Startseite/Kasse machen mit Second Hand

Kasse machen mit Second Hand

2021-01-08T12:11:52+01:0027. Dezember 2020|

Jet­zt wird aus­gemis­tet! Der Vor­satz ist ein Klas­sik­er zum Jahreswech­sel. Wer Gebraucht­es verkauft, schafft Platz, füllt den Geld­beu­tel und han­delt nach­haltig. Gute Gründe sprechen für Sec­ond­hand. Hier die Top-Tipps für gelun­gene Deals.

Von Michaela Stem­per

Mit müf­fel­nden, vollgestopften Läden hat mod­ernes Sec­ond­hand heute nichts mehr gemein. Von schick­en Bou­tiquen bis hin zu Online­plat­tfor­men bieten sich viele Mark­t­plätze. Der Inter­nethandel von Klei­dung, Möbeln und vielem mehr für Selb­stverkäufer boomt.

EBAY

Der Klas­sik­er unter den Online­plat­tfor­men ist nach wie vor Ebay mit weltweit 183 Mil­lio­nen aktiv­en Nutzern. Hier verkaufen sowohl Pri­vate als auch Gewer­be­treibende. Dabei wer­den kosten­lose Kleinanzeigen dem nervi­gen Bieter­mod­ell vorge­zo­gen. 

Jes­si­ca* kauft und verkauft seit 2012 über Ebay Kleinanzeigen. Rund 200 Stücke hat sie bis­lang an den Mann gebracht: von Tier­sock­en für einen Euro bis hin zu indis­chen Stof­f­gar­nen für 250 Euro. Ihre Spezial­ität ist das Reselling von Möbeln. „Stan­dard­mö­bel, wie der IKEA PAX, sind gefragt“, erk­lärt der Ebay-Profi. „Auch Design­er­stücke laufen gut.“

Tipps für ein unwiderstehliches Angebot

Bilder sind ele­men­tar, auch wenn Handy­fo­tos reichen. „Die Bilder zeigen dein Zuhause, also am besten aufräu­men“, sagt Jes­si­ca mit einem Augen­zwinkern.

Vin­tage-Möbel deko­riere sie mit passenden Acces­soires. Sie rät, sich Inspi­ra­tion in Kat­a­lo­gen zu suchen und sich Zeit für die Beschrei­bung zu nehmen. Diese sollte ein­deutig sein, in Farbe und Details. Aus Erfahrung weiß sie: „Sauberes Einpfle­gen erspart zusät­zliche Anfra­gen. Meine Antworten sind höflich, aber kurz. Son­st hat man mehr Aufwand als Ertrag.“

Der Preis ist heiß

„Es lohnt sich, Rech­nun­gen aufzuheben“, emp­fiehlt Jes­si­ca, „Etwa 50 Prozent vom Neupreis kann man anset­zen. Sind Pro­duk­te jünger als ein Jahr, auch 70 Prozent.“ Die Betrieb­swirtschaft­lerin kalkuliert genau: „Für meine Verkäufe rechne ich eine Gewin­n­marge ein. Schließlich kostet das Ein­stellen, Mails schreiben oder Käufer koor­dinieren auch Zeit.“

Top-Ebay-Strategie

Wann stellt man wie in Ebay ein? Jes­si­cas erfol­gre­iche Tak­tik: Sie lädt mon­tags ein neues Ange­bot hoch und bespielt ihren Account im Laufe der Woche mit etwa zehn Pro­duk­ten. „Ein Teas­er, dem weit­ere Ange­bote fol­gen“, erk­lärt der Verkauf­sprofi. Darauf reagieren vor allem User, die ihr fol­gen. Um eine „Dauerbeschal­lung“ zu ver­mei­den, pausiert sie zwei Wochen und begin­nt erneut.

Gute Ebay-Käufer

Auch wenn der Ton rauer gewor­den sei, hat Jes­si­ca nur gute Erfahrun­gen bei Ebay gemacht. Das liegt vielle­icht an ihrem res­oluten Auftreten. Sie rät beispiel­sweise: Antworte nur auf Anfra­gen mit echtem Kaufin­ter­esse! Alles andere sei Zeitver­schwen­dung. „Wenn ich für einen Hock­er 30 Euro ver­an­schlage und man kom­men­tar­los fünf Euro bietet, lasse ich es lieber“, winkt die sym­pa­this­che Verkäuferin ab. 

