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Finanziell unabhängig: 10 Tipps für Frauen

2020-03-08T18:51:44+01:006. März 2020|

Es gibt Orte, an denen sich nie­mand gerne aufhält. Laut Umfra­gen gehören auch Beratungsz­im­mer von Banken dazu. Ganz beson­ders Frauen sollen sich dort ungern aufhal­ten. Das ist para­dox, denn finanziell unab­hängig zu sein, ist für Frauen in Deutsch­land ein beson­ders wichtiges Ziel im Leben.

 

Von Brigitte Water­mann & Astrid Zehbe

Fast vier von fünf Frauen geben laut ein­er aktuellen YouGov-Umfrage im Auf­trag der Com­merzbank an, dass die finanzielle Unab­hängigkeit für sie „äußerst“ oder „sehr“ wichtig sei. Gle­ichzeit­ig beschäftigt sich aber nur jede Vierte regelmäßig mit der eige­nen Gel­dan­lage. Und nur magere sechs Prozent schätzen ihre eigene Finanzkom­pe­tenz als hoch ein. „Für viele Frauen ist das The­ma Finanzen ähn­lich attrak­tiv wie einen Kak­tus zu stre­icheln“, sagt Clau­dia Krieger, Lei­t­erin Anlage­m­an­age­ment der Com­merzbank-Nieder­las­sung München-Nord.

Finanziell unabhängig zu werden, ist für Frauen schwieriger

Doch woran mag das liegen? Krieger sieht dafür etliche Gründe: „Es sind noch viele über­holte Rol­len­klis­chees wirk­sam, die ver­hin­dern, dass Frauen sich um ihr Geld küm­mern.“ Auch die oft niedrigeren Einkom­men von Frauen wirken sich neg­a­tiv aus. Laut der Umfrage haben nur 15 Prozent der Befragten ein eigenes Net­toeinkom­men von über 2000 Euro im Monat. Frauen übernäh­men oft viel Zusatzarbeit – im Haushalt und in der Fam­i­lie. Teilzeitjobs oder Fam­i­lien­pausen haben zur Folge, dass Frauen im Alter im Schnitt deut­lich weniger Geld als Män­ner zur Ver­fü­gung haben – und das, obwohl sie sta­tis­tisch länger leben.

Ein Nachteil ist auch die unter­schiedliche Bezahlung: In Deutsch­land beträgt die soge­nan­nte Ent­geltlücke zwis­chen Frauen und Män­nern noch immer über 20 Prozent, was zum wichti­gen Teil an der Beruf­swahl liegt: Frauen arbeit­en öfter in sozialen oder dien­stleis­tungsna­hen Berufen, die weniger gut bezahlt sind. Doch selb­st bei gle­ich­er for­maler Qual­i­fika­tion und anson­sten gle­ichen Merk­malen beträgt der Ent­gel­tun­ter­schied immer noch sechs Prozent.

Lasst uns über Geld reden

„Es mag unro­man­tisch klin­gen, aber Frauen soll­ten auch in der Part­ner­schaft stets darauf acht­en, finanziell unab­hängig zu sein, und ihr Geld stets selb­st im Blick haben“, emp­fiehlt die freie Finanz­planer­in Ste­fanie Kühn, die das Buch „Ein Mann ist kein Ver­mö­gen“ geschrieben hat. Angesichts von Schei­dungsrat­en von um die 40 Prozent ein vernün­ftiger Rat. „Was spricht zum Beispiel dage­gen, mit dem Part­ner einen finanziellen Aus­gle­ich auszuhan­deln, wenn man beru­flich der Kinder wegen kürz­er­tritt?“

Fakt ist, dass Frauen, die finanziell unab­hängig sein wollen und sich selb­st um ihr Geld küm­mern, oft sehr erfol­gre­ich dabei sind: „Finanz­in­ter­essierte Frauen, die zu uns in die Beratung kom­men, haben häu­fig den besseren Überblick, sind beratung­sof­fen und lei­den weniger unter Selb­stüber­schätzung als manche Män­ner“, sagt Krieger. Diese Aus­sage stützen auch Auswer­tun­gen von Direk­t­banken. Laut ING hat­ten weib­liche Depot­in­hab­er 2019 das bessere Händ­chen bei Gel­dan­lageentschei­dun­gen als Män­ner: Frauen erziel­ten eine Ren­dite vor Kosten in Höhe von 24,1 Prozent auf ihren Depots, Män­ner von 23,5 Prozent. „Wir beobacht­en bei unseren weib­lichen Kun­den, dass sie im Ver­gle­ich zu unseren männlichen Kun­den öfter langfristig und bre­it­er investieren. Beispiel­sweise in Fonds oder ETFs. Dies kön­nte ein­er der Gründe für das bessere Abschnei­den sein“, erläutert Thomas Dwor­nitzak, Leit­er Sparen & Anle­gen der ING.

