12:25:01+02:0017. September 2022|

Unter­neh­men kau­fen so vie­le eige­ne Akti­en auf wie noch nie. Allein die 500 Unter­neh­men im S&P 500 wol­len inner­halb eines ein­zi­gen Jah­res Papie­re für 985 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ein­zie­hen. Das ist so viel wie noch nie. Doch was haben wir Anleger:innen davon? 

Von Ant­je Erhard

Die Bil­lio­nen-Dol­lar-Mar­ke rückt in greif­ba­re Nähe. Noch nie haben Unter­neh­men so vie­le eige­ne Akti­en­rück­käu­fe ange­kün­digt wie der­zeit. 985 Mil­li­ar­den US-Dol­lar wol­len allein die Unter­neh­men im S&P 500 aus­ge­ben, um eige­ne Antei­le zurück­zu­er­wer­ben. Gold­man Sachs rech­net sogar mit 1000 Mil­li­ar­den, einer Bil­li­on US-Dol­lar, für Rück­käu­fe. Allen vor­an Tech- und Öl-Unter­neh­men.  

Das ist kein neu­er Trend – trotz Infla­ti­on, Kon­junk­tur­sor­gen, Ener­gie­preis-Hor­ror und Zins­wen­de. Schon im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te allein Apple für 92,4 Mil­li­ar­den US-Dol­lar eige­ne Akti­en zurück­ge­kauft.  In die­sem Jahr wol­len vor allem die Öl-Unter­neh­men Rück­kauf­pro­gram­me star­ten: Exxon will bis Ende kom­men­den Jah­res für 30 Mil­li­ar­den US-Dol­lar Anteils­schei­ne auf­kau­fen. Bei Che­vron sol­len es immer­hin Titel für 15 Mil­li­ar­den wer­den. 

In Deutsch­land sind BASF, SAP und Adi­das gro­ße Rück­käu­fer von eige­nen Akti­en. Wenn­gleich die Sum­men nicht ver­gleich­bar sind mit denen von US-Tech­no­lo­gie- oder Öl-Kon­zer­nen. Adi­das kün­dig­te Rück­käu­fe für 1,5 Mil­li­ar­den Euro an – zusätz­lich zu den bereits avi­sier­ten vier Mil­li­ar­den Euro, die zwi­schen 2022 bis 2025 für die Rück­nah­me eige­ner Antei­le vor­ge­se­hen sind. 

Vorteile für Anleger:innen 

Doch was bringt das, wenn ein Unter­neh­men sich selbst kauft? Nun, weni­ger Anteils­schei­ne bedeu­ten, dass sich Gewin­ne und Divi­den­den auf weni­ger Akti­en ver­tei­len. Damit steigt der Gewinn je Aktie bzw. die Divi­den­de je Aktie. Die Unter­neh­mens­kenn­zah­len ver­bes­sern sich sozu­sa­gen optisch. Allein die Ankün­di­gung eines Akti­en­rück­kau­fes treibt in vie­len Fäl­len den Kurs. Davon pro­fi­tie­ren die Anleger:innen.  

Die Divi­den­de steigt bei gleich­blei­ben­der Aus­schüt­tungs­quo­te. Die Divi­den­den-Ren­di­te steigt folg­lich eben­falls. Das ist natür­lich nur von Vor­teil, wenn der Kurs zuvor nicht auf Tal­fahrt gegan­gen ist. Was nützt eine Divi­den­den-Ren­di­te von drei, vier oder fünf Pro­zent, wenn der Kurs um zehn oder zwan­zig Pro­zent ein­ge­bro­chen ist?  

Wird im Rah­men eines öffent­li­chen Ange­bots eine Prä­mie gebo­ten, dann pro­fi­tie­ren die Aktionär:innen, die das Ange­bot anneh­men. Und schließ­lich steigt der Anteil am Unter­neh­men pro Aktie.  

Nachteile für Anleger:innen 

Doch auch für Aktionär:innen gibt es Nach­tei­le, die im Rah­men eines Akti­en­rück­kaufs ent­ste­hen: Wer sei­ne Akti­en im Rah­men eines Ange­bots für einen Rück­kauf ver­kauft, ver­liert auch ent­spre­chend Stimm­rech­te. Ist das Ange­bot zum Rück­kauf höher als der aktu­el­le Kurs (was meist der Fall ist, um die Aktionär:innen zu bewe­gen, das Ange­bot anzu­neh­men), ist es letzt­lich ein Nach­teil für die Aktionär:innen, die sozu­sa­gen bei der Stan­ge blei­ben. Sie pro­fi­tie­ren nicht davon. 

