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Blumige Alternative: Dahlien statt Devisen

2020-01-13T08:24:31+01:0010. Januar 2020|

In der Serie „Das Leben nach dem Big Busi­ness“ erzählen wir die Geschicht­en von Frauen, die ihre ver­meintlich tollen Kar­ri­eren in Banken, Ver­mö­gensver­wal­tun­gen und Konz­er­nen über Bord wer­fen, um endlich das zu tun, was sie schon immer machen woll­ten. Frauen, die alles aufgeben, um noch mal ganz neu anz­u­fan­gen. Die sich mehr Sinnhaftigkeit für ihre Arbeit wün­schen, etwas verän­dern möcht­en. Frauen, die nur deshalb die Kar­ri­ereleit­er erk­lim­men, um eine bessere Absprunghöhe zu ihrem wahren Traumjob zu erre­ichen. Die ihrem Beruf einen Tritt in den Hin­tern geben und sich ihrer Beru­fung in die Arme wer­fen.

Von diesen Frauen erzählen wir hier…

Von Michaela Stem­per 

Teil 2: Margit Strak, 47 Jahre – von der Wertpapierhändlerin zur Floristin

„Geschäft­stüchtig war ich schon immer“, erzählt die sym­pa­this­che Schwäbin Mar­git Strak mit einem offe­nen Lachen. „100 Mark habe ich damals als Zehn­jährige ver­di­ent, als ich Tan­nen­zweige vom Leit­er­wa­gen verkauft habe. Das war viel Geld“. Doch der Weg zu ihrem eige­nen, gut flo­ri­eren­den Blu­men­laden, führte sie zunächst ein­mal über das Börsen­par­kett.

Floristin Mar­git Strak in ihrem Blu­men­laden. Foto: Bert Bostel­mann

Beim zweiten Eigentümerwechsel hat’s ihr gereicht

Bei der ältesten deutschen Fonds­ge­sellschaft ADIG han­delte Strak so ziem­lich alles: Aktien, Renten, Derivate und Devisen. Als 1999 die Com­merzbank die ADIG mit der eige­nen Fond­stochter ver­schmolz, verän­derte sich bere­its das Arbeit­skli­ma. Und als 2009 im Zuge der Fusion von Com­merzbank und Dres­d­ner Bank der Zusam­men­schluss mit Allianz Glob­al Investors anstand, war der Abschied aus der Branche beschlossen.

„Mit 50 Mitar­beit­ern bei der ADIG war alles noch famil­iär“, erin­nert sich Strak mit ein biss­chen Wehmut in der Stimme. Die Finanzwelt ins­ge­samt hat­te sich inzwis­chen immer mehr in Rich­tung ein­er ich-bezo­ge­nen Ell­bo­genge­sellschaft verän­dert, genau­so wie die Stim­mung auf dem Trad­ingfloor.

Juhu, Floristin mit einem eigenen Blumenladen

Spätestens jet­zt war für sie der Zeit­punkt gekom­men, Alter­na­tiv­en für ihre beru­fliche Zukun­ft ins Auge zu fassen. Min­destens ein halbes Jahr habe sie über die Selb­st­ständigkeit als Floristin nachgedacht.

Floristin Mar­git Strak gibt mit­tler­weile auch Videokurse bei YouTube. Foto: Bert Bostel­mann

Die Entschei­dung „Flow­er­Style by Mar­git“ in dem char­man­ten Fach­w­erkhaus am Ende der König­stein­er Alt­stadt zu eröff­nen, sei dann schließlich im Novem­ber 2009 gefall­en. Es gab kein „ich pro­bier das mal, ich kann ja auch keinen hal­ben Laden mieten“, resümiert die ener­gis­che Floristin.

Den­noch kon­nte sich Mar­git Strak bei der Eröff­nung noch nicht der vollen Trag­weite des Pro­jek­ts bewusst sein. Die nahe­liegen­den The­men wie Busi­ness- und Finanz­plan sowie die floris­tis­che Fachkom­pe­tenz waren gut vor­bere­it­et. Kom­pe­ten­zen in Bere­ichen wie Mitar­beit­er­führung, Social Media, Ver­pack­ungs­ge­setz und vielem mehr kamen über die Jahre hinzu.

Romantische Vorstellungen über Bord werfen

Nicht zu vergessen die kör­per­liche Belas­tung: Viele Stun­den des Tages ste­ht die durch­trainierte Floristin an der Werk­bank. Roman­tis­che Vorstel­lun­gen dürfe man da nicht hegen. Wer schon mal 600 bis 700 Rosen ent­dornt hat, wird bestäti­gen: Der Job ist hart.

