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Sparen lernen ist nicht schwer

2019-11-13T16:05:02+02:008. Oktober 2019|

Börse ist nichts für Kinder? Denkste! Mein erstes Depot hat­te ich mit zwölf. Es fühlte sich an wie ein Stall voller klein­er Gold­e­sel, die regelmäßig Taschen­geld ausspuck­ten. Sparen ler­nen war auf diesem Weg ganz ein­fach.

Von Astrid Zehbe

Meine erste Erfahrung mit dem Kap­i­tal­markt begann mit einem riesi­gen Missver­ständ­nis: Ich war etwa acht Jahre alt, als ich die für ein Kind dieses Alters stolze Summe von rund 100 D‑Mark auf der hohen Kante hat­te. Woher das Geld kam, weiß ich nicht mehr. Hart ver­di­ent hat­te ich es jeden­falls nicht. Und so war ich wild entschlossen, es zu ver­prassen – und zwar für irgend­was, das meine Eltern als päd­a­gogisch wenig wertvoll erachteten. Statt mir meinen Kon­sum­rausch jedoch ein­fach zu ver­bi­eten, set­zten sie auf die Überzeu­gungskraft ökonomis­ch­er Ver­lock­un­gen: Zin­sen! Und dafür hieß es sparen ler­nen. Meine Mut­ter erk­lärte mir mit aller­hand Hin- und Her-Rech­nerei, was es bedeutet, acht Prozent Zin­sen zu kassieren, wenn ich meine 100 Mark nur auf ein Kon­to ein­zahlen würde. Ich war sofort überzeugt.

Allerd­ings war dieses Zin­skonzept in meinem Kopf etwas ver­dreht angekom­men: Ich erwartete nicht acht Mark für mein Erspartes, son­dern ander­srum: Für acht eingezahlte Mark rech­nete ich mit 100 Mark Zin­sen. Das entspricht – ich hab das mal nachgerech­net – einem Zinssatz von 1250 Prozent pro Jahr. Hätte es den tat­säch­lich in den ver­gan­genen 30 Jahren gegeben, wäre mein Ver­mö­gen heute so hoch, dass ich es nicht mal benen­nen kön­nte. Nur so viel: 36 Stellen wären vor dem Kom­ma! Die Real­ität holte mich rasch ein. Und der Traum vom schnellen Reich­tum noch vor Ende der Grund­schulzeit platzte. Aber das Ver­ständ­nis dafür, dass es sich lohnt zu sparen und Geld gewinnbrin­gend anzule­gen, blieb bis heute.

Sparen lernen und Kinder an die Börse heranführen

Ich hätte es heute schw­er­er, meinen Kindern diese ganze Zins-Sache zu erk­lären. Ich müsste ihnen sagen, dass sie, wenn sie das Geld aufs Kon­to ein­zahlen, mit etwas Glück ein paar Cent Zin­sen bekom­men. Am Ende des Jahres wür­den sie aber den­noch weniger für ihre 100 Euro kaufen kön­nen als heute. Sparen ler­nen ist da schwierig.

Tat­säch­lich würde ich angesichts des aktuellen Zin­sniveaus kaum jeman­dem rat­en, Geld ein­fach nur aufs Kon­to zu pack­en. Schon gar nicht, wenn es das Ziel ist, damit langfristig Ver­mö­gen aufzubauen. Wer das möchte, sollte sich mit der Börse auseinan­der­set­zen und sich über die ver­schiede­nen Pro­duk­te – allen voran Aktien – informieren. Mit einem ETF- oder Fondss­par­plan lässt sich pri­ma der Ver­mö­gen­sauf­bau starten.

Ich hat­te das Glück, dass meine Eltern mir nicht nur früh das Sparen beige­bracht haben, son­dern mich auch sehr früh an die Börse herange­führt haben. Mit etwa zwölf Jahren eröffneten sie mir und meinem Brud­er eigene Depots. Bestückt wur­den sie immer zu Wei­h­nacht­en und zum Geburt­stag mit Aktien von Unternehmen, die wir in der Lage waren zu ver­ste­hen: McDonald′s, Walt Dis­ney oder Coca-Cola. Vorteil dieser US-Werte war, dass sie mehrmals im Jahr Div­i­den­den auss­chüt­teten. Für uns war es Taschen­geld und unsere Begeis­terung für die Börse wuchs. Das Auf und Ab am Kap­i­tal­markt tang­ierte uns recht wenig. Die ökonomis­che Großwet­ter­lage hat­te mein Vater im Blick. Er verkaufte und kaufte nach uns unbekan­nten Regeln, aber mit Erfolg. Zu Beginn meines Studi­ums hat­te ich genü­gend Geld, um Aus­landsse­mes­ter zu absolvieren und (damals noch meist unbezahlte) Prak­ti­ka zu machen.

Sparpläne als Teil der Altersvorsorge

Als ich das erste Mal selb­st Aktien für mein Depot aus­suchte und den Kauf allein abwick­elte, war ich bere­its mit­ten im Beruf­sleben und als Finanzredak­teurin nah am The­ma. Ich habe es nicht nur als eine Notwendigkeit gese­hen, finanziell vorzu­sor­gen, nein, es hat mir über­raschen­der­weise auch viel Spaß gemacht, mich mit Unternehmen und Kennz­if­fern auseinan­derzuset­zen und zu beobacht­en, wie die Aktie sich entwick­elt. Mit­tler­weile bin ich in die Spar­plan-Frak­tion gewech­selt. Ich bespare einige Aktien, Fonds und ETFs und nehme alle Jubel­jahre Anpas­sun­gen vor. Beque­mer geht es nicht, und schon mit kleinen Beträ­gen lässt sich ein diver­si­fiziertes Port­fo­lio auf­bauen, das mir hof­fentlich im Alter hil­ft, die Renten­lücke zu schließen.

Astrid Zehbe
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