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Mehr Power im Job

2020-11-08T11:19:47+01:003. November 2020|

Pow­er Bank – Dieser Begriff kommt einem im Inter­view mit Dörthe Gräfin von Key­ser­lingk sofort in den Sinn. Die Region­allei­t­erin des Fürsten­berg Insti­tuts und ihre Kol­le­gen brin­gen näm­lich Energie ins Unternehmen. Sie unter­stützen beim The­ma Unternehmensge­sund­heit, helfen Führungskräften wie Mitar­bei­t­en­den. Im Gespräch ver­rät Gräfin von Key­ser­lingk, wie wir physisch, aber auch men­tal, fit bleiben, und ver­rät ihre besten Tipps. 

Von Michaela Stem­per

Wie bleibe ich mental und physisch leistungsfähig? 

Dörthe Gräfin von Key­ser­lingk: Physis­che Gesund­heit basiert auf drei Säulen: Bewe­gung, Ernährung und Entspan­nung. Dazu zählt auch Schlaf. Nehmen wir an, Sie haben gut geschlafen, gesund gefrüh­stückt und waren vor der Arbeit noch an der frischen Luft. Dann wer­den Sie leis­tungs­fähiger an Ihren Arbeit­stag herange­hen, als wenn Sie abends ein schw­eres Essen mit Rotwein genossen und wenig geschlafen haben. 

Und was ist mit mentaler Leistungsfähigkeit?

Men­tale Leis­tungs­fähigkeit ist vor allem eine Frage der Resilienz. Hier geht es darum: Wie reagiere ich auf stres­saus­lösende Reize? Bin ich in der Lage, seel­isch sta­bil durch eine schwierige Sit­u­a­tion oder durch eine Krise zu kom­men? Ein gesun­der Opti­mis­mus hil­ft. Fehlt dieser, sollte man daran arbeit­en. Denn ein gesun­des Mind­set ist wie ein gesun­des Immun­sys­tem.  

Was kann ich selbst dafür tun – vor allem jetzt in Zeiten von Homeoffice?

Nehmen Sie bewusst wahr: Ist mein Stresslev­el höher als son­st? Steigt meine Belas­tung? Oder nimmt die Leis­tungs­fähigkeit ab?

Wichtig ist eine neue Tagesstruk­tur in der aktuellen Home­of­fice-Sit­u­a­tion: Viele ver­ließen bis­lang mor­gens das Haus, fuhren zum Arbeit­splatz und wussten: jet­zt begin­nt meine beru­fliche Phase. Umgekehrt wech­selte man durch die Heim­fahrt wieder in die pri­vate Phase und den famil­iären Kon­text.

Nun muss man diese Tren­nung bewusst schaf­fen: rechtzeit­ig auf­ste­hen, gut anziehen und Arbeit­szeit­en fes­tle­gen. Dabei soll­ten Sie Pausen, Fam­i­lien- und Part­ner­schaft­szeit­en ein­pla­nen. Im besten Fall reicht die Zeit, um auch ein­mal allein zu sein. 

Für viele fällt mit dem Homeoffice auch Bewegung weg.

Machen Sie Sport! Ganz egal, ob zuhause als Yogaübung oder beim Wald­lauf. Stresshormone lassen sich gut durch Bewe­gung abbauen. Unter­brechen Sie den Arbeit­stag, um an die frische Luft zu gehen! 

Was ist sonst noch wichtig?

Ernähren Sie sich gesund! Für gesun­den Schlaf nehmen Sie das Handy bitte nicht mit bis auf Ihr Kopfkissen. Fassen Sie einen fes­ten Tagesab­schluss ins Auge. Entspan­nung stellt sich auch durch Atemtech­niken oder die bewusste Frage: „Was habe ich heute geschafft?“ ein. Um den Tag dann pos­i­tiv zu been­den.

Was sind außerdem Herausforderungen in der Arbeitswelt während der Corona-Pandemie?

Verän­derun­gen in einem der­maßen ras­an­ten Tem­po und die damit ver­bun­dene Unsicher­heit fordern her­aus. Die Frage „Was wird aus uns?“ treibt alle um. Das gilt für das Unternehmen, die Teams, aber auch für jeden Einzel­nen.