Jes­si­ca tritt nie mit ihrem tat­säch­lichen Namen auf. „Erst wenn ich das Gefühl habe, der Kon­takt ist sta­bil und mein Gegenüber ver­lässlich, nenne ich Namen und Verkauf­sort“, erk­lärt sie.

Ihr Tipp: Verkaufe lieber vor der Ein­gangstür als in der eige­nen Woh­nung!

Sie rät zur Kon­se­quenz. Platzt der Ter­min, duldet sie das nur ein­mal. Beim zweit­en Mal kom­mu­niziert sie deut­lich, dass sie kein Inter­esse hat. Im Zweifels­fall blockt sie Käufer oder meldet sie bei Ebay. Das Unternehmen fungiert als Schiedsstelle und hil­ft bei der Rück­ab­wick­lung über Pay­pal.

Aber: „Es gab keinen Tag, an dem ich dachte: Nie wieder Ebay!“, lacht die Betrieb­swirtschaft­lerin. „Es ist und bleibt eine mein­er Liebling­shome­pages. Von der Katze bis zum Möbel­stück bekommt man ein­fach alles. Und mein ökol­o­gis­ch­er Fußab­druck bleibt trotz­dem klein.“

*Name geän­dert, ist der Redak­tion aber bekan­nt.

MAMIKREISEL 

Kleiderkreisel/Mamikreisel ( jet­zt: vinted.de) ist mit rund 20 Mil­lio­nen Nutzern weltweit der größte Mark­t­platz für Klei­dung. Beson­ders das Seg­ment für Kinderklei­dung, Spiel­waren und Ausstat­tung erfreut sich wach­sender Beliebtheit, weil Kinder­basare fehlen.

Die Autorin dieses Artikels wagte den Selb­sttest: „Über Face­book kon­nte ich mich zügig anmelden. Der Verkauf ist kosten­frei. Wer sein Ange­bot zusät­zlich „pushen“ will, zahlt extra.“ 

Michas Mamikreisel-Methode

Meine Ware präsen­tiere ich wie im Geschäft – auf einem guten Bügel oder ein­er Klei­der­puppe. Das oblig­a­torische Kör­per­fo­to, das bei Erwach­se­nen­klei­dung üblich ist, würde ich bei Kindern nicht ein­stellen. 

Wie bei Ebay helfen Bilder. Vorder­seite, Rück­seite, hüb­sche Details, das alles inter­essiert den Käufer. Hat Dein Verkauf­sstück eine Macke? Sei ehrlich, fotografiere die Stelle und biete einen Abschlag an. Für die Beschrei­bung hil­ft mir ein Maßband, denn bei Kinder­sachen gibt es oft Abwe­ichun­gen. Länge oder Bundweite ein­er Hose helfen bei der Ein­schätzung und fördern den Verkauf.

Das perfekte Angebot

Im Laden greife ich gerne zur Strumpfhose, die zum Kleid passt. Warum nicht auch bei Sec­ond­hand? Das Inter­esse an meinen Sets ist jeden­falls groß. Von der Mütze bis zu Schuhen gibt es die Tüte Buntes zum unschlag­baren Preis. Als Verkäuferin muss ich mir im Gegen­zug keine Gedanken über Einzel­preise machen. 

Nie­mand kauft Alas­ka-Park­er im Hochsom­mer. Im Früh­jahr gehören Shorts und Shirts in die erste Rei­he, im Herb­st Schals und Mützen. Mein Extratipp: Sprich mit dem Käufer! Wer zwei prak­tis­che Stücke erwor­ben hat, inter­essiert sich auch für die unver­wüstliche Matschhose. 

Schnell abgewickelt

Eines habe ich gel­ernt: Versende gün­stig! Für Käufer zählen Ver­sand­kosten zum Preis. Mit DHL-Online habe ich manchen Euro ges­part. Auch die Büch­er-/Warensendung ist eine gün­stige Alter­na­tive. Aus­nahme: Teure Artikel versende ich ver­sichert. Bei den Bezahlarten war ich anfangs ahnungs­los. Mit­tler­weile zahle ich kleine Beträge mit weni­gen Klicks via Pay­pal. 

