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Pariser Modewoche — Tragbare Träume

2020-03-16T13:42:15+02:0015. März 2020|

Die Mode ist wieder ern­sthafter gewor­den. Viele Vorschläge auf den Paris­er Prêt-à-porter-Schauen für den Herbst/Winter 2020/2021 feiern mit entspan­nten Sil­hou­et­ten die Schön­heit. Der „Ugly Chic“ von gehypten Labels wie Vete­ments hat seinen Zen­it über­schrit­ten. Es geht mehr um Fash­ion, die man tat­säch­lich tra­gen kann, als um optis­che Sen­sa­tio­nen für Insta­gram.

Von Joachim Schirrma­ch­er

Entspannung statt Sensationen

War „trag­bar“ einst ein ver­nich­t­en­des Urteil, gilt es in ein­er zunehmend irrer erscheinen­den Welt als zeit­gemäß. Man sucht Entspan­nung statt Sen­sa­tio­nen.
Am deut­lich­sten wurde es am let­zten Tag der Paris­er Mod­e­woche bei Chanel.

Karl Lager­feld insze­nierte noch aufwendi­ge Fan­tasiewel­ten mit Eis­ber­gen, Super­märk­ten oder ein­er Raketen­sta­tion. Sein­er Nach­fol­gerin Vir­ginie Viard reichte ein schlichter, ver­spiegel­ter Lauf­steg im Grand Palais, um ihre schwarz-weiße Mode zu zeigen.

Unangestrengter Pariser Chic

Auch bei Dior set­zt Kreativdi­rek­torin Maria Grazia Chi­uri auf bestes Handw­erk, exzel­lente Pass­for­men und ital­ienis­che Stoffe und zeigte per­fek­te Klei­der und Blaz­er, leg­ere Field­jack­ets aus Tuch, sportive Hosen und immer wieder Capes mit Karos und Fransen.

Looks, die – natür­lich vere­in­facht – auch in der Metro zu sehen waren. Vor allem der kari­erte Man­tel, ein Klas­sik­er des Paris­er Chics, wird dort vielfach getra­gen. Ger­ade auf der Lin­ie 1 find­et sich oft die feine Bal­ance zwis­chen der kleinen Anstren­gung, sich ein klein wenig schick zu machen, und es dann so zu tra­gen, als ob es einem ein biss­chen egal ist. Zum dezen­ten schwarzen Out­fit ein kräftiger korn­blu­men­blauer Schal und feine Hand­schuhe, zum Lamm­fell­man­tel ein per­fekt abges­timmter Schal, eine Woll­hose mit Nadel­streifen statt ein­er schwarzen Jeans. Auch möglich: Das rote Velourled­er der Hand­tasche find­et sich ganz leicht im Karo des Man­tels wieder.

Elegante Lässigkeit

Haider Ack­er­mann blieb sein­er Lin­ie ein­er entspan­nten und ele­gan­ten Sil­hou­ette aus fließen­den Stof­fen treu. Er ist ein­er der begabtesten Design­er, der nicht für ein großes Mod­e­haus arbeit­et.

Das Schweiz­er Cou­ture-Haus Akris zeigte mit Hose­nanzü­gen und Klei­dern aus Woll-Bouclé-Tweed, Samt oder Kaschmir ele­gante Läs­sigkeit auf höch­stem Niveau, sodass Frauen sich in den Klei­dern wohlfühlen und ihre eigene Per­sön­lichkeit ausleben kön­nen. Albert Kriem­ler ließ sich dazu vom avant­gardis­tis­chen Architek­ten Robert Mal­let-Stevens und Wegge­fährten wie Sonia und Robert Delau­nay inspiri­eren. Die Schau fand passend dazu im Musée d’Art Mod­erne vor deren Werken statt.

Diverse Frauenbilder

Es gab in Paris natür­lich unendlich viel mehr zu sehen. Auf den Schauen wichtiger Marken wie Saint Lau­rent, Dries Van Noten, Bal­main oder Vivi­enne West­wood wur­den die unter­schiedlich­sten Frauen­bilder präsen­tiert, mal düster-roman­tisch, mal tough, mal exaltiert. So gab es kaum einen roten Faden, keine verbindlichen Trends mehr, nur merk­würdi­ge Par­al­le­len.

So hat sich der Amerikan­er Vir­gil Abloh, Chefde­sign­er für Menswear bei Louis Vuit­ton, in seinem Label Off-White von der Streetwear ver­ab­schiedet, für die er vor ein paar Jahren berühmt wurde. Nun zeigte er Klei­der, die an die Cou­ture der altge­di­en­ten spanis­chen Designer­in Isabel San­chis erin­nerten, die sie in der Spanis­chen Botschaft präsen­tierte.

Neben den großen Namen führten auch zahlre­iche junge Design­er ihre Mode vor, inzwis­chen oft aus Rus­s­land oder Asien wie der Design­er Kuni­hiko Mori­na­ga, der mit seinem Label Anre­alage zur neuen japanis­chen Welle zählt.

Weniger, aber besser

Ob bei Dior, Haider Ack­er­mann, Akris oder einem der anderen Mod­e­häuser: Nur wenige kön­nen sich diese traumhaften Klei­der leis­ten. Zumin­d­est inspiri­eren sie dazu, weniger, aber bess­er zu kon­sum­ieren. Und die Paris­er auf den Straßen und in der Metro spornen an, sich selb­st ein klein wenig schick zu machen.

Joachim Schirrma­ch­er ist Cre­ative Con­sul­tant und Autor in Berlin. Er ver­ant­wortet als Direk­tor der Stiftung der Deutschen Bek­lei­dungsin­dus­trie den Nach­wuch­spreis „Euro­pean Fash­ion Award FASH“.

