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Teil 10: Sollte auch in Gold investiert werden?

2020-07-06T15:17:59+02:0024. Juni 2020|

„Am Gol­de hängt, zum Gol­de drängt doch alles!“ lässt schon Goe­the im Faust sein Gret­chen sagen. Dann aber fährt Gret­chen fort: „Ach wir Armen!“ Und genau­so ambi­va­lent ist auch heu­te noch die Ein­schät­zung gegen­über dem schim­mern­den Edel­me­tall als Kapi­tal­an­la­ge. Wie in Gold inves­tiert wer­den kann, erklärt die­ser Bei­trag.

Von Gise­la Habe­rer 

Sind Goldinvestments überhaupt sinnvoll?

Das hängt vom eige­nen Stand­punkt ab. Es gibt Gold-Fans und Gold-Aske­ten. Die Gold-Fans sagen: „Gold war schon immer ein Zah­lungs­mit­tel wie Geld und wird das auch für immer blei­ben.“ Sie sehen Gold ins­be­son­de­re in Zei­ten gro­ßer Kri­sen als das bes­se­re Geld an.

Die Gold-Aske­ten erin­nern dage­gen dar­an, dass seit den 1970er-Jah­ren Wäh­run­gen nicht mehr mit Gold gedeckt sind, es also kei­nen Anspruch mehr gibt, Bank­no­ten bei der Noten­bank in Gold tau­schen zu kön­nen.

Ihr Argu­ment: „Damit ist der inne­re Wert von Gold gleich null.“ Denn Gold habe heu­te kei­ne (Geld-)Funktion mehr und als Roh­stoff sei es – anders als etwa Pal­la­di­um oder Erd­öl – nicht wich­tig.

Zwi­schen die­sen Extrem­po­si­tio­nen muss sich jede Anle­ge­rin ihre Mei­nung zu Gold­in­vest­ments bil­den.

Aller­dings ist oft zu beob­ach­ten, dass der Gold­preis steigt, wenn es an den Akti­en­bör­sen kracht. Vie­le Ver­mö­gens­ver­wal­ter emp­feh­len daher, zur Sta­bi­li­sie­rung des Depots zwi­schen fünf und zehn Pro­zent des Ver­mö­gens in Gold anzu­le­gen.

Wie kann man in Gold investieren?

Zum einen kann man ganz ein­fach Gold­bar­ren oder ‑mün­zen kau­fen. Pri­vat­an­le­ge­rin­nen kön­nen aber auch mit­tels ETCs – „Exchan­ge Tra­ded Com­mo­di­ties“ also „bör­sen­ge­han­del­te Roh­stof­fe“ – in Gold inves­tie­ren.

Auch mit­tels Zer­ti­fi­ka­te und Opti­ons­schei­ne las­sen sich Gold­in­vest­ments täti­gen. Doch kann das durch­aus so kom­pli­ziert und ris­kant sein, dass wir die­se Form der Gold­in­vest­ments hier eben­so wenig vor­stel­len, wie indi­rek­te Gold­in­vest­ments, bei denen die Anle­ge­rin ihr Geld in Akti­en von Gold­mi­nen­be­trei­ber steckt.

Denn auch sol­che Invest­ments sind sehr „tri­cky“ und zudem leh­nen vie­le Inves­to­rin­nen die­se Akti­en aus ethi­schen und/oder öko­lo­gi­schen Grün­den ab. Stich­wor­te: Arbeits­be­din­gun­gen, Umwelt­ver­schmut­zung. Bleibt die Fra­ge, ob man dann guten Gewis­sens in deren Pro­duk­te – etwa Gold­bar­ren und ‑mün­zen – inves­tie­ren kann.

Was ist beim Goldkauf zu beachten?

Für den Gold­kauf bie­ten sich Gold­mün­zen oder Gold­bar­ren an. Hier heißt es jedoch, auf­pas­sen. Je klei­ner der Bar­ren, des­to grö­ßer der Auf­schlag des Händ­lers auf den rei­nen Gold­preis.