Kri­ti­ker hal­ten dage­gen, dass die­ses Geld nicht für Inves­ti­tio­nen zur Ver­fü­gung steht. Blei­ben Inves­ti­tio­nen lang­fris­tig auf der Stre­cke, kann das wett­be­werbs­schäd­lich sein. Außer­dem könn­te es in der nächs­ten Kri­se feh­len – selbst wenn auch in der aktu­el­len Kri­se das Kapi­tal noch locker sitzt und Akti­en­rück­käu­fe mög­lich sei­en. In den USA soll des­halb künf­tig eine Steu­er auf Akti­en­rück­käu­fe anfal­len. Das soll Unter­neh­men moti­vie­ren, zu inves­tie­ren oder lie­ber Divi­den­den aus­zu­schüt­ten. 

Aktienrückkauf – So geht’s 

Und so funk­tio­niert das Gan­ze: Wenn die Haupt­ver­samm­lung das Unter­fan­gen bil­ligt, steht dem Rück­kauf nichts mehr im Wege. Unter­neh­men haben zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der sie kau­fen ihre Akti­en über die Bör­se zurück. Das erstreckt sich über einen gewis­sen Zeit­raum. Oder sie machen den Aktionär:innen öffent­lich ein ent­spre­chen­des Ange­bot, das einen Auf­schlag auf den aktu­el­len Bör­sen­kurs ent­hält. Die Aktionär:innen erhal­ten das Ange­bot über ihren Bro­ker und kön­nen dann ent­schei­den, ob sie dem Ange­bot zustim­men oder eben nicht. Die zurück­ge­kauf­ten Akti­en kann das Unter­neh­men ver­wah­ren und spä­ter unter Umstän­den auch wie­der ver­kau­fen. Oder sie wer­den im Rah­men von Mit­ar­bei­ter-Betei­li­gun­gen an die Mitarbeiter:innen aus­ge­ge­ben. Meist zu güns­ti­ge­ren Kon­di­tio­nen als die Aktie der­zeit am Kapi­tal­markt gehan­delt wird. Oder die auf­ge­kauf­ten Akti­en wer­den ver­nich­tet. 

Doch warum machen Unternehmen so etwas? 

Zah­lungs­mit­tel: Bei einer geplan­ten Unter­neh­mens­über­nah­me kön­nen zurück­ge­kauf­te Akti­en zur Zah­lung der Über­nah­me­sum­me genutzt wer­den. So wird ein Unter­neh­mens­kauf mit eige­nen Akti­en bezahlt. Akti­en sind dann also Zah­lungs­mit­tel. Man nennt das auch „Akqui­si­ti­ons­wäh­rung“.  

Ein wei­te­rer Grund ist die Kurs­pfle­ge. Der Gewinn pro Aktie steigt künf­tig, weil er sich auf weni­ger Akti­en ver­teilt. Das Unter­neh­men ver­öf­fent­licht also bes­se­re Zah­len. Und das treibt meist den Kurs. Oft hän­gen Boni an Kenn­zah­len und Kurs­ent­wick­lun­gen. Das Manage­ment könn­te also unter Umstän­den mehr ver­die­nen. 

Absi­che­rung: Sind weni­ger Akti­en im Umlauf, ist eine Über­nah­me des Unter­neh­mens schwe­rer mög­lich. Eine feind­li­che Über­nah­me lässt sich so leich­ter ver­hin­dern. Auch das ist ein Grund für einen Akti­en­rück­kauf.  

Und schließ­lich Punkt 4: Mit Akti­en­rück­käu­fen lässt sich Eigen­ka­pi­tal redu­zie­ren. Eigen­ka­pi­tal ist das Kapi­tal, das eine Gesell­schaft aus eige­nen Mit­teln auf­bringt. Es ist die Dif­fe­renz aus Ver­mö­gen und Schul­den. Durch Redu­zie­rung von Eigen­ka­pi­tal mit­tels Akti­en­rück­kauf steigt die Gesamt­ka­pi­tal-Ren­di­te.  

Aktio­närs­struk­tur: Im Zuge eines Akti­en­rück­kaufs sinkt die Anzahl der Aktionär:innen. Und die Zahl derer, die ein Stimm­recht bei der Haupt­ver­samm­lung haben. Gleich­zei­tig kann sich die Höhe der Divi­den­de für die ver­blie­be­nen Aktio­nä­re erhö­hen. Denn die Gewin­ne, die an die Aktio­nä­re aus­ge­schüt­tet wer­den, ver­tei­len sich nun auf weni­ger Akti­en und das Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis ver­bes­sert sich. 

Grund­sätz­lich kann man fest­hal­ten, dass nur finanz­star­ke Unter­neh­men ihre Akti­en zurück­kau­fen (kön­nen). Aktionär:innen, die ihre Antei­le behal­ten, kön­nen auf eine Kurs­stei­ge­rung hof­fen. Denn durch die gerin­ge­re Zahl der ver­füg­ba­ren Akti­en steigt der Anteil am Unter­neh­men. Und weil weni­ger Akti­en im Umlauf sind, erhöht sich in der Regel auch die Dividende.

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