DIOR

DIOR_READY TO WEAR_AUTUMN-WINTER_2020_GROUP SHOT Bild­nach­weis: © Lau­ra MARIE CIEPLIK FOR DIOR

Dior zeigte viel Schwarz, Karo- und Tupfen­muster mit Kopftüch­ern, Stirn­bän­dern und Bal­lon­mützen sowie knieho­hen Strümpfen im Stil der 1970er-Jahre gestylt. Die 85 Out­fits boten fast alles für die Garder­oben von Frauen in aller Welt.

Das Luxu­s­la­bel präsen­tierte die Kollek­tion in der fem­i­nis­tis­chen Instal­la­tion „News­floor“ des Kün­stlerkollek­tivs Claire Fontaine.

DIOR_READY TO WEAR_AUTUMN-WINTER_2020_SCENOGRAPHY_©ADRIEN DIRAND5.JPG

Im Jardin des Tui­leries baute Dior extra einen Pavil­lon, groß wie eine Bahn­hof­shalle, auf. Hun­derte Schaulustige und Fotografen macht­en die Show zum gesellschaftlichen Ereig­nis.

carla_bruni_dior.jpg Bild­nach­weis: © Pas­cal Le Segretain/Getty Images for Dior

Car­la Bruni trug ein Dior-Kleid aus Wolle und Sei­de, eine Sad­dle Bag von Dior und Dior-Schuhe

Akris

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 Bild­nach­weis: © Joachim Schirrma­ch­er

Das Schweiz­er Cou­ture-Haus Akris über­set­zte die kubis­tis­chen und grafis­chen Ele­mente des Architek­ten Robert Mal­let-Stevens in Drucke, App­lika­tio­nen und St. Galler Stick­erei. Die herb­stlichen Far­ben sind bee­in­flusst von den wand­fül­len­den Ölgemälden von Sonia und Robert Delau­nay, vor denen das Defilee im Musée d’Art Mod­erne stat­tfand.

Haider Ackermann

Haider Ackermann_GAS0154 Bild­nach­weis: © Haider Ack­er­mann

Fast alle Looks von Haider Ack­er­mann waren mono­chrom in weiß, beige, grau oder schwarz. Er blieb sein­er Lin­ie ein­er entspan­nten und ele­gan­ten Sil­hou­ette aus fließen­den Stof­fen treu. Back­stage stahl ihm der Schaus­piel­er Tim­o­th­ée Cha­la­met die Show. Er trägt wie Til­da Swin­ton bevorzugt Ack­er­mann.

Hermès

RUNWAY_01_HERMES_PAPFAH20@FilippoFior.jpg Bild­nach­weis: © Fil­ip­po Fior ©

Das Luxu­shaus Her­mès feierte mit seinen Pro­duk­ten die Handw­erk­skun­st. Die Kollek­tion aus dem Paris­er Mod­e­haus ist eine Art Formel 1 der Mode, an der man sehen kann, welche Per­fek­tion möglich ist. Mit einem Umsatz von 6,88 Mil­liar­den Euro wurde 2019 ein Gewinn von 2,34 Mil­liar­den Euro erzielt.

LVMH Prize

lvmh_prize_schirrmacher.jpg Bild­nach­weis:  © Joachim Schirrma­ch­er

Beim Nach­wuch­spreis LVMH-Prize stell­ten sich die 22 Final­is­ten, die unter den 1.700 Bewer­bern aus 110 Län­dern aus­gewählt wur­den, zwei Tage der Kri­tik. Die 68 Experten wählten Charaf Tajer mit seinem Label Casablan­ca unter die acht Final­is­ten. Der Gewin­ner, der am 5. Juni bekan­nt gegeben wird, erhält 300.000 Euro.

Anrealage

anrealage.jpg Bild­nach­weis: © Koji Hirano/Anrealage

Design­er Kuni­hiko Mori­na­ga zählt zur neuen japanis­chen Avant­garde. Für sein Label Anre­alage ent­warf er ein Sys­tem aus Mod­ulen, das von Holzspielzeug für Kinder inspiri­ert wurde.

Vanessa Bruno

vanessa_bruno_schirrmacher.jpg Bild­nach­weis: 
© Joachim Schirrma­ch­er

Nur wenige Jour­nal­is­ten und Einkäufer sehen alle Schauen. Ein wesentlich­er Teil der Mod­e­woche ist der Besuch der Show­rooms der Marken, etwa den von Vanes­sa Bruno, die einen Casu­al Look für viele Gele­gen­heit­en zeigte, ob chic, relaxed oder effort­less.

Dior Uhren

dior_uhren_schirrmacher.jpg Bild­nach­weis: © Joachim Schirrma­ch­er

Seine Schmuck- und Uhrenkollek­tion präsen­tierte Dior statt in Basel in diesem Jahr in Paris in einem exk­lu­siv­en Show­room.

paris_schirrmacher.jpg Bild­nach­weis: © Joachim Schirrma­ch­er

Neben den Schauen gab es unzäh­lige große, kleine und winzige Präsen­ta­tion, Show­rooms, Empfänge, Din­ner und Cock­tails. Man besuchte die Messen und Ausstel­lun­gen wie „Balen­ci­a­ga Sculp­tors of shape“ in der wun­der­schö­nen Galerie Azze­dine Alaïa (bis 28. Juni) oder traf Kol­le­gen etwa in der Brasserie Ter­mi­nus Nord mit ihrer Ein­rich­tung aus Art nou­veau und Art déco von 1925.

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