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Becki bockt – dieses Mal beim Kochen

2020-10-15T09:56:55+02:0030. September 2020|

Mein beru­flich­es Leben ver­langt mir all meine Diplo­matie und Kom­pro­miss­bere­itschaft ab, pri­vat darf ich dann ein wenig Wider­stand gegen Stan­dard­vorstel­lun­gen, Erwartun­gen ander­er und Verän­derungsvorschläge proben. Wer mich überzeu­gen möchte oder milde stim­men, bringt am besten Schoko­lade mit.

Nur bei der Klei­der­frage kön­nen mich selb­st bel­gis­che Schoko­drops, schweiz­erische Schokotörtchen oder mada­gas­sis­che Edelschoko­lade nicht umstim­men: Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Klei­der, auch wenn mein Schatz kein Schorn­ste­in­feger ist!

Unsere Kolum­nistin Rebec­ka Hoch wird ab jet­zt jeden Monat einen bock­i­gen Blick auf unseren All­t­ag und die Gesellschaft an sich wer­fen.

Von Rebec­ka Hoch

Da steh ich nun an meinem Herd – kle­briger Kartof­fel­teig an meinen Hän­den, in meinem Gesicht und so ziem­lich in jedem Winkel mein­er Küche. Pota­to Cakes für die hun­gri­gen Kinder mein­er Fre­undin soll­ten es wer­den. 50 Minuten inklu­sive brat­en – ich bin schon bei zwei Stun­den und das Ergeb­nis erin­nert eher an ein Schlacht­feld als an etwas, das später mal gegessen wer­den kann.

Drei-Gänge-Aben­dessen, Geburt­stagstorten in Zug­form oder gar frisch geback­enes Brot zaubern meine Fre­undin­nen mit uner­müdlichem Ein­satz neuerd­ings selb­st. Für mich bleibt Kochen und Back­en eine Pflichtübung.

Ja, das mag nicht trendy sein, aber ich lebe in ein­er Stadt, wo das näch­ste Restau­rant oder Café im Vorder­haus wartet. Rüberge­hen, Essen bestellen, entspan­nt warten bis es schön angerichtet serviert wird, genießen und dann ohne Abspülen wieder nach Hause. So sieht mein All­t­ag an sechs von sieben Wochen­t­a­gen aus.

Mein Mann hat die Küche eh zur Sper­rzone erk­lärt, sein Port­fo­lio an Gericht­en beschränkt sich auf Reis und Spargel. Trotz­dem gibt unser Umfeld nicht auf und so säumt eine ganze Rei­he Kochbüch­er unser Küchen­re­gal – und schaut immer wieder ankla­gend auf uns herab.

An dem Zus­tand der Büch­er lässt sich her­vor­ra­gend ihr Ein­satz able­sen – Basic Cook­ing und Basic Bak­ing sehen nach gut 15 Jahren in meinem Besitz tat­säch­lich etwas abge­grif­f­en aus. Der schicke Wälz­er „A Mod­ern Way To Eat“ – ein Geburt­stags­geschenk mein­er Schwägerin, als sie noch dachte, dass ich vielle­icht doch noch Spaß am Kochen entwick­eln kön­nte – sieht immer noch aus wie frisch aus dem Buch­laden.

Ganz neu und von besagter Fre­undin mit Kindern befind­et sich nun „Veg­an Food­porn“ in meinem Besitz. Das Buch sieht toll aus, die Gerichte darin auch und Coro­na-bed­ingt habe ich viel Zeit. So lasse ich mich überzeu­gen, es doch nochmal mit mein­er Küche zu ver­suchen.

Potato Cakes

Die Pota­to Cakes erscheinen ein­fach und sät­ti­gend, daher sind sie meine erste Wahl. Erst in Schritt vier stoße ich auf ein für mich fast unüber­wind­bares Hin­der­nis: Der Kartof­fel­teig soll in der Hand geformt und gefüllt wer­den.

Rohe Lebens­mit­tel, die mit Hän­den geformt wer­den müssen, sind mir ein Graus, das geht nicht mal bei Kuchen­teig, geschweige denn bei weichgekocht­en Kartof­feln. Aber gut, die hun­gri­gen Mäuler warten schon, also Augen zu und durch. Die Grund­sanierung unser­er Küche muss bis zum näch­sten Tag warten.

Nussmus

Quelle: Rebec­ka Hoch

Nach dem optis­chen Rein­fall – geschmack­lich waren die Pota­to Cakes dann doch ganz ok – muss etwas für mein See­len­heil her, damit ich das Pro­jekt Kochen nicht gle­ich wieder hin­werfe. Selb­st­gemacht­es Nuss­mus soll es dies­mal wer­den – ganz ohne Zuck­er, Palmöl und all die schlim­men Dinge. Nur aus eingewe­icht­en und dann gerösteten Nüssen.

Klingt ein­fach, ist aber mit einem nor­malen Rührstab nicht zu schaf­fen. Das Muß gelingt nur im Hochleis­tungsmix­er. Mein größtes Learn­ing: Rezepte immer bis zum Ende lesen, bevor man sie nachkocht.

Vanille-Pancakes mit Blaubeer-Creme und weißer Schokolade

Quelle: Rebec­ka Hoch

Trotz­dem soll noch was Süßes her – und ich entschei­de mich für Vanille-Pan­cakes mit Blaubeer-Creme und weißer Schoko­lade. Klingt fan­cy und gelingt tat­säch­lich! Anges­tachelt von diesem Erfol­gser­leb­nis fol­gen knus­prig geback­en­er Blu­menkohl, Avo­ca­do-Brot mit Knoblauch-Pilzen und Fäch­er-Kartof­feln.

Als ich für ein Woch­enende meine Mut­ter besuche und vorschlage, dass wir abends kochen, bekommt sie einen Hus­te­nan­fall vor Lachen. In ihrem Haushalt ist die Küche Män­ner­domäne. Und weil sie das auf keinen Fall ändern will, knicke ich – eigentlich sofort – ein und wir gehen essen.

Da wird mir klar: Mein Koch-Ich hat langfristig keine Chance gegen mein über Jahrzehnte trainiertes Restau­rant-Ich. Die Piz­za bei Toni um die Ecke schmeckt mir ohne­hin am besten – seit 30 Jahren und auch heute Abend.

Unsere Kolum­nistin, Rebec­ka Hoch, wird ab jet­zt jeden Monat einen bock­i­gen Blick auf unseren All­t­ag und die Gesellschaft an sich wer­fen.

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