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Imaru Casanova: „Ich will Vorbild für Frauen sein“

2020-07-23T09:33:48+02:0013. Juli 2020|

Imaru Casano­va hat Maschi­nen­bau studiert, als Erdölin­ge­nieurin in Venezuela gear­beit­et und ist heute stel­lvertre­tende Port­fo­lioman­agerin für die Gold- und Edel­met­all­strate­gie bei der Fonds­ge­sellschaft VanEck in New York.

Bei ihren beru­flichen Sta­tio­nen war sie immer eine von weni­gen, wenn nicht sog­ar die einzige Frau. Courage hat mit Imaru Casano­va über die Arbeit in män­ner­do­minierten Bere­ichen und weib­liche Vor­bilder gesprochen, übers Investieren in Gold und Goldak­tien und darüber, wie sie das The­ma Nach­haltigkeit bei dem Edel­met­all sieht.

Von Julia Pfan­ner

Frau Casanova, Sie haben in den USA Maschinenbau studiert, in Venezuela als Erdölingenieurin für Shell gearbeitet, und sind später in die Investmentbranche gewechselt, wo Sie erst den Fokus auf der Öl- und Gasbranche hatten, seit geraumer Zeit nun auf Gold und Edelmetallen. Frauen waren bei Ihren Jobs vermutlich öfter in der Unterzahl, oder?

Imaru Casano­va: Ja, ich denke schon gar nicht mehr darüber nach. Seit ich aufs Col­lege kam, bin ich in einem män­ner­do­minierten Umfeld. Das fing schon im Studi­um an, da waren teil­weise mehr als 100 Stu­den­ten im Hör­saal. Ich war eine von vielle­icht zehn Frauen. Und ich kann mich auch nicht erin­nern, eine Pro­fes­sorin für einen mein­er Kurse in Maschi­nen­bau gehabt zu haben.

Während mein­er Zeit bei Shell habe ich ein Jahr lang auf ein­er Bohrin­sel als Bohrlei­t­erin gear­beit­et, da waren teil­weise 100 Leute an Bord, ich war sog­ar die einzige Frau. Allerd­ings war ich auch die Frau, die allen gesagt hat, was sie tun sollen. Das war schön (lacht).

Meine Erfahrung war sehr gut in dem Sinne, dass ich immer respek­tiert wurde. Ich habe mich immer wohlge­fühlt. Aber ich hätte mir schon gewün­scht, dass es mehr Frauen gibt, die auch solche Dinge tun wie ich.

Wie war es, als Sie in die Finanzbranche kamen?

Ich habe als Aktien­an­a­lystin ange­fan­gen − ein weit­eres Umfeld, das stark von Män­nern dominiert wird. Ich kam also von einem män­ner­do­minierten Umfeld ins näch­ste. Aber es ist sehr erfreulich zu sehen, dass wir in der Branche langsam Fortschritte machen.

Zum Beispiel, als ich 2011 zu VanEck, meinem jet­zi­gen Arbeit­ge­ber, kam, war ich die erste Frau im Invest­ment­team. Mit­tler­weile sind wir im aktiv­en Invest­ment­team fünf Frauen von 25 Experten.

Gab es bestimmte Situationen, in denen Sie sich in Ihrer Karriere mehr Frauen um sich herum gewünscht haben?

Ich glaube, als junge Frauen suchen wir immer nach Vor­bildern. Ich selb­st habe mich im Lauf der Zeit irgend­wie daran gewöh­nt, keine weib­lichen Vor­bilder zu haben. Erst heute denke ich, dass das hil­fre­ich gewe­sen wäre.

Jet­zt wo ich erfahren­er und auch selb­st­be­wusster bin in dem, was ich beru­flich mache, ist mir sehr bewusst gewor­den, dass Frauen nicht nur in dem tech­nis­chen Bere­ich, in dem ich war, son­dern auch in der Finanz- und Invest­ment­man­age­ment­branche nicht sehr präsent sind.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich das ändert, und Frauen in diesen Bere­ichen immer mehr Möglichkeit­en haben. Und mit­tler­weile hoffe ich, dass ich nun ein Vor­bild für die näch­ste Gen­er­a­tion von Frauen bin.

Wieso sind weibliche Vorbilder wichtig?

Ich denke, es ist viel schwieriger zu glauben, dass man etwas erre­ichen kann, wenn es nie­mand anderes tut, der so aussieht wie man selb­st oder von dort kommt, wo man selb­st herkommt.

Ich glaube, für jün­gere Mäd­chen ist es entschei­dend zu sehen, dass Frauen diese Rolle ein­nehmen und sie Inge­nieurin­nen und Port­fo­lioman­agerin­nen sein kön­nen.

Je mehr Frauen in den tra­di­tionell von Män­nern dominierten Bere­ichen arbeit­en und hohe Posi­tio­nen innehaben, desto bess­er kön­nen wir diese Botschaft ver­mit­teln.

Wie sieht es denn bei den Goldminenfirmen aus, in die Sie investieren, sind hier viele Frauen im Vorstand?

Nein, nicht viele. Ich denke, das ist nicht nur in dieser Branche so, son­dern auch bei den meis­ten anderen Unternehmen. Aber ich freue mich, dass sich das langsam bessert.

Ich bin wirk­lich immer sehr ges­pan­nt, wenn ich Nachricht­en darüber erhalte, dass jemand neues in den Vor­stand ein­er Fir­ma berufen wird, in die wir investieren. Denn ich weiß, dass das neue Vor­standsmit­glied mit hoher Wahrschein­lichkeit eine Frau ist.

Das passiert immer öfter und ist eine sehr gute Entwick­lung. Auch wenn wir noch weit von 50 Prozent Frauen in den Vorstän­den ent­fer­nt sind, gibt es immer mehr, in denen min­destens eine Frau sitzt und viele, wo schon mehrere Frauen im Vor­stand sind.