FÜR FAULE

Wer möglichst wenig mit dem Verkauf zu tun haben möchte, trotz­dem aber Marie-Kon­do-mäßig seine Schränke räu­men will, für den emp­fiehlt sich Momox. Eine Plat­tform, die die Klei­dungsstücke zum Fest­preis ankauft. Man bekommt nicht viel dafür, veräußert aber mit dem guten Gefühl, dass Klei­dung oder Büch­er wiederver­wen­det wer­den. 

FÜR FASHIONISTAS

Verkauf mit Glam-Fak­tor: Ves­ti­aire Col­lec­tive ist eine Pre­mi­umplat­tform für Design­er­stücke – von der Tods Tasche bis zum Off-White-Sneak­er. Ger­ade, wenn man eine Tasche für mehrere Tausend Euro erwirbt, ist die Authen­tifizierung durch die hau­seige­nen Experten ein Gewinn. Übri­gens, hier spricht man von „Cir­cu­lar Fash­ion“, um den nach­halti­gen Kreis­lauf zu beto­nen.

SECONDHAND-BOUTIQUEN

Wer keine Zeit, Lust oder Verkauf­stal­ent hat, lässt sich helfen. Bou­tiquen nehmen Klei­dung „in Kom­mis­sion“. Das bedeutet, sie küm­mern sich im Auf­trag um die Veräußerung. Die Parteien vere­in­baren einen fes­ten Preis. Verkauft sich die Ware nicht, muss sie am Saiso­nende abge­holt wer­den. 

Mona Lisa

Selb­st in teuren Wohn­la­gen ist Sec­ond­hand hip. Hochw­er­tige Design­er­mode find­et man beispiel­sweise bei Mona Lisa in König­stein. Hier hängt die dop­pelt erwor­bene Mon­cler-Jacke schon mal zum hal­ben Preis auf der Stange. Die Inhab­erin Mar­i­on Pross­er ken­nt Käufer wie Verkäufer so genau, dass etwa ein Cash­mere-Pullover tag­gle­ich verkauft wird. Ihr Vorteil gegenüber den Onlin­ern: Wohlfüh­lat­mo­sphäre, die Hap­tik teur­er Ware und ihre per­sön­liche Betreu­ung. 

Ware von Stammkun­den holt sie schon mal zuhause ab, weil die Kundin beru­flich einges­pan­nt ist oder Ältere die schw­eren Tüten nicht mehr tra­gen kön­nen. „Sec­ond­hand ist keine Frage des Alters. Mein Kun­den­stamm reicht von der 35- bis zur 75-Jähri­gen. Sog­ar Anfra­gen aus der Senioren­res­i­denz erre­ichen mich“, erzählt die Bou­tique-Inhab­erin. 

Für den Verkauf im Laden gibt die Exper­tin fol­gende Tipps: Brin­gen Sie hochw­er­tige Design­er­ware, die nicht älter als zwei Jahre ist, gere­inigt und gebügelt. Erwarten Sie nie, dass alles angenom­men wird. Sprechen Sie mit dem Inhab­er. Mitunter wer­den Einzel­stücke auf Probe genom­men.

Pross­er verkauft oft aus dem Schaufen­ster her­aus. Alle vier Tage wird mit viel Liebe zum Detail deko­ri­ert. Inspiri­erende Far­bkom­bis ver­führen so manche Pas­san­tin zum Kauf. 

Matilda

In ein wei­h­nachtlich­es Schaufen­ster tauchen auch Käufer bei Matil­da, einem schick­en Laden für Kinderklei­dung aus zweit­er Hand, ein. 2004 begann die Deko­ra­teurin Michelle Hol­stein in einem kleinen Läd­chen und ver­größerte sich 2012. Die Coro­na-Pan­demie gab den Anstoß, das Geschäft um einen Onli­neshop zu erweit­ern.