So kos­te­te ein Gramm Gold der aus­tra­li­schen Mün­ze in Perth („Perth Mint“) beim Gold­händ­ler Pro Aurum am 5.Februar 2020 exakt 57 Euro. Ergibt einen Kilo­preis von 57.000 Euro. Doch den Ein-Kilo-Gold­bar­ren gab es zur sel­ben Zeit beim sel­ben Händ­ler für „nur“ 46.125 Euro.

Sprich: Im Kilo ein­ge­kauft, las­sen sich 10.875 Euro spa­ren. Blöd nur, dass kaum jemand 46.125 Euro für den Gold­kauf übrig hat.

Übri­gens: Den Ein-Kilo-Gold­bar­ren nimmt zum sel­ben Ter­min Pro Aurum für 45.083 Euro zurück – eine Dif­fe­renz von 2,36 Pro­zent. Für das Gramm Gold gab’s dage­gen nur 46 Euro. Eine Dif­fe­renz von sage und schrei­be 19,3 Pro­zent.

Anders gesagt: Damit das Gramm Gold unterm Strich für Dich einen Gewinn abwirft, muss der Gold­preis um mehr als 19,3 Pro­zent stei­gen, beim Kilo-Bar­ren genügt schon ein Anstieg von mehr als 2,36 Pro­zent.

Warum sollte man zur Geldanlage nicht in Goldschmuck investieren?

Ganz ein­fach: Hier ist der Wert­ver­lust noch deut­lich hef­ti­ger. Denn beim Ankauf vom Schmuck bie­ten Gold­händ­ler nur den rei­nen Mate­ri­al­wert, die Schön­heit der Gold­ket­te, die Kunst­fer­tig­keit des Gold­schmieds blei­ben bei der Preis­er­mitt­lung völ­lig außen vor.

Die fein gear­bei­te­te Gold­ket­te oder die gol­de­nen Ohr­rin­ge brin­gen beim Wie­der­ver­kauf – wenn’s gut geht – viel­leicht die Hälf­te von dem, was sie einst gekos­tet haben. Ein schlech­tes Geschäft.

Wie wird Gold besteuert?

Auch der Fis­kus kann Gold­in­vest­ments zu schlech­ten Deals machen. Doch das lässt sich ver­mei­den. Die Besteue­rung von Gold hängt näm­lich davon ab, in wel­cher Form man es erwirbt und hält.

Wer Gold­bar­ren und ‑mün­zen kauft, soll­te wis­sen, dass dabei sogar Mehr­wert­steu­er anfal­len kann. Die­se wird nicht fäl­lig, wenn bei Gold­bar­ren die Rein­heit min­des­tens 995 Tau­sends­tel beträgt. Dies ist bei Bar­ren aus den gän­gi­gen Schei­de­an­stal­ten eigent­lich immer der Fall.

Für Gold­mün­zen sind die Regeln etwas kom­pli­zier­ter: Sie müs­sen einen Gold­ge­halt von min­des­tens 900 Tau­sends­tel haben, nach dem Jahr 1800 geprägt wor­den sein und in ihrem Her­kunfts­land als gesetz­li­ches Zah­lungs­mit­tel gel­ten oder frü­her ein­mal als sol­ches gegol­ten haben.

Außer­dem darf der Preis, zu dem sie erwor­ben wer­den, den Markt­wert des Gold­ge­halts um nicht mehr als 80 Pro­zent über­stei­gen. Gän­gi­ge Anla­ge­mün­zen wie etwa Krü­ger­rand, Map­le Leaf, Ame­ri­can Eagle oder Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker erfül­len die­se Bedin­gun­gen.

Auch kann beim Ver­kauf von Gold ein even­tu­ell ent­stan­de­ner Ver­kaufs­ge­winn besteu­ert wer­den. Dabei kommt es auf die Hal­te­dau­er und die Höhe des Gewinns an.

Hat­test Du Gold­bar­ren oder ‑mün­zen vor dem Ver­kauf län­ger als ein Jahr in Besitz, ist ein Gewinn steu­er­frei. Das ist gut. Weni­ger gut: Im Gegen­zug lässt sich dann auch ein Ver­lust nicht steu­er­lich abset­zen.