Auch wenn ich, wie alle Frauen, wün­schte, es würde schneller gehen: Der Trend sieht vielver­sprechend aus!

Was hilft dabei?

In den ver­gan­genen Jahren ist immer deut­lich­er in den Vorder­grund gerückt, dass Frauen unter­repräsen­tiert sind, und dass sie das nicht wollen.

Vielfalt im Vor­stand wurde offiziell ein The­ma und ich denke, es ist ziem­lich offen­sichtlich, dass je vielfältiger ein Vor­stand all­ge­mein ist, desto bess­er. In Bezug auf Frauen, aber auch auf Nation­al­itäten, eth­nis­che Herkun­ft, alle Arten ander­er Ori­en­tierun­gen und so weit­er.

In Bezug auf Frauen im Speziellen: Es kom­men immer mehr Frauen in die Vorstände, weil es ein­er­seits das Richtige ist, aber vor allem, weil die Unternehmen auf eine Art gezwun­gen wer­den, auch von Inve­storen, die das fordern. Ich denke, wir spie­len als solche da eine wichtige Rolle.

Warum sind Sie denn damals von der Öl- in die Investmentbranche gewechselt?

Als ich nach meinem Studi­um in den USA zurück in meine Heimat­stadt Mara­cai­bo nach Venezuela gezo­gen bin, habe ich mich gefragt: Welch­er Bere­ich bietet die meis­ten Möglichkeit­en und besten Kar­ri­erechan­cen? Die Antwort war klar: die Ölin­dus­trie. Das war und ist die größte Branche in Venezuela.

Nach ein paar Jahren entsch­ied ich mich auf­grund der sich ver­schlechtern­den poli­tis­chen und wirtschaftlichen Lage des Lan­des, in die USA zurück­zukehren, und zog nach New York.

Und dann?

Ich stellte mir wieder die Frage: Wo gibt es dort die vielver­sprechend­sten Kar­ri­erechan­cen? Die Antwort war: in der Finanzbranche.

Ich entsch­ied, dass meine tech­nis­che Exper­tise mir eine Tür ins Aktien­re­search öff­nen kön­nte. Ich habe mir Rech­nungswe­sen selb­st beige­bracht, Finanzkurse besucht und las so viele Büch­er wie es mir möglich war, um das rel­e­vante Mate­r­i­al zu ler­nen.

Dann begann ich, Fir­men anzu­rufen. Ich erk­lärte ihnen, warum sie mir die Möglichkeit geben soll­ten, für sie zu arbeit­en. Ein Bou­tique-Unternehmen, das in Man­hat­tan im Invest­men­tre­search tätig war, erkan­nte den Wert meines Ange­bots und beauf­tragte mich, als Ana­lystin für Aktien­forschung für den Öl- und Gassek­tor zu arbeit­en.

Wie kamen Sie dann in den Goldbereich?

Ein paar Monate später bekam ich die Möglichkeit, als Asso­ciate Ana­lystin zu BMO Cap­i­tal Mar­kets zu wech­seln, das führende Aktien­re­search­haus für den Gold­mi­nensek­tor. Ich dachte, es wäre ein natür­lich­er Über­gang, denn Gold ist auch eine Rohstoffind­us­trie, da gibt es viele Ähn­lichkeit­en.

Einige Jahre arbeit­ete ich dann rund um die Uhr, eignete mir die Ken­nt­nisse im Aktien­re­search an und sam­melte die rel­e­vante Erfahrung. Etwas später über­nahm ich die Rolle der Lead-Ana­lystin in ein­er anderen Bank.

2011 kam ich schließlich ins Invest­ment­team von VanEck und bin jet­zt Port­fo­lioman­agerin für Gold- und Edel­met­all­strate­gien sowie Mit­glied des Invest­ment­man­age­ment­teams und Senior Ana­lystin für Aktien­strate­gien der Bere­iche Gold und andere Rohstoffe.

Nicht ganz ohne, so ein Karrierewechsel, oder?

Es war eines der Dinge, bei denen man ein Risiko einge­hen und an sich selb­st glauben muss. Ich fragte mich: Was passiert, wenn ich es nicht mag oder wenn ich nicht gut darin bin? Aber ich dachte mir auch, ich habe nichts zu ver­lieren.

Denn wenn Finanzen und Aktien­re­search nicht das Richtige gewe­sen wären, hätte ich wieder als Inge­nieurin arbeit­en kön­nen. Ich hat­te par­al­lel nach Jobs im Inge­nieur­we­sen gesucht und das große Glück, auch ein Ange­bot von IBM in ein­er tech­nis­chen Rolle erhal­ten zu haben.

War der Wechsel eine gute Entscheidung?

Wirk­lich froh bin ich, dass ich damals die Gele­gen­heit genutzt habe, mich beru­flich zu verän­dern. Denn es hat sich her­aus­gestellt: Ich liebe, was ich tue, und ich bin ziem­lich gut darin. Die Tat­sache, dass es um den Gold­mi­nensek­tor ging, hat dazu beige­tra­gen, dass der Über­gang vom Maschi­nen­bau zum Finanzsek­tor sehr erfol­gre­ich war.

Ich kann die Fähigkeit­en des Inge­nieur­we­sens immer noch ein­set­zen, wenn wir zum Beispiel tech­nis­che Fak­toren unser­er Invest­ments bew­erten, oder wenn ich die Fir­men besuche. Daher bin ich immer noch sehr eng mit mein­er tech­nis­chen Seite ver­bun­den, die ich sehr ver­misst hätte, wenn ich beru­flich einen anderen Sek­tor gewählt hätte.

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