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Kreta trotz Corona?!

2020-09-26T18:13:26+02:0017. September 2020|

Urlaub wie immer ist momen­tan unmöglich. Autorin Anna But­ter­brod stieg trotz­dem samt Fam­i­lie in den Flieger. Was sie erlebte und wann ihr mul­mig war – inklu­sive der schön­sten Social-Dis­tanc­ing-Tipps für Griechen­lands größte Insel.

Von Anna But­ter­brod

Nor­maler­weise sind wir Fer­n­reisende: Iran, Java, Neusee­land – je weit­er weg, desto bess­er! Coro­na macht uns dieses Jahr einen Strich durch die Pla­nung.

Aber ganz zu Hause bleiben wollen wir auch nicht. Nach Lock­down und Co. haben mein Mann, unsere vier­jährige Tochter und ich schlim­men Lagerkoller!

Wir schauen, welche Län­der in Anbe­tra­cht der aktuellen Lage über­haupt infrage kom­men. Schnell lan­den wir bei Griechen­land. Mein Mann stößt auf Direk­t­flüge nach Kre­ta. Echt jet­zt?

Kre­ta ist die fün­ft­größte Mit­telmeerin­sel, schaffte es bish­er aber nicht auf meinen Urlaub­sradar. Ist das nicht eine Langeweil­er-Des­ti­na­tion? Denke ich vorher. Doch die Insel über­rascht mich so pos­i­tiv wie kein anderes Ziel zuvor! Aber dazu später mehr. 

Viele Zweifel und ein Social-Distancing-Schnäppchen

Auch wenn das Buchen der Flüge und Unterkün­fte wie gehabt funk­tion­iert, ist unser diesjähriger Som­merurlaub natür­lich alles andere als nor­mal.

Unsere Vor­freude mis­cht sich mit Gewis­sens­bis­sen: Ist es moralisch vertret­bar, in Zeit­en wie diesen zu ver­reisen? Sollen wir wirk­lich das Risiko einge­hen und uns mit Dutzen­den Frem­den in einen Flieger quetschen? Unsere Sehn­sucht siegt. 

Aber wir tre­f­fen Vor­sichts­maß­nah­men: Vorm Abflug und nach der Rück­kehr machen wir Coro­na-Tests – um sich­er zu gehen, dass wir nicht unwis­send andere gefährden. Und wir reservieren fast auss­chließlich idyl­lisch gele­gene Ferien­häuser.

Unsere gün­stig­ste Wahl liegt bei 80 Euro pro Nacht. Ein echt­es Social-Dis­tanc­ing-Schnäp­pchen!

Palmenoase und Todesschlucht – der Osten Kretas

Mor­gens essen wir noch Brezn in München, nach­mit­tags liegen wir schon am Pal­men­strand. Nach der Lan­dung in Her­ak­lion rein in den Miet­wa­gen, in 90 Minuten erre­ichen wir die Ostküste Kre­tas, an der wir die ersten fünf Tage ver­brin­gen.

Die Gegend ist gebir­gig und karg. Mit Aus­nahme der Oase von Vai, die unter Naturschutz ste­ht. Während meine Tochter wie ein Äffchen die geschwun­genen Stämme am Strand erk­limmt, schlafe ich zum Rauschen der Palmwedel ein. 

Obwohl Vai als ein­er der Top-Strände Kre­tas gilt, ist coro­n­abe­d­ingt nicht viel los. Genau wie im kleinen Super­markt, in dem wir uns mit Schaf­skäse, Tomat­en und Oliv­en ein­deck­en. Alle tra­gen Maske, von der Kassiererin tren­nt uns eine Plex­i­glass­cheibe, ganz wie in Deutsch­land. 

Anders als zu Hause ist dage­gen der Son­nenun­ter­gang. Denn den erleben wir auf einem Hügel inmit­ten eines zwölf Hek­tar großen Oliven­hains. Dort ste­ht unser Ferien­haus, kein ander­er Men­sch weit und bre­it. Nur Zikaden, die in der noch war­men Abend­luft ihr Konz­ert anstim­men. 

In den näch­sten Tagen bleibt es ähn­lich: Wir wan­dern durch die „Todess­chlucht“ bei Zakros, in der die Mino­er vor über 3000 Jahren ihre Toten begruben. Gewaltige Höhlen klaf­fen in den Fel­swän­den. Nor­maler­weise ein­er der am meis­ten began­genen Canyons in Ostkre­ta, doch uns begeg­nen nur fünf weit­ere Touris­ten. 