Liegt die Hal­te­dau­er – also die Zeit zwi­schen Kauf und Ver­kauf – unter einem Jahr und beträgt der Gewinn mehr als 600 Euro, dann wird die­ser in vol­ler Höhe Dei­nem Ein­kom­men zuge­rech­net und ent­spre­chend mit Dei­nem per­sön­li­chen Steu­er­satz besteu­ert.

Dafür wirkt bei einer Halt­dau­er von weni­ger als einem Jahr ein Ver­lust steu­er­min­dernd. Ist der Gewinn all Dei­ner „pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te“ in einem Jahr dage­gen nied­ri­ger als 600 Euro, muss er über­haupt nicht ver­steu­ert wer­den.

Bei wem sollte man Gold kaufen?

Bit­te nicht bei dubio­sen Händ­lern am Urlaubs­ort oder im Inter­net. Seriö­se Händ­ler sind etwa Pro Aurum, Herae­us, Ophi­ri­um, Degus­sa Gold­han­del, Anlagegold24 oder Exchan­ge AG. Wei­te­re seriö­se Gold­händ­ler fin­dest Du etwa über das Por­tal gold.de. Dort kannst Du auch nach Gold­händ­lern in Dei­ner Nähe suchen.

Und wie funktionieren Gold-ETCs?

So ein­fach wie ein Akti­en­kauf ist der Gold­kauf mit­tels ETC. Gold-ETCs, oft auch Gold-ETFs genannt, bil­den den aktu­el­len Gold­preis mög­lichst genau nach. Dabei wird als Refe­renz­wert meist der Preis genom­men, den die Lon­don Bul­li­on Mar­ket Asso­cia­ti­on täg­lich um 15 Uhr Orts­zeit für eine Fein­un­ze Gold fest­stellt, das Lon­do­ner Gold­fi­xing.

Vie­le Gold-ETCs erwer­ben mit dem Geld der Anle­ger Gold­bar­ren und lagern die­se in gut gesi­cher­ten Tre­sor­räu­men. Im Fach­jar­gon heißt das: Der ETC ist „phy­sisch hin­ter­legt“.

Bei eini­gen Gold-ETCs haben Anle­ger zudem auch einen Lie­fer­an­spruch. Das heißt: Man kann sich – gegen Gebühr – „sein Gold“ nach Hau­se lie­fern las­sen. Die­se Mög­lich­keit wird nur ganz sel­ten genutzt, sie ist aber aus steu­er­li­chen Grün­den äußerst inter­es­sant. Zudem sind bei Gold-ETCs die Span­nen zwi­schen Kauf- und Ver­kaufs­kurs deut­lich nied­ri­ger als bei phy­si­schem Gold.

Wie werden Gold-ETCs besteuert?

Für phy­sisch hin­ter­leg­te Gold-ETC, bei denen Anle­ge­rin­nen einen Lie­fer­an­spruch gegen­über dem ETC-Emit­ten­ten haben, gel­ten die glei­chen Steu­er­re­geln wie für Gold selbst. Sprich für den Fis­kus sind sie dem Edel­me­tall gleich­ge­stellt.

Heißt: Auch mit die­sen Papie­ren – etwa Xetra Gold (WKN: A0S9GB) oder Euwax Gold II (WKN: EWG2LD) – sind Gewin­ne nach mehr als einem Jahr Hal­te­dau­er steu­er­frei.

Sind die­se Bedin­gun­gen nicht gege­ben – etwa weil es kei­nen Lie­fer­an­spruch gibt –, dann gel­ten die­sel­ben Steu­er­re­geln wie bei ande­ren Bör­sen­ge­schäf­ten.

Unab­hän­gig von der Hal­te­dau­er wer­den in die­sen Fäl­len auf Gewin­ne unab­hän­gig von deren Höhe Abgel­tungs­teu­er plus Soli und even­tu­ell Kir­chen­steu­er fäl­lig. Das min­dert die Gewin­ne um maxi­mal 28,625 Pro­zent. Aller­dings kön­nen Ver­lus­te gegen­ge­rech­net wer­den.

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