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“Versucht euer ‘Warum’ zu finden!”

2021-03-21T11:48:38+01:0019. Februar 2021|

Mis­si­on: Fema­le Empower­ment. Dafür steht Katha­ri­na Hei­len. Sie setzt sich dafür ein, dass Frau­en (und auch Män­ner) ihr ganz per­sön­li­ches War­um im Leben fin­den und ihren per­sön­li­chen Lebens­weg danach aus­rich­ten kön­nen. Nun hat die Düs­sel­dor­fe­rin ein Buch dar­über geschrie­ben und steht Cou­ra­ge im Inter­view Rede und Ant­wort.

Von Astrid Zeh­be

Du hast ein Buch geschrieben, das Frauen ermutigen soll, sich selbst zu empowern. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Katha­ri­na Hei­len: Die Idee, ein Buch zu schrei­ben, ist schon vor lan­ger Zeit ent­stan­den. Es begann damit, dass der ers­te Com­pu­ter, den mei­ne Fami­lie bekom­men hat – einer die­ser dicken, alten PCs auf einem Com­pu­ter­tisch – sei­nen Platz in mei­nem Zim­mer gefun­den hat.

Ich habe begon­nen, dort mei­ne ers­ten Kurz­ge­schich­ten zu schrei­ben und damit mei­ne Lei­den­schaft zum Schrei­ben gefun­den. Dass ich eines Tages ein Buch über Fema­le Empower­ment schrei­ben wür­de, wuss­te ich natür­lich nicht. Aber ich wuss­te, dass mir das Schrei­ben am Her­zen liegt.

Mei­ne Idee zu dem The­ma kam erst spä­ter. Mit Anfang 20 hat mich ein Buch, näm­lich „#Girl­boss“ von Sophia Amoru­so, auf mei­nen Weg gebracht.

Was hat dich an dem Buch so begeistert?

Ich war begeis­tert von der Bewe­gung jun­ger, ambi­tio­nier­ter Frau­en, die mehr wol­len, die die Autorin mit ihrem Buch „#Girl­boss“ her­vor­brach­te. In den Social-Media-Kanä­len unter #girl­boss fin­det man noch heu­te zahl­rei­che Bei­trä­ge von Frau­en, die sich mit der Hal­tung und Geschich­te der Autorin und Unter­neh­me­rin Sophia Amoru­so iden­ti­fi­zie­ren kön­nen.

Ich war eine von ihnen und weil ich im Jahr 2016 im deutsch­spra­chi­gen Raum nur wenig zum The­ma Fema­le Empower­ment fand, habe ich beschlos­sen einen Blog über die­ses The­ma zu schrei­ben.

Was genau war auf dem Blog zu lesen?

Zu Beginn schrieb ich auch über Mode und Beau­ty, doch mehr und mehr rück­te das The­ma Empower­ment und Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung in den Fokus. Ich sehn­te mich selbst danach, mehr über die­se The­men zu lesen. Auch wegen mei­ner eige­nen Geschich­te.

Denn mei­ne größ­te Inspi­ra­ti­ons­quel­le zu mei­nem Buch war mein eige­nes Leben und die Frau­en, die mich auf mei­nem Weg beglei­tet haben. Wie vie­le ande­re Men­schen habe auch ich eini­ge Erfah­run­gen gemacht, die nicht ein­fach waren.

Welchen Erfahrungen hast du gemacht?

Nach mei­nem Kli­nik­auf­ent­halt wegen einer Mager­sucht in mei­ner Jugend und einem erkrank­ten Fami­li­en­mit­glied ver­such­te ich, die Ver­gan­gen­heit hin­ter mir zu las­sen. Ich hat­te den Wunsch, mein Leben zu dem Bes­ten zu machen, das ich mir vor­stel­len konn­te. Ich woll­te mich nicht als Opfer mei­ner Umstän­de betrach­ten, son­dern bereit sein, alles zu geben, um wie­der gesund zu wer­den und mei­ne Wün­sche wahr­zu­ma­chen. Das habe ich mir damals selbst ver­spro­chen. Ich schrieb also in mei­nem Blog über mei­ne Erfah­run­gen, inter­viewe noch heu­te beein­dru­cken­de Frau­en, wie Künst­le­rin­nen, Grün­de­rin­nen, Unter­neh­me­rin­nen, Musi­ke­rin­nen und Co., die ihr Leben selbst in die Hand genom­men haben.

Was hat dich fasziniert?

