Startseite/Rolle rückwärts in die 50er

Rolle rückwärts in die 50er

2020-05-04T09:10:36+02:0030. April 2020|

Sie wurde als Viva-Mod­er­a­torin bekan­nt, jet­zt wid­met sich Col­lien Ulmen-Fer­nan­des Fam­i­lien- und Erziehungs­fra­gen. In ihrer neuesten ZDF-Doku „Fam­i­lien allein zu Haus“ begleit­ete die 38-Jährige drei Fam­i­lien in der Coro­na-Krise. Wie sie selb­st den Lock­down mit Ehe­mann Chris­t­ian Ulmen und ihrer Tochter erlebt, warum die Achtjährige jet­zt öfter „Jungs-Spielzeug“ geschenkt bekommt und die Fam­i­lie Stam­m­gast in der Notauf­nahme ist, ver­ri­et Col­lien Ulmen-Fer­nan­des im Inter­view mit Courage.

Von San­dra Berthaler

Collien Ulmen-Fernandes

Mod­er­a­torin, Sän­gerin, Tänz­erin, Schaus­pielerin – und jet­zt auch Gesellschaft­skri­tik­erin. Col­lien Ulmen-Fer­nan­des ist eine Frau mit vie­len Tal­en­ten. Als Teenag­er dank ihrer Mod­eljobs finanziell unab­hängig, zog Col­lien bere­its mit 15 Jahren in eine eigene Woh­nung nach Ham­burg. Seit 2012 ist sie selb­st Mut­ter ein­er Tochter und erfährt die Sor­gen und Kon­flik­te viel­er Eltern aus erster Hand.

In ihren ZDF-Dokus „No More Boys and Girls“ und „Gen­er­a­tion Helikopter-Eltern?“ set­zt sie sich kri­tisch mit Erziehungs­fra­gen auseinan­der – und lässt Kinder und Experten zu Wort kom­men. In ihrer neuesten Sendung „Fam­i­lien allein zu Haus“  begleit­et sie drei Fam­i­lien während des Coro­na-Lock­downs. (alle Dokus in der ZDF-Mediathek)

„Eines ist klar, die Coro­na-Pan­demie hat uns keinen bezahlten Urlaub geschenkt. Sie ist keine wohlige, entschle­u­nigte Nestzeit“, sagt Col­lien. „Diese Zeit hält eine Lupe über unser pri­vates Miteinan­der und unsere Gesellschaft. Sie zeigt die Prob­leme und Schwach­stellen deut­lich­er denn je.“ Welche das sind und wie man ihnen ent­ge­gen­wirkt, ver­ri­et Ulmen-Fer­nan­des im Inter­view.

Was sind die größten Herausforderungen für Familien in Zeiten von Corona?

Col­lies Ulmen-Fer­nan­des: Genau der Frage gehe ich in mein­er neuen Sendung auf den Grund. Wir wollen wis­sen, wie sich der Lock­down auf das Miteinan­der in den eige­nen vier Wän­den auswirkt. Wo entste­hen Krisen, und welche Lösun­gen gibt es? Dazu spreche ich mit Päd­a­gogen, Hirn­forsch­ern und Psy­cholo­gen.

Col­lien Ulmen-Fer­nan­des beim Dreh zur neuen ZDF-Sendung „Fam­i­lien Allein Zu Haus” Foto: Oliv­er Fuchs/ZDF

Außer­dem spreche ich mit einem Zukun­fts­forsch­er darüber, welche Erken­nt­nisse wir aus dieser Zeit mit­nehmen kön­nen. Drei Fam­i­lien reflek­tieren für uns ihren All­t­ag und hal­ten ihn via Video­tage­buch fest, darunter eine deutsche Fam­i­lie, die in Rom mit noch stärk­eren Aus­gang­sein­schränkun­gen zu leben hat, und das mit sehr kleinen Kindern.

Wie erleben Sie und Ihre Familie die Corona-Krise zu Hause?

Natür­lich mache ich mir Sor­gen um meine Eltern und die Schwiegerel­tern. Ich hoffe, dass sie gesund bleiben. Aber ich habe keinen Grund zum Meck­ern, denn ich bin in der glück­lichen Lage, mir finanziell gese­hen keine Sor­gen machen zu müssen. Ich habe die ZDF-Sendung „Fam­i­lien allein zu Haus“ gedreht, schreibe an Teil zwei meines Kinder­buch­es „Lot­ti & Otto“ und arbeite als Kolum­nistin für die Süd­deutsche Zeitung. Dazwis­chen ver­suche ich, meine Tochter zum Bruchrech­nen und Gemüse essen zu motivieren. Dabei bekomme ich öfter zu hören: „Mama, du erk­lärst das aber nicht so gut wie meine Lehrerin!“ Aber im Ver­gle­ich zu den exis­ten­ziellen Nöten viel­er ander­er Men­schen in dieser Krise kann ich mich wirk­lich nicht beschw­eren. Dafür bin ich sehr dankbar.

