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Warum die Deutschen Gold so lieben

2021-01-13T15:31:31+01:008. Januar 2021|

Deutsch­land spielt im glob­alen Goldan­lage­markt eine wichtige Rolle. Mehr als ein Drit­tel aller aktiv­en Pri­vatan­leger und Pri­vatan­legerin­nen in Deutsch­land hält Gold im Port­fo­lio. Ein weit­eres Drit­tel gibt an, offen für eine Investi­tion zu sein. Das ergab eine Mark­tum­frage des World Gold Coun­cils unter Pri­vatan­legern und Pri­vatan­legerin­nen in Deutsch­land.

Wie sich die Wahrnehmung von Gold während der Coro­na-Pan­demie verän­dert hat, warum vor allem Frauen Gold kaufen und wie das World Gold Coun­cil den Kauf des Edel­met­alls trans­par­enter gestal­ten will, erk­lärt Louise Street, Mark­t­an­a­lystin beim World Gold Coun­cil, im Inter­view.

Von Astrid Zehbe

Sie haben im November 2020 rund 2000 deutsche Anlegerinnen und Anleger zum Thema Gold als Investment befragt. Was war für Sie die überraschendste Erkenntnis?

Wir haben die Leute unter anderem gefragt, wie sie investieren wür­den, wenn man ihnen einen hohen Geld­be­trag schenken würde. 64 Prozent haben geant­wortet, dass sie Gold kaufen wür­den. Das war die am häu­fig­sten genan­nte Anlageklasse – und das hat mich über­rascht.

Vielleicht, weil die Leute in der Corona-Pandemie risikoaverser geworden sind?

Es deutet einiges drauf hin. Wir haben auch ganz gezielt gefragt, ob Leute grund­sät­zlich vor haben in der Zukun­ft in Gold zu investieren. Die Anzahl der Men­schen, die das defin­i­tiv auss­chließen, hat sich von rund einem Vier­tel bei der let­zten Umfrage im ver­gan­genen Jahr auf 17 Prozent im Novem­ber ver­ringert.

Gold wird seinem Ruf als sicherer Hafen also immer noch gerecht?

Ja, das sehen wir ganz deut­lich, vor allem in Deutsch­land. 64 Prozent der Anlegerin­nen und Anleger sehen es als Möglichkeit, ihr Ver­mö­gen gegen Infla­tion und Währungss­chwankun­gen abzu­sich­ern. Fast die Hälfte von ihnen gibt an, dass sie in den ver­gan­genen zwölf Monat­en Gold gekauft haben, um das Risiko zu reduzieren.

Ist dieser Wunsch nach wie vor historisch bedingt? Die Angst vor Inflation sitzt den Deutschen – auch viele Jahrzehnte nach der Weltwirtschaftskrise mit seiner galoppierenden Inflation – noch im Nacken.

Ja, die Men­schen, die Gold besitzen, geben an, dass es ihnen ein sicheres Gefühl ver­mit­telt. Nach Bargeld und Kap­i­talver­sicherun­gen ist es die drit­tbe­liebteste Invest­men­tk­lasse. Gold hat einen fes­ten Platz in deutschen Port­fo­lios. Seine bre­ite Akzep­tanz als Instru­ment zum Ver­mö­genss­chutz und zur Absicherung gegen Infla­tion ist den deutschen Anlegern sehr bewusst.

Diese Bedeu­tung wurde in diesem Jahr beson­ders deut­lich. Das unsichere Umfeld im Zuge der Pan­demie und die extrem niedri­gen Zin­sen, die langfristig ein erhöht­es Infla­tion­srisiko bergen, haben zu ein­er Reko­rd­nach­frage der Deutschen nach Goldan­lage­pro­duk­ten geführt.

Die Bereitschaft zum Golderwerb ist vor allem bei den 18- bis 24-Jährigen groß. 38 Prozent von ihnen wollen künftig auf jeden Fall in Gold investieren – mehr als andere Altersgruppen. Warum?

Auch das ist his­torisch bed­ingt. Die Infla­tion­ser­fahrun­gen wur­den von Gen­er­a­tion zu Gen­er­a­tion weit­er­ge­tra­gen, sodass selb­st junge Men­schen Gold als bedeut­sames Invest­ment wahrnehmen, wenn es um Sicher­heit geht. Es ist qua­si mit­tler­weile Teil der Kul­tur in Deutsch­land.

Wir haben in unser­er Umfrage dazu auch eine offene Frage gestellt und gefragt, was die Gründe sind, in Gold zu investieren. Und aus den Antworten ging her­vor, dass viele Men­schen schon von klein auf Erin­nerun­gen an Gold haben und das Edel­met­all in ihren Fam­i­lien immer eine Rolle gespielt hat.