„Eine Hei­denar­beit“, schnauft sie. Durch Zufall kam ein Stu­dent für Nach­haltigkeit mit der Idee auf sie zu, alle Sec­ond­han­dlä­den Frank­furts zu dig­i­tal­isieren und auf eine Plat­tform zu heben. Für ihn eine Herzen­san­gele­gen­heit, für Michelle eine Chance. Drei Monate dauerte es, bis der Web­shop auf meinematilda.de stand. „Lei­der erst nach dem Lock­down, aber ich bin froh, den Shop zu haben“ sagt sie. Denn die Beschränkun­gen set­zen ihrem Laden­lokal auch aktuell noch zu. 

Sie blickt nach vorn: 2000 Marke­nar­tikel hat sie bere­its online gestellt. „Alles ist auf der Web­site wie im Laden zum gle­ichen Preis ver­füg­bar“, erk­lärt sie, „Ich set­ze auf Einzel­stücke, wie etwa einen exk­lu­siv­en Guc­ci-Man­tel. Marken wie Petit Bateau oder Mini Boden verkaufen sich gut, weil die Käufer die Qual­ität ken­nen.“ Ihre Web­site wird zum erweit­erten Schaufen­ster: Stammkun­den kaufen mehr, Neukun­den schnup­pern. 

Lohnt sich Sec­ond­hand für Kinder? „Defin­i­tiv, für Käufer wie Verkäufer. Kaum getra­gen oder lan­glebig, so kann vieles weit­ergegeben wer­den“, sagt Michelle. Die sym­pa­this­che Mut­ter rät Neulin­gen: „Vere­in­baren Sie einen Ter­min und brin­gen Sie gepflegte, saisonale Ware, die Sie selb­st kaufen wür­den. So erzielt man die besten Preise.“

Und jetzt?

Off- und Onlin­ev­erkauf­s­möglichkeit­en gibt es wie Sand am Meer. Let­z­tendlich muss die Plat­tform ein­fach zu einem passen. Aber das überzeu­gend­ste Argu­ment für Sec­ond­hand ist zweifel­sohne der Umweltschutz. Um beim Tex­tilmüll nicht wieder in Europas Spitzen­gruppe mit fast 400.000 Ton­nen wegge­wor­fen­er Klei­dung** zu lan­den, sind die Einkehrtage zum Jahreswech­sel ide­al, um mal richtig auszu­mis­ten.

**Quelle: Labfresh

Noch mehr Infos für dich

Ein Ehrenamt eröffnet neue Perspektiven

Elis­a­beth Fre­un­del (37) arbeit­ete über 20 Jahre lang als Kat­a­log-Fotografin. 2019 zog sie einen Schlussstrich unter ihr altes Leben. Heute ist Elis­a­beth Fre­un­del in einem ganz anderen Bere­ich tätig – und auch pri­vat hat sich viel verän­dert. Eine entschei­dende Rolle spielt dabei ihr ehre­namtlich­es Engage­ment. Sie unter­stützt nicht nur den ADFC bei der Durch­führung von Ver­anstal­tun­gen und küm­mert sich um den Insta­gram-Auftritt, son­dern engagiert sich zusät­zlich auch bei Green City.

Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­tum ist studierte Heilpäd­a­gogin und seit 2017 bei der Deutschen Kinderkreb­ss­tiftung für „Pro­jek­t­man­age­ment und psy­chosoziale The­men“ zuständig. Zuvor engagierte sich die Mut­ter von Zwill­in­gen, die selb­st sehr jung an Krebs erkrank­te, ehre­namtlich für die Stiftung. “Ein Ehre­namt kann dabei helfen, auszu­loten, wo die eigene beru­fliche Reise hinge­hen soll”, ermutigt Rita Kor­tum. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Behar­rlichkeit. 

Rosa lebt!

Die deutsche Hebamme Tan­ja Hock kam vor 15 Jahren als Ehre­namtliche nach Mada­gaskar. Die große Not – vor allem von Frauen und Kindern – erschüt­terte sie tief. Sie blieb, grün­dete die Mobile Hil­fe Mada­gaskar und baute ein drin­gend benötigtes Kranken­haus. Courage-Chefredak­teurin Daniela Mey­er begleit­ete sie per Buschflieger zu ein­er drama­tis­chen Not-OP, die ihr bis heute in Erin­nerung blieb. “OP ist über­all da, wo es einen Not­fall gibt und schnell operiert wer­den muss.”

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben