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Teil 8: Was heißt eigentlich „Rentenniveau“?

2020-05-25T10:48:11+02:0011. Mai 2020|

Hil­fe, die Rente sinkt! So ist es allen­thal­ben zu hören. Doch was hat das Renten­niveau eigentlich mit der Höhe mein­er per­sön­lichen Rente zu tun?

Von Gisela Haber­er 

Sagt jemand „sink­endes Renten­niveau“, fol­gt fast immer die War­nung vor Alter­sar­mut. Dabei haben Renten­niveau und Alter­sar­mut rein gar nichts miteinan­der zu tun. Courage erläutert, warum nicht, und erk­lärt, was der Begriff wirk­lich bedeutet.

Nur eine statistische Größe

Was ver­di­enen Erwerb­stätige in Deutsch­land im Schnitt im Jahr? 31.548 Euro waren es net­to vor Steuern 2018. Es ist das jüng­ste Jahr mit endgültig ermit­tel­tem Durch­schnittsent­gelt.

Und wie hoch lag 2018 die soge­nan­nte Stan­dar­d­rente, die nach 45 Arbeit­s­jahren mit jew­eils durch­schnit­tlichem Ver­di­enst fließt? Bei 15.168 Euro im Jahr. Sie betrug damit 48,1 Prozent des Durch­schnittsver­di­en­sts.

Anders aus­ge­drückt: Das Renten­niveau lag bei rund 48 Prozent. Die Zahl ist ein Rechenkon­strukt, das Durch­schnittsver­di­enst und Durch­schnittsrenten ins Ver­hält­nis set­zt. Sie hat nichts mit per­sön­lichen Renten­höhen zu tun. Sie sagt vor allem nichts über das Ver­hält­nis zwis­chen eigen­em let­ztem Gehalt und Renten­höhe aus, auch wenn dies häu­fig ver­mutet wird. Und sie sagt nichts über die Kaufkraft der Rente aus. Doch dazu später.

Wofür braucht es überhaupt das Rentenniveau?

Die geset­zliche Rente finanziert sich über einen Bun­deszuschuss und großteils über das Umlagev­er­fahren: Erwerb­stätige zahlen ein, was an Renten aus­gezahlt wird. Das klappt gut, solange es deut­lich mehr Ein­zahler als Empfänger gibt.

Doch tat­säch­lich sind es immer mehr, die Rente erhal­ten und immer weniger, die Beiträge ein­zahlen. Aktuell ste­hen gut 55 Mil­lio­nen Beitragszahlen­den rund 21 Mil­lio­nen Renten­beziehende gegenüber. Die Jün­geren sollen aber nicht von der Last der Älteren erdrückt wer­den. Darum wurde mit der Renten­re­form 2004 ein „Nach­haltigkeits­fak­tor“ einge­führt.

Dieser führt dazu, dass die geset­zliche Rente weniger stark steigt als die Löhne und Gehäl­ter der ver­sicherungspflichtig Beschäftigten. So soll ver­hin­dert wer­den, dass die Belas­tung der Erwerb­stäti­gen, die mit ihren Beiträ­gen die Renten der heuti­gen Ruh­eständler zum aller­größten Teil finanzieren, bis 2030 nicht über 22 Prozent des Brut­toeinkom­mens steigt (aktuell liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent).

In der Prax­is sinkt dadurch das Renten­niveau. Dieses soll aber auch nicht zu stark sinken. So wurde geset­zlich fest­geschrieben, dass es bis Ende 2020 nicht unter 46 Prozent sinken darf (Näheres dazu in Teil 9 der Rentenserie).

Sinkt die Rente nun oder sinkt sie nicht?

Die Rente selb­st sinkt nicht. Auch dies wurde durch die soge­nan­nte „Renten­garantie“ geset­zlich fest­geschrieben: Danach darf der Wert eines Renten­punk­tes, der jed­er Berech­nung per­sön­lich­er Renten­höhen zugrunde liegt, nicht sinken – er kann aber steigen (mehr dazu in Teil 6 unser­er Rentenserie). Und zwar angelehnt an die Entwick­lung von Löh­nen und Gehäl­tern.

Nur: Die Renten steigen garantiert weniger stark als die Arbeit­sent­gelte. Dies legt der Nach­haltigkeits­fak­tor fest. Zur Ver­an­schaulichung ein Zehn­jahresver­gle­ich: Im Jahr 2008 ver­di­en­ten die Bun­des­bürg­er im Schnitt net­to vor Steuern 2.118 Euro im Monat. 2018 waren es bere­its 2.629 Euro – also rund 24 Prozent mehr.

Im sel­ben Zeitraum stieg die Stan­dar­d­rente von 1.070 Euro im Monat auf 1.264 Euro – und damit um rund 18 Prozent. Die Stan­dar­d­rente ist prozen­tu­al also langsamer gestiegen als der Durch­schnittsver­di­enst. Damit sank das Renten­niveau von 50,5 Prozent auf 48,1 Prozent – obwohl die Rente im sel­ben Zeitraum um fast 200 Euro gestiegen ist!

Wie soll es weitergehen?

