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Acht Karriere-Tipps von Ex-Managerin

2019-11-13T16:05:04+01:008. Oktober 2019|

Wieb­ke Köh­ler war Stra­te­gie­be­ra­te­rin bei McK­in­sey, Mana­ge­rin bei Swiss und Per­so­nal­vor­stän­din bei Axa. Jetzt hat sie ein Buch geschrie­ben – über Macht­spie­le und skru­pel­lo­se Unter­neh­mens­kul­tu­ren. In Cou­ra­ge gibt sie acht Kar­rie­re-Tipps und erklärt, wie Frau­en in der Chef­eta­ge über­le­ben.

Von Danie­la Mey­er

In deut­schen Unter­neh­men ist der Anteil von Frau­en in Spit­zen­po­si­tio­nen noch immer ver­schwin­dend gering. In den Vor­stands­eta­gen der 160 deut­schen Bör­sen­un­ter­neh­men sit­zen gera­de ein­mal 8,8 Pro­zent Frau­en. Wieb­ke Köh­ler war eine von ihnen. Ihren Pos­ten als Per­so­nal­vor­stän­din des Ver­si­che­rungs­kon­zerns Axa ver­ließ sie aller­dings bereits nach weni­ger als einem Jahr wie­der. War­um, ver­rät sie nicht. Aber sie schrieb ein Buch. „Schach der Dame! Was Frau (und Mann) über Macht­spie­le im Manage­ment wis­sen soll­te“, heißt es.

Dar­in eine Samm­lung von Geschich­ten – eine unfass­ba­rer als die nächs­te. Das Erschre­cken­de dar­an: Alle sind wahr, alle wur­den von Mana­ge­rin­nen erlebt und von Wieb­ke Köh­ler zusam­men­ge­tra­gen. So beschreibt eine Füh­rungs­kraft, wie sie für die Wahl ihres Fir­men­wa­gens – sie ent­schied sich für einen Smart anstatt für eine dicke Limou­si­ne – in Mee­tings ange­gan­gen, von Kol­le­gen gemobbt und teils übelst belei­digt wur­de. Eine ande­re berich­tet, dass man ihr kün­dig­te, weil sie ein bun­tes Kleid bei der Arbeit trug. In einem wei­te­ren Bei­spiel wird der Top­ma­na­ge­rin ihr schi­cker Desi­gner­man­tel zum Ver­häng­nis.

Wiebke Köhler hat gelernt, in den Chefetagen zu bestehen

Im ers­ten Teil des Buchs erzählt die Autorin in zahl­rei­chen Fall­bei­spie­len von Füh­rungs­frau­en, die hin­ter­gan­gen, belo­gen und gefeu­ert wur­den – und das, obwohl vie­le von ihnen nach­weis­bar einen super Job gemacht hat­ten. Sie alle fie­len Macht­spie­len, Intri­gen und ver­al­te­ten, männ­lich gepräg­ten Unter­neh­mens­kul­tu­ren zum Opfer. In Köh­lers Geschich­ten haben Mit­ar­bei­te­rin­nen (und teils auch Mit­ar­bei­ter) Angst, zur Arbeit zu gehen, stän­dig Sor­ge, einen Feh­ler zu machen. Es gewinnt, wer disst und sich mit frem­den Federn schmückt. Wer zu ver­trau­ens­se­lig, zu freund­lich oder gar loy­al ist, gerät schnell unter die Räder.

Die Autorin hat für die teils haar­sträu­ben­den Vor­fäl­le eine ein­fach Erklä­rung: „Die meis­ten Frau­en haben nie gelernt, in der Chef­eta­ge zu bestehen.“ Köh­ler selbst hat 23 Jah­re Berufs­er­fah­rung – unter ande­rem als Stra­te­gie­be­ra­te­rin für McK­in­sey und Roland Ber­ger sowie als Mana­ge­rin für Swiss. Sie weiß, wovon sie spricht. „Oft sind Frau­en an sach­li­chen und für alle Sei­ten fai­ren Lösun­gen inter­es­siert und mer­ken nicht, dass die ande­ren im Raum die sach­li­che Ebe­ne schon lan­ge ver­las­sen haben“, weiß sie aus Erfah­rung. So gerie­ten sie immer wie­der unvor­be­rei­tet und unbe­wusst in Macht­spie­le hin­ein.