Sie sagen, dass die Corona-Krise unser privates Miteinander und unsere Gesellschaft unter die Lupe nimmt. Dabei treten auch Schwachstellen zutage. Welche waren am auffälligsten?

Am auf­fäl­lig­sten war, dass die Pan­demie vor allem Frauen in eini­gen Bere­ichen sehr hart trifft. Ein Großteil der als sys­tem­rel­e­vant beze­ich­neten Berufe wer­den von Frauen aus­geübt: 80 Prozent der Pflegekräfte sind weib­lich, 70 Prozent der Beschäftigten im Einzel­han­del, 85 Prozent in der Altenpflege.

Ten­den­ziell wird auch die Dop­pel­be­las­tung durch Home­school­ing und Home­of­fice vor allem von Frauen gestemmt. Wir the­ma­tisieren in dem Film in einem eige­nen The­men­block, wie es in Deutsch­land derzeit um die Auf­gaben­verteilung und die Geschlechter­rollen bestellt ist.

Dieser Problematik gehen Sie auch in Ihrer Doku „No more Boys and Girls“ auf den Grund. Wachsen unsere Kinder denn wirklich noch mit typischen geschlechtsspezifischen Rollenbildern auf?

Lei­der ja. In der Doku haben wir Kindern einen Frage­bo­gen hin­gelegt und 100 Prozent haben angekreuzt, dass die Kinder­erziehung Frauen­sache ist und Geld­ver­di­enen Män­ner­sache. Auch ich selb­st werde immer wieder mit Rol­len­klis­chees kon­fron­tiert, aber eben auch meine Tochter, die mit extremen Geschlechter­stereo­typen aus dem Kinder­garten kam.

In den ver­gan­genen 15 Jahren hat das Gen­der-Mar­ket­ing sehr stark zugenom­men, die Geschäfte sind dazu überge­gan­gen, die Spiel­waren in Jun­gen- und Mäd­chen­abteilun­gen aufzuteilen. Das macht etwas mit den Kindern.

In den Kat­a­lo­gen ste­hen auss­chließlich Mäd­chen in der Spielküche, während Jungs in einem beru­flichen Kon­text gezeigt wer­den, als Polizist oder Feuer­wehrmann. Dadurch erleben wir ger­ade eine Rolle rück­wärts in die 50er. Dem The­ma woll­ten wir in „No more Boys and Girls“ auf den Grund gehen. 

Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Tochter nicht mit diesen Rollenbildern aufwächst?

Es geht vor allem darum, dass man nicht definiert, wie Jungs und Mäd­chen zu sein haben. Das passiert oft unbe­wusst, ohne dass wir das über­haupt wollen. Deshalb acht­en mein Mann und ich beispiel­sweise jet­zt sehr bewusst darauf, was wir unser­er Tochter schenken. Als wir ihr zum Geburt­stag einen Robot­er geschenkt haben, beka­men wir von vie­len Leuten zu hören: „Gefällt ihr so was über­haupt? Das ist doch Jungs-Spielzeug.“

Und genau das ist das Prob­lem: Frauen sind nicht ungeschick­ter, was Tech­nik ange­ht. Aber sie bekom­men schon als Mäd­chen weniger tech­nis­che Spiel­sachen geschenkt. Woher soll also das Ver­ständ­nis dafür kom­men?

Leben Sie Ihrer Tochter Gleichberechtigung auch im Haushalt vor?

Wir hat­ten, was den Haushalt ange­ht, eher eine klas­sis­che Aufteilung. Aber sie hat schon ein paar Mal gesagt: „Papa, ich ver­lange von dir, dass du auch mal die Wäsche aufhängst!“ Ich finde es großar­tig, dass sie dafür ein Bewusst­sein entwick­elt. 

Wie hat Sie das Muttersein verändert?

Das verän­dert natür­lich alles. Man macht sich Sor­gen, die man vorher nicht hat­te. Als meine Tochter ein Baby war, mit diesem winzi­gen, dün­nen Baby-Skelett, hat­te ich ständig Angst, dass irgend­was durch­bricht. Ich trug sie zum Wiegen, wie angere­ichertes Uran. Ich hat­te total Angst, dass dieses kleine, zarte Wesen bricht oder knickt, dieses kleine Skelett einen Knacks bekommt.

Insofern kann ich das Ver­hal­ten der Helikopter-Eltern total gut nachvol­lziehen. Mein Mann hat damals unser gesamtes Haus mit Schaum­stoff aus­ge­pol­stert. Inzwis­chen weiß ich aber durch unsere Doku­men­ta­tion, dass es für die motorische Entwick­lung des Kindes eigentlich sog­ar ganz gut ist, sich ab und zu auch mal zu stoßen.