Ganz für uns haben wir die ver­steck­te Bucht Mega­li Kefali: Die erre­ichen wir über den Küsten­wan­der­weg von Vai nach Pale­okas­tro.

Nach etwa 45 Minuten fol­gen wir einem aus­getrock­neten Fluss­bett und kom­men so zu einem kleinen Kiesel­strand mit glasklarem Wass­er. Da wir auf dem gesamten Weg keine Men­schenseele gese­hen haben, trauen wir uns, nackt ins Meer zu sprin­gen. Robin­son-Cru­soe-Feel­ing auf Griechisch!

Tipp für eine Social-Dis­tanc­ing-Unterkun­ft im Osten: Vil­la in the Olive Grove bei Pale­okas­tra mit zwei Schlafz­im­mern. Rund­herum viel Grün, son­st nichts!

Betörende Düfte und kühle Quellen – die Inselmitte

An den Touris­ten­zen­tren der Nord­küste (z.B. Her­ak­lion und Rethym­non) rauschen wir vor­bei, da ist es uns im Hin­blick auf Coro­na zu rum­melig. Stattdessen fahren wir rauf ins Bergdorf Argy­roupo­lis. Ein­wohn­erzahl: 403.

Mor­gens essen wir im „Bistro Café“ warmes Brot mit kretis­chem Thymi­an­honig und Avo­ca­dos. Nach­mit­tags ent­fliehen wir der Hitze, indem wir einen Pfad ins Unter­dorf hin­ab­steigen.

Dort entsprin­gen Quellen und strö­men als kleine Wasser­fälle die Felsen hinab. Die Luft ist feucht und kühl, die Pflanzen dschun­geldicht. Zwis­chen­drin kann man auf den Ter­rassen mehrerer Tav­er­nen Platz nehmen, in deren Beck­en Forellen gezüchtet wer­den. Ein frisch gegrill­ter Fisch lan­det auf meinem Teller. Köstlich!

Genau wie der Duft im 45 Autominuten weit­er südöstlich gele­ge­nen Kräuter­garten Mar­avel von Spili. Selb­st geern­teter Laven­del und Ros­marin wer­den im Shop dort verkauft, dazu u.a. handgemachte Wasser­mel­o­nen­seife sowie Creme mit Jas­min­duft. Ich bestelle im Café Rosen­limon­ade und Eis mit Bergkräutern, den wun­der­schö­nen Garten­blick gibt’s gratis dazu. 

Im Gedächt­nis bleibt mir auch die Aus­sicht auf den Traum­strand Pre­v­eli an der Süd­küste: Dort fließt in ein­er Schlucht ein bre­it­er Süßwass­er-Berg­bach bis ans Meer. Sein Ufer wird rechts und links von Pal­men gesäumt. In dieser Kulisse zu schwim­men, zählt für mich zu den High­lights unser­er Kre­ta-Reise. 

Vom Küstenort Cho­ra Sfakion set­zen wir per Fähre nach Loutro über – dieses roman­tis­che und aut­ofreie Nest kann man nur übers Wass­er oder als Wan­der­er erre­ichen. Wenige weiße Häuser schmiegen sich an die umliegen­den Hügel, davor ein Kiesel­strand mit weiß-blauen Son­nen­schir­men.

Tipp für eine Social-Dis­tanc­ing-Unterkun­ft in der Inselmitte: Arcus Suites in Argy­roupo­lis. Fünf lux­u­riöse Suit­en mit eigen­er Küche umrah­men einen malerischen Garten mit Pool. Das Coro­na-Hygien­ekonzept ist top, Gäste find­en z.B. das kom­plette Geschirr und Besteck frisch gere­inigt in der Spül­mas­chine vor.

Karibikfeeling und Dünen – der Westen Kretas

Nach vie­len Kiesel­strän­den erleben wir an der West­küste echt­es Karibik­feel­ing! Der Sand von Ela­fon­isi im Südosten ist zuck­er­weiß, an manchen Stellen sog­ar hell­rosa – winzige Muschel­par­tikel sor­gen dafür.

Das Wass­er strahlt in den unter­schiedlich­sten Blautö­nen. Bild­schön! Darum ist Ela­fon­isi ein Insta­gram-Hotspot und entsprechend voll. Doch wir wat­en durchs hüftho­he Wass­er der Lagune rüber zu ein­er Insel mit Dünen und kleinen Bucht­en. Je weit­er wir spazieren, desto leer­er wird es. Ein Traum!