Ger­ade die dig­i­tale Umstel­lung birgt Her­aus­forderun­gen der anderen Art. Wer bis­lang nicht mit Zoom, Teams oder Jit­si gear­beit­et hat, muss sich neu ori­en­tieren. Mitar­beit­er sind unsich­er, ob Ton, Bild oder zusät­zliche Anwen­dun­gen funk­tion­ieren. Es entste­ht dig­i­taler Stress.

Wer tech­nisch wenig affin ist und alles per­fekt machen will, tut sich sicher­lich schw­er. Mein Tipp: ein­fach mal machen und das Gegenüber bei tech­nis­chen Prob­le­men um Hil­fe bit­ten.

Was kann im Gegenzug mein Arbeitgeber für die Unternehmensgesundheit tun?

Arbeit­ge­ber müssen gute Rah­menbe­din­gun­gen für Gesund­heit am Arbeit­splatz schaf­fen. Denn Fehlzeit­en haben in den let­zten zehn Jahren auf­grund psy­chis­ch­er Erkrankun­gen um 64 Prozent zugenom­men. Ich kann jedem Ver­ant­wortlichen nur rat­en, das ernst zu nehmen. 

Führungskräfte brauchen ein gutes Handw­erk­szeug für den Umgang mit kranken oder psy­chisch belasteten Mitar­beit­ern. Sie soll­ten mit Mitar­beit­ern über deren Gesund­heit im Gespräch sein, klar kom­mu­nizieren und eine Struk­tur durch Wochen­ziele und regelmäßige Meet­ings schaf­fen.

Noch viel wichtiger ist die Ansprache jedes Einzel­nen. Das geht über den reinen Mailkon­takt hin­aus. Nehmen Sie ruhig das Tele­fon in die Hand und fra­gen: „Wie geht es Dir? Wie kann ich helfen?“ Ich weiß, das ist oft eine Grad­wan­derung zwis­chen geboten­er Unter­stützung und emp­fun­den­er Kon­trolle. Gelingt es aber, prof­i­tieren Mitar­beit­er und Führungskraft gle­icher­maßen.

Mein Arbeitgeber tut sich schwer mit Coachings. Wie überzeuge ich ihn, in Unternehmensgesundheit zu investieren?

Mitar­beit­er reg­istri­eren sehr wohl, ob der Arbeit­ge­ber sie unter­stützt. Ich erlebe, dass die Wertschätzung von Mitar­beit­ern in einem direk­ten Zusam­men­hang mit dem Erfolg des Unternehmens ste­ht.

Eine aktuelle Studie von Roland Berg­er zeigt, dass sich Investi­tio­nen in Mitar­beit­erge­sund­heit abso­lut ren­tieren: durch Gesund­heits­maß­nah­men stieg der Umsatz unter­suchter Unternehmen pro Mitar­beit­er um elf Prozent, der Unternehmenswert sog­ar um fast 80 Prozent. Arbeit­ge­ber müssen diesen direk­ten Zusam­men­hang ver­ste­hen. Denn Mitar­beit­erge­sund­heit ist keine human­itäre Maß­nahme, die sich nur gut situ­ierte Unternehmen leis­ten soll­ten. 

In welchen Situationen stärken Sie Führungskräfte? 

Die dringlich­sten Beratun­gen gibt es in Kon­flik­t­si­t­u­a­tio­nen. Die Führungskraft wün­scht sich dann einen Spar­ringspart­ner. Jeman­den, der die gewählte Marschrich­tung bestärkt, konkretisiert oder einen anderen Weg aufzeigt. Dazu zählt auch: Wie gehe ich lösung­sori­en­tiert in die Sit­u­a­tion hinein? Und wie komme ich mit guten Ergeb­nis­sen wieder her­aus?

Wir begleit­en auch Men­schen, die zum ersten Mal führen. Und beant­worten gemein­sam Fra­gen, die sich nun stellen: Wie will ich führen? Welche Kom­pe­ten­zen brauche ich? Ein klas­sis­ches Beispiel ist die Beförderung aus den eige­nen Rei­hen. Aus dem besten Kumpel am Arbeit­splatz muss eine wertschätzende Führungskraft wer­den.

Nicht zulet­zt begleit­en unsere Berater Fusio­nen unter­schiedlich­er Teams. Wenn ver­schiedene Arbeit­sprozesse oder gegen­sät­zliche Kul­turen aufeinan­dertr­e­f­fen, gilt es, einen gemein­samen Nen­ner zu find­en.

Was sind zudem die häufigsten Probleme der Mitarbeiter?

Da gibt es arbeit­splatzbe­zo­gene wie famil­iäre The­men, psy­chol­o­gis­che und phys­i­ol­o­gis­che Prob­leme bis hin zur Sucht­prob­lematik. Derzeit beobacht­en wir durch die Home­of­fice-Sit­u­a­tion ver­stärkt Niedergeschla­gen­heit, Äng­ste und Depres­sio­nen. Eben­so wie einen immer höheren Anteil an Sucht­mit­telmiss­brauch. Oder Kon­flik­te in Part­ner­schaften. Ist die Part­ner­schaft schon vorher belastet und steckt man dann die Eltern mit zwei kleinen Kindern ins Home­of­fice, knallt es. 

Wo sollte ich als Mitarbeiter eine Grenze zwischen privat und beruflich ziehen? 

Es ist wenig sin­nvoll, kün­stlich Gren­zen zu ziehen. Ein Mitar­beit­er sollte vol­lum­fänglich, das heißt mit beru­flichen wie pri­vat­en Belan­gen, berat­en wer­den. Oft­mals bedin­gen sich näm­lich ein arbeits­be­zo­genes und ein per­sön­lich­es Prob­lem gegen­seit­ig.

Beispiel: Die Menge der Arbeit­sauf­gaben ist erdrück­end und gle­ichzeit­ig macht die Ehe­frau Druck, dass der Mann einen Teil der Kinder­be­treu­ung übern­immt, damit sie eben­falls arbeit­en kann. Sie sehen, es gibt nicht den pri­vat­en Men­schen und den Arbeits­men­schen. 

Als Finanzmagazin für Frauen interessiert uns natürlich auch, ob weibliche Führung – Ihrer Erfahrung nach – anders funktioniert? 

Wo Geschlechter­rollen zunehmend ver­wis­chen, müsste die Frage vielle­icht zeit­gemäßer laut­en: Was ist gute und was schlechte Führung? Ich erlebe Män­ner, die bedi­enen sich weib­lich­er Führungsstile und umgekehrt. 

Es heißt, Män­ner pri­or­isierten Finanzen und Frauen legten Wert auf Kun­den- und Mitar­beit­erzufrieden­heit. Damit kann ich mich als Frau und Führungskraft nicht mehr iden­ti­fizieren. Meine Zahlen habe ich eben­so gut im Blick wie jed­er männliche Kol­lege. Und küm­mere mich trotz­dem um Kun­den und Mitar­beit­er.

Wo ich mir nach wie vor Unter­schiede vorstellen kön­nte, ist in der Mitar­beit­er­mo­ti­va­tion: männliche Führungskräfte belohnen ver­mut­lich eher durch Bonus und Dienst­wa­gen, weib­liche Führungskräfte bieten Entwick­lungschan­cen und unter­stützen die Vere­in­barkeit von Fam­i­lie und Beruf.

Welche Rolle spielen – eher weiblich orientierte Begriffe – wie Achtsamkeit und Besinnung? 

In der Ver­gan­gen­heit zogen bei­de Begriffe sicher­lich weib­lich­es Pub­likum an. Acht­samkeit­skurse oder eso­ter­ische Webina­re mit „Ommm“ und Yog­i­tee wur­den meist von Frauen belegt. Das hat sich mod­ernisiert. Unsere Gesellschaft nimmt solche Work­shops zunehmend als Gesund­heits­maß­nahme war: Mit Med­i­ta­tion oder acht­samkeits­basiert­er Stressre­duk­tion (MBSR) baut man ein gesun­des Mind­set auf.

Zu den Work­shops kom­men zunehmend junge männliche Klien­ten. Auch bei unser­er Ver­anstal­tung mit dem Hirn­forsch­er Pro­fes­sor Ger­ald Hüther, Mit­glied des Beirates des Fürsten­berg Insti­tuts, in der Berlin­er Kaiser-Friedrich-Gedächt­niskirche geht es um Acht­samkeit. Und wir erwarten defin­i­tiv auch männlich­es Pub­likum.

Für den Anfang freuen sich unsere Leserinnen über drei konkrete Tipps, auch wenn sie keine Karten für die Veranstaltung gewinnen …

Erstens, machen Sie 15 Minuten vor dem Feier­abend, Feier­abend. Was heißt das? Nehmen Sie sich Zeit zu fra­gen: Was habe ich heute alles geschafft? Nicht, was wartet mor­gen auf mich.

Ein zweit­er Tipp: ein­mal wöchentlich acht­sam zu essen und spazieren zu gehen. Es klingt banal, aber wenn man sich über­legt, wann man zulet­zt mit Genuss gegessen hat, erken­nt man, was alles hin­ten run­ter­fällt. Gle­ich­es gilt für Spaziergänge: ein­mal Gerüche, Geräusche und die Tem­per­atur bewusst wahrnehmen. Ohne über das näch­ste Pro­jekt oder den Einkauf­szettel nachzu­denken. 

Drit­tens: Leg­en Sie ein­mal wöchentlich eine Deep­work-Phase ein. Klingt gut, oder? Das heißt, 90 Minuten ganz konzen­tri­ert und ohne Ablenkung an einem The­ma arbeit­en. Aber, das The­ma muss einen anlächeln. Also nicht unbe­d­ingt die Steuer­erk­lärung. Ist man nach 90 Minuten am Ziel, löst das Glücks­ge­füh­le aus, die bleiben und uns stärken. 

Noch mehr Infos für dich

“Man muss immer vorwärtsgehen.”

Ver­sace war lange eine der weni­gen ital­ienis­chen Luxu­s­marken, die sich mehrheitlich in Fam­i­lienbe­sitz befand. 2018 verkaufte Donatel­la Ver­sace das leg­endäre Label an eine Hold­ing. “Ich habe nicht verkauft, um Geld zu machen und es auf die Bank zu brin­gen. Ich habe verkauft, um der Marke Ver­sace Zugang zu Investi­tio­nen zu ermöglichen, die es ihr erlauben, zu wach­sen. Ich fürchte, Fam­i­lienun­ternehmen wer­den ohne­hin mehr und mehr ver­schwinden.”

Ziehen Sie Ihren Erfolg bereits an?

Die Wahl des Out­fits kann Kopfzer­brechen bere­it­en. Ins­beson­dere dann, wenn es um die Klei­dung im beru­flichen Umfeld geht. Was geht und was sind No-Gos? Was wirkt zwar ser­iös, aber nicht spießig? Vor allem kommt es auf Ihre Per­sön­lichkeit, Ihren Beruf und Ihre Inten­tion an, wie Sie wahrgenom­men wer­den möcht­en. Denn wie heißt es so schön: „Klei­den Sie sich für den Job, den Sie wollen, nicht den Sie haben.“

„In der Politik hat vieles mit ungesunden Machtspielen zu tun“

Im Mor­gen­grauen geht sie im Berlin­er Umland angeln. Tagsüber mis­cht Diana Kin­nert (29, CDU) als junge, les­bis­che Frau mit Migra­tionsh­in­ter­grund und Jesus-Tatoo auf dem Unter­arm ihre Partei und das poli­tis­che Berlin auf. Sie ste­ht für einen mod­er­nen Kon­ser­vatismus, fordert mehr Diver­sität in der Poli­tik, sieht Ver­let­zlichkeit als Stärke und ist froh, wenn sie auch mal Tage ohne das poli­tis­che Schaus­piel erlebt.

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