Diesen elterlichen Ängsten gehen Sie in Ihrer ZDF-Doku „Helikopter-Eltern“ auf den Grund. Aber ist es nicht auch normal, seine Kinder beschützen zu wollen?

Abso­lut. Daher ist diese Doku ja so wichtig. Die Eltern meinen es nur gut und übertreiben es damit völ­lig. Sie sor­gen mit ihrer Über­be­hü­tung dafür, dass die Kinder eher zur Unselb­st­ständigkeit erzo­gen wer­den und das aus einem eigentlich gut gemein­ten Beweg­grund, näm­lich die Kinder vor allen Unwäg­barkeit­en des Lebens bewahren zu wollen. Wir woll­ten genau dafür ein Bewusst­sein bei den Eltern schaf­fen, ihnen mit der Doku den Spiegel vorhal­ten.

Haben Sie oder Ihr Mann auch Helikopter-Eltern-Züge?

Col­lien Ulmen-Fer­nan­des mit Ehe­mann Chris­t­ian Ulmen Foto: Gartner/imago

Mein Mann ist defin­i­tiv ein Helikopter-Vater. Wenn ich ehrlich bin, habe ich die Doku in erster Lin­ie gedreht, um ihm das bewusst zu machen (lacht). Er hat sich auch tat­säch­lich bei 99 Prozent aller The­men ange­sprochen gefühlt. Insofern hat mir die Doku auch pri­vat etwas gebracht. 

Was macht Ihren Mann zum typischen Helikopter-Vater?

Er überträgt seine Hypochon­drie auf unsere Tochter. Sie muss nur mal ein biss­chen Tem­per­atur haben, dann rast er sofort mit ihr in die Notauf­nahme. Wir sind schon Stam­mgäste im Kranken­haus. Aber ich lasse ihn ein­fach machen.

Ich habe keine andere Wahl. Angst ken­nt keine Ratio. Wenn sie da ist, ist sie da. So ein starkes Gefühl kann man nicht wegdisku­tieren.

Sie waren schon mit 15 Jahren quasi erwachsen und dank Ihrer Modeljobs finanziell unabhängig. Warum wollten Sie schon so früh auf eigenen Beinen stehen?

Mir war es schon immer wichtig, selb­st­ständig zu sein und von meinem eige­nen Geld leben zu kön­nen. Ich wollte nie von einem Mann abhängig sein. Ich möchte für mich selb­st sor­gen kön­nen – das ist ganz tief in mir ver­ankert.

Ich habe schwäbis­che und indis­che Wurzeln, hab also von bei­den Seit­en die Sparsamkeit in die Wiege gelegt bekom­men. Ich habe meine Einkün­fte nie für Mode oder andere Luxus-Sachen ver­ballert. Wenn größere Sum­men aus Wer­bev­erträ­gen reingekom­men sind, habe ich sie eins zu eins in Immo­bilien gesteckt. So muss ich mir später zum Glück keine Gedanken um meine Rente machen. 

„Familien allein zu Haus“ im TV am Samstag 02.05.2020 um 11:40 Uhr

Mehr dazu hier

Noch mehr Infos für dich

„Fehler bei der Geldanlage haben mir geholfen“

Viele tun sich beim ersten Schritt an der Börse sehr schw­er – oft aus Angst, Fehler zu machen. Dass Fehler beim Investieren dazu gehören, weiß Anke Pauli aus eigen­er Erfahrung. Nach­dem sie aus Invest­ment­fehlern im Bere­ich ETFs viel gel­ernt hat, wagte sie sich mit dem Kauf von Einze­lak­tien erneut auf unbekan­ntes Ter­rain – und war wieder nicht gefeit vor Fehlern.

Vom verpatzten Trading-Start zur Leitwölfin

Trad­ing – für viele ist das ein Buch mit sieben Siegeln. Den­noch übt der schnelle Han­del mit Wert­pa­pieren eine große Fasz­i­na­tion auf viele aus – auch auf Frauen. Für Simona Stoytchko­va ist das Trad­ing-Geschäft All­t­ag: Sie ist Geschäft­slei­t­erin von IG Europe, ein­er Online-Trad­ing-Plat­tform. Und das obwohl ihr Start ins Trad­ing-Geschäft gründlich daneben ging.

Buch des Monats

Hinterlassen Sie einen Kommentar

This Is A Custom Widget

This Sliding Bar can be switched on or off in theme options, and can take any widget you throw at it or even fill it with your custom HTML Code. Its perfect for grabbing the attention of your viewers. Choose between 1, 2, 3 or 4 columns, set the background color, widget divider color, activate transparency, a top border or fully disable it on desktop and mobile.

This Is A Custom Widget

This Sliding Bar can be switched on or off in theme options, and can take any widget you throw at it or even fill it with your custom HTML Code. Its perfect for grabbing the attention of your viewers. Choose between 1, 2, 3 or 4 columns, set the background color, widget divider color, activate transparency, a top border or fully disable it on desktop and mobile.