Acht Karriere-Tipps von Wiebke Köhler

Vor allem mit dem zwei­ten Teil ihres Buchs will Köh­ler Frau­en hel­fen und sie mit dem Rüst­zeug aus­stat­ten, das sie in der Füh­rungs­eta­ge brau­chen. Hier gibt sie kon­kre­te Tipps und zeigt – wie­der an anschau­li­chen Bei­spie­len –, wor­auf Frau im Job vor­be­rei­tet sein muss, wie sie sich vor Intri­gen schützt und was sie tun kann, um Macht­spie­le zu gewin­nen oder ihnen aus dem Weg zu gehen.

Wieb­ke Köh­ler: „Schach der Dame! Was Frau (und Mann) über Macht­spie­le im Manage­ment wis­sen soll­te“, 19,80 Euro

Ihr wollt wis­sen, wie ihr die Kar­rie­re­lei­ter sicher erklim­men und euch an der Spit­ze hal­ten könnt? Für Cou­ra­ge ver­rät Wieb­ke Köh­ler ihre wich­tigs­ten Tipps und Tricks:

Karriere-Tipp 1: Fachlich kompetent, aber kein „fleißiges Lieschen“ sein

Die Basis zu Beginn Ihrer Kar­rie­re sind Leis­tung und fach­li­che Kom­pe­tenz. Das ist die Grund­vor­aus­set­zung, um wei­ter­zu­kom­men. Eig­nen Sie sich Fach­wis­sen an und machen Sie den eige­nen Job mög­lichst bes­ser als alle ande­ren. Auch Fleiß ist hilf­reich. Ach­ten Sie aber dar­auf, dass Sie es nicht über­trei­ben und plötz­lich als das „flei­ßi­ge Lies­chen“ gel­ten, das alle mög­li­chen Auf­ga­ben auch für die Kol­le­gen erle­digt.

Karriere-Tipp 2: Finden Sie Verbündete und Unterstützer

Je höher Sie auf der Kar­rie­re­lei­ter nach oben stei­gen, umso mehr wird Ihr fach­li­ches Kön­nen von Ihrer Füh­rungs­kom­pe­tenz abge­löst. Es ist für Sie jetzt viel wich­ti­ger, ein Team füh­ren und den Kun­den ver­ste­hen zu kön­nen, als beson­ders flei­ßig zu sein. Bereits auf einer mitt­le­ren Füh­rungs­ebe­ne soll­ten Sie sich über­le­gen, wie Ihre stra­te­gi­sche Ori­en­tie­rung aus­sieht. Begin­nen Sie, in Ihrem Unter­neh­men auch außer­halb Ihres Ein­fluss­be­reichs Ver­bün­de­te zu fin­den. Die­se müs­sen Sie für Ihre Ideen gewin­nen und zu Unter­stüt­zern machen.

Karriere-Tipp 3: Seien Sie raffiniert, aber nicht intrigant

Ganz nach oben an die Spit­ze kom­men Sie nur, wenn es Ihnen gelingt, einen Sen­sor für poli­ti­sche Spiel­chen zu ent­wi­ckeln. Sie müs­sen ler­nen, zwi­schen den Zei­len zu lesen und eine gewis­se poli­ti­sche Raf­fi­nes­se an den Tag legen. Ich mei­ne nicht, dass Sie bös­ar­tig oder intri­gant sein sol­len. Es geht eher dar­um schlau zu tak­tie­ren und genau abzu­wä­gen, wel­che Schlacht Sie wann schla­gen wol­len. Ver­bren­nen Sie Ihre eige­ne Ener­gie nicht, wenn von vorn­her­ein klar ist, dass Sie nicht gewin­nen kön­nen oder dass Ihnen selbst ein Sieg nichts brin­gen wird und Sie sich dadurch statt­des­sen viel­leicht einen mäch­ti­gen Feind ein­han­deln.

Karriere-Tipp 4: Produzieren Sie Leuchtturmprojekte – und zwar schnell

Sind Sie an der Spit­ze ange­kom­men, ist es wich­tig, sehr schnell Erfol­ge vor­wei­sen zu kön­nen. Ich nen­ne das Leucht­turm­pro­jek­te, die für alle im Unter­neh­men sicht­bar sind. Egal ob Klei­nig­kei­ten oder gro­ße Durch­brü­che, Haupt­sa­che Sie kön­nen schon kurz nach Antritt Ihrer Posi­ti­on Erfolgs­nach­rich­ten ver­mel­den.