Frauen legen defensiver an

Die Con­sors­bank hat von Anfang 2017 bis Mitte 2019 Depots von Män­nern und Frauen aus­gew­ertet: In Zeit­en, in denen die Märk­te pri­ma liefen, zahlte sich die offen­si­vere, aber riskan­tere Anlages­trate­gie der Män­ner aus – so etwa 2017 und im ersten Hal­b­jahr 2019. Im schwieri­gen Börsen­jahr 2018 waren die Frauen bess­er: Ihre defen­siv­er aufgestell­ten Depots erwiesen sich als krisen­re­sisten­ter und weniger schwankungsin­ten­siv. Ins­ge­samt hat­ten die Män­ner zwar einen leicht­en Per­for­mance-Vor­sprung, doch braucht­en sie auf­grund der hohen Schwankun­gen die besseren Ner­ven. Wichtig: Transak­tion­skosten wur­den bei der Analyse nicht berück­sichtigt. Wären sie dabei, würde der Vor­sprung der Män­ner noch geringer aus­fall­en. Der Grund: Sie trade­ten bei Con­sors mehr als dop­pelt so oft wie Frauen.

Ratschläge, um finanziell unabhängig zu sein

Worauf Frauen außer­dem acht­en, hat das Zin­sportal WeltS­paren unter­sucht: Es befragte 1044 Frauen, welche zehn Ratschläge sie ihrem jün­geren Ich geben wür­den, um finanziell unab­hängiger zu wer­den. Unter­sucht wur­den zusät­zlich zwei Gen­er­a­tio­nen: Frauen von 18 bis 44 Jahren und Frauen ab einem Alter von 45 Jahren. Mit zunehmen­dem Alter wird deut­lich­er sicht­bar, welche Entschei­dung diese Frauen in der Ver­gan­gen­heit lieber anders getrof­fen hät­ten.

Finanziell unabhängig von anderen bleiben

Für die Mehrheit der deutschen Frauen (54 Prozent) ist es am aller­wichtig­sten, sich von nie­man­dem finanziell abhängig zu machen. Mit zunehmen­dem Alter nimmt die Zus­tim­mung zu dieser Aus­sage sog­ar zu. Was hil­ft? Um hier nicht in eine Abhängigkeits­falle zu tap­pen, soll­ten Frauen diese The­men ansprechen und der Hauptver­di­ener für einen finanziellen Aus­gle­ich sor­gen.

Finanzentscheidungen bewusst und ohne Einmischung treffen

51 Prozent der Frauen rät, in Sachen Finanzen unab­hängig von anderen zu agieren und selb­st kluge Entschei­dun­gen rund ums Geld zu tre­f­fen. Was hil­ft? Lesen, lesen, lesen – das Inter­net sowie der Buch- und Zeitschriften­han­del bieten eine ganze Rei­he von Infor­ma­tion­sange­boten, mit denen man sich Finanzwis­sen aneignen kann.

Keine Schulden machen

Die Hälfte der Stu­di­en­teil­nehmerin­nen gibt den Ratschlag, sich nicht zu ver­schulden. Zwar lassen sich Schulden nicht immer ver­hin­dern, jedoch soll­ten unnötige Kon­sum­schulden, etwa für ein neues Sofa oder das neueste Handy, immer hin­ter­fragt wer­den. Schließlich gefährdet unnötiger Kon­sum den Ver­mö­gen­sauf­bau. Was hil­ft? Bevor man etwas kauft, sollte man zweimal darüber nach­denken, ob man es wirk­lich benötigt – und im Zweifel lieber darauf verzicht­en – vor allem dann, wenn man es sich nicht leis­ten kann.

Für Frauen hört beim Geld die Liebe auf

Für jede zweite Frau ab 45 (52 Prozent) ste­ht fest, dass Frauen nie blind vor Liebe bei finanziellen Entschei­dun­gen sein soll­ten – bei den jün­geren Frauen teilen diese Ein­stel­lung knapp über ein Drit­tel (37 Prozent). Was hil­ft? Finanzentschei­dun­gen soll­ten nicht dem Part­ner über­lassen, son­dern gemein­sam getrof­fen wer­den.

Mehr Mut gefragt und besseres Verhandlungsgeschick

Als eine Ursache des Gen­der Pay Gap gilt das bessere Ver­hand­lungs­geschick der Män­ner. So set­zen Frauen bei Ver­hand­lun­gen oft zu ger­ing an. Was hil­ft? Mutiger bei Ver­tragsver­hand­lun­gen herange­hen. Zudem beim Job­wech­sel die Einkom­menssteigerung ein­preisen. Und auch hier hil­ft: Lesen! Es gibt zahlre­iche Lit­er­atur zu Gehaltsver­hand­lun­gen. Im Einzelfall helfen Gehalts-Coach­es, sich opti­mal auf eine Gehaltsver­hand­lung vorzu­bere­it­en und seinem Ziel, finanziell unab­hängig zu wer­den, näher zu kom­men.