Außer­dem haben junge Leute natür­lich noch eine viel län­gere Invest­mentzukun­ft vor sich. Gold wird vor diesem Hin­ter­grund als wert­er­hal­tend geschätzt.

Im Vergleich zu anderen westlichen Ländern besitzen die Deutschen viel Gold. Im Vergleich zu Ländern wie Indien oder China ist es weniger. Warum?

Gold ist in diesen Län­dern kul­turell stark ver­ankert. Dort gilt es nicht nur als Wer­tauf­be­wahrungsmit­tel, son­dern ist auch in der Schmuckin­dus­trie von Bedeu­tung. Der physis­che Besitz ist in diesen Län­dern allerd­ings sehr wichtig. Münzen und Bar­ren spie­len eine viel größere Rolle als beispiel­sweise spezielle Finanzpro­duk­te wie ETCs.

Solche ETCs (Exchange Traded Commodities), also börsengehandelte Rohstoffe, sind Wertpapiere, die den Goldpreis nachbilden und rechtlich gesehen unbefristete Schuldverschreibungen darstellen. Wie stehen deutsche Anleger und Anlegerinnen dazu?

Auch Deutsche bevorzu­gen Bar­ren und Münzen, aber die Nach­frage nach ETCs steigt. Vor der Coro­na-Pan­demie lag der Anteil von ETCs bei Gold­in­vest­ments bei fünf Prozent, mit­tler­weile macht er zehn Prozent aus – das ist der größte Anstieg bei den ver­schiede­nen For­men, Gold anzule­gen.

Woran liegt das?

Finanzpro­duk­te sind noch nicht so stark ver­bre­it­et, weil vie­len gar nicht bekan­nt ist, dass man nicht zwin­gend physis­ches Gold besitzen muss, um darin zu investieren. Das kommt ger­ade erst.

Dass aus­gerech­net jet­zt in der Krise die Beliebtheit gestiegen ist, dürfte ein­er­seits auf speku­la­ti­vere Anleger und Anlegerin­nen zurück­zuführen sein, die ein­fach nur von steigen­den Preisen prof­i­tieren woll­ten, und für die es dann die preiswerteste Art ist, in Gold zu investieren.

Viele andere haben auch deswe­gen Gold in Form von ETCs gekauft, weil Bar­ren und Münzen auf­grund der hohen Nach­frage eine Zeit lang schwieriger zu bekom­men waren.

Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in Sachen Goldinvestments?

Frauen sind ein­er zukün­fti­gen Goldan­lage etwas aufgeschlossen­er (38 Prozent) als Män­ner (34 Prozent). Das liegt vor allem daran, dass sie risikoa­vers­er anle­gen, weil sie es auf­grund ihrer Erwerb­s­bi­ografien ein­fach auch müssen. Sie denken langfristiger und ihnen ist Sicher­heit sehr wichtig, sodass sie eher Gold kaufen als Män­ner.

Interessant ist auch, dass die Menschen, die Sie in Ihrer Studie als besonders risikofreudig einstufen, vergleichsweise viel Gold im Depot haben. Woran liegt das?

Das ist tat­säch­lich sehr inter­es­sant. Wir führen es darauf zurück, dass diese Anleger und Anlegerin­nen sehr erfahren in Sachen Investieren sind. Sie trauen sich, auf schwankungsan­fäl­lige Anlageklassen wie Einze­lak­tien und Kryp­towährun­gen zu set­zen, sich­ern es aber mit Gold ab. Sie nutzen es also zur Diver­si­fika­tion ihres Port­fo­lios.

Goldinvestments haben auch ihre Schattenseiten. Der ganze Abbauprozess ist oft wenig nachhaltig. Die Länder, in denen das Edelmetall produziert wird, sind nicht immer sehr vertrauenserweckend, und insgesamt ist der ganze Goldhandel für viele intransparent. Wenn ich Gold kaufen möchte mit gutem Gewissen: Wie geht das?

Wir arbeit­en seit vie­len Jahren daran, den Gold­han­del zu verbessern und Stan­dards zu set­zen, die einen trans­par­enten Han­del ermöglichen.

In Zusam­me­nar­beit mit unseren Mit­gliedern, den weltweit führen­den Gold­mi­ne­nun­ternehmen, sowie mit wichti­gen Inter­es­sen­grup­pen der Branche haben wir die Grund­sätze fest­gelegt, die unser­er Ansicht nach die wichtig­sten Umwelt‑, Sozial- und Gov­er­nance-Prob­leme des Gold­mi­nensek­tors betr­e­f­fen.

Außer­dem haben wir Anleitun­gen für Inve­storen, worauf sie beim Gold­han­del acht­en soll­ten, damit sie guten Gewis­sens investieren kön­nen.

Zum Beispiel?

Ein ver­trauenswürdi­ger Händler ist das A und O. Hier gibt es in Deutsch­land glück­licher­weise einige!

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