Karriere-Tipp 5: Bauen Sie sich eine Hausmacht auf

Für Ihr lang­fris­ti­ges Über­le­ben an der Spit­ze ist es enorm wich­tig, dass Sie sich eine Haus­macht schaf­fen. Sie müs­sen sich so schnell wie mög­lich jen­seits Ihrer direk­ten Repor­ting-Linie, also auch zur Rech­ten und Lin­ken, über und unter Ihrem direk­ten Vor­ge­setz­ten, Ver­bün­de­te suchen und die­se an sich bin­den. Ler­nen Sie zu erken­nen, wer an wel­cher Stel­le wich­tig für Sie ist und über­le­gen Sie genau, wie Sie die­se Per­son dazu bekom­men, Sie zu unter­stüt­zen. Es ist nicht ent­schei­dend, dass Sie von allen gemocht wer­den. Aber sor­gen Sie dafür, dass man Sie respek­tiert.

Karriere-Tipp 6: Vertrauen ist gut, aber…

In Ihrem all­täg­li­chen Umfeld trau­en Sie auch nicht jedem, oder? Den­noch sind vie­le (Führungs-)Frauen oft über­rascht und ent­täuscht, wenn sie von einem Kol­le­gen oder gar einer Kol­le­gin hin­ter­gan­gen wer­den, obwohl sie selbst stets mit offe­nem Visier unter­wegs sind. Sei­en Sie das auch ruhig wei­ter­hin. Spie­len Sie mit offe­nen Kar­ten – aber nur, wenn Sie genau wis­sen, wer mit am Tisch sitzt. Ein gesun­des Miss­trau­en kann Sie in der Chef­eta­ge vor Intri­gan­ten schüt­zen.

Karriere-Tipp 7: Sie müssen immer wissen, was gerade gespielt wird

Mei­ner Erfah­rung nach, ver­ste­hen beson­ders Frau­en die Spiel­re­geln in der Füh­rungs­eta­ge häu­fig nicht. Wäh­rend Sie also den­ken, Sie sind Teil einer Schach­run­de, wird in Wirk­lich­keit gera­de Skat gespielt. Des­halb ist es ent­schei­dend, dass Sie ein situa­ti­ves Ver­hal­tens­re­per­toire erler­nen. Sie brau­chen einen Radar, der Ihnen immer sagt, wen Sie da gera­de vor sich haben. Nur so erken­nen Sie, ob ein Mit­ar­bei­ter an einer inhalt­li­chen Lösung inter­es­siert ist oder ob Sie einen Falsch­spie­ler vor sich haben. Stol­pern Sie nie unvor­be­rei­tet oder gar unbe­wusst in ein Macht­spiel hin­ein.

Karriere-Tipp 8: Trennen Sie Job und Privatleben

Vor allem, wenn Sie im Top­ma­nage­ment arbei­ten und oft mit poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen und Macht­spie­len kon­fron­tiert sind, hilft es, eine gewis­se Art von Distanz zum eige­nen Job zu ent­wi­ckeln. Sie soll­ten unbe­dingt das per­sön­li­che vom beruf­li­chen Ich ein Stück weit abkop­peln.

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7 Tipps zur Selbstführung im Homeoffice

Mil­lio­nen von Deut­schen arbei­ten aktu­ell im Home­of­fice – für vie­le sehr unge­wohnt: Es feh­len gere­gel­te Tages­ab­läu­fe, Kol­le­gen, Vor­ge­setz­te und oft auch ein­fach die Dis­zi­plin, zu Hau­se genau­so pro­duk­tiv zu arbei­ten wie im Büro. Eine gute Orga­ni­sa­ti­on, aber vor allem die Fähig­keit zur Selbst­füh­rung sind dar­um um so wich­ti­ger, hier einen guten Job zu machen.

Personal Branding — Was verbirgt sich dahinter?

Mit etwas Geduld, einer lang­fris­ti­gen Stra­te­gie und den eige­nen Stär­ken kann Per­so­nal Bran­ding zu neu­en Auf­trä­gen, Pro­jek­ten oder Posi­tio­nen ver­hel­fen. Das Ziel ist es, sich in den Köp­fen der Men­schen für sein The­ma und sei­ne Fähig­keit zu ver­an­kern — ohne sich dabei auf­dring­lich zu ver­kau­fen. Ver­kau­fen lässt sich in die­sem Fall das eige­ne Image, die Leis­tun­gen und die Exper­ti­se, die sich im opti­ma­len Fall ganz orga­nisch ver­brei­ten.

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