Nach Ein­schätzung der Bun­desregierung steigen die Renten zwis­chen 2020 und 2033 um ins­ge­samt rund 36,4 Prozent: pro Jahr also um rund 2,2 Prozent. In den ver­gan­genen 20 Jahren lag die Infla­tion­srate pro Jahr bei etwa 1,3 Prozent. Bleibt die Infla­tion so niedrig und die Voraus­sagen der Bun­desregierung erfüllen sich, gle­ichen die Steigerun­gen den Kaufkraftver­lust also mehr als aus. Die Renten gewin­nen an Kaufkraft hinzu.

Keine schlechte Nachricht für Rent­ner­in­nen und Rent­ner. Kön­nen sie sich doch 2033 mehr von ihrer Rente leis­ten als heute. Trotz sink­en­dem Renten­niveau. Denn das soll 2033 unter 44 Prozent liegen, also um rund vier Prozent­punk­te niedriger als heute. Der Grund: Erwerb­stätige kön­nen sich bis dahin voraus­sichtlich über noch höhere Einkom­menssteigerun­gen freuen.

Aktiv werden statt Angst haben

Faz­it: Die Renten sinken also nicht, weil das Renten­niveau sinkt. Nie­mand muss wegen des sink­enden Renten­niveaus Angst vor Alter­sar­mut haben. Fällt die per­sön­liche geset­zliche Rente niedrig aus, hat dies andere Gründe, etwa eine kurze Erwerb­s­bi­ografie oder niedrige Beitragszahlun­gen.

Solche Renten­fall­en gilt es zu ver­mei­den (siehe Teil 7 der Rentenserie). Statt sich von Angst läh­men zu lassen, gilt es also aktiv etwas dafür zu tun, um die eigene spätere Rente zu erhöhen. Diese Rentenserie gibt dafür spezielle Tipps für junge Leute, für Eltern, für ehre­namtlich Pfle­gende sowie für Arbeit­nehmerin­nen und Selb­st­ständi­ge.

Unsere große Rentenserie alle Teile!

Im ersten Teil der Rentenserie stellt sich Courage die Frage: Rente unter Hartz-IV-Niveau, muss das sein? Und ver­rät, wie der Grund­stein zum Leben­sun­ter­halt im Alter gelegt wer­den kann, damit so was nicht passiert.

Der zweite Teil ist beson­ders inter­es­sant für junge Men­schen, denn für diese ist die Rente noch super­weit weg. Dabei kön­nen sie bere­its Grund­la­gen für spätere Ansprüche leg­en. Vor allem Frauen soll­ten ihre Chan­cen sofort nutzen. Courage ver­rät, wie’s geht.

Der dritte Teil ist beson­ders inter­es­sant für Men­schen, die Kinder und Enkel haben. Denn Kinder punk­ten auf dem Rentenkon­to. Für die Erziehungsleis­tung gibt es einen Bonus: Dem Rentenkon­to wer­den Erziehungs- und Berück­sich­ti­gungszeit­en gut­geschrieben. Courage erk­lärt, was das bedeutet und wie das geht.

Der vierte Teil unser­er Rentenserie richtet sich vor allem an Frauen, die Ange­hörige, Nach­barn oder Fre­unde, teils unter Verzicht auf eigenes Einkom­men pfle­gen. Denn auch Pflege kann dazu beitra­gen, später etwas mehr geset­zliche Rente zu erhal­ten – auch bei geset­zlich Ver­sicherten, die selb­st schon im Ruh­e­s­tand sind.

Noch mehr Infos für dich

Beate Sander — Nachruf auf eine besondere Frau

Die Börsen­mil­lionärin Beate Sander ist gestor­ben. Als Investorin, aber auch als Men­sch hat sie viele Frauen beein­druckt: Sie hat gezeigt, dass es niemals zu spät ist, Neues zu ler­nen, dass Mut sich auszahlt und dass Wis­sen Früchte trägt, wenn man es teilt. Ein Rück­blick auf das Leben ein­er bemerkenswerten Frau, die durch ihren Ehrgeiz, ihre Hart­näck­igkeit und ihre Lei­den­schaft beein­druckt hat.

Teil 1: Geld für Mütter

Vor und nach der Geburt eines Kindes gibt es Mut­ter­schaft­sleis­tun­gen. Was (wer­den­den) Müt­tern zuste­ht, hängt davon ab, wie sie kranken­ver­sichert sind und in welchem Arbeitsver­hält­nis sie ste­hen. Die meis­ten Leis­tun­gen sind eigens zu beantra­gen. Wo, wann, was, wie viel gibt es? Diese Fra­gen klärt Courage – im Überblick und im Detail im ersten Teil unser­er neuen Serie Fam­i­lie und Finanzen.

Der finanzielle Check-up

Bil­lio­nen Euro liegen hierzu­lande auf kaum verzin­sten Kon­ten. Etliche Men­schen sind nicht aus­re­ichend gegen Risiken abgesichert und viele wis­sen nicht, was ihnen im Alter bleibt. Es gibt also viele Gründe für eine Finanzber­atung. Aus­gaben, Ver­di­enst, Kon­ten, Depots, Ver­sicherun­gen, die Woh­nung, beru­fliche Pläne und kost­spielige Hob­bys unter­liegen dem finanziellen Check-up. Nach der Analyse erfahren Kun­den, wie sie ihre Zukun­ft finanziell am besten sich­ern.

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