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Schnelle Hilfe für Menschen mit psychischen Problemen

2021-02-18T22:39:57+01:009. Februar 2021|

Laut aktuellen Stu­di­en lei­den in Deutsch­land rund 20 Mil­lio­nen Men­schen an Depres­sio­nen, Äng­sten oder Essstörun­gen. In der Coro­na-Krise ver­mut­lich noch mehr. Trotz­dem müssen viele bis zu sechs Monate auf einen Ther­a­pieplatz warten. Um in dieser Zeit schnelle Hil­fe bieten zu kön­nen, hat Nora Blum (28) mit ihrer Fre­undin Katrin Bermbach (29) die Online­plat­tform „Self­apy“ gegrün­det.

In den Onlinekursen ler­nen Betrof­fene Tech­niken, mit denen sie sich von neg­a­tiv­en Gedanken und Äng­sten gezielt befreien und ihre Stim­mung verbessern kön­nen. Für wen die Kurse geeignet sind, ob sie wirk­lich helfen und warum Inve­storen und Krankenkassen von „Self­apy“ begeis­tert sind, ver­rät uns Nora Blum im Inter­view.

Von San­dra Berthaler

Du hast „Selfapy“ 2016 mit deiner Freundin Katrin Bermbach gegründet. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Menschen mit psychischen Problemen online zu helfen?

Nora Blum: Katrin und ich haben uns während eines Stu­di­en­aufen­thalts in Cam­bridge ken­nen­gel­ernt. Irgend­wann kam das The­ma „Unter­stützung psy­chisch belasteter Men­schen“ auf. Wir bei­de haben früh erkan­nt, dass es hier eine Ver­sorgungslücke gibt. Meine Mut­ter ist Psy­chother­a­peutin, mein Onkel Psy­cho­an­a­lytik­er. Bei uns zu Hause am Esstisch war Psy­cholo­gie und eben auch der Man­gel an Ther­a­pieplätzen regelmäßig The­ma.

Katrin musste während ihres Psy­cholo­gie-Prak­tikums an ein­er Klinik Hun­derte Patien­ten anrufen und ihnen die Absage für den Ther­a­pieplatz mit­teilen. Im Gespräch kam uns die Idee, diese Unter­ver­sorgung über einen dig­i­tal­en Ansatz zu lösen.

Depressionen sind in Deutschland der zweithäufigste Grund, warum viele nicht zur Arbeit gehen können. Woran könnte das liegen?

Eine Depres­sion äußert sich vor allem durch Symp­tome wie Niedergeschla­gen­heit, Antrieb­slosigkeit und Inter­es­selosigkeit. Das wirkt sich dann nicht nur auf das pri­vate Leben aus, son­dern auch im Arbeit­skon­text. Es kann unglaublich hart für Betrof­fene sein, den Antrieb zu find­en und zur Arbeit zu gehen. Dazu kom­men häu­fig Symp­tome wie Selb­stzweifel oder Vor­würfe, die den Fokus ver­schieben und die Betrof­fe­nen belas­ten kön­nen. Generelle Konzen­tra­tionsstörun­gen – die zu ver­mehrten Selb­stzweifeln führen – und Schlaf­störun­gen, die sich wiederum auf deine Konzen­tra­tion auswirken.

Der Wan­del der Arbeitswelt ist eben­falls ein Fak­tor. Die ständi­ge Erre­ich­barkeit oder die schwierige Vere­in­barkeit von Fam­i­lie und Beruf kann auch in psy­chis­chen Krankheit­en mün­den.

Für wen ist „Selfapy“ geeignet und kann es eine echte Therapie ersetzen?

Wir ver­ste­hen uns defin­i­tiv nicht als Ersatz für die klas­sis­che Ther­a­pie, son­dern sehen uns eher als schnelle Hil­fe für Men­schen, die auf einen Ther­a­pieplatz warten. Oder für Men­schen die, aus welchem Grund auch immer, keine tra­di­tionelle Psy­chother­a­pie wahrnehmen kön­nen oder wollen.

Unsere Onlinekurse richt­en sich vor allem an Men­schen mit leicht­en bis mit­telschw­eren Symp­tomen. Sie sind wis­senschaftlich fundiert und basieren auf den Grund­la­gen der Kog­ni­tiv­en Ver­hal­tens­ther­a­pie. Jed­er mit einem Smart­phone oder Com­put­er kann die Kurse nutzen.

Welche „Selfapy“-Kurse gibt es und wie genau laufen sie ab?

Seit Dezem­ber 2020 bieten wir unsere neue Depres­sions-App an, die auf Rezept durch Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen verord­net wird. Sie ist eine Ergänzung zu unserem anson­sten niedrigschwelli­gen präven­tiv­en Kur­sange­bot. Hier reichen unsere Onlinekurse von Unter­stützung bei Essstörun­gen, Angst und Panik, depres­siv­er Ver­stim­mung bis hin zu Stress und Acht­samkeit.