Mit ihrer unglaublichen Dynamik und ihrem betrieb­swirtschaftlichen Back­ground hat die Naturlieb­haberin alle Zwei­fler eines Besseren belehrt. Der „Gar­den­ing Leave“, wie Banker die Freis­tel­lung nen­nen, wurde sprich­wörtlich in Grünes investiert. Sie absolvierte diverse Prak­ti­ka bei renom­mierten Blu­men­fachgeschäften und besuchte Inten­sivsem­inare ein­er anerkan­nten Floris­ten­meis­terin.

„Unter­stützung fand ich vor allem bei meinem Mann“, erin­nert sie sich an die Grün­dung, als sie gemein­sam schwere Tis­che die hol­prige Straße hin­auf­zo­gen. An einem Strang zieht sie auch mit ihrem  inzwis­chen fün­fköp­fi­gen Team, das geschlossen hin­ter ihr ste­ht.

Endlich eigenverantwortlich entscheiden

Ein guter Arbeit­stag hat für die starke Chefin viel mit pos­i­tiv­er Grund­stim­mung zu tun. Das kol­le­giale Umfeld müsse ein­fach stim­men, damit die Kreativ­ität fließt. Um einen rei­bungslosen Ablauf sicherzustellen, ist Mar­git Strak vom mor­gendlichen Groß­mark­teinkauf bis zur Doku­men­ta­tion des Kassen­buchs um Mit­ter­nacht ständig im Ein­satz. Im Gegen­satz zu ihrer Tätigkeit im Großun­ternehmen schätzt sie es heute, Entschei­dun­gen schnell und in eigen­er Ver­ant­wor­tung zu tre­f­fen.

„Inspi­ra­tio­nen für meine Arbeit finde ich über­all. Mit meinen ‚Staub­sauger-Augen‘ nehme ich ständig neue Ideen auf. Schon als Schü­lerin mochte ich das Natür­liche. Mein­er Mama pflück­te ich Wiesen­sträuße auf dem Heimweg: gelbe Sumpf­dot­terblu­men, rötliche Pimpinelle und weiße Schaf­garbe. Und habe darüber oft die Zeit vergessen“, schmun­zelt die heutige Floristin.

Mar­git Strak glück­lich als Floristin Foto: Bert Bostel­mann

Als Haus­floristin von Event­lo­ca­tions, Hotels und Restau­rants hat sich Mar­git Strak einen Namen gemacht. Sie arbeit­et für Fir­menkun­den, ist Part­ner ein­er Pietät und von Fleu­rop. Kreativ schöpft sie in der hiesi­gen Natur aus dem Vollen. Jahreszeit­en zu leben ist ihr Anspruch. Da wird das herb­stliche Wein­laub zur Man­schette, selb­st gezo­gene Engel­strompe­ten bere­ich­ern das Som­merange­bot und zur Beerdi­gung eines Jägers zieren Zapfen und Beeren aus dem Taunus den Kranz.

Emotionales Auf und Ab

Eine Vielfalt von Emo­tio­nen wird mit Blu­men zum Aus­druck gebracht. So kann kurz nach der Auswahl von Gesteck­en für eine Trauer­feier unmit­tel­bar eine Hochzeits­ber­atung fol­gen. Floristin im Wech­sel­bad der Gefüh­le. Zum Beispiel auch, wenn vom Amts­gericht gegenüber ein frisch geschieden­er Ehe­mann den Laden betritt und einen wun­der­schö­nen Strauß kauft. Er wollte sich bei sein­er Ex-Frau für all die guten Jahre bedanken.

Flo­ral geht 2019 auch dig­i­tal: Seit Feb­ru­ar betreibt Strak den YouTube-Kanal „Mar­git Strak – So geht Floris­tik“. Denn Floris­tik-Tuto­ri­als boomen. Allein das Video zum Früh­lingskranz wurde knapp 43.000-mal abgerufen. Bei ihren Google-Bew­er­tun­gen mit ein­er aktuellen Durch­schnittsnote von 5,0 steuert sie die Zahl 100 an.

Wenn die Pow­er­frau abends den Laden schließt, ste­ht die Ten­nistasche schon bere­it, denn jet­zt geht’s noch auf den Court. Die Ten­nis­man­nschaft braucht sie und ihre gute Laune – das motiviert. Einige Stun­den später checkt sie trotz­dem noch mal die Mail­box. Denn Aufträge kom­men über alle Kanäle, Kun­den kom­men heutzu­tage nicht mehr nur durch die Laden­tür.

Im ersten Teil unser­er Serie „Das Leben nach dem Big Busi­ness“ lest ihr die Geschichte von Ute Dörr, die ihre Kar­riere als Bankerin auf­gab, um ein griechis­ches Delikates­sen­geschäft zu eröff­nen. 

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