Auch Kleinstbeträge schaffen Vermögen

38 Prozent der befragten Frauen stim­men zu, dass sie durch Zin­sen­zin­sef­fek­te auch mit kleineren Beträ­gen auf Dauer beachtliche Rück­la­gen auf­bauen kön­nen. Frauen über 45 Jahre sehen das sog­ar zu 41 Prozent so und reduzieren so für jün­gere Frauen (33 Prozent Zus­tim­mung) die Bar­ri­eren im Kopf, indem ein­fach mit dem Ver­mö­gen­sauf­bau sofort los­gelegt wer­den sollte – selb­st mit Klecker­be­trä­gen. Was hil­ft? Ein­fach mal losle­gen. Kleine Spar­be­träge führen ans Sparen her­an, beispiel­sweise mit Spar-Chal­lenges. Investieren lässt sich eben­falls üben – anfangs mit einem Mus­ter­de­pot, später beispiel­sweise mit Sparplä­nen ab 25 Euro pro Monat. Auch mit kleinen Beträ­gen kann man finanziell unab­hängig wer­den.

Je früher, desto besser

Vier von zehn Frauen (38 Prozent) rat­en, möglichst früh mit dem Sparen anz­u­fan­gen, um den Zins­eszin­sef­fekt best­möglich auszunutzen und so finanziell unab­hängig zu wer­den. Zögern­des Ver­hal­ten führt zu Verzögerung oder hält sog­ar gän­zlich von der Vor­sorge ab. Was hil­ft? Ein­fach losle­gen, lautet auch hier das Mot­to. Es gibt nicht den per­fek­ten Zeit­punkt und Wartezeit verkürzt Laufzeit und damit Zin­sen.

Weniger ist mehr – besonders bei unnötigen Fixkosten

Mache einen Kassen­sturz und checke deine Aus­gaben – das rat­en 36 Prozent der Befragten: Fixkosten wie Abos, Mit­glied­schaften und Ver­sicherun­gen. Bei dieser Erken­nt­nis klaf­fen die Alters­grup­pen auseinan­der: 41 Prozent der ab 45-Jähri­gen sehen das Einspar­poten­zial hier als essen­ziell an, jedoch nur 28 Prozent bei den jün­geren Befragten. Was hil­ft? Regelmäßig die Aus­gaben über­prüfen und kündi­gen, was nicht genutzt wird.

Sparen beim Konsum durch Reduktionen

36 Prozent der Frauen aller Alters­grup­pen rat­en ihren Geschlechtsgenossin­nen, auf Preis­nach­lässe und Rabat­tak­tio­nen zu acht­en. Was hil­ft? Gezieltes Einkaufen und den Schnäp­pchen­modus anstellen. Hil­fre­ich sind dabei Bonus-Apps, Brows­er-Erweiterun­gen und ganz klas­sisch anti­saisonales Einkaufen und bei Lebens­mit­teln zu Randzeit­en shop­pen.

Sparen mit Sinn und Ziel

Auf dem zehn­ten Platz der Top-Finanztipps von Frauen für Frauen wird die Empfehlung aus­ge­sprochen, finanzielle Ziele klar zu definieren und diese Ziele anschließend behar­rlich zu ver­fol­gen. Was hil­ft? Auf ein konkretes Ziel zu sparen, hil­ft bei der Erfol­gskon­trolle, ermöglicht zudem, klare Zeiträume und benötigte Geld­be­träge zu ermit­teln. Damit lässt sich gle­ichzeit­ig die Diszi­plin, die Freude über das Erre­ichte und die Vor­freude erhöhen. Auch das Ziel, finanziell unab­hängig zu wer­den, lässt sich erre­ichen.

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“Börse ist wie Autofahren”

Von ein­er Bilder­buchkar­riere in einem großen Konz­ern zu Finanz­ex­per­tin und Aktien­coach. Car­men May­er ver­hil­ft anderen zu ihrer finanziellen Unab­hängigkeit und nutzt Elternzeit und Coro­na-Krise als Chance für den Start in die erfol­gre­iche Selb­st­ständigkeit. Sie grün­dete Dr. May­er Con­sult­ing GmbH und macht den Pod­cast „Mami goes Mil­lionär“. Was ihre Kli­entin­nen und Hörerin­nen von ihr ler­nen? Wie sie sich um ihr Geld küm­mern, schlau investieren und vor allem das richtige Mind­set.

Teil 2: Geld für Eltern

Alle, die ein Kind in seinen ersten Leben­s­jahren betreuen, kön­nen unter Umstän­den Eltern­geld erhal­ten: Müt­ter und Väter; Ver­wandte, die ein Kind großziehen; Adop­tivel­tern, die ein Kind unter acht Jahren in ihren Haushalt aufgenom­men haben, und „Patch­work-Eltern“. Eltern­geld gibt es unab­hängig davon, ob Eltern ihr Kind gemein­sam, getren­nt oder allein erziehen. Courage klärt, wer was bekommt und wo die Leis­tung zu beantra­gen ist.

„Frauen haben das Talent, Expertin zu jedem Thema zu werden“

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