Die Kurse sind für zwölf Wochen konzip­iert. Bei den Präven­tivkursen hängt die Art der indi­vidu­ellen Betreu­ung von der jew­eili­gen Krankenkasse des Nutzers ab. Für alle unsere Kurse gilt aber: Im Rah­men der Patien­ten­sicher­heit ste­ht immer ein Psy­chologe per Nachricht­en­funk­tion für Fra­gen zur Ver­fü­gung.

Die Corona-Krise setzt vielen Menschen psychisch zu. Habt ihr dafür auch ein Angebot?

Rel­a­tiv schnell zu Beginn der Pan­demie haben wir einen kosten­freien Coro­na-Kurs ein­gerichtet, der von mehreren Tausend Nutzern angenom­men wurde. Für uns hat die Qual­itätssicherung der Kurse ober­ste Pri­or­ität. Die Ergeb­nisse und das Nutzer­feed­back zu unserem Coro­na-Kurs wer­den derzeit im Rah­men ein­er wis­senschaftlichen Auswer­tung analysiert.

Trotz­dem find­en natür­lich auch weit­er­hin Men­schen, die psy­chisch unter der Coro­na-Pan­demie lei­den, Hil­fe bei uns. Sie kön­nen im Rah­men eines kosten­freien Info­ge­sprächs mehr über unser Ange­bot erfahren und beispiel­sweise unseren Präven­tivkurs bei depres­siv­er Ver­stim­mung oder den Stress & Acht­samkeit-Kurs nutzen. Wir berat­en sehr gerne in einem kosten­freien Info­ge­spräch, welch­er Kurs am besten geeignet ist.

Was kosten die „Selfapy“-Kurse und werden sie auch von meiner Krankenkasse erstattet?

Unsere neue Depres­sion-Web-App kann man sich ein­fach bei seinem Hausarzt oder sein­er Ther­a­peutin ver­schreiben lassen. Für diesen Kurs übernehmen alle geset­zlichen Krankenkassen die Kosten! Die Präven­tivkurse wer­den bere­its von vie­len Krankenkassen erstat­tet, ob die eigene Kasse dabei ist, kann man ganz leicht auf unser­er Web­site prüfen.

Wie viele Menschen habt ihr schon begleitet und wie ist das Feedback auf eure Kurse?

Bere­its mehr als 35.000 Men­schen haben unsere Onlinekurse bish­er genutzt. Das Feed­back der Nutzer ist teil­weise wirk­lich emo­tion­al und ergreifend. Uns erre­ichen viele Nachricht­en, in denen uns Men­schen danken, dass wir sie durch eine sehr schwere Zeit in ihrem Leben begleit­et haben.

Auch die aktuelle Studie, die wir mit der Char­ité durchge­führt haben, zeigt: Unsere Kurse helfen den Men­schen. All das ist unglaublich wertvoll für uns und motiviert uns jeden Tag weit­erzu­machen.

Katrin und du habt beide Psychologie studiert. Wie habt ihr es geschafft, in kurzer Zeit ein erfolgreiches Online-Unternehmen mit 50 Mitarbeitern aufzubauen?

Ich denke, das Wichtig­ste ist, einen großen Glauben an sich und die eigene Idee mitzubrin­gen. Ger­ade am Anfang war das wichtig, denn wir sind auf viele Zwei­fler gestoßen. Doch wir wussten immer: Wir kön­nen das schaf­fen! Dank unser­er Vision und unserem tollen Team ste­hen wir an dem Punkt, an dem wir heute sind.

Ihr habt bereits wenige Monate nach der Gründung eine Seed-Finanzierung im hohen sechsstelligen Bereich erhalten, im Januar 2020 folgten weitere sechs Millionen Euro. Was macht euch für Investoren so attraktiv?

Beson­ders in den let­zten Jahren ist der E‑Health-Bere­ich für Inve­storen attrak­tiv gewor­den. Beispiel­sweise hat die Poli­tik u.a. mit dem Dig­i­tale-Ver­sorgung-Gesetz erhe­bliche Maß­nah­men in Gang geset­zt, welche die Dig­i­tal­isierung im Gesund­heits­bere­ich beschle­u­ni­gen.

Auf dieser Basis kon­nten auch wir unsere neue Depres­sions-App umset­zen, die auf Rezept ver­schrieben wer­den kann – das ist ein echter Meilen­stein für uns und natür­lich auch für Inve­storen span­nend.

Was ist euer langfristiges Ziel?

Unsere Vision ist, dass nie­mand mehr, der an ein­er psy­chis­chen Belas­tung lei­det, auf Hil­fe warten muss. Daher arbeit­en wir jeden Tag daran, so vie­len Men­schen wie möglich mit ein­er dig­i­tal­en und flex­i­blen Lösung Unter­stützung zu ermöglichen.

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