Im Nord­west­en lockt der Falas­sar­na Beach. Nördlich des Haupt­stran­des mit End­los-Rei­hen von Schir­men und Liegen liegt hin­ter ein­er Düne ein ruhiger­er Abschnitt mit nur ein­er Tav­erne und weni­gen Liegen am türk­is­far­be­nen Meer.

Unter der Woche sind selb­st mit­tags noch einige frei – anders sieht es son­ntags aus, wenn auch viele Griechen Kre­tas Strände genießen. Dann sollte man früh da sein! 

Ich muss geste­hen: Lang­weilig war mir auf Kre­ta keine Minute. Ich will unbe­d­ingt wiederkehren und die Eck­en erkun­den, die ich dieses Mal nicht geschafft habe. Sich­er gefühlt habe ich mich wegen der allerorts einge­hal­te­nen Hygien­eregeln auch.

Auf den Flü­gen ging dadurch sog­ar ger­ade beim Ein- und Aussteigen alles viel gesit­teter und entspan­nter zu. Das darf gerne so bleiben!

Tipp für eine Social-Dis­tanc­ing-Unterkun­ft im West­en: Ferien­haus Aspro Peri­s­teri bei Kam­bos mit Meerblick und Platz für bis zu sechs Gäste. 

Reisen in Corona-Zeiten

Griechen­land-Urlauber müssen bei ihrer Ankun­ft einen QR-Code vorzeigen. Den erhal­ten sie, wenn sie sich spätestens 24 Stun­den vor Abflug online anmelden. Ohne Code sind 500 Euro Strafe fäl­lig! Am Flughafen wer­den stich­probe­nar­tig Coro­na-Tests durchge­führt, Betrof­fene müssen sich bis zum Erhalt des Ergeb­niss­es 24 Stun­den in Quar­an­täne begeben. 

Da sich Vor­gaben und Reise­war­nun­gen kurzfristig ändern kön­nen, pla­nen viele kurzfristig: Beim Reise­por­tal weg.de fan­den im Jahr 2019 nur 28 Prozent der gebucht­en Urlaube inner­halb der näch­sten drei Wochen statt, dieses Jahr sind es 70 Prozent.

Zahlre­iche Fra­gen rund ums Buchen, Reisen und Stornieren in Coro­na-Zeit­en hat die Ver­braucherzen­trale Nieder­sach­sen über­sichtlich zusam­menge­fasst. 

Noch mehr Infos für dich

Ein Ehrenamt eröffnet neue Perspektiven

Elis­a­beth Fre­un­del (37) arbeit­ete über 20 Jahre lang als Kat­a­log-Fotografin. 2019 zog sie einen Schlussstrich unter ihr altes Leben. Heute ist Elis­a­beth Fre­un­del in einem ganz anderen Bere­ich tätig – und auch pri­vat hat sich viel verän­dert. Eine entschei­dende Rolle spielt dabei ihr ehre­namtlich­es Engage­ment. Sie unter­stützt nicht nur den ADFC bei der Durch­führung von Ver­anstal­tun­gen und küm­mert sich um den Insta­gram-Auftritt, son­dern engagiert sich zusät­zlich auch bei Green City.

Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­tum ist studierte Heilpäd­a­gogin und seit 2017 bei der Deutschen Kinderkreb­ss­tiftung für „Pro­jek­t­man­age­ment und psy­chosoziale The­men“ zuständig. Zuvor engagierte sich die Mut­ter von Zwill­in­gen, die selb­st sehr jung an Krebs erkrank­te, ehre­namtlich für die Stiftung. “Ein Ehre­namt kann dabei helfen, auszu­loten, wo die eigene beru­fliche Reise hinge­hen soll”, ermutigt Rita Kor­tum. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Behar­rlichkeit. 

Rosa lebt!

Die deutsche Hebamme Tan­ja Hock kam vor 15 Jahren als Ehre­namtliche nach Mada­gaskar. Die große Not – vor allem von Frauen und Kindern – erschüt­terte sie tief. Sie blieb, grün­dete die Mobile Hil­fe Mada­gaskar und baute ein drin­gend benötigtes Kranken­haus. Courage-Chefredak­teurin Daniela Mey­er begleit­ete sie per Buschflieger zu ein­er drama­tis­chen Not-OP, die ihr bis heute in Erin­nerung blieb. “OP ist über­all da, wo es einen Not­fall gibt und schnell operiert wer­den muss.”

Buch des Monats

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