Sie tun das, was sie lie­ben und küm­mern sich nicht dar­um, was ande­re von ihnen erwar­ten oder den­ken. Das fin­de ich extrem berei­chernd und inspi­rie­rend. Außer­dem pos­te­te ich dar­über auf mei­nem Insta­gram-Kanal @katharinaheilen, der mit den Jah­ren immer wei­ter wuchs. Schließ­lich kam mein Ver­lag, ein jun­ger Ver­lag von und für Frau­en, auf mich zu und frag­te, ob ich nicht ein Buch über das The­ma Fema­le Empower­ment schrei­ben woll­te. Ich war begeis­tert, weil ich nicht nur mei­nen Traum erfül­len konn­te, ein Buch zu schrei­ben. Ich kann außer­dem noch mehr Frau­en dazu empowern, ihre eige­ne Visi­on zu fin­den und ihren ganz eige­nen Weg zu gehen. Das liegt mir sehr am Her­zen.

Auf welche Bereiche fokussierst du dich dabei?

„Empowe­red You – Ver­än­de­rung durch Stär­ke, Mut und Zusam­men­halt“ fokus­siert sich auf alle Berei­che des Lebens. Es gibt kei­nen spe­zi­el­len Fokus auf Kar­rie­re oder Per­so­nal Bran­ding, auch wenn die­se The­men mit­schwin­gen. Ich habe mich dazu ent­schie­den, weil Empower­ment auf allen Ebe­nen im Leben wich­tig ist. Das Buch hilft dabei, den Blick zunächst nach innen zu rich­ten und zu spü­ren, was du dir wünschst und brauchst. Damit beginnt alles. Es geht dar­um eine Visi­on für das Leben zu kre­ieren – nicht aus dem Ver­stand her­aus, son­dern aus der Intui­ti­on. Das kann natür­lich die Kar­rie­re beinhal­ten, aber auch ande­re Berei­che des Lebens, wie die Gesund­heit oder Bezie­hun­gen. Im zwei­ten Schritt geht es dar­um, einen Plan zu kre­ieren, der dich die­ser Visi­on näher­bringt. Die Visi­on und der Plan geben dir eine Rich­tung, leich­ter Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die wirk­lich zu dir pas­sen und die aus dir her­aus kom­men. Dann geht es natür­lich dar­um, ins Han­deln zu kom­men.

Warum fällt es gerade Frauen schwerer, sich selbst zu empowern – oder ist es vielleicht doch gar nicht so ein Gender-Thema, wie es oft scheint?

Ich glau­be, dass Empower­ment ein uni­ver­sel­les The­ma ist. Der Wunsch danach, sei­ne eige­ne Stär­ke dafür ein­zu­set­zen, für sich selbst ein­zu­ste­hen und sich das mit gutem Gewis­sen zu neh­men, was einem zusteht. Die Grün­de, war­um das Frau­en, aber auch Män­nern, manch­mal schwer­fällt, kön­nen unter­schied­lich sein, müs­sen sie aber nicht.

Kannst du das genauer erklären?

Betrach­tet man die ste­reo­ty­pi­sche Erzie­hung der bei­den Geschlech­ter, kann bei­spiels­wei­se die Erzie­hung eine Rol­le spie­len. Wäh­rend Mäd­chen oft gesagt wird, höf­lich und lei­se zu sein und „auf ihren Traum­prin­zen zu war­ten“, der ihr Leben bes­ser macht, wird Jun­gen ein­ge­flößt, bloß kei­ne Gefüh­le zu zei­gen, für eine gesam­te Fami­lie auf­kom­men zu müs­sen und „der Mann“ im Haus zu sein.

Bei­des, sowie die vie­len ande­ren unbe­wuss­ten und bewuss­ten „Kon­di­tio­nie­run­gen“ und Stig­ma­ta der Gesell­schaft, kön­nen Men­schen dar­an hin­dern, ihre eige­nen Wege zu fin­den. Sol­che Kon­di­tio­nie­run­gen wir­ken been­gend und bau­en Druck auf, das Leben nach gewis­sen Vor­stel­lun­gen und Regeln zu leben, die uns von außen zuge­teilt wer­den, aber nicht zwin­gend aus uns her­aus ent­ste­hen.

Was kann man tun?

Ledig­lich die ste­reo­ty­pi­sche Erzie­hung oder das Geschlecht als Grund zu nen­nen, ist in in mei­nen Augen zu kurz gegrif­fen. Ich den­ke nicht, dass es die eine Ant­wort dafür gibt. Ich glau­be aber, dass es immer hilf­reich ist, die gesell­schaft­li­chen Erwar­tun­gen kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und sich von die­sen zu lösen – auch wenn das bedeu­tet, nicht allen Wün­schen gerecht zu wer­den. Es geht in dei­nem Leben nicht um die Wün­sche ande­rer, son­dern um dei­ne eige­nen.

Den­noch: Das gesell­schaft­li­che Bild von heu­te zeigt, dass es für Frau­en noch gro­ße Ungleich­hei­ten gibt. Bei­spie­le hier­für sind die Ren­ten­lü­cke, der Gen­der-Pay-Gap, die Unter­schie­de im Men­tal Workload (also die unbe­zahl­te Arbeit von Frau­en im Haus­halt und Co.), und das noch recht wenig erforsch­te The­ma der Gen­der-Medi­zin. Frau­en und ihre Rech­te haben noch nicht den glei­chen Stel­len­wert und das glei­che Anse­hen wie die von Män­nern. Das muss sich ändern.

Besonders wichtig ist dir – das schreibst du in dem Buch – dass jeder Mensch sein Warum findet. Warum ist das aus deiner Sicht so wichtig?

Ja, das War­um liegt mir beson­ders am Her­zen. Ich glau­be, dass uns Men­schen ein tie­fes Bedürf­nis inne­liegt, unse­rem Leben einen Sinn zu ver­lei­hen bezie­hungs­wei­se den Sinn unse­res Lebens zu fin­den. Auch wenn es hier kei­ne Uni­ver­sal­ant­wort gibt, hilft es, das eige­ne War­um zu ken­nen, um bewuss­te Ent­schei­dun­gen für das eige­ne Leben tref­fen zu kön­nen.

Wer sein eige­nes War­um kennt, dem fällt es nicht nur leich­ter Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Im All­ge­mei­nen fühlt sich das Leben bedeut­sa­mer und sogar leich­ter an, wenn man sein War­um kennt. Das eige­ne War­um schließt immer dei­ne per­sön­li­chen Eigen­schaf­ten und Wer­te ein. Das War­um ist also sehr indi­vi­du­ell. Das ist auch gut so, denn wir wären nicht alle so unter­schied­lich, wie wir nun mal sind, wenn es kei­nen Grund gäbe. Wir brau­chen die Eigen­schaf­ten, Per­sön­lich­kei­ten und Wer­te eines jeden – wir brau­chen die Diver­si­tät.

Welche Rollen spielen denn andere Menschen bei der Suche nach dem eigenen Warum?

Das War­um begrenzt sich nicht nur auf das eige­ne Leben, son­dern auch auf das der ande­ren. Ein star­kes War­um inspi­riert, beein­flusst ande­re im posi­ti­ven Sinn und macht damit die Welt zu einem bes­se­ren Ort. Und das auf viel­fäl­ti­ge Wei­se.

Auch wenn das uto­pisch klingt – Je mehr Men­schen die­ses Ziel ver­fol­gen und ihr War­um ken­nen und leben, des­to mehr wird sich die Erde zu einem offe­ne­ren, posi­ti­ve­ren und sta­bi­le­ren Ort ent­wi­ckeln. Ich habe das Gefühl, dass die Men­schen begin­nen auf­zu­wa­chen. Vie­le Din­ge wer­den nicht mehr ein­fach nur hin­ge­nom­men, son­dern nach ihren tie­fe­ren Sinn hin­ter­fragt.

Und wie stellt man das an, sein Warum zu finden?

Die­se Fra­ge ist toll, denn jetzt wird es kon­kret. Das eige­ne War­um fin­det man meis­tens nicht von heu­te auf mor­gen. Die Intui­ti­on ist hier ein hilf­rei­ches Tool dar­auf zu ver­trau­en, was dich wirk­lich erfüllt. Wenn du das Gefühl hast, du weißt (noch) nicht wirk­lich, wofür dein Herz brennt, kannst du zunächst dei­ne Intui­ti­on schu­len. Das hat mir mei­ne Men­to­rin damals bei­gebracht. Du lernst Schritt für Schritt, wel­che Zei­chen dir dein Kör­per gibt, wenn du pas­sen­de oder unpas­sen­de Ent­schei­dun­gen triffst. Wir dür­fen ler­nen, auf unse­re Intui­ti­on zu hören, sie kennt immer den rich­ti­gen Weg und unser War­um.

In deinem Buch hast du auch konkrete Übungen für verschiedene Situationen – hast du auch Übungen parat, die die Warum-Suche erleichtern?

Genau, für jedes Kapi­tel gibt es sowohl eine aus­führ­li­che Empowe­red Action, als auch eine Drei-Minu­ten-Übung, die du direkt erle­di­gen kannst. In mei­nem Buch gibt es zwei ganz kon­kre­te Übun­gen zum The­ma „War­um“.

Als klei­ne Sneak Peek tei­le ich die kur­ze Übung ger­ne:
Schrei­be drei Begrif­fe in dein Jour­nal, die dir ein­fal­len, wenn es um dein War­um geht. Wel­che Wor­te beschrei­ben dein War­um am bes­ten? Es ist voll­kom­men egal, um wel­che Begrif­fe es sich han­delt – sie müs­sen sich ledig­lich rich­tig für dich anfüh­len. Star­te mit den ers­ten drei Begrif­fen, die dir ein­fal­len und redi­gie­re sie, wenn du das Bedürf­nis hast und du noch pas­sen­de­re Begrif­fe fin­dest.

Welchen Zweck hat das?

Das bewirkt, dass du die ers­ten Schrit­te Rich­tung dei­nes Warums gehst und beginnst, dein War­um zu ver­ba­li­sie­ren und in Wor­te zu fas­sen. Das ist einer der schwie­rigs­ten Schrit­te und mit die­ser kur­zen Übung machst du den Anfang.

Wann hast du selbst dein Warum gefunden? War das ein längerer Prozess? Was war der ausschlaggebende Punkt, es vielleicht überhaupt erst mal zu suchen?

Mein War­um ist es, Frau­en zu empowern, ihr Leben selbst in die Hand zu neh­men und dabei zusam­men­zu­hal­ten, damit immer mehr Frau­en für sich selbst und für ande­re ein­ste­hen. Ich habe nie bewusst nach mei­nem War­um gesucht, aber ich habe immer nach einer erfül­len­den Tätig­keit gesucht. Mit dem Lesen des Buches „#Girl­boss“ woll­te ich mein Ver­ständ­nis von Fema­le Empower­ment tei­len und Gleich­ge­sinn­te fin­den. Das Buch war der aus­schlag­ge­ben­de Punkt, weil ich mich nie zuvor so mit einer Geschich­te iden­ti­fi­zie­ren konn­te. Es war wit­zig und frech geschrie­ben, die Autorin ist eine Frau, die trotz allen Kri­ti­ken ihren eige­nen Weg gegan­gen ist, der seit­dem zahl­rei­che Wen­dun­gen genom­men hat. Das fand ich extrem span­nend.

Und dann?

Von dort ging eine Recher­che nach ähn­li­chen Büchern und Gleich­ge­sinn­ten online wei­ter. So habe ich immer mehr Frau­en ken­nen­ge­lernt, die sich auch für Fema­le Empower­ment ein­set­zen. Ich habe von zahl­rei­chen Pro­jek­ten erfah­ren, habe bei eini­gen selbst mit­ge­macht, sowie mei­nen eige­nen Pod­cast – den Genera­ti­on Girl­power Pod­cast – gestar­tet, um eine Platt­form für die­se Frau­en zu schaf­fen.

In den letz­ten vier Jah­ren hat sich in mei­nen Augen enorm viel getan und das ist eine schö­ne Ent­wick­lung – auch wenn wir noch längst nicht am Ziel sind und noch mehr zusam­men­hal­ten dür­fen. Aber bis heu­te ver­fol­ge ich mein War­um und wer­de auch so schnell nicht auf­hö­ren. Außer­dem freue ich mich sehr über die Erschei­nung des Cou­ra­ge Maga­zins, das eben­falls zum Empower­ment von Frau­en bei­trägt. Das ist groß­ar­tig!

Du schreibst, dass – wenn man nur eine Sache aus dem Buch mitnimmt – es die Botschaft sein sollte, dass die Erfolgsgeschichte der Leserin gebraucht wird. Kannst du kurz beschreiben, was eine Erfolgsgeschichte ausmacht?

Eine Erfolgs­ge­schich­te ist für mich genau wie das eige­ne War­um etwas sehr Per­sön­li­ches. Auch hier gibt es so vie­le Kon­di­tio­nie­run­gen, Erwar­tun­gen und Vor­schrei­bun­gen, wie eine Erfolgs­ge­schich­te aus­zu­se­hen hat. Ich las­se ganz bewusst offen, was genau eine Erfolgs­ge­schich­te aus­macht, denn das soll jeder Frau offen­ste­hen. Mit einer Bedin­gung: Dass sie sich in ihrem Leben empowert fühlt, Ent­schei­dun­gen trifft, die aus ihrem Her­zen stam­men und im bes­ten Fall auch ande­re Frau­en dabei unter­stützt. Wie kon­kret das aus­sieht, ist offen. Ich bin es leid, „typi­sche Erfolgs­ge­schich­ten“, die in den Medi­en und in den Köp­fen vor­herr­schen, zu rezi­tie­ren. Das gibt uns das Gefühl, dass wir auf eine bestimm­te Art zu sein haben. Wir sehen Rea­li­ty-Shows, Hol­ly­wood­fil­me und Co, die schein­bar zei­gen, wie das erstre­bens­wer­te und per­fek­te Leben aus­zu­se­hen hat.

Es gibt keine Schablonen für alle…

Genau! Des­we­gen zielt „Empowe­red You – Ver­än­de­rung durch Stär­ke, Mut und Zusam­men­halt“ dar­auf ab, zunächst nach innen zu schau­en, um zu ler­nen, sich selbst und den eige­nen Wün­schen zu ver­trau­en. Die eine Frau wünschst sich eine gro­ße Fami­lie auf dem Land, die ande­re möch­te sich ihrer Kar­rie­re wid­men und kei­ne Kin­der haben, wie­der ande­re wün­schen sich Kin­der und Kar­rie­re. Dann gibt es hete­ro­se­xu­el­le, trans­se­xu­el­le oder homo­se­xu­el­le Frau­en und mehr. Es gibt Frau­en, die mini­ma­lis­tisch leben wol­len, ande­re lie­ben über­schwäng­li­chen Luxus. Die eine liebt es, krea­tiv zu arbei­ten, die ande­re fin­det in der Welt der Natur­wis­sen­schaf­ten ihre Erfül­lung. Eini­ge lie­ben das Rei­sen, ande­re den Sport, die Kunst, die Musik, Tech­nik, das Bau­en und Hand­wer­keln. Und auch hier schließt das eine das ande­re nicht aus… Die Mög­lich­kei­ten, wie eine Erfolgs­ge­schich­te aus­sieht, sind gren­zen­los. Und das ist alles genau rich­tig so.

Viele Frauen glauben dennoch, dass eine Erfolgsgeschichte anders aussieht – da ist es die glückliche Ehe, Vereinbarkeit, ein toller Job, drei große Urlaube im Jahr und ein schickes Eigenheim. Für viele ist das fernab der Realität und sie glauben deshalb nicht so recht daran, dass die eigene Geschichte eine Erfolgsgeschichte sein könnte. Wie bringt man Menschen dazu, sich selbst und ihre Situation mehr schätzen zu lernen?

Toll, dass du das sagst! Social Media, Rea­li­ty-Shows und Co zei­gen uns immer wie­der Bil­der und Aus­schnit­te von ver­meint­li­chen Erfolgs­ge­schich­ten. Dadurch den­ken wir schnell, dass die­se Geschich­ten das Ziel sind und wir genau die­ses Leben als erstre­bens­wert emp­fin­den. Dank­bar­keit für die eige­ne Situa­ti­on ist das A und O im ers­ten Schritt. Zu erken­nen, was wir bereits haben und wer uns umgibt, hilft uns dabei, Abstand von den Leben ande­rer zu neh­men und uns selbst reich an Men­schen und Din­gen zu füh­len. Denn das sind die aller­meis­ten von uns. Statt dar­auf zu schau­en, was fehlt, dür­fen wir den Fokus dar­auf rich­ten, was wir bereits haben.

Und wenn wir das erledigt haben?

Im zwei­ten Schritt dür­fen wir uns mit „alter­na­ti­ven“ Erfolgs­ge­schich­ten umge­ben. Sol­chen, zu denen wir wirk­lich hoch­schau­en und die wirk­lich das Leben füh­ren, was wir uns wün­schen. Statt also bei­spiels­wei­se der per­fek­ten Insta­gram-Mami zu fol­gen, kön­nen wir uns mit Per­so­nen ver­net­zen, die wir ken­nen und die uns von ihren unper­fek­ten, chao­ti­schen und zugleich wun­der­schö­nen All­tag mit ihren Kids begeis­tern las­sen. Wir dür­fen uns, so oft es geht, mit „ech­ten“ Men­schen und Geschich­ten bege­ben und uns dar­an erin­nern, was wir bereits haben und was wir uns für unser Leben wirk­lich wün­schen. Ver­glei­chen macht ledig­lich unglück­lich, wenn es eigent­lich kei­nen Grund dafür gibt.

Du hast sehr viele Übungen in dem Buch – woher sind die? Sind es gängige Coaching-Übungen oder sind das Übungen, die dir selbst über die Jahre geholfen haben und die du selbst entwickelt hast?

Die Übun­gen aus dem Buch sind vor allem Übun­gen, die mei­ne Men­to­rin­nen mit mir geteilt haben. Eini­ge davon stam­men aus dem gän­gi­gen Coa­ching, ein paar weni­ge habe ich auch selbst ent­wi­ckelt bezie­hungs­wei­se leicht ver­än­dert oder wei­ter­ent­wi­ckelt. Du fin­dest im Buch eine Mischung aus ver­schie­de­nen Übun­gen, eini­ge sind sehr intui­tiv und ande­re recht sys­te­ma­tisch und stra­te­gisch. Alle Übun­gen haben mir selbst sehr gehol­fen, mei­nen Weg immer mehr zu fin­den. Vor allem die zur Intui­ti­on, die ich durch groß­ar­ti­ge Frau­en neu ent­deckt habe. Ich habe lan­ge Zeit mei­ne Intui­ti­on kaum wahr­ge­nom­men, geschwei­ge denn „für voll genom­men“. Ich habe stän­dig mei­nen Ver­stand spre­chen las­sen und dadurch nicht immer die bes­ten Ent­schei­dun­gen für mich getrof­fen.

Du selbst warst im Jugendalter sehr krank. Bei Krankheiten ist es oft so, dass manche Menschen dadurch noch mehr geschwächt werden und für andere ist es ein Stärke-Turbo schlechthin. Warum glaubst du, bist du aus dieser Erfahrung gestärkt hervorgegangen?

Es gibt den schö­nen Begriff der Resi­li­enz. Dar­un­ter ver­steht man die Wider­stands­kraft der Psy­che, also die Fähig­keit, schwie­ri­ge Lebens­si­tua­tio­nen ohne anhal­ten­de „Schä­den“ zu über­ste­hen. Alle kom­men mit einem unter­schied­li­chen Maß an Resi­li­enz zur Welt, aber man kann sie auch trai­nie­ren. Men­schen mit einer hohen Resi­li­enz sehen zum Bei­spiel das Schei­tern als Chan­ce, statt als end­gül­ti­ges Schei­tern an. Sie glau­ben, dass sie alles ler­nen kön­nen, statt etwas ent­we­der zu kön­nen oder nicht zu kön­nen. Ich glau­be dar­an, dass mich mei­ne Erfah­run­gen in mei­ner Resi­li­enz stär­ker gemacht haben.

Kann man Resilienz lernen?

Irgend­wann stand ich vor einer Ent­schei­dung: Ich konn­te mich ent­schei­den, mager­süch­tig zu blei­ben und mein Leben lang an der Gren­ze des Unter­ge­wichts zu leben. Das hät­te die Kon­se­quenz, nie wirk­lich das Leben genie­ßen zu kön­nen, weil ich mir stän­dig Gedan­ken um das Essen mach­te. Oder ich konn­te mei­ne gan­ze Kraft zusam­men­neh­men und wie­der gesund wer­den. Mit der Kon­se­quenz, mich mir selbst und mei­nen Pro­ble­men zu stel­len, aber gleich­zei­tig auch zu wach­sen und end­lich wie­der das Leben genie­ßen zu kön­nen, wie es sich für eine damals 16-Jäh­ri­ge gehör­te. Mit die­ser Aus­sa­ge möch­te ich nie­man­den zu nahe­tre­ten. Das war die Posi­ti­on, in der ich mich damals befand, und die Ein­stel­lung, die mir sehr gehol­fen hat. Ich hof­fe, dass mei­ne Geschich­te auch ande­re dazu inspi­riert, die­sen Schritt zu gehen.

Katha­ri­na Hei­len hat sich als Per­so­nal Brand im Bereich Fema­le Empower­ment eta­bliert und eine gro­ße, enga­gier­te Com­mu­ni­ty in die­sem Bereich geschaf­fen. Als selbst­stän­di­ge Tex­te­rin, Autorin, Pod­cast- und Com­mu­ni­ty-Host weiß sie, wie wich­tig eine Spit­zen­po­si­tio­nie­rung und das eige­ne War­um sind, um sich nach­hal­tig zu eta­blie­ren und Men­schen zu